Xiaomi Mi Qicycle – Der Elektro Flitzer im Test

von Michael Neidhart 15.03.2022

Wenn morgens der kühle Frühlingswind die Augen leicht tränen lässt und die aufgehende Sonne das Gesicht dennoch wärmt, dann kann es nur ein guter Tag werden. Der Weg in die Arbeit ist dann kein gehetzter Marsch mit Coffee-to-Go-Becher in der Hand, im Slalom an gehetzten Menschen vorbei, von einer U-Bahn zur nächsten laufend. Ein Gefühl von Freiheit stellt sich ein, die Arbeit kann losgehen. Fahrradfahren in der Großstadt haftet seit Jahren etwas Philosphisches an, es ist mehr als schnöde Fortbewegung. „Biker:in“ zu sein ist vielmehr eine Art zu leben geworden.

Man fühlt sich auf der moralisch sicheren Seite, tut man doch aktiv etwas für die Umwelt. Dass das Auto in der, zur schicken Wohnung gehörenden, Tiefgarage steht, muss ja nicht erzählt werden. Das so ein Trend der Industrie nicht verborgen bleibt, ist klar. Die Pandemie hat ihr übriges dazu beigetragen und ein Stadtrad ist inzwischen kein reines Fortbewegungsmittel mehr, sondern Statussymbol. Dank gewachsener Nachfrage und allgemeinem Teilemangel gibt es bei Rädern Wartezeiten, die dem Autokauf mittlerweile um nichts mehr nachstehen. Und damit auch wirklich alle ökologische Verkehrsteilnehmer:innen werden können, setzen bekannte Marken auf Akkus und bauen Elektronikkonzerne auf einmal Fahrräder.

Elektro Flitzer – das Xiaomi Mi Qicycle

Das chinesische Internetunternehmen Xiaomi bringt dazu schon seit längerem faltbare E-Bikes auf den Markt. Zwei Wochen lang durfte ich deshalb mit dem Xiaomi Mi Qicycle durch Wien cruisen und dabei die Vor- und Nachtteile von urbanen E-Bikes kennenlernen. Zunächst galt es die Scham zu überwinden, mich überhaupt auf ein E-Bike zu setzen. Als altgedienter Fahrradkurier und begeisterter Mountain Biker hab ich eine gewisse Abneigung gegenüber den Akkubetriebenen entwickelt. Für mich widerspricht es dem Öko-Gedanken und außerdem stiehlt einem der Akku dieses tolle Gefühl, mit eigener Kraft den Weg von A nach B geschafft zu haben. Aber vielleicht ist mein Blick hier ein wenig zu engstirnig, spricht doch objektiv gesehen auch einiges für diese Bikes.

Das Xiaomi Mi Qicycle verfügt über einen 250W Motor mit dem Geschwindigkeiten von bis zu 25km/h möglich sind. Mit Heimweh, Rückenwind und kräftigem pedalieren sind auch 30km/h möglich, Spaß macht das aber nicht mehr. Der Lithium-Ionen-Akku hat 5800mAh und erlaubt eine Reichweite von bis du 45km. Hilfe gibt es in drei unterschiedlichen Modi: Der Eco-Modus bietet bis zu 50% Tretunterstützung, wobei die maximale Reichweite von 45 km erhalten bleibt. Im Normal-Modus unterstützt das Fahrrad bis zu 100 % der abgegebenen Leistung und im Boost-Modus gibt es maximale Unterstützung. Damit lässt es sich an der Ampel starten wie mit einem F1-Auto. Drei, vier Mal in die Pedale treten und die 25km/h sind erreicht. Zudem verfügt das Mi über eine 3-Gang Shimano-Schaltung. Für den Weg in die Arbeit war die Kombination aus Normal-Modus und zweitem Gang ideal. Ohne sich groß anzustrengen geht es dann mit gemütlichen 20km/h durch die Stadt.

Falten wie ein Anfänger

So ein Faltrad kann ganz schön praktisch sein. In der Wohnung nimmt es wenig Platz in Anspruch, in die U-Bahn und Straßenbahn darf es mitgenommen werden und auch im Büro jammert niemand über das sperrige Ding, das in der Kaffee-Küche steht. Bis ich den Dreh mit dem Falten heraus hatte, war aber auch lautes Fluchen zu hören: Wie geht das jetzt mit dem Sattel? Was muss zuerst raus? Wieso hält der kleine Magnet schon wieder nicht? Ich bin eigentlich ein recht talentierter Handwerker, aber was in der Anleitung und auf Videos so einfach aussieht, entpuppt sich für mich in der ersten Stunde als Qual. Irgendwann geht es aber dann doch und das rund 15kg schwere E-Bike ist auf ein kleineres Maß gefaltet. Dass es dennoch stets zwei Hände zum Tragen braucht, vor allem beim Manövrieren durch enge Altbau-Flügeltüren geht auch in Ordnung.

Als ziemliche Fummelei puppt sich das Befüllen der 16-Zoll-Reifen heraus. Aufgrund des an der Narbe angebrachten Motors ist zwischen Ventil und Motor nur sehr wenig Platz. Mit einer Standard-Fahrradpumpe ist da nicht ran zu kommen. Praktischerweise hat mir Xiaomi schon vor einiger Zeit den hauseigenen elektronischen Kompressor zukommen lassen. Bedeutet: den passenden Druck einstellen, zurücklehnen und pumpen lassen. So einfach kann es manchmal gehen.

Fazit zum Akku-Betrieb

Das Bild auf den Straßen hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Der Trend zu mehr Bewegung und die E-Bikes sorgen dafür, dass immer mehr Menschen auf den guten alten Drahtesel umsteigen und in den größeren Städten damit unterwegs sind. Stadtplaner:innen kämpfen zum Teil noch damit, wie sie mehr Platz dafür schaffen ohne die Autofahrer:innen zu sehr zu verärgern. Speziell jetzt im Frühling ist das gut zu erkennen, erhöht sich die Zahl der Biker:innen doch noch mal enorm.

An diesem Kuchen wollen verständlicherweise viele mitnaschen. Xiaomi gelingt das schon länger mit seinen E-Scootern, das scheint aber nicht genug, auch E-Bikes sollen dabei helfen. Grundsätzlich spricht auch nichts dagegen, sein Knowhow in anderen Gebieten einzusetzen. Gerade der Fahrradmarkt ist aber sehr gesättigt und das Xiaomi Mi Qicycle hebt sich weder durch eine besondere Falttechnik noch sonst wie von der Konkurrenz ab. Das Design ist sehr gelungen und auch der Akku hält gut, beides sind für ein Faltrad aber nicht die wichtigsten Qualitäten

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