Mamoru Hosoda neuester Film, Der Junge und das Biest, ist nun auch hierzulande als Heimkinovariante erhältlich. Ob der Anime an die letzten Meisterwerke des Regisseurs (u. a. Summer Wars und Ame & Yuki – Die Wolfskinder) anschließen kann, erfahrt ihr in meinem Der Junge und das Biest-Test.

Der Junge und das Biest Test

Facts

  • Genre: Action, Anime, Coming of Age
  • Publisher: Universum Anime
  • Regie: Mamoru Hosoda
  • Releasetermin: 29. Juli 2016

Werdet erwachsen!

Der neunjährige Ren macht eine harte Zeit durch. Seine Eltern haben sich scheiden lassen, und als seine Mutter stirbt, soll ein Verwandter die Vormundschaft übernehmen. Ren passt das überhaupt nicht in den Kram: Er läuft weg und versteckt sich in einer Hinterhofgasse. Dabei trifft er auf ein kleines Fabelwesen, mit dem er sich sofort anfreundet.

Szenenwechsel: In Jūtengai, einer Parallelwelt, die von Tieren bewohnt wird, entschließt sich der Herrscher zur gleichen Zeit, in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen, womit die Frage der Nachfolge gestellt wird. Es gibt auch schon zwei Kandidaten für den Posten: Kumatetsu, ein bärenartigen Einzelgänger, der ständig Streit sucht, und Iōzen, ein wildschweinartiger Liebling der Massen. Alle schauen zu Iōzen auf, während Kumatetsu eher belächelt und verspottet wird. Ein Vertrauter von Kumatetsu legt ihm nahe, einen Schüler auszubilden, um bessere Chancen auf die Nachfolge des Herrschers zu haben.

Hier kommen die beiden Handlungsstränge zusammen: Bei einem Besuch von Kumatetsu in der Menschenwelt trifft er auf den kleinen Ren, der zwischen ein paar abgestellten Fahrrädern sitzt. Der Anwärter auf den Herrschertitel sieht sofort etwas in dem kleinen Jungen, während dieser eher Angst vor dem seltsamen Wesen hat. Dennoch geht der bärenartige Kerl mit Umhang seines Weges. Als Ren kurz darauf von der Polizei angehalten und nach seinen Eltern gefragt wird, ergreift er die Flucht. Im Augenwinkel sieht er, wie Kumatetsu zwischen zwei Häusern verschwindet. Ohne nachzudenken folgt er ihm.

Plötzlich findet sich Ren in Jūtengai wieder, und erneut trifft er auf Kumatetsu, der kurzerhand beschließt, den Jungen als Schüler aufzunehmen. Als erste Amtshandlung verpasst Kumatetsu Ren einen neuen Namen. Ab sofort wird er nur noch Kyūta genannt. Und schon beginnt das Training, das sich äußerst schwierig gestaltet. Kumatetsu ist ein arroganter Lehrmeister ohne Geduld, und Kyūta ein aufmüpfiger Schüler. Ohne zu viel spoilern zu wollen, kann ich euch verraten, dass die beiden ihren gemeinsamen Weg finden, voneinander lernen und endlich erwachsen werden.

Bild und Ton

Mamoru Hosoda hat schon einige traumhafte Filme hervorgebracht – One Piece: Baron Omatsuri und die geheimnisvolle Insel war ein Ausrutscher –, doch keiner der Filme konnte meiner Meinung nach visuell mit Hayao Miyazakis, Makoto Shinkais oder Mamoru Oshiis Werken mithalten. Es war vielmehr die Atmosphäre und das Zusammenspiel aus vielen Faktoren, die beispielsweise Summer Wars oder Die Wolfskinder so magisch machten. Dennoch gibt es für Der Junge und das Biest aus optischer Sicht ein gutes Zeugnis: Die Hintergründe sind malerisch, die CGI-Effekte fügen sich homogen ein, und die Charaktere sind verspielt.

Musikalisch gibt es ebenso nichts zu meckern. Der außergewöhnliche Komponist Masakatsu Takagi, der unter anderem schon an Ame & Yuki – Die Wolfskinder mitgewirkt hat, zeichnet auch für die musikalische Untermalung von Der Junge und das Biest verantwortlich. Der Soundtrack unterstützt die Szenen, ohne dabei je zu dominant zu werden. Wie auch die Musik gefällt mir persönlich die Synchronisation ausgezeichnet. Ich finde die SprecherInnen durch die Bank weg gut gewählt.

Fazit

Nach den letzten Werken von Mamoru Hosoda (Das Mädchen, das durch die Zeit sprang, Summer Wars und Ame & Yuki – Die Wolfskinder) freute ich mich riesig, als ich hörte, dass ein neuer Film des Animeregisseurs erscheint. Leider kann Der Junge und das Biest nicht ansatzweise an die zuvor genannten Filme anschließen. Man merkt zwar die Handschrift des Regisseurs, doch ist die Geschichte nicht so emotional wie beispielsweise Das Mädchen, das durch die Zeit sprang, nicht so magisch wie Ame & Yuki und schon nicht annähernd so fesselnd wie Summer Wars. Bitte versteht mich nicht falsch, Der Junge und das Biest ist ein schöner Anime, aber wenn man Hosoda-sans letzte Werke kennt, ist man über den tierisch angehauchten Coming-of-Age-Film etwas enttäuscht. Alles ist zu vorhersehbar, das Spiel zwischen Geschichte, Musik und Szenerie funktioniert für mich nur ansatzweise, und die Entwicklung der Charaktere geht zu schnell bzw. lieblos vonstatten. Schade, immerhin hat Mamoru Hosoda bereits gezeigt, dass er das alles in Filmen gekonnt vereinen kann.

Solltet ihr dem Film dennoch eine Chance geben, empfehle ich euch, zur Limited Collector’s Edition zu greifen, denn dieses hat zumindest ein paar Extras zu bieten. Ich bin ein Stück traurig, dass mein Der Junge und das Biest so ein gemischtes Gefühl in mir zurücklässt. Ich hatte mich riesig auf den Film gefreut. Er ist auch nicht schlecht, aber wenn man weiß, was Hosoda-san bereits gemacht hat, ist Der Junge und das Biest doch eine kleine Enttäuschung.