Archos 55 Diamond Selfie und 50f Helium im Test

von Mandi 19.03.2017

Im Doppelpack haben es sowohl das Archos 55 Diamond Selfie als auch das 50f Helium in die Redaktion geschafft. Beide besitzen sowohl Dual-SIM-Fähigkeit als auch einen Fingerabdrucksensor. Was wir von den zwei Android-Smartphones halten, lest ihr hier im Review!

50f Helium

Das Archos 50f Helium – Quelle: Archos

Beim Auspacken: Erster Eindruck

Das 55 Diamond Selfie (hier geht’s zur Website) wirkt vom Aufbau her wie ein iPhone 4/4S. Als Sandwich aus Glas und Stahl präsentiert sich das Smartphone zeitlos klassisch. Am silbernen Rahmen zwischen den beiden schwarzen Glasflächen befinden sich wie üblich die Buttons und Buchsen. Wie gehabt findet ihr unten den Connector zum Aufladen und Verbinden sowie rechts die Standbytaste sowie die Lautstärkeregelung. Oben ist die 3,5 mm-Klinkenbuchse verbaut und links der Einschub für die nano-SIM-Karte.

Mit seinen 5,5 Zoll Bildschirmdiagonale gehört das 55 Diamond Selfie zweifelsohne zu den größeren Smartphones. Allerdings hilft das schlanke Profil dabei, dass es sich nicht wuchtig anfühlt. Ganz im Gegenteil: Habt ihr euch erst mal an die Dimensionen gewöhnt, wirken andere Geräte winzig. Das Hochglanzschwarz wirkt in jedem Setting edel und überzeugt auch DesignfetischistInnen. Trotz dem vielen Glas rutscht das 55 Diamond Selfie kaum aus der Hand – das dürfen sich andere Hersteller durchaus abschauen.

Sein kleiner Bruder, das 50f Helium, (hier geht’s zur Website) ist bei weitem nicht so kantig. Doch nicht nur rundlicher ist es, auch ein bisschen freundlicher und wärmer fühlt es sich an. Während es sich der Micro-USB-Connector bei der Oberkante heimisch macht, wandert der SIM-Slot ins Gehäuse. Bei diesem Smartphone lässt sich nämlich das Back-Cover abnehmen. Mit fünf Zoll Bildschirmdiagonale passt dieses Gerät schon bequem in viel mehr Hände. Durch die Abrundungen sind die Kanten auch weit nicht so definiert, es fühlt sich gut an.

Das 50f Helium besitzt anders als sein großer Bruder noch eigene Touch-Tasten für die Funktionen Multitasking, Home und Zurück. Sie befinden sich klarerweise an der Unterkante des Bildschirmes. Beide Smartphones besitzen auf der Rückseite einen Fingerabdruckscanner, der für das schnelle Entsperren nützlich ist. Beim großen Gerät ist die Einheit direkt an der Rückseite verbaut, während beim 50f Helium der Sensor etwas vertieft sitzt. Das fühlt sich im Direktvergleich etwas sonderbar an, funktioniert aber wunderbar.

Was dahinter steckt

Das 55 Diamond Selfie protzt mit seinem 5,5 Zoll-IPS-Display mit einer Full HD-Auflösung. Die 1920×1080 Bildpunkte präsentieren sich als farbgetreu und blickwinkelstabil (IPS sei Dank). Der Achtkernprozessor taktet mit 1,4 GHz und hat 4 GB Arbeitsspeicher spendiert bekommen. Von 64 GB Speicherplatz sind 52,77 GB nutzbar, und ein microSD-Slot lässt euch diesen Platz erweitern. Das LTE-fähige Smartphone besitzt eine 16 Megapixel-Kamera auf der Rückseite und eine 8 Megapixel-Kamera an der Front.

Das Einsteigergerät 50f Helium wartet mit einem 5 Zoll-Display auf. Die Auflösung beträgt 1280×720 Bildpunkte, und die nötige Rechenpower stellt der Vierkernprozessor mit 1,1 GHz bereit. Je nach Konfiguration habt ihr einen oder zwei GB Arbeitsspeicher zur Verfügung, und der interne Speicherplatz kann 8 oder 32 GB betragen. Auch hier gibt es die Option, via microSD-Karte um bis zu 128 GB mehr Platz zu schaffen. Die Performance dabei hängt allerdings von mehreren Faktoren ab. Die Kameras haben 8 und 2 Megapixel, und beide Geräte besitzen einen Fingerabdruckscanner.

55 Diamond Selfie

Das 55 Diamond Selfie – Quelle: Archos

In der Praxis: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Softwareseitig sind sich beide Geräte durchaus ebenbürtig und ähnlich. Der Skin, der von Archos etwas überarbeitet wurde, unterscheidet sich absolut nicht. Die Benachrichtigungen beispielsweise sehen auf beiden Smartphones absolut gleich aus und kommen zum selben Zeitpunkt. Auf beiden Geräten sind die gleichen Apps installiert, was wie üblich bei Neulingen für Verwirrung sorgen kann. Welche Probleme eine App wie Archos Video löst, ist mir bis heute schleierhaft. Die Systemperformance auf den Homescreens ist bei beiden Geräten ähnlich.

Doch wenn ihr das Smartphone tatsächlich benutzt, dann tun sich einige Unterschiede auf. Klarerweise starten auf dem 55 Diamond Selfie (UVP 250 Euro) die Apps schneller und laufen dort auch flüssiger. Beim 50f Helium (UVP 150 Euro) ist es eher die Haptik und die eher mögliche Einhandbedienung, die den Ausschlag geben kann. Eine App wie etwa Ronaldo: Kick’n’Run läuft auf dem hochwertigen Gerät einwandfrei, während sie beim günstigeren ruckelt. Auch der verbaute Vibrationsmotor ist beim 55 Diamond Selfie konstant und leise, während das 50f Helium hörbar vibriert.

Kamera & Video – es werde Licht

Das 55 Diamond Selfie besitzt einen klingenden Beinamen, der gute Fotos verspricht. Auf dem Papier wirken die Sensoren mit 16 und 8 Megapixel auch sehr stark – die Praxis zeigt aber Schwächen auf. Während ihr bei guter Beleuchtung wirklich klasse Schnappschüsse zustande bringen könnt, gibt es eine Zufallskomponente. Der Autofokus ist nämlich äußerst unruhig und fokussiert gerne mal am Ziel vorbei, was euch die schönsten Bilder verscherzen kann. Bei der Videoaufnahme gibt es auch keine Stabilisierungsfunktion, dafür eine Menge Filter. Oft bewirkt der Herzschlag in den Fingern eine minimale Vibration, die ihr dann in euren (schön gefärbten) Videos ausmachen könnt.

Beim 50f Helium ist das Verhalten übrigens genau gleich. Allerdings ist hier weitaus schwächere Hardware verbaut, die Sensoren können 8 respektive 2 Megapixel fassen. Der Autofokus ist aber ähnlich geraten wie beim großen Bruder, und der Viewfinder-Bildschirm läuft nicht in 60 fps ab. Für Schnappschüsse zwischendurch ist das 50f Helium geeignet, Hobby-FotografInnen greifen aber gleich zu einem anderen Gerät. Bei beiden Smartphones solltet ihr immer auf gute Belichtung achten, denn bei finsterer Umgebung macht sich Körnung und Verwaschenheit breit. Hier sitzt leider Gottes die Schwachstelle bei beiden Geräten, wenn ihr also gerne Fotos macht, solltet ihr anderswo suchen.

Lasst uns über Android reden

Beide Geräte wurden vollständig up to date gebracht und haben nun Android 6.0.1 zur Verfügung. Das Betriebssystem Marshmallow und sein Featureset stammt aus dem Dezember 2015. Ein Update auf Android 7.0 scheint unwahrscheinlich, da hier die Hersteller meist gerne so den Anreiz setzen, aktuellere Smartphones verkaufen. Besonders interessant wird es, wenn ihr euch die Details anseht. Hier hat das günstigere 50f Helium sogar die Nase vorn: Die Sicherheitspatchebene datiert mit 5.1.2017. Das 55 Diamond Selfie hingegen hat die Sicherheitsebene vom 1.11.2016 spendiert bekommen. Was hier los ist, kann man wohl getrost als Hoppala bezeichnen.

Während das 55 Diamond Selfie mit Leichtigkeit durch Apps und dergleichen huscht, kämpft der kleine Bruder damit gewaltig. Ihr spürt sofort, wenn beim 50f Helium ein Update im Hintergrund durchgeführt wird, da intensive Apps stark ruckeln beziehungsweise kaum mehr benutzbar werden. Erst nach dem Update ist wieder eine halbwegs flüssige Nutzung möglich – und das trotz vier Kernen. Das sollte im Jahre 2017 nicht mehr der Standard sein – andersrum kann es auch nicht sein, dass man acht Prozessorkerne dazu benötigt, um ein flüssiges Benutzererlebnis zu gewährleisten.

Display, Sound und andere Dinge

Es kommt nur wenig überraschend, dass das 55 Diamond Selfie ein größeres und besseres Display besitzt. Damit ist nicht nur die Optik gemeint, sondern auch die Reaktionsfreude auf Berührungen. Spiele und andere Apps lassen sich auf dem größeren Gerät viel einfacher und genauer benutzen. Der Sound ist klar und rauscht auch auf hoher Lautstärke nur wenig, und Wärmeentwicklung sucht ihr beim 55 Diamond Selfie fast vergebens. Erst bei längeren Sessions bemerkt ihr etwas Wärme auf der Rückseite. Auch beim Kaltstart hat der große Bruder die Nase eindeutig vorne – in einem Direktvergleich bemerkt ihr, wieso der höhere Preis gerechtfertigt ist. Das hat aber auch damit zu tun, dass beide Geräte eine andere Zielgruppe im Visier haben.

Das 50f Helium als Einstiegssmartphone für Budgetbewusste ist eben mehr für die Basisfunktionen gedacht. Das spiegelt sich beim Display wieder, das manchen Tipp einfach nicht registriert. Bei Apps wie Grumpy Cat oder Dumb Ways To Die fällt das besonders auf. Der Sound ist genauso laut wie beim Selfie, nur ist die Qualität merklich geringer. Auf höchster Lautstärke kracht es schon teilweise, und hohe Töne beginnen zu krächzen. (Ein Bug zeigt aber an, dass ihr immer auf der niedrigsten Lautstärke spielt.) Benutzt ihr aber Ohrstöpsel und spielt nicht mit eurem Smartphone, bringen euch solche Nachrichten bestimmt nicht aus der Ruhe. Wenn ihr Fan davon seid, stets alle Apps im Hintergrund zu schließen, gibt es beim 50f Helium keine Option, sofort alle Apps zu killen. Beim 55 Diamond Selfie gibt es dafür einen eigenen Button in der Multitasking-Ansicht.

50f Helium, iPhone 6, 55 Diamond Selfie

Fazit des Archos 55 Diamond Selfie

So knapp kann es gehen: Mir hat das 55 Diamond Selfie wirklich gut gefallen. In der Testphase gab es keinerlei Grund zur Beanstandung, weswegen ich dieses Smartphone fast ohne Bedenken empfehlen kann. Die einzigen Dinge, die dagegen sprechen könnten, sind seine stattliche Größe und die Kameras. Auf diesen Punkt möchte ich deswegen kommen, weil der Name des Geräts schon fast für gute Kameras bürgt. Das ist beim 55 Diamond Selfie nicht der Fall! Abgesehen von ein paar Filtern und einer halbwegs guten Performance bei tollen Lichtverhältnissen gibt es nichts, was hier bemerkenswert wäre. Der Autofokus versaut euch schon mal gute Schnappschüsse, und das ist leider eine Softwareproblematik. Ob sich diese mit einem Update löst, mag ich bezweifeln – das wäre nämlich das erste Mal überhaupt.

Weder anspruchsvolle Spiele-Apps noch intensives Multitasking brachten das Gerät jemals ins Schwitzen. Durch die Größe hält sich auch die Wärmeentwicklung in Grenzen, und die 4 GB Arbeitsspeicher machen das Smartphone zukunftssicher. Ob dies allerdings nötig ist, wird die Zukunft zeigen. Noch stehen die Zeichen auf „kein Update auf Android 7.0“ – und ich denke, dass auch Archos erst mit neuen Geräten auf den Zug der neuen Software aufspringen wird. Der Fingerabdrucksensor sowie das generelle Verhalten des Smartphones sind wirklich schnell, und es macht Freude, mit diesem Gerät herumzuspielen und es zu benutzen. Wenn ihr also auf der Suche nach einem etwas größeren Dual-SIM-Phone seid, solltet ihr das 55 Diamond Selfie nicht außer Acht lassen!

Fazit des Archos 50f Helium

Als Einstiegs-Smartphone hat es das 50f Helium schon irgendwie schwer. Es soll performant sein, lange Laufzeiten aufweisen, beim Display nicht zu viele Abstriche machen und und und. All diese Details sollen maskiert werden, damit der derzeitige Preis von knapp 100 Euro erreicht werden kann. Wenn ihr euch dieses Smartphone zulegt und intensive Nutzung an den Tag legt, werdet ihr schnell an die Grenzen stoßen. Zu schnell für meinen verwöhnten Geschmack. Sogar Dinge wie ein Update im Hintergrund können das 50f Helium so gut wie lahmlegen, was für diese Preisklasse keine Besonderheit ist – erwähnenswert ist es dennoch. Auch im Jahre 2017 ist so etwas noch möglich.

Man darf allerdings nicht vergessen, dass das 50f Helium von Archos für etwas Anderes gedacht ist. Nutzt ihr das Smartphone wie vorgesehen, sprich für Basisfunktionen oder als Zweitgerät, so macht das Gerät seine Sache sehr, sehr gut. Darüber hinaus ist es nach wie vor schwierig, eine Dual-SIM-Handylösung um die 100 Euro zu finden. Damit nicht genug, ihr habt auch einen mehr als passablen Fingerabdrucksensor in diesem Smartphone verbaut. Dafür sind die Abstriche, die ihr anderswo macht, wahrlich zu verschmerzen. Es ist alles eine Frage der Prioritäten, und in diesem Fall kann sich das Archos-Gerät von seiner Konkurrenz wohlwollend absetzen. Wenn ihr also ein Smartphone sucht, das nicht zu groß geraten ist und ihr sowieso nicht viele Apps intensiv nutzt, hat das 50f Helium sehr wohl eine Chance, euer nächstes Handy zu werden!

Wertung: 8 Pixel

für Archos 55 Diamond Selfie und 50f Helium im Test