World of WarCraft: Legion (PC) im Test

von postbrawler 12.09.2016
  • Genre: MMORPG
  • HerstellerIn: Blizzard Entertainment
  • Typ: Add-on
  • Hauptspiel: World of WarCraft

Einleitung

Rotkäppchen ging durch den Wald. Ihre Quest lautete „Bring deiner Oma 2 Weinflaschen, und 1 Stück Kuchen“. Aber was war das? Da blitzte doch ein Rare-Mob am Wegesrand auf! Den wollte das Rotkäppchen nur noch schnell umhacken, und dann geht’s weiter auf der Quest zur Oma. Wie ich auf das Grimm-Märchen komme? Ich habe World of WarCraft: Legion getestet, und fühle mich wie Rotkäppchen. An jeder Ecke des Wegesrandes warten Überraschungen und Abenteuer auf mich. Schatzkisten, rare GegnerInnen oder Welt-Quests. Die besten Elemente aus bisherigen Erweiterungen finden auch ihren Weg in Legion. Nach meinem überschwänglichen Test zu Warlords of Draenor möchte ich nicht den Fehler begehen Legion vorschnell zu beurteilen, und muss es trotzdem tun. Denn nach 7 Tagen in Legion und Erreichen des Maximallevels 110 habe ich das Gefühl, gerade mal den Zuckerguss von Legion abgelutscht zu haben.

World of WarCraft: Legion

Are you prepared?

Handlung

Die Oberbefehlshaber von Allianz und Horde müssen im Krieg ihr Leben lassen

World of WarCraft: Legion beginnt, wo Warlords of Draenor aufhört. Archimonde ist besiegt, aber Gul’dan konnte entkommen. Nun plant der orkische Hexenmeister eine erneute Invasion auf Azeroth. Mithilfe der Brennenden Legion will er die Welt der Allianz und Horde endgültig ins Chaos stoßen. Schon in der Pre-Quest zu Legion, die auch nicht KäuferInnen des AddOns absolvieren können, werden die Karten für WoW neu gemischt. Denn die Oberbefehlshaber von Allianz und Horde müssen im Krieg um Azeroth ihr Leben lassen. Klar ist es unsere Aufgabe als Champion, Varian und Vol’Jin zu rächen, und dem Oberschurken Einhalt zu gebieten.

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Legion gelingt, was Warlords of Draenors Bestimmung gewesen wäre: Referenzen zu alten, geliebten Geschichten herstellen. Die Orc-Warlords waren zwar allesamt Figuren, die wir schon in WarCraft 2 und 3 zu Gesicht bekommen haben. Aber vielleicht wollten die SpielerInnen gar nicht so sehr alte Gesichter, sondern Gefühle serviert bekommen. Legion schafft Referenzen zu weniger antiken WarCraft-Geschichten. Wer erinnert sich nicht noch gerne an die bärigen Furbolgs? Oder den Tunnel, den sie unter dem Berg Hyal gegraben haben. Sowas gibt es auch in Legion wieder! Oder an die schlafenden Krallendruiden, die es in WarCraft 3 zu wecken galt? Auch diese Aufgabe kommt uns in World of WarCraft: Legion zu.

Lore wohin das Auge reicht

Hemet Nesingwarys Großwildjagt bekommt gleich einen ganz neuen Stellenwert.

Überhaupt fühlt es sich einfach gut an, wieder in Azeroth unterwegs zu sein. An jeder Ecke und in jedem Winkel begrüßt uns die alte Welt mit geliebten Referenzen und Geschichtsstunden. Sogar für Hemet Nesingwary Großwild zu jagen bekommt gleich einen ganz neuen Stellenwert. Dass die Verheerten Inseln ein eigener Kontinent sind, rückt spätestens nach ein paar Stunden völlig in den Hintergrund. Das liegt auch daran, dass die Gebiete in Legion teils Hommagen an alte, beliebte Gegenden sind. Sturmheim erinnert nicht von ungefähr stark an den Heulenden Fjord, oder die Grizzlyhügel. Val’Sharah könnte direkt aus dem Elfenwald Ashenvale gerupft worden sein. Und Azsuna lässt alte Naga-Erinnerungen in Aszara wieder aufkeimen.

Präsentation

Natürlich wurden die Gebiete grafisch deutlich anspruchsvoller gestaltet, als noch anno dazumal in Vanilla-WoW. Das führt auch streckenweise dazu, dass man sich in irgendwelchen Ecken und Kanten verheddert. Komplexeres Terrain wie Baumwurzeln, Vogelnester oder Felsvorsprünge sehen zwar für WoW-Verhältnisse fantastisch aus, mein Mount hat sich darin aber mehr als einmal derart verkeilt, dass nur mehr der Rückwärtsgang Abhilfe schaffen konnte.

Grafik und Animationen

Der heimliche Star ist die erhöhte Sichtweite von Legion

Mit Cataclysm startete Blizzard die behutsame und schrittweise Aktualisierung der Grafikengine, die mittlerweile 12 Jahre am Buckel hat. Mit World of WarCraft: Legion wurden nun einige weitere GegnerInnen-Modelle wie Teufelswachen, Meeresriesen und Harpyen mit Grafikupdates versehen. Auch die Animationen aller Charaktere wurden noch einmal überarbeitet. Insbesondere NahkämpferInnen profitieren von wuchtigen, flüssigen und visuell beeindruckenden Attacken. Heil-Effekte und Zauber lassen sich nun auch optisch bessern voneinander unterscheiden.

Der heimliche Star unter den Optik-Erweiterungen ist aber die erhöhte Sichtweite von Legion. Wenn man nun über die Wehrmauer von Orgrimmar sieht, kann man den Blick weit über Durotar, bis hin zum Brachland schweifen lassen. Das macht sich natürlich vor allem in den Gebieten bemerkbar, in denen man bereits fliegen kann. In Legion ist diese Fähigkeit noch nicht freigeschalten.

Sound

Der Soundtrack von World of WarCraft: Legion weiß wieder mit stimmigen Hintergrund-Scores und orchestralen Zwischensequenzen zu beeindrucken. Vor allem die Neuinterpretation antiker Sounds wie das ätherische Geklimper aus Eschental geht sofort ins Unterbewusstsein über, und trägt zum hohen Wiedererkennungswert mancher Gebiete bei.

Das ätherische Geklimper aus Val’Sharah geht sofort ins Unterbewusstsein über

Die besagten Ingame-Zwischensequenzen sind wieder grandios in Szene gesetzt. Die packende Handlung wird nach wie vor meistens in Quest-Text-Boxen getragen. Hie und da gönnt Blizzard uns eine kleine Lese-Pause, und beeindruckt dann mit wirklich cineastischen Inszenierungen. Wenn König Wrynn sich opfert, um der Allianz die Flucht zu ermöglichen, bleibt insbesondere auf Allianz-Seite kein Auge trocken.

Gameplay

Beim Gameplay von WoW hat sich einiges getan. Klar, man rennt immer noch in der Schulterperspektive seiner ReckIn nach, und klickt einzelne GegnerInnen durch Aktionstasten tot. 10 weitere Charakter-Levels gilt es auf der Reise bis Level 110 zu bewältigen. Die Talente und Spezialisierungen aller Klassen wurden in Legion noch einmal ordentlich überarbeitet. Die duale Talent-Spezialisierung ist Geschichte, stattdessen können wir nun außerhalb des Kampfes fliegend zwischen allen Spezialisierungen unseres Charakters wechseln. Ihr hatte immer schon mal Lust Tanken auszuprobieren? So einfach wie in Legion war es noch nie – Vorausgesetzt natürlich, euer Charakter hat eine Tank-Spezialiserung.

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Dazu kommt, dass es eigentlich keine wirklich Spezialisierungs-spezifischen Ausrüstungsgegenstände mehr gibt. Lediglich Schmuckstücke bieten noch den ein- oder anderen Heil- Schadens- oder Tankbonus. Alle anderen Gegenstände, also auch Ringe, Umhänge und Amulette sind universell einsetzbar. So kann jeder Charakter, der über eine Tank-Skillung verfügt auch zu jedem Zeitpunkt als Tank in einen Dungeon gehen, ohne vorher groß Gear farmen zu müssen.

DämonenjägerInnen

Doppelsprung und entsprechende Talente machen Dämonenjäger zu sehr agilen Charakteren

Neu im Klassen-Reigen ist die Heldenklasse der DämonenjägerInnen. Die Illidari wurden einst, als Lord illidan im Schwarzen Tempel fiel, in finstere Verliese verbannt. Nun, da die dämonische Invasion Azeroths erneut anbricht, hat man sie befreit um sie als Waffe gegen die Invasoren zu nutzen. Nur Elfen können DämonenjägerInnen werden. Also Blutelfen auf Seiten der Horde, und Nachtelfen für die Allianz. Lediglich zwei Talentspezialisierungen gibt es für die Gehörnten Halb-DämonInnen. Eine Tank-Skillung, und eine die auf Schaden ausgerichtet ist.

Das Besondere am Gameplay der Illidari ist, dass sie durch zweifaches Betätigen der Sprungtaste einen Doppelsprung ausführen, und durch ein drittes Mal ihre Flügel ausklappen, um ein Stück weit zu segeln. Diese Eigenschaft und einige entsprechende Talente machen DämonenjägerInnen zu sehr agilen Charakteren, die sich im Kampf auch schnell aus der Bredouille bringen können.

Wo Dillyan hincleved, wächst kein Gras mehr!

Wo Dillyan hincleved, wächst kein Gras mehr!

Artefaktwaffen

Um die Vielfalt und die Spezialisierung nicht zu kurz kommen zu lassen hat sich Blizzard etwas Besonderes einfallen lassen: Artefakt-Waffen. Diese ersetzen quasi die spezifische Ausrüstung, und es gibt sie für jede Spezialisierung jeder Klasse. Durch vertonte und großartig inszenierte Pre-Quests lassen sich die tief im WoW-Lore verwurzelten Artefakte bergen, und anschließend meistern. Über spezielle Drop-Items kann die Artefakt-Macht einer Waffe erhöht, und in einen speziellen Talentbaum investiert werden.

Artefakt-Waffen ersetzen die spezifische Ausrüstung

Die Artefaktwaffe wird so sukzessive immer mächtiger. Je nachdem in welche Waffe man die gewonnene Macht investiert, kann man sich stärker aufs Tanken, Schaden machen oder Heilen spezialisieren. Jede Artefakt-Waffe bringt auch eine spezielle, mächtige Fähigkeit mit sich, die perfekt zum Gameplay der jeweiligen Klassenspezialisierung passt. Als Vergelter-Paladin erhält man beispielsweise einen heiligen Flächen-Angriff, der Dämonen und Untote kurz benommen macht.  Obwohl zu befürchten stand, dass alle SpielerInnen gleich aussehen würden, fühlen sich Klassen dadurch wieder einzigartiger an.

Berufe

Ich muss wieder raus in die Welt, um mein Handwerk zu perfektionieren

An den Berufen würde einiges geschraubt. So setzen die Rezepte von World of WarCraft: Legion nun kein Berufslevel mehr voraus. Wir können also direkt in Legion mit bestimmten Berufen beginnen, und müssen dazu nicht zurück in die alte Welt reisen. Jeder Beruf hat auch ein paar spannende Pre-Quests spendiert bekommen, die uns die Besonderheiten des jeweiligen Handwerks näherbringen sollen. Und was das Beste ist: Ich muss wieder raus in die Welt, um mein Handwerk zu perfektionieren. Die Garnison aus Warlords ist Geschichte. Also keine persönliche Erz-Miene mehr, und auch kein Kräutergarten. Sammelberufe bleiben wieder Sammlern vorbehalten. Auch einige sinnvolle Neuerungen wie Massensondierung von Erzen machen das HandwerkerInnenleben einfacher.

Ordenshallen

Den Wegfall der Garnison aus Warlords of Draenor wird mit Ordenshallen kompensiert. Jede Klasse hat ihre eigene Ordenshalle. Todesritter reisen in die ihnen bereits bekannte Nekropole Archerus, während Paladine die Kapelle des Hoffnungsvollen Lichts in den Pestländern aufsuchen.

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In der Ordenshalle lassen sich Artefaktwaffen verbessern, und Missionsaufträge starten. Diese funktionieren so, wie man sie aus der alten Garnison kennt. Diese kleine Mini-Game kann auch über die neue Legion-App absolviert werden.

Ansonsten erfüllen die Ordenshallen eher den optischen und nostalgischen Zweck, dass man sich wieder mehr mit der eigenen Klasse, und deren Geschichte auseinandersetzen kann. Und das machen sie durchaus gut, wie ich finde.

PvP

Da ich kein großer PvPler bin, will ich die Änderungen am PvP-System von Legion nur kurz anreißen. Das augenscheinlichste Vorweg: Es gibt keine PvP-Stats mehr. Man kann also mit ganz normaler PvE-Ausrüstung ins Multiplayer-Gefecht gehen, ohne zu Hackfleisch verarbeitet zu werden. Stattdessen wurde ein eigener PvP-Talentbaum geschaffen. Ähnlich wie in Online-Shootern werden SpielerInnen für das häufige Absolvieren von Battlegrounds mit Erfahrungspunkten belohnt. Diese können anschließend in den Baum investiert werden. Der Talentbaum ist SpielerInnen ab Level 110 zugänglich.

Auch das Gear spielt keine besondere Rolle mehr im PvP. Alle Werte werden in Schlachtfeldern und Arenen normalisiert. Damit sollte jede TeilnehmerIn theoretisch die gleichen Voraussetzungen haben. Einzig über die freispielbaren PvP-Talente sollen sich VeteranInnen von AnfängerInnen unterscheiden.

Wie schon in Vanilla-WoW können PvP-SpielerInnen obendrein ein Ranglistensystem meistern. Dieses bringt spezielle Belohnungen wie Titel und Reittiere mit sich. Das wird vor allem SpielerInnen freuen, die schon zu Classic-Zeiten den Titel der Obersten KriegsfürstIn ihr eigen nannten.

Fazit zu World of WarCraft: Legion

Ein Spiel wie World of WarCraft kann man nicht kurz und bündig bewerten. Und auch nicht nach einer guten Woche Spielzeit, denn mein bisher Erlebtes kratzt gerade einmal an der Oberfläche von World of WarCraft: Legion. Die neue Erweiterung für das erfolgreichste MMO vermittelt mir aber schon nach einigen Stunden glaubhaft, dass sie weitaus mehr zu bieten hat, als Warlords of Draenor.

Die neuen Gebiete verführen mich mit einer Mischung aus Neuem und Altbekanntem. Obendrein sind sie prallgefüllt mit spannenden Quests und Geschichten. Auch die Ordenshalle und meine Artefaktwaffen halten mich bei der Stange. Als ich das Maximal-Level 110 erreicht habe, eröffnete sich mir ein Füllhorn an Möglichkeiten. Das High-Level-Gebiet Suramar habe ich noch nicht einmal vollständig entdeckt.

Am besten gefällt mir aber der Umstand, dass Legion mich wieder raus in die Welt schickt, um Handwerksmaterialien zu sammeln, Belohnungen einzustreifen oder einfach um die (bis jetzt) fantastische Handlung zu erleben. Ich muss Legion vorschnell bewerten. Wenn ich das anhand der Freude tue, die mir die Welt von WarCraft auf ihre alten Tage allein in den vergangenen Stunden bereitet hat, dann wäre es eine glatte 10.

Natürlich ist das Spiel grafisch und gameplaytechnisch nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Natürlich gibt es auch immer noch reichlich Quests vom Typ „töte 10 hiervon“ und „sammle 10 davon“. Aber es ist eine konsequente und gelungene Weiterentwicklung eines Spiels, dass über mehr als ein Jahrzehnt Millionen begeistern konnte. Und allein das muss man Legion sehr hoch anrechnen!

9.5

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