World of WarCraft: Shadowlands (PC) im Test – Und täglich grüßt das Murlock-Tier

von postbrawler 07.12.2020
  • Genre: MMORPG
  • HerstellerIn: Blizzard Entertainment
  • Typ: Add-on
  • Hauptspiel: World of WarCraft

Um in meinem Test zu World of WarCraft: Shadowlands allfällige Zirkelbezüge zu vermeiden, habe ich mir erst einmal meine Reviews der früheren Add-Ons zu Gemüte geführt.

All meine bisherigen WoW-Reviews:

Dabei bin ich zu folgender Erkenntnis gekommen: Ich mach das hier eigentlich schon ziemlich lange, und es ist mir dennoch nie die Lust daran vergangen. Ich habe zwar nicht 16 Jahre lang durchgehend Abogebühren für World of WarCraft bezahlt, das wären ja mittlerweile immerhin die Kosten für einen nagelneuen Gaming-PC! Abgesehen von kleineren Pausen war ich aber von Anfang an dabei, und habe jedes Add-On zumindest eine Zeit lang gespielt. Ob ich Shadowlands von Anfang bis Ende treu bleiben werde, kann ich stand heute nicht mit Gewissheit beantworten. Diese Ehre erwies ich bisher nur Shadowlands spirituellem Brückenpfeiler Wrath of the Lich King. Was ich bisher gesehen und erlebt habe, hat aber durchaus Eindrücke bei mir hinterlassen. Und darüber möchte ich in diesem Test berichten. Also schwingt euch aufs Flugmount, und schreitet mit mir durch die Pforte des Todes!

Handlung

Die einleitende Handlung zu Shadowlands ist rasch erklärt. Die Horde-Kriegsfürstin Silvanas Windläufer hat den amtierenden Lichkönig Bolvar Fordragon entmachtet, und ihm die Eiskrone entrissen. Doch statt sich selbst zur neuen Lichkönigin zu krönen, zerstört sie das gute Stück einfach, und reißt damit einen Spalt zu den Schattenlanden auf. Diese WarCraft’sche Version des Jenseits haben wir in früheren Erweiterungen bereits andeutungsweise in Form des Seelenschlunds kennengelernt, doch dahinter verbirgt sich weit mehr als eine triste Einöde.

Copyright: Blizzard

Die Schattenlande sind ein abwechslungsreiches neues Gebiet, das sich aus mehreren bekannten Aspekten der WoW-Geschichte zusammensetzt. Da wäre zum Beispiel der von Feen und Dryaden bewohnte Ardenwald, der dem smaragdgrünen Traum der Druiden nachempfunden ist. In Maldraxxus hingegen treiben Skelette, Ghule und Schleimbatzen ihr Unwesen unter schwebenden Nekropolen am giftgrünen Himmel. Vampirische Wiedergänger haben sich in Revedreth ein schickes Reich der Finsternis samt gotischen Burgen und mittelalterlichen Folterinstrumenten errichtet. Am beeindruckendsten finde ich aber Bastion, die bildgewaltige Interpretation des christlichen Himmels samt Engelsfiguren und pompösen Wolkenschlössern. Inmitten dieser Reiche steht Oribos, die neue Hauptstadt der Erweiterung und Verkehrsknotenpunkt zwischen den Gebieten. Von dort gelangt ihr auch in den Schlund. Dieser ist das Endgame-Gebiet der Schattenlande, und gleicht am ehestem dem, was man landläufig als „Hölle“ bezeichnen könnte. Der hiesige Teufel hört auf den schlichten Namen „Kerkermeister“, und wird einer der vielen zu bezwingenden Raid-Bosse der Erweiterung werden.

Anders als in bisherigen Erweiterungen nimmt die Haupthandlung eine zentrale Rolle ein, und muss von zumindest einem Charakter eures Accounts einmal durchgespielt werden. Neue schildförmige Quest-Marker weisen Aufgaben als Teil der Haupthandlung aus. Erst, wenn ihr die Haupthandlung abgeschlossen habt, könnt ihr Endgame-Features wie euren Pakt, den Schlund und Torghast freischalten, selbst wenn ihr lange davor die Maximalstufe erreicht habt. Etwas konventioneller haben es da eure Twink-Charaktere. Sie können sich nach der Intro Quest-Reihe für den Pfad des Schicksals entscheiden, und die Spielwelt fortan weniger linear und handlungsgetrieben erforschen.

Gameplay

Copyright: Blizzard

Wer je durch eine WoW-Erweiterung gelevelt hat, wird sich auch in Shadowlands rasch zurechtfinden. 10 Stufen gilt es zu überwinden, bis man die Maximalstufe 60 erreicht hat. Sechzig? Wird sich nun so manch geneigte LeserIn zurecht fragen. Waren wir nicht längst jenseits der Hundertermarke angelangt? Ganz richtig, aber neben dem allfälligen Item-Squish führen die MacherInnen diesmal auch gleich einen Level-Squish ein, und dampfen damit alle bisherigen Erweiterungen samt Hauptspiel auf eine einzige Levelphase von 1 bis 50 zusammen. Als frischgebackene HeldIn kann man entweder durch die Inhalte das letzte Add-On Battle for Azeroth questen, oder dank Chromie-Time jede andere der sieben bisherigen Erweiterungen zum Hochleveln auswählen. So rasch und bequem war es seit langem nicht mehr, sich einen neuen Twink-Charakter hochzuziehen. Als Dreingabe für NeueinsteigerInnen gibt es von Level 1 – 10 mit der Insel Exiles Reach sogar ein neues, einheitliches Startgebiet.

Klassen gibt es auch diesmal zwar keine neuen, aber die Talentbäume der mittlerweile 12 spielbaren Klassen wurden wieder einmal einer Frischzellenkur unterzogen. Teils behutsam, teils radikal wurden Talentbäume aufgeräumt, alte Fähigkeiten entmistet und einige altbekannte Zaubersprüche wieder eingeführt. So freuen sich Paladine beispielsweise über die Rückkehr von Auren, und Krieger aller Spezialisierungen über Schildangriffe, die zuvor nur Beschützern vorbehalten waren. Das legendäre Amulett und Herzstück der vorherigen Erweiterung mit seinen sockelbaren Spezialfähigkeiten wird hingegen in Rente geschickt, und durch Paktfähigkeiten ersetzt.

Pakte

Was sind Pakte, fragt Ihr euch? Jedes der zuvor genannten Gebiete ist die Heimat einer Fraktion, in deren Dienste ihr euch ab Erreichen der Maximalstufe stellen könnt. Die Levelphase dient dabei als Einführung in die vier Paktfraktionen: Venthir, Nekrolords, Nachtfae und Kyrianer. Habt ihr euch für euren Pakt entschieden, ergießt sich das Füllhorn der unerschöpflichen Möglichkeiten über euch. Ihr könnt den Sitz eures Paktes ähnlich der Garnison in WoD erweitern, Anima sammeln und damit euer Ansehen beim Pakt steigern, Verbündete auf Missionen schicken, und, und, und. Vor lauter neuen Funktionen und Währungen verliert man schnell den Überblick. Was war nochmal der Unterschied zwischen Anima, Stygia, Seelenasche, Phantasma und Ansehen?

Neben den Pakten solltet ihr eure Aufmerksamkeit im Endgame auch dem Gebiet „Der Schlund“ und dem Turm Torghast widmen. Während ihr im Schlund gegen die Schergen des Kerkermeisters vorrückt, und euch seinen strengen Blicken entziehen müsst, schnetzelt ihr euch in Torghast in feinster Diablo Manier als immer mächtiger werdende Kampfmaschine durch zufallsgenerierte Stockwerke und zahllose Gegnerhorden. Dabei zählt Torghast sicherlich zu den kurzweiligsten neuen Features, die seit langem in World of WarCraft Einzug gehalten haben.

Grafik und Präsentation

Copyright: Blizzard

Wie jedes neue Add-On schraubt auch Shadowlands die maximalen Systemanforderungen, und damit die visuelle Opulenz ein Stückchen weiter nach oben. Neu mit dabei sind neue Schatten und Beleuchtungs-Effekte, schärfere Texturen und bombastisch animierte Sky-Boxen. Auch die Vegetationsdichte und Animationen von Bäumen und Gegenständen wurde aufgebohrt. Und – ja, ich sage das in jedem Review – die Sichtweite und der Detailgrad von Objekten am Horizont wurden ebenfalls wieder verbessert. Alles in allem muss WoW sich auch nach 16 Jahren keineswegs vor der Konkurrenz verstecken!

Fazit zu World of WarCraft: Shadowlands

Ich könnte hier jetzt noch stundenlang weitererzählen. Seit ich begonnen habe diesen Artikel zu schreiben habe ich zahllose Stunden in Dungeons, bei Questen und in Torghast verbracht. Selbst einen zweiten Charakter habe ich bereits auf Level 55 gebracht. Und auch in diesem Add-On gilt wieder: Langweilig ist mit bisher noch nie geworden! Die MacherInnen spannen einen behutsamen Bogen zwischen Levelphase und Endgame. Man bekommt genügend Zeit und Gelegenheit sich mit den neuen Tätigkeiten auseinander zu setzen. Jede neue Mechanik wird erst einmal ausführlich erklärt, bevor sie in Fleisch und Blut übergeht. Ich hatte nie das Gefühl auf irgendeine hirnlose Grind-Mission geschickt zu werden. Selbst die Pakte halten noch jede Menge spannende Story-Missionen bereit. In Woche drei des Add-Ons öffnet der erste Raid seine Pforten, und Weltbosse werden freigeschaltet. Der Runenschmied wartet darauf, dass ich mein erstes legendäres Item schmiede – wie gesagt: Ich könnte endlos weitererzählen. Und das ist es doch, was ein gutes MMO ausmacht: Das ihm nie die Geschichten ausgehen. Und deshalb ist World of WarCraft auch nach 16 Jahren für mich noch der ungeschlagene Champion der MMOs!

9.5

Wertung: 9.5 Pixel

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