Rune Factory 5 Test (Switch): Ambitioniertes Tausendsassa-RPG

von Mandi 22.03.2022

In Rune Factory 5 entflieht ihr eurem Alltag, um euch dem schönen Landleben zu widmen. Klingt bekannt? Die Formel ist alt, das Spiel ist neu – lest unseren Test!

So startet Rune Factory 5

In der verschlafenen Grenzstadt Rigbarth findet ein Umbruch statt. Mysteriöse Ereignisse entfalten sich und beeinflussen die Runen, die das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur bestimmen. Als neuester Rekrut für die Friedensorganisation SEED spielt ihr eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Harmonie im bedrohten Norad-Königreich. Ohne Erinnerungen an eure Vergangenheit und als Neuling müsst ihr euch zunächst das Vertrauen aller verdienen. So gilt es, mit den Menschen in Rigbarth zusammenzuarbeiten, um der Stadt zu helfen, sie gedeihen zu lassen, Freundschaften zu schließen und sich dabei einen Namen zu machen. Mit einem Zaubersiegel könnt ihr zudem Monster besiegen und fangen – könnt ihr den Absturz ins Chaos verhindern?

Ihr seht also – Rune Factory 5 will das Beste aus früheren Titeln vereinen und euch jede Menge Möglichkeiten geben. Ob ihr nun gegen wilde Monster kämpfen wollt, euch eurer Farm widmen möchtet, oder doch lieber die SEED-Aufgaben nacheinander erledigt, ist euch überlassen. Je mehr Aufgaben ihr löst, umso weiter steigt ihr im Ansehen (ähnlich wie in Pokémon Legends: Arceus) und schaltet mehr frei. Ihr dürft euch auch auf gemeinsame Kämpfe mit von euch gewählten Charakteren freuen, ihr könnt Monster auch bezirzen, schlussendlich zähmen und sogar für Erntearbeiten einsetzen. Natürlich dürfen in so einem Spiel auch Optionen betreffend Beziehungen und Heirat nicht fehlen, und das Spiel macht dabei keinen Unterschied bezüglich den Geschlechtern.

Eure ersten Schritte

Jeder darf also alles, die Möglichkeiten sind frei und unbegrenzt – wo fängt man da also am besten an? Die Geschichte von Rune Factory 5 startet mit dem bekannten Amnesie-Problem: Eure Spielfigur taucht in Rigbarth auf und muss sich erst einmal zurechtfinden, so weit nichts Neues. Also braucht es ein großes Tutorial, und das Spiel hat das natürlich gleich in der Story integriert! Ihr verbringt also die erste Zeit im Spiel darin, zunächst einmal das Örtchen kennenzulernen. Jeder in Rigbarth spricht liebend gern mit euch, und als SEED-Neuling (die Miliz vor Ort sozusagen) bietet es sich geradezu an, eure potentiellen Questgeber:innen schon mal vorab kennenzulernen. Hier macht der Titel von der Systematik her nicht viel anders als andere Spiele, aber der Teufel steckt im Detail.

So werdet ihr in der ersten Spielstunde mit komplett anderen Figuren konfrontiert, die teils Interesse wecken sollen und teils dazu da sind, um die Diversität der Charaktere zu unterstreichen. Ein muskulöser Wer-Kater ist dabei ebenso mit von der Partie wie Figuren der Marke „Süße Prinzessin“, es gibt aber auch den coolen Langschläfer, eine geheimnisvoll-mysteriöse Figur und eine Sukkubine, die es auf eure Spielfigur abgesehen hat. Nicht nur das, auch die NPCs untereinander agieren ziemlich heftig – auf der einen Seite gibt es eine Schlägerei, auf der anderen Seite einen Shopbesitzer, der euch von Anfang bis Ende mit einer Comedy-Performance durch den Kakao zieht. Rune Factory 5 scheut nicht davor zurück, Dinge teils dramatisch anders zu machen, was die Figuren angeht.

Das Gameplay von Rune Factory 5

Was den Spielstil an sich angeht, so bleibt Rune Factory 5 seinen Wurzeln treu. Ihr habt in Rigbarth eine Bleibe und könnt auf einer Anschlagtafel Aufgaben von verschiedenen Questgeber:innen entgegennehmen, die euch nicht nur Belohnungen, sondern auch SEED-Punkte (also Dankbarkeitspunkte) einbringen. Diese wiederum könnt ihr dazu verwenden, dem Dorf weiterzuhelfen. Das Spiel nennt diesen Vorgang Directives, also Richtlinien, und diese könnt ihr entweder für den Eigengebrauch verwenden (Größere Taschen! Besseres Werkzeug!) oder aber dazu, um in Rigbarth Veränderungen auslösen. Anfangs sind die Konsequenzen noch minimal, doch während des Tutorials wird klargemacht, dass ihr die Wichtigkeit dieser Richtlinien begreift.

Das Spiel ist also ziemlich nach euren Wünschen formbar, was Rigbarth angeht. Ganz genre-typisch erwartet euch eine Lebensleiste, eine Ausdauerleiste und auch eine Uhrzeit, die mit jeder vergangenen Sekunde voranschreitet. Ihr müsst dann also die Balance finden zwischen Produktivität, dem zeitigen Lösen von Aufgaben und dem Ausruhen beziehungsweise der Teilnahme an Events. Denn mit SEED-Punkten könnt ihr auch Festivals mit verschiedenen Schwerpunkten (Kochen, Fischen, Bohnenweitwurf) ermöglichen, an denen dann die Dorfbewohner:innen teilnehmen. Das ist eine Chance, sich mit euren Lieblings-Kandidat:innen gutzustellen und dort erste Avancen zu machen. Bis ihr jemandem dann eure Liebe gesteht, das könnte dann alles auf den Kopf stellen…

Vier Säulen im Spiel

Was Rune Factory 5 ausmacht, sind in Wahrheit die vier Grundpfeiler der Serie. Da ist zunächst einmal das wesentlich actionorientiertere Gameplay als in Konkurrenztiteln: Ihr könnt jederzeit Rigbarth verlassen und in der Wildnis Monster bekämpfen oder zähmen. Mehr noch, wenn euch Charaktere wohlgesonnen sind, könnt ihr nicht nur mit ihnen anbandeln, sondern sie auch zu einem Abenteuer in der Wildnis überreden. So kämpft es sich gleich wesentlich leichter, und das wiederum führt zu einem Anstieg der Sympathie untereinander. Auf diese Weise könnt ihr Freundschaften stärken und euch sogar verlieben – bis zur Heirat geht das Ganze! Wenn ihr euch aber dafür überhaupt nicht erwärmen könnt, gibt es immer noch andere Dinge zu tun.

So könnt ihr euer Rune Factory 5-Erlebnis auch mal ruhiger angehen lassen und euch ein wenig ausruhen. Ob es nun spaßige Dates mit euren Kandidat:innen sind, saisonale Festivitäten oder einfach nur das Herumspazieren und Erforschen der Welt rund um Rigbarth, ihr könnt tun und lassen, was ihr wollt. Das schlägt sich auch bei der Farmarbeit nieder: Wer es klassisch mag, kann natürlich auf Feldern Ernte anbauen. Doch es ist auch möglich, das Ganze auf dem Rücken eines Drachen zu tun, und gezähmte Monster können euch bei Arbeiten zur Hand gehen. Ob ihr sie nun Samen streuen, die Früchte ernten oder Schutt von den Feldern räumen lasst, ist euch überlassen. So wie bei euren Liebes-Kandidat:innen empfiehlt es sich auch bei den Tieren, regelmäßig Geschenke zu bringen! Hier ein Übersichts-Trailer für euch:

Eine kleine Spaßbremse

Theoretisch seid ihr nun in alles eingeweiht, was euch im Spiel so alles erwartet. Natürlich gibt es noch ein paar Extras wie Magie, die durch Runen entsteht, und einen halbwegs geregelten Tages- und Wochenablauf in Rigbarth. Doch wie spielt sich Rune Factory 5 nun auf der Nintendo Switch? Ich muss sagen, leider hapert es an der technischen Umsetzung. Während unbestreitbar eine Menge Content auf euch wartet, ist das Erlebnis von Anfang an etwas ruckelig. Egal, ob ihr das Game im Handheld- oder im TV-Modus spielt, so richtig flüssig will das Game nicht laufen – siehe den Trailer gleich über diesem Absatz. Das ist besonders schade, da gerade in den ersten Minuten des Kennenlernens Dialogsequenzen, kleine Anime-Filmschnipsel und das tatsächliche Gameplay schnell Lust auf mehr machen. Doch der Level kann nicht ganz gehalten werden.

Denn während ihr Rigbarth erkundet, seht ihr schnell, dass hier technisch nicht viel los ist. Rund um eure Spielfigur seht ihr, wie das Gras aufploppt und Texturen schärfer werden, ich hoffe, dass das nur in der Version 1.0 der Fall ist und zum Release des Spiels behoben wurde. Da reden wir noch gar nicht von Dungeons, in denen ihr mit einigen Monstern kämpft – im Kampf sind Ruckler auch vorhanden und nervig. Ebenso bei der Quality of Life-Schiene gestaltet sich Rune Factory 5 etwas umständlich: Jeder Gegenstand kann aufgehoben werden, und erst mit einem zweiten Tastendruck entscheidet ihr, ob ihr diesen werft, ausrüstet oder verstaut. Das kann wesentlich eleganter gelöst werden, vor allem, da ihr dann doch einiges mit Gegenständen zu tun haben werdet. Ist das echt Absicht gewesen?

Trotzdem: Irgendwo im Fluss

Wer aber solche Adventures liebt, kann natürlich auch mit Rune Factory 5 etwas anfangen. Die einzelnen Mechaniken greifen so gut wie nahtlos ineinander, und wer mit den knallbunten Charakteren aus Rigbarth Freude hat, kann sich bei ihnen gnadenlos beliebt machen. Ehe ihr es euch verseht, befindet ihr euch dann im altbekannten Zeitstress, wenn ihr euch selber nicht eine Planung macht, welche Tage ihr wofür nutzen wollt. Wenn ihr so wie ich in den Tag hineinlebt und mal ein bisschen farmt, ein wenig kämpft und vielleicht ein Festival besucht, bekommt ihr unter dem Strich nirgendwo wirklich viel etwas weiter. Geschenke wollen verteilt werden, tägliche Gespräche sind wertvoll und da war auch noch die Anschlagtafel, deren Aufgaben niemals enden wollen.

Die Feedback-Schleife ist jedenfalls vorhanden, und es macht natürlich Laune, dem Dorf immer wieder unter die Arme zu greifen. Ihr dürft die hiesige Klinik ausbauen, euch Farmdrachen zulegen und Events unter einem gigantischen Baum genießen. Action-Fans werden Stammgäste in den ansässigen Ruinen, unter denen sich ein Dungeon-Komplex verbirgt. Diesen könnt ihr sowohl mit Freundesfiguren wie auch mit gezähmten Monstern erforschen und ausräumen – das macht euch Zug um Zug wiederum reicher und stärker. So, wie es sich für ein RPG gehört, werdet ihr in Rune Factory 5 durch Laufen, Kämpfen und Arbeiten nämlich täglich stärker, was euch wiederum zu höheren Aufgaben befähigt. Habt ihr aber eine Balance zwischen Spielen, Arbeiten und Menüs im Game gefunden, macht alles richtig Laune.

Die Technik von Rune Factory 5

Wie bereits angesprochen ist die Optik von Rune Factory 5 auffällig – leider im negativen Sinne. In der getesteten Version 1.0 ploppen Grashalme und Texturen rund um den Charakter auf, während ihr nichts tut, außer euch zu bewegen. Weiters ruckelt das Geschehen sowohl in der Stadt, in Gebäuden wie auch im Kampf ganz gerne – das darf nicht sein. Man kann schon bei der technischen Umsetzung sparen, aber dann bitte so, dass es den Spieler:innen nicht auffällt! Dafür vermag der Artstyle zu gefallen, und die Art, wie das Spiel nahtlos Anime-Sequenzen ins Spiel eingebaut hat, bekommt es von meinem Geschmack sowieso Bonuspunkte spendiert. Leider kann das tatsächliche Game rund um die Dialog- und Filmsequenzen diesen Level nicht halten, das bessert sich hoffentlich mit zukünftigen Patches.

Auch bei der Steuerung gibt es so manchen Abstrich – zwar funktioniert alles so, wie es soll, und auch im Kampf kann man sich ganz gut bewegen. Allerdings scheint die Vielzahl der Möglichkeiten, die ihr im Spiel habt, der fokussierten Steuerung im Game abträglich zu sein. Gemeinsam mit den Rucklern fühlt man sich nicht ganz so wohl in Rune Factory 5, was aber eventuell mit Patches verbessert werden kann. Zu guter Letzt war da der Sound, und die Sprecher:innen (allen voran Robbie Daymond aus Exandria Unlimited und Critical Role) legen sich hier so richtig ins Zeug. Auch die Menü- und Hintergrundmelodien heben sich gelungen vom Einheitsbrei ab, richtige Ohrwurm-Qualitäten hat aber hier kein Track. Technisch gesehen ist das Game guter Durchschnitt, mit Ausnahme der Optik.

Fazit zum Spiel: Hat Luft nach oben

Am Papier gibt es so viel zu tun, so viel zu erleben und so viel zu erforschen – für alle ist etwas dabei. Ob Romantik-Optionen mit sämtlichen Kandidat:innen, der Anbau der exotischsten Pflanzen, der Kampf mit einer Vielzahl an Gegnern in Dungeons oder die Festivals in der Rigbarth-Gemeinde: Rune Factory 5 strotzt nur so vor Inhalten. Da ist es direkt schon fast schade, dass dem Game sowohl sein langatmiges Tutorial als auch die etwas schwachbrüstige technische Umsetzung im Wege stehen. Pop-Up-Effekte und Ruckler mindern den Spielspaß in der Version 1.0 immer wieder, das wird hoffentlich demnächst behoben. Denn an Möglichkeiten mangelt es euch definitiv nicht, ob ihr nun eure Werkzeuge und Waffen selber hochschmiedet oder euer Dorf durch Richtlinien verbessert.

Wer jeden Tag aufs Neue mit seinen Lieblings-Charakteren interagiert, kann sich ganz wie in Animal Crossing: New Horizons auf die eine oder andere Belohnung freuen. Das macht natürlich Spaß, aber Einsteiger:innen fühlen sich von der Fülle an To-Dos, die sich unweigerlich ansammelt, schnell einmal gefordert. Unter dem Strich versteckt sich hier ein kleines Juwel hinter technischen Hoppalas und etwas ungünstiger Steuerung, das mit vielen Inhalten lockt und seine ganz eigenen Qualitäten besitzt. Es gibt immer wieder etwas zu tun, und die Feedback-Schleife ist sehr gut gelungen: Alles, was ihr macht, bringt euch irgendwie weiter und macht euch besser. Für Fans des Genres ist das Spiel durchaus empfehlenswert, doch Neulinge werden sich von Rune Factory 5 (zur Website) kaum überzeugen lassen.

Wertung: 7.5 Pixel

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