Apple iPad Pro 2020 (11 Zoll) Test: Produktiv und portabel

von Mandi 08.04.2020

Das iPad Pro 2020 stellt im Vergleich zur 2018er-Version kaum eine Verbesserung dar. Was das Tablet mit iPadOS 13.4 kann, klären wir im Review!

Was bisher geschah

Schon 2017 hatte Apple mit dem damaligen iPad Pro einen Gewinner in der Tablet-Kategorie (hier geht‘s zum Test). Beim Mix zwischen Komfort, Akkulaufzeit und Power kann man gar nicht falsch liegen, das nötige Kleingeld vorausgesetzt. Auch heuer im Jahre 2020 ist eigentlich nur der harte Euro das Einstiegskriterium, denn das iPad Pro 2020 startet ab 879 Euro. Wer mehr Speicherplatz als die 128 GB der Grundvariante möchte oder ein größeres Display (12,9 Zoll gibt es noch), muss dementsprechend mehr Geld hinlegen.

2018 kam dann ein rundum erneuertes Pro-Tablet von Apple auf den Markt. Mit neuem kleineren Gehäuse, noch stärkerer Technik (zu 90 % schneller je nach Aufgabe) und Face ID statt Touch ID gab es de facto nur noch einen Tablet-König. Das iPad Pro 2020 setzt auf der Version 2018 auf und bietet nun statt einem A12X-Chip einen A12Z-Chip, eine zusätzliche Weitwinkelkamera (wie beim iPhone 11) und einen LIDAR-Sensor, den man sonst eigentlich bei autonom fahrenden Autos erwartet. Das klingt ja nicht nach sehr viel, im nächsten Absatz klären wir die Unterschiede.

iPad Pro 2020 gegen iPad Pro 2018

Wenn ihr also schon ein Tablet mit Face ID habt, solltet ihr dieses Upgrade bleiben lassen. Der A12Z-Chip bietet exakt das Gleiche wie der A12X-Prozessor im Vorgängermodell, nur bei der Grafikleistung gibt es nun 8 statt zuvor sieben Kerne. Das macht eine theoretische Leistungssteigerung von 14 Prozent aus, und dafür lohnt sich wahrlich kein Upgrade. Genauso verhält es sich mit dem Arbeitsspeicher; im allerneuesten Tablet stecken 6 GB RAM, wohingegen in der 2018er-Variante nur 4 GB waren (es sei denn, man hatte sich für das sündteure 1 TB-Modell entschieden). Auch dieser Unterschied macht das Kraut nicht fett.

Habt ihr ein iPad Pro 2018, ist ein Upgrade sinnlos

Ob die zusätzliche Weitwinkelkamera einen Kauf rechtfertigt? In meinen Augen klar nein, es sei denn, ihr nehmt professionell Fotos mit eurem iPad Pro auf und braucht diesen zusätzlichen Sensor unbedingt. Abgesehen von diesem unwahrscheinlichen Fall geht es nur noch um den LIDAR-Sensor, der derzeit ausschließlich für AR-Anwendungen verwendet wird. Nein, Portrait-Fotos ermöglicht er nicht mit der Rückkamera – vielleicht kommt das noch. Aber so, wie es jetzt steht, ist der Rest des iPad Pro 2020 mit den obigen Ausnahmen komplett baugleich mit der Version von 2018.

Die erste Inbetriebnahme

Schon beim Auspacken bemerkt ihr rasch, dass die Verpackung sich auf das Allernotwendigste beschränkt hat. Die Schachtel ist nicht viel größer als das Tablet selbst, und nach dem Abziehen einer rundum angebrachten Folie dürft ihr das Gerät schon in Betrieb nehmen. Das Hochfahren des Tablets ist nach etwa 20 Sekunden erledigt, und ihr könnt den Computer personalisieren. Sehr cool: Habt ihr ein anderes iOS-Gerät, dürft ihr einfach via Bluetooth und wenigen Bestätigungen das Tablet äußerst angenehm und automatisiert einrichten. Ansonsten könnt ihr den Vorgang auch manuell abschließen.

Das geht relativ reibungslos: Ihr werdet zunächst nach Sprache, WLAN-Kennwort und Apple-ID gefragt. Anschließend könnt ihr das iPad Pro als neues Tablet konfigurieren oder aus einem Backup wiederherstellen. Abschließend könnt ihr noch Ortungsdaten aktivieren lassen (gut für Routen und anderes), Absturzdaten mit App-EntwicklerInnen teilen lassen und Nutzungsdaten anonymisiert an Apple senden lassen. Ich persönlich aktiviere sämtliche Optionen, es ist aber euch überlassen, wie ihr entscheidet. Danach könnt ihr sofort mit der Nutzung loslegen.

Die Handhabung eines iPad Pro 2020

Mit iPadOS 13.4 hat sich einiges im Vergleich zu den Vorgängern geändert. Waren die Tablets vor iPadOS eher „nur große iPhones“, werden die Geräte nun eher ausgereizt. Multitasking mit zwei Fenstern nebeneinander, ein Dock am unteren Bildschirmrand und sogar Unterstützung für Maus und Trackpad sind mittlerweile Realität! Doch während der Unterschied zwischen einem Notebook und einem iPad Pro mit Tastatur und Maus/Trackpad verschwindend geringer wird, bleiben trotzdem noch wesentliche Unterschiede bestehen.

Das Apple-Tablet ist nämlich von Grund auf für Fingerbedienung, also touch-first ausgelegt. Genauso verhält es sich mit den Apps, die ihr von Drittanbietern über den Apple App Store herunterladen könnt. Sie alle sind vordergründig für die Bedienung mittels Fingern ausgelegt, und dementsprechend gut und breitgefächert ist das Angebot von iPad-Apps. Während ihr bei einem Notebook aus sämtlichen Quellen jegliche Software installieren könnt (mit allen bekannten Sicherheitsrisiken, versteht sich), seid ihr bei den iPads rein auf Apps aus dem App Store angewiesen.

Die USB-C-Buchse und iPadOS 13.4

Dank der neu in den iPad Pros verbauten USB-C-Buchse könnt ihr nun so gut wie alles, was mit einem USB-C-Kabel verbunden wird, auch an das iPad Pro 2020 hängen. Monitore, Spiegelreflexkameras und endlich auch Festplatten lassen sich so direkt mit dem Tablet verbinden. Dank der Dateien-App am Tablet dürft ihr problemlos Dateien hin und her ziehen, ohne einen PC oder Mac für den Zwischenschritt zu benötigen. Es hätte zwar schon länger eine Selbstverständlichkeit sein sollen und hat für viele Leute zu lange gedauert, aber nun ist es endlich so weit!

Möglich hat dies die neue iPadOS-Version 13 gemacht. So dürft ihr auf dem iPad Pro 2020 nun auch Apple-Widgets am Homescreen erscheinen oder permanent stehen lassen, Apps starten schneller, und es gibt auch einen Maus/Trackpad-Support. Dieser präsentiert euch einen runden Cursor, der sich je nach Funktion verändert: Bei unterschiedlichen Textgrößen ändert er seine Form und Größe, bei Buttons umschmiegt er deren Kontur und startet eine kleine Animation. Auch hier hat es eine Weile gedauert, aber Apples Implementation der Funktion ist verlässlich und durchdacht.

Must-have-Zubehör: Der Apple Pencil 2

Während ihr so gut wie jedes Bluetooth-Keyboard und Bluetooth-Trackpad (oder Maus) mit dem iPad Pro verwenden könnt, gibt es einen Stylus von Apple, der sich magnetisch an das Gerät haftet, sich so lädt und auch koppelt. Die Rede ist vom Apple Pencil 2, der zwar einen stolzen Preis (135 Euro), aber auch jede Menge Funktionalität mit sich bringt. Die Implementation des Stylus ist standardmäßig so eingestellt, dass beim Zeichnen jeder unbeabsichtigte Fingertipp ignoriert wird. Ihr könnt das Tablet also so halten, wie ihr wollt, ohne Eingaben befürchten zu müssen.

Dabei wird auch die Neigung des Stiftes wie auch die Stärke, mit der ihr auf das Glas drückt, berücksichtigt. Nicht nur das, auch das neue iPad Pro 2020 hat ein Display, das bis zu 120 Bilder pro Sekunde anzeigt. Darüber hinaus wird der Apple Pencil 2 noch genauer erkannt, und die Latenz ist angeblich grade mal neun Millisekunden. Heraus kommt ein Zeichenerlebnis, das jenem mit Stift und Block frappierend ähnelt! Zu einem besseren Künstler macht euch das Gerät jedoch nicht, meine Tiere sehen noch immer wie auf Volksschulniveau aus.

In der Praxis: Leistung in jeder Situation

Um es kurz zu machen: Das iPad Pro 2020 fetzt nur so durch eure Aufgaben. Egal, ob ihr zwischen Apps hin und her springt, sie gleichzeitig geöffnet habt, ein langes Video exportiert oder einfach nur Disney+ streamt, es gibt kaum eine Situation, in der ihr euch ein schnelleres Tablet wünscht. Safari bietet euch standardmäßig endlich überall die Desktop-Version von Websieten an, und die Performance ist wirklich stark. Die Lautsprecher sind überraschend laut und klar, was man in diesem Chassis gar nicht erwarten würde. Zudem passt sich der Stereo-Sound immer euch an – egal, in welcher Position ihr das Tablet haltet, der Sound kommt richtig an eure Ohren.

Bei der Kamera macht das Tablet nicht viel falsch, die Fotos werden bei guter Beleuchtung mehr als nur brauchbar, einen Nachtmodus gibt es allerdings nicht. Ich bin aber der Meinung, dass Fotos schießen nicht mit einem iPad gemacht werden sollte … Sowohl die stabile WLAN-Verbindung, das tolle Display zwischen 24 und 120 Hz Bildschirmwiederholrate, die grandiose App-Auswahl und die starke Akkulaufzeit machen aber richtig Spaß. Es dauert ein wenig, bis man sich an das vielfältige iPadOS gewöhnt hat und all seine Vorzüge auch nutzen kann. Spätestens ab dann ist das iPad Pro 2020 ein toller Begleiter, sowohl für Produktivität als auch auf der Couch!

Der LIDAR-Sensor und AR

Eine große Neuerung des diesjährigen Refreshes ist der LIDAR-Sensor. Er ist für Lichterkennung und Abstandsmessung zuständig, wie eingangs schon erwähnt ist er derzeit noch für nicht viel zu gebrauchen. Was er allerdings schon stark verbessert, sind AR-Anwendungen wie etwa Pokémon Go. Der LIDAR-Sensor erspart euch nämlich die seltsame Suche nach geeigneten Oberflächen, bei der ihr mit dem Smartphone oder Tablet stets herumfuchteln musstet, bevor die Anwendung tatsächlich lief.

Dank LIDAR startet ihr die AR-Anwendung, und eine knappe Sekunde später könnt ihr auch schon loslegen. Warum allerdings noch keine Portrait-Fotos möglich sind (das Face ID an der Front kann dies und funktioniert nach dem selben Prinzip), ist eventuell der Software geschuldet. Es kann gut sein, dass dies mit iOS 14 nachgeliefert wird, aber genauso kann es sein, dass LIDAR im iPad Pro 2020 nur eine Art Probelauf für eventuelle Apple AR-Brillen sind. So können sich EntwicklerInnen jetzt schon mit diesem Sensor vertraut machen, bevor etwas Neues auf den Markt kommt.

Technische Daten des iPad Pro 2020

Im neuesten Tablet (in 11 und 12,9 Zoll erhältlich) steckt jeweils ein A12Z-Prozessor, der acht CPU- und acht Grafik-Kerne und 6 GB RAM beinhaltet. Das Liquid Retina Display bietet 600 Nits Helligkeit, bis zu 120 Hz Bildwiederholrate je nach angezeigtem Inhalt, den P3-Farbraum sowie eine Auflösung von 2388 x 1668 Pixel (264 ppi). Dank True Tone wird der Weißabgleich stets an eure Umgebung angepasst, und der IPS-Bildschirm ist sowohl farbgetreu als auch blickwinkelstabil. Die Kameras hinten lösen mit 12 MP (Weitwinkel) und 10 MP (Ultraweitwinkel) auf, die Selfie-Kamera vorne mit 7 MP.

Als Connector dient eine USB-C-Buchse, die ihr zum Laden und zum Verbinden mit anderer Hardware nutzt. Weiters hat das iPad Pro 2020 4 Lautsprecher verbaut, fünf Mikrofone sind mit an Bord so wie der neue WLAN 6-Standard. Bluetooth 5.0 ist genauso integriert, und wenn ihr euch für ein LTE-Modell entscheidet, gibt es auch einen Nano-SIM-Slot sowie Mobilfunkempfang für euer Tablet. Wenn ihr das Gerät stark nutzt (und da reden wir wirklich von Spitzenauslastung), wird das Apple-Logo auf der Rückseite warm. Der Akku fasst 28,65 Wattstunden und sorgt für etwa zehn Stunden Nutzungsdauer, was ihr je nach Tätigkeit auch stark erhöhen könnt.

Fazit zum Tablet: Der alte und neue Maßstab

Egal, ob ihr das iPad Pro 2020 mit oder ohne dem Apple Pencil 2 bedient, ihr Tastatur und Maus/Trackpad nutzt oder sonstige Anforderungen an ein Tablet habt: Dieses Gerät stellt die absolute Königsklasse bei Tablets dar, wie es auch die offizielle Website beschreibt. Abgesehen vom happigen Preis, der bei 879 Euro startet und je nach Ausstattung schnell nach oben gehen kann, gibt es nichts, das man diesem iPad vorwerfen könnte. Wenn ihr versteht, wofür ein Tablet gut ist und für welche Aufgaben es hervorragend erledigen kann, ist die Diskussion rund um „kann es ein Notebook ersetzen?“ gar nicht erst notwendig.

Ob das neueste Tablet aus dem Hause Apple nun wirklich schneller ist als 92 % aller verkauften PCs, wie das Marketing behauptet? Das wird wohl auf ewig ein Fall für Fans und Technik-Freaks bleiben. Es stimmt jedoch, dass alles gefühlt blitzschnell erledigt wird, und gemeinsam mit den angenehmen Abmessungen und der hervorragenden Haptik nimmt man das Tablet immer wieder gern zur Hand, egal, um welche Aufgabe es sich dreht. Wenn ihr das beste Tablet sucht, das es derzeit gibt (und Geld keine Rolle spielt), ist dies ganz klar das iPad Pro 2020!

9.5

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für Apple iPad Pro 2020 (11 Zoll) Test: Produktiv und portabel von Mandi

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