Mary und die Blume der Hexen Test: Ein gutes Erstlingswerk

von Stefan Hohenwarter 06.01.2019

2018 sorgten hierzulande zwei Animes für Furore: Your Name und Mary und die Blume der Hexen. Bei Your Name wurden meine Erwartungen vollends erfüllt, doch wie sieht es beim Erstlingswerk des Studio-Ghibli-Nachfolgestudios aus?

Facts:

  • Genre: Fantasy
  • Regiesseur: Hiromasa Yonebayashi
  • Studio: Studio Ponoc
  • Veröffentlichtungstermin: 4.12.2018

Studio Ponoc

Das Studio wurde im April 2015 vom japanischen Filmproduzent Yoshiaki Nishimura, der zuvor in der weltbekannten Animeschmiede Studio Ghibli arbeitete, gegründet. Er wurde bei diesem waghalisgem Abenteuer von mehreren Ex-MitarbeiterInnen des Studio Ghibli, dem wir unter anderem Meisterwerke wie Chihiros Reise ins Zauberland, Prinzessin Mononoke oder Mein Nachbar Totoro verdanken, unterstützt. Einer von ihnen war bzw. ist Hiromasa Yonebayashi, den ihr vielleicht von den Filmen Arrietty oder Erinnerungen an Marnie kennt. Er nahm auch gleich im Regiestuhl für den ersten Film, der den Namen Mary und die Blume der Hexen trägt, Platz. Dieser Film, der auf dem Kinderbuch Der verhexte Besen von Mary Stewart basiert, lief hierzulande September 2018 in den heimischen Kinos und ist seit rund einem Monat auf DVD sowie Blu-ray erhältlich.

Der Name des Studios leitet sich vom kroatischen Wort ponoć ab, das übersetzt für „Mitternacht“ – den Beginn eines neues Tages – steht.

Worum geht’s?

Der Film startet fulminant: Alles steht in Flammen und ein rothaariges Mädchen ist auf der Flucht? Warum? Das erfahren wir vorerst nicht. Ihr gelingt es jedenfalls, die Verfolger abzuschütteln, bis sie durch ein Missgeschick Lärm verursacht. Sofort sind die Verfolger wieder hinter ihr her. Mit Müh und Not rettet sie sich mit einem kleinen Lederbeutel zu einer Plattform von der sie mit ihrem Besen zu entkommen versucht. Sie segelt durch das Wolkenmeer, aber magische Wesen sind ihr dicht auf den Fersen. Plötzlich stürzt das Mädchen, das von der Flucht vollkommen erschöpft ist, vom Himmel, während sich ihre Haare schwarz färben, irgendwelche Samen aus dem Lederbeutel fallen und der Besen von plötzlich wachsenden Bäumen umschlossen wird.

Szenenwechsel: Die rothaariges Mary Smith schaut gelangweilt aus dem Fenster, als sie von einer Stimme aus dem Erdgeschoss des Hauses gefragt wird, ob sie schon alles ausgepackt hat. Sie ist erst vor kurzem bei ihrer Großtante Charlotte angekommen. Da sie im Haushalt und Garten keine große Hilfe ist, setzt sie sich auf eine Anhöhe, von der aus sie das Dorf sehen kann, als sie plötzlich von einer grimmig schauenden Katze angemaunzt wird. Sie gibt dem schwarzen Kater etwas zu fressen und folgt ihm daraufhin in den nahegelegenen Wald zu einer blau leuchtenden Blume in mitten eines sonst ausgetrockenten Gebiets. Was hat es mit dieser Blume auf sich? Wie kann sie hier wachsen, wo doch alles runderum vertrocktet ist?

Machart und Vertonung

Regisseur Hiromasa Yonebayashi war ein Schüler von Hayao Miyazaki und den Stil des Animegroßmeisters ist allgegenwärtig. Das Charakter-Design erinnert ebenso stark an Filme von Studio Ghibli, wie manche Hintergründe. Vom zeichnerischen her, steht das neue Studio Ponoc dem Schöpferstudio von Das Wandelnde Schloss, Ponyo und vielen weiteren Hits meiner Meinung nach um nichts nach. Selbes gilt für die Musik, die sich unter Leitung von Takatsugu Muramatsu (Erinnerungen an Marnie) perfekt einfügt.

Mit der Erstellung der deutschen Sprachfassung wurde das Studio Mo Synchron, das auch die Lokalisierung von Your Name über hatte, beauftragt. Und hier wurde nicht gespart! Bekannte Stimmen, wie jeden von Mitsuha (Your Name), Korosensei (Assassination Classroom) oder Rick und Morty (Rick & Morty), wurden für die deutsche Fassung von Mary und die Blume der Hexen verpflichtet.

Extras

Während ihr euch in der Limited Collector’s Edition auf physische Extras freuen dürft, müsst ihr in der DVD- und Blu-ray-Fassung ausschließlich mit digitale Bonusinhalte Vorlieb nehmen. Besonders an Herz legen möchte ich euch die Entstehungsgeschichte des Films mit dem Besuch des Studios.

  • Featurettes
  • Making-of Promo
  • Pressekonferenz
  • Interview
  • Trailer

Mary und die Blume der Hexen Test-Fazit

Mary und die Blume der Hexen hat keinen leichten Stand: Es ist zwar das Erstlingswerk des Studio Ponocs, aber doch hört man immer wieder, dass Ex-Mitarbeiter des Studio Ghibli mit an Bord sind. Das sieht man auch am Ergebnis und doch fehlt mir irgendwas. Der Zeichenstil, die malerischen Hintergründe, die Musik, alles passt irgendwie zusammen, aber doch entsteht nicht dieses magische Gefühl, das ich beispielsweise beim Prinzessin Mononoke, Das Wandelnde Schloss oder Chihiros Reise ins ZauberlandEs ist die flache Story, die nicht wie die Studio Ghibli-Werke zum Nachdenken anregt, und die eindimensionalen Charaktere sowie deren Interaktion untereinander. Doch man muss auch fair bleiben: es ist und bleibt das Erstlingswerk eines neuen Studios, das sein Handwerk unter Bweeis gestellt hat, auch wenn noch etwas Luft nach oben vorhanden ist.

Wertung: 8.0 Pixel

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