Spacebase Startopia Review: ein steiniger Weg ins Licht

von Mathias Rainer 26.03.2021

Heute am 26.3.2021 erscheint Spacebase Startopia – das neue Spiel der Dungeons-Entwickler Realmforge. Wir haben den Mix aus Wirtschaftssimulation und Echtzeit-Aufbaustrategiespiel für euch bereits vorab auf Herz und Nieren getestet. Im folgenden Review verraten wir euch, was wir von der Playstation 4-Version des Games halten, für wen der Titel der Himmel auf Erden darstellen wird und wer davon besser die Finger lässt.

Infos zum Game und Test

Bevor wir nun aber in die Tiefen der Galaxis eintauchen hier noch ein paar grundlegende Informationen zum Spiel und zum Review:

Spacebase Startopia wurde von den Realmforge Studios entwickelt. Einem Team, das bisher vor allem durch das beliebte Dungeons-Franchise bekannt geworden ist. Dem Strategie-Genre treu geblieben, wechselte man für den neuesten Titel aus dem Hause nun das Setting. Statt mittelalterlicher Fantasy begeben wir uns im Jahre 2021 nun aber in die Weiten der Galaxis. Als Publisher für das Spiel fungiert einmal mehr Kalypso Media. Diese veröffentlichten in der Vergangenheit bereits so namhafte Titel wie Tropico 6 – Caribbean Skies (hier geht es zu unserem Test).

Bereits vor ein paar Monaten durfte ich die Beta-Ausgabe des heute erscheinenden Strategiespiels auf dem PC anzocken. Meine Ersteindrücke daraus könnt ihr in den beiden Review-Beiträgen Part I und Part II nachlesen. Schon im Sommer 2020 war abzusehen, dass Realmforge hier ein ambitioniertes Projekt realisiert hat, welches viel Liebe zum Detail aufweist. Aber auch ein paar Schwächen waren damals auszumachen.

Die beiden oben verlinkten Beiträge sind an dieser Stelle insbesonder für Leser relevant, die vom Game bis hierhin noch nie etwas gehört haben. Ich werde im Test die Kernelemente des Spiels nicht mehr im Detail vorstellen, sondern primär kritisch auf diese eingehen.

Vorab war ich vor allem gespannt, ob die Entwickler es geschafft haben, zahlreiches Feedback von der Vorabversion noch in das fertige Spiel einzubauen. Auch war ich interessiert darauf zu sehen, wie sich das eher sperrige Strategie-Genre auf der Konsole präsentieren wird. Das war im Vorfeld mit ein Grund dafür, dass ich mich dazu entschieden haben eben die Playstation 4-Version zu testen und nicht erneut die PC-Variante.

Abseits von den beiden genannten Plattformen könnt ihr Spacebase Startopia aber auch ab sofort auf den folgenden erwerben: Nintendo Switch, Playstation 5, Xbox One sowie Series X. Für den PC ist das Spiel sowohl für Linux und MacOS, als auch natürlich für Microsoft-Betriebssysteme erhältlich. Bei Steam kostet die Standard-Version des Spiels zum Release 44,99 Euro. Die Extended Edition ist um 49,99 Euro zu haben. Für beide Varianten erhaltet ihr aktuell einen 10 prozentigen Rabatt. Insofern euch das nun folgende eigentliche Review zusagt und ihr Lust auf das Game bekommt, solltet ihr euch diesen auf alle Fälle nicht entgehen lassen.

Spacebase Startopia Review

Erinnerungen aus der Beta

Wie schon bereits erwähnt habe ich mir Spacebase Startopia schon vor ein paar Monaten im Detail auf dem PC angeschaut. In Erinnerung sind mir dabei vor allem die folgenden Dinge geblieben:

die unheimlich nervtötende, aber zugleich auch ungemein lustige und auch irgendwie liebenswürdige Persönlichkeit der künstlichen Intelligenz VAL. Diese begleitet einen durch das gesamte Game und erheitert einen die teilweise stressigen Situationen durch zynische Kommentare und Bemerkungen zur eigenen Beschränktheit und dem “primitiven” Verhalten unserer Alien-Bewohner. Wenn Sie uns auffordert, unsere Weltraumstation durch das Bauen von Fun-Parks zu zu verschönern um die unbedeutenden Bedürfnisse der verschiedenen Rassen zu befriedigen, dann hat das so etwas herrlich erfrischendes. Die Stimme von VAL kann man übrigens wahlweise in den Optionen auch anpassen. Aber wer will das schon.

Herrlich anzusehen ist auch, wenn man sich die Zeit nimmt und abseits des eigentlichen Geschehens einmal die unterschiedlichen Alien-Spezien unter der Lupe betrachtet. Realmforge hat hier für jedes Charaktermodell viel Liebe ins Detail gesteckt. Das war schon in der Beta ein klarer Pluspunkt. Ich muss allerdings dazu anmerken, dass mir auch schon damals diese Akribie an anderen – eventuell viel wichtigeren Stellen – gefehlt hat. Das Tutorial war nicht optimal gestaltet und es dauerte gefühlt eine Ewigkeit bis ich mich im Spiel wirklich zurecht fand. Für die nun fertige Release-Version des Spiels kann ich diese Punkte allesamt erneut bestätigen.

Die Einführung: das “Tutorial”

Für meinen Test habe ich alle verfügbaren Modi – die das Spiel aktuell zu bieten hat – unter die Lupe genommen. Naturgemäß machen wir mit dem einführenden Tutorial den Anfang. Oder eben auch nicht, denn was uns Realmforge hier als “Einführung” verkauft, ist für mein Empfinden nur bedingt eine.

Tatsächlich bin ich von Sekunde 1 an überfordert. Im Sekundentakt werde ich mit Informationen bombardiert – vieles davon auch nur in Textform mit gefühlter Schriftgröße 6. Dieser Umstand allein schon im ersten Level der Einführung wirkte für mich sehr befremdlich. Und ich bin jetzt weiß Gott kein unerfahrener Strategiespiel-Noob. Seit meiner Kindheit gehören Echtzeit-Strategie-Kolosse wie Stronghold, welche auch den wirtschaftlichen Aspekt des Genres in den Fokus rücken, zu meinen liebsten Titeln.

Diese schaffen aber unter der Hand etwas, das dem Tutorial-Modus hier total abgeht. Nämlich, einem organisch aus dem Spiel heraus Kernmechaniken beizubringen. Dabei lassen sie dem Spieler auch immer genug Zeit zum Atmen. Bei VAL habe ich aber eher das Gefühl einen peniblen, ungeduldigen Lehrer hinter mir zu haben, der mir in einer Prüfungsituation über die Schulter blickt und bereit ist einen schnippischen Kommentar abzugeben, weil ich die Rechenaufgabe nicht in einem Ruck lösen kann.

Das Spiel sagt mir durch VAL die ganze Zeit was ich machen soll, aber fast ausnahmslos nie, wie ich es machen soll. Wären wir hier in der Schule, wäre die Note hierfür “5 – Themen-Verfehlung”. Ein Tutorial, welches einem nicht in wenigen einfachen Worten und vor allem Schritten beibringt, wie man eine Aufgabe lösen kann, ist in meinen Augen überhaupt kein Tutorial. Außerdem wird einem bis auf die aller grundlegendesten Mechaniken nicht erklärt, wofür einzelne Gameplay-Mechaniken eigentlich gut sind.

Am Ende der insgesamt 5 Tutorial-Level habe ich keinesfalls das Gefühl, auf die Kampagne des Spiels vorbereitet zu sein. Das sind alles Kritikpunkte, die ich schon im Zuge des Beta-Tests vorgebracht habe. Umso bemerkenswerter finde ich die Tatsache, dass man es daraufhin auch in der Folge nicht geschafft hat, eine gute Einführung auf die Beine zu stellen.

Freies Spiel & weitere Erkenntnisse

Meine fehlenden Erkenntnisse hole ich mir anschließend aber doch noch aus einem anderen Modus. Das freie Spiel bietet mir hier einen Vorteil, den das Tutorial aufgrund seiner starken Kompression nicht schaffen kann. Frei von permanenten Befehlen und strikt vorgegebenen Handlungsmustern kann ich mich hier in meinem eigenen Tempo mit jeder Komponente und jedem Menü vertraut machen.

Wozu dienen die einzelnen Gebäudetypen? Ok, VAL erkärt mir ich soll einen Fun-Park bauen um die Bedürfnisse der Aliens zu befriedigen. Dass dieser Park aber eine gewisse Mindestgröße haben muss, die dann aber bei weitem nicht ausreicht um alle verfügbaren darin platzierenden Gerätschaften unterzubringen, muss ich mir dann erst wieder selbst erschließen. Gerade das wäre eine interessante Information gewesen.

Nun gut, der Park ist (besser größer als kleiner) platziert – was nun? Welchen Zweck erfüllt hier konkret der Getränkeautomat, den ich mir gerade mitten in mein Fun-Deck gesetzt habe? Welche Alien-Rassen sind für diese Aktivitäten denn nun besonders anfällig? Und wie kann ich deren Vorlieben schnell aus dem Spiel heraus abfragen? Das sind alles Punkte, die man sich als noch unerfahrenener Spacebase-Zocker erst (wieder) selbst herausfinden muss.

Nimmt man sich die Zeit, jeden Aspekt für sich zu betrachten, bietet Startopia eine Fülle an unterschiedlichsten Gesichtspunkten. Es gibt so viele verschiedene Auserirdische, und jeder von ihnen hat nahezu einzigartige Charakteristiken. Der freie Spiemodus bietet mir die Gelegenheit, diese Feinheiten auszuloten und kennenzulernen. Das weiß ich an dieser Stelle zu schätzen – auch wenn ich sie gerne an etwas anderer Stelle vielleicht lieber gehabt hätte.

Während ich mich von Deck zu Deck hocharbeite mache ich mich auch immer mehr mit dem eigenwilligen Steuerung auf der PS4 vertraut. Man merkt Spacebase Startopia an jeder Ecke und an jedem Ende an, dass es primär für den PC entwickelt wurde. Das ist auch vollkommen ok und die Navigation ist auch nicht wirklich schlecht. Sie ist schlicht und ergreifend nicht optimal und erst einmal gewöhnungsbedürftig. Hat man den Dreh aber erst einmal raus, “flutschen” die Button-Eingaben genauso wie die Tastenkombinationen auf einer Tastatur.

Der freie Spielmodus zeichnet sich auch dadurch aus, dass es diverse Möglichkeiten gibt, die Gestaltung meiner Partie auch frei anzupassen. Neben dem Schwierigkeitsgrad sind auch zahlreiche Siegbedingungen konfigurierbar. Man kann diese zum Bespiel auch komplett ausstellen. Hier hat man als Zocker nicht nur dann eine gute Zeit, wenn man ein totaler Neueinsteiger ist. Auch als absoluter Strategie-Profi kann man sich seine Spielerfahrung entsprechend herausfordernd selbst zusammenbasteln. Man muss sich einfach die Zeit nehmen, und ein bisschen an den Möglichkeiten herumbasteln.

Ein Beispiel: das Sammeln von Rohstoffen in Form von Luft, Pflanzen oder Nahrung gehört in Spacebase Startopia zum Standard-Repertoire. Herumwuselnd schnappen sich unsere Aliens diese farblich markierten Boxen mit Ressourcen auch. Die Farbe der Box beschreibt auch gleichzeitig den Inhalt, wobei einige Rohstoffe als wahre Delikatessen unter den Außerirdischen gelten. Auf den ersten Blick hat das Sammeln von alldem was so am Boden herumliegt nur Vorteile – schließlich braucht man all die Ressourcen ja für seine Planungen.

Im Laufe der Zeit wird allerdings auch erst klar, dass gewisse Nahrungsmittel – die von den Aliens konsumiert werden – auch Krankheitserreger in sich tragen. Das kann dazu führen, dass am Fun-Deck auch schnell mal eine Seuche ausbricht, der man sich dann stellen muss. Ein gelungener Kniff der Entwickler, der dazu führt, dass man seine Entscheidungen in jeder Sekunde des Spiels abwägen muss. Man könnte die Krankheit als Command-R in der Station ja auch nutzen, um einen gewissen Effekt hervorzurufen. Solche Mechaniken sind im Game zahlreich verbaut.

Den Mehrspieler-Modus hätte ich für euch ebenfalls gerne unter die Lupe genommen. Allerdings war es mir trotz zahlreicher Versuche nicht möglich per Spielersuche einen Partner zu finden. Hier will ich dem Spiel aber keine Schuld in die Schuhe schieben. Schließlich befand sich das Game noch in der Pre-Release-Phase und ich habe mir dabei sicherlich auch nicht die am meisten frequentierte Plattform ausgesucht. Eventuell ändert sich diese Komponente ja noch – aber prinzipiell würde ich sagen, ist man gerade im Mehrspieler-Bereich mit der PC-Version in allen Belangen besser dran.

Die Kampagne von Spacebase Startopia

Jetzt wo ich mich bereit fühle in die Kampagne zu starten mache ich natürlich genau das. In Spacebase Startopia schlüpft man ja praktisch in die Rolle eines Command-Rs, dessen Aufgabe es ist, den unterschiedlichsten Aliens eine Heimat zu bieten, in der sie sich wohl fühlen. Um das zu erreichen errichten und versorgen wir Gebäude und ganze Decks mit und durch Energie. Durch einen hohen Zufriedenheitsgrad unserer Bewohner bekommen wir wieder mehr oder weniger Energie zurück. Es entsteht sozusagen ein Kreislauf des Lebens. Geben und Nehmen.

Erschwert wird unser Vorhaben durch diverse innere und äußere Einflussfaktoren. Hier kommt die Kampagne ins Spiel. Die Ausgangslage für die einzelnen Missionen ist dabei jedes mal nahezu ident. Wir bekommen jeweils zu Beginn einen übergeordneten Auftrag erteilt, den es zu erfüllen gilt. Einmal geht es darum, das Müllproblem in der Station zu beseitigen, ein anderes Mal gilt es für frische Luft an Deck zu sorgen. In einem anderen Level müssen wir einer sich ausbreitenden Krankheit gegensteuern. Aber immer beginnen die Anweisungen mit “lösen Sie das Problem XY”.

Da wird leider mit Fortdauer der Missionen irgendwann langweilig. Das eigentliche Gameplay macht zwar Spaß, durch den fehlenden Handlungsbogen fehlt mir aber irgendwo der Antrieb, noch eine weitere Mission zu spielen. Es macht sich der Eindruck breit, schon alles gesehen zu haben. Was könnte in Mission 7 noch kommen, was ich nicht schon in ähnlicher Form im vorangegangenen Level gemeistert habe? Sehnen sich meine Alien-Bewohner diesmal nach Liebe als wie bisher nach der Natur?

Es gibt zwar streng genommen eine immer abgeschlossene Handlung, die einem am Beginn jeder Mission nähergebracht wird. Mehr als ein Vehikel um zu rechtfertigen, warum man nun eine Seuche bekämpfen und dafür eine Krankenstation bauen muss, ist das aber nie. Hier habe ich nach einem halben Dutzend an hinter mir gebrachter Level auch nicht die Hoffnung, dass sich diesbezüglich in den weiteren Missionen noch viel tut.

Für mich ist das eine weitere vertane Chance. Es wäre denke ich nicht zu viel verlangt gewesen, dem Spieler auch eine persönliche Motivation an die Hand zu geben, warum man sich von Mission zu Mission schlägt – Bedürfnisse über Bedürfnisse befriedigt. Spacebase Startopia funktioniert zwar auch auf einer reinen Gameplay-technischen Ebene, in die Liga der Top-Echtzeit-Strategie-Games à la Stronghold kommt es dadurch aber sicherlich nicht. Dieses hatte nur zum Vergleich bereits Anfang der 2000er Jahre neben einer fantastischen Wirtschaftssimulation auch eine packende Kampagne.

Der steinige Weg ins Licht

Ich habe es bereits weiter oben im Text erwähnt: unsere stetige Begleiterin VAL legt einen nervtötendes, aber zugleich auch ungemein lustiges und auch liebenswürdiges Verhalten an den Tag. Genau das gleiche kann ich als Fazit über Spacebase Startopia aussagen.

Das Spiel hat definitv seine Macken und gerade auf der Konsole (respektive der Playstation 4) wirkt das Spiel nicht optimal designt. GelegenheitszockerInnen, die schnell mal ein paar Partien anspielen wollen ohne sich vorher wieder zurechtfinden zu wollen/müssen, werden es mit diesem Titel sicherlich schwer haben. Wer allerdings bereit ist, sich auch mal in ein Spiel und tiefer in einzelne Gameplay-Mechaniken und Menüs einzuarbeiten, der findet mit Realmforges neuestem Spiel auf alle Fälle einen tollen Titel, in den man schon eine Vielzahl an Stunden voller Spielspaß stecken kann.

Ich will dem Entwicklerteam definitiv zugestehen, mit ihrem neuesten Projekt eine ambitionierte Wirtschaftssimulation auf die Bildschirme gezaubert zu haben, welches über tiefgreifende Mechaniken und viel Liebe zum Detail verfügt. Nur der Weg zum Erleuchtung ist für uns als  Spielerschaft ein langer, beschwerlicher. An diese Zielgruppe sei aber gesagt: haltet durch! Es lohnt sich am Ende doch!

Wertung: 7 Pixel

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Test

Mann muss dazu sagen das das Original eines der besten Strategiespiele seiner Art war (und auch recht einzigartig). Alleine zum aufleben der alten Erinnerungen ist es also mal einen Blick wert 🙂