Monster Hunter Rise Review: Rise like a Phoenix?

von Mathias Rainer 11.04.2021

Am 26. März 2021 kehrte das Monster Hunter-Franchise auf die Nintendo-Konsolen zurück. Seit diesem Datum könnt ihr auch auf der Switch riesige Dinos verhauen und deren Einzelteile weiterverarbeiten. In unserem Monster Hunter Rise Review erklären wir ausführlich, wie gut die Jagd im Docking- als auch im Handheld-Modus diesmal ausfällt. Erhebt sich Capcoms neuester Triple-A-Titel wie Phönix aus der Asche?

Daten und Fakten zum Game

  • Datum der Erstveröffentlichung: 26. März 2021
  • Genre: Action-Rollenspiel
  • Spielmodus: Einzelspieler, Mehrspieler
  • Plattformen: Nintendo Switch, ein Release für den Windows-PC ist für 2022 geplant
  • Altersfreigabe: PEGI 12
  • Entwickler und Publisher: Capcom
  • Editionen: Standard Edition und Deluxe Edition
  • Preise: 59,99 Euro bzw. 69,99 Euro (laut offizieller Angaben von Nintendo)
  • Vertonung: Englisch, Japanisch, Monster Hunter-Sprache
  • Texte: Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Russisch

Aller Anfang ist schwer, oder?

Wer die Monster Hunter-Reihe schon länger verfolgt, der weiß aus eigener Erfahrung nur zu gut, dass der Neueinstieg in die Serie schon ein sehr langwieriger sein kann. Die verschiedenen Mechaniken zu verinnerlichen – von denen es auch in Monster Hunter Rise wieder zuhauf gibt – kann schon einmal einige Stunden beanspruchen. Der ambitionierte Jäger wird in der Regel zu Beginn mit zahlreichen Tutorial-Textboxen erschlagen. Verständlich, wenn man diese erstmal genervt wegdrückt, nur um dann irgendwann festzustellen, dass man eine offenbar wichtige Info verpasst hat.

Mit diesem Teil macht sich bei mir nun das Gefühl breit, dass Capcom gerade solche Frustmomente – auch im Hinblick auf den Release auf der familienfreundlichen Nintendo Switch – tunlichst vermeiden wollte. Ich werde mehr oder weniger in das kalte Wasser geworfen. Das ist aber keineswegs ein Kritikpunkt. Denn wo ich nach der Charaktererstellung in Monster Hunter World erstmal eine Einführung in die Story bekam – die ja bekanntlich im Franchise immer eine untergeordnete Rolle spielt – starte ich diesmal als Rookie-Jäger direkt in einem gemütlichen, japanischen Dorf namens Kamura.

Großes Dorf-Sightseeing

Durch die verschiedenen Bewohner bekomme ich in den nächsten Minuten die Rolle der unterschiedlichen Gebäude erklärt. Am Markt kann ich neue Gegenstände erwerben und an der Lotterie teilnehmen. An der Schmiede lasse ich logischerweise meine Waffen und Rüstungen schmieden sowie verstärken.

Im Restaurant bestelle ich mir vor der Jagd Dangos, welche mir unterschiedliche Buffs für den Kampf verleihen. Im Stahlwerk selbst nehme ich diverse Aufträge an – das reicht von einfache Expeditionen in die Wildnis, Missionen zur Ressourcenbeschaffung bis hin zu den tatsächlichen Jagd-Quests. Selbige kann ich alternativ auch in der Versammlungsstätte – dem Mehrspieler-Bereich des Spiels – durchführen.

Zu guter Letzt machen mich die durchwegs sympathischen Figuren noch auf den Buddy-Plaza des Dorfes aufmerksam. Dort kann ich meine tierischen Kumpanen tranieren lassen oder sie auf eine unabhängige Beutejagd schicken. Der umfassende Rundgang in Kamura macht mir auch relativ schnell klar, inwieweit sich Monster Hunter Rise von bisherigen Teilen der Reihe wie etwa Monster Hunter World unterscheidet – zum Guten aber auch teilweise zum Schlechten.

Wie Hund und Katz!

In Rise bekomme ich von Beginn weg gleich zwei flüschige Begleiter zur Seite gestellt. Zum einen unterstützt uns natürlich unser katzenartiger Palico, dem wir diesmal sogar unseren Wünschen entsprechend Anweisungen erteilen können. Soll er uns auf Missionen aggressiv im Kampf unterstützen, den Fokus lieber auf heilenden Support legen oder in der Welt selbständig Ressourcen sammeln gehen? Hier können wir schon einmal ein wenig experimentieren – auch weil wir durch den zweiten Kollegen im Bunde noch einmal zusätzliche Möglichkeiten bekommen.

Der Palamut ist nicht nur ein hundeartiges Wesen, welches uns aktiv bei der Jagd unterstützt. Er stellt sich auch in den Missionen selbst als fortschrittlicher Begleiter heraus. Auf diesem können wir nämlich auch reiten und kommen so in windeseile auf der Map von einem Ort zum anderen. Auf der Ebene funktioniert das auch in der Praxis immer tadellos.

Nervtötend war es für mich hintegen immer dann, wenn ich auch mehrere Ebenen überbrücken musste. Will man nämlich einen Vorsprung erklimmen, so muss man sich in Monster Hunter Rise per Seilkäfer – die den selben Zweck eines Enterhaken erfüllen – zur nächsten Ebene befördern. Erst danach kann man wieder auf seinen Begleiter aufsitzen, was immer ein paar Sekunden mehr benötigt als es eigentlich müsste oder sollte.

Die Seilkäfer sind in dieser Form übrigens ebenfalls eine Neuerung. Zwar gab es diese schon in Monster Hunter World: Iceborne, allerdings konnte man sich dort nur an großen Monstern anwenden um auf diesen zu reiten. Das geht auch in Capcoms neuestem Ableger wieder. Man kann diese im Jahr 2021 aber zusätzlich sogar steuern, während man auf deren Rücken sitzt. Die echt gut inszenierten Revierkämpfe des Vorgängers erhalten somit einen gänzlich neuen Blickwinkel, die Steuerung der gigantischen Kreaturen funktioniert auch entsprechend behäbig, aber in jedem Fall gut.

“A Hunter must Hunt!”

Dieses Zitat aus Bloodborne trifft auch in Monster Hunter Rise wieder vollkommen zu. Schluss also mit dem informativen Rundgang durch Kamura und auf zur ersten Monsterjagd! Durch die Zweiteilung der Missionen in Dorf-Quests und Stätten-Quests haben wir die Qual der Wahl, mit welchen Aufträgen wir unsere ersten Schritte als Jäger machen wollen.

Dieser Split ist auch eine Unterscheidung, die es so etwa in Monster Hunter World nicht gab. Man hatte eine Questreihe – jene die auch die Story voranbrachte – welche sowohl im Alleingang oder im Multiplayer absolviert werden konnte. Hier ist das ganze etwas aufgetrennter und jede Mission ist einem gewissen Jägerrang zugeordnet. Quests der Stufe 5 werden etwa erst freigeschaltet, werden erst freigschaltet, wenn man 5 Missonen der Stufe 4 absolviert hat. Der Stufe sind dann auch die unterschiedlichsten Monster zugeordnet, was wiederum einen niedrigeren oder höheren Schwierigkeitsgrad mit sich bringt.

Einen blutrünstigen Tigrex zu killen ist mit einer relativ gemütlichen Pukei-Pukei-Jagd nicht zu vergleichen. Wählt man eine Stätten-Quest multipliziert sich der Anspruch auch noch, weil diese Missionen eben als Koop-Modus angelegt ist. Warum man diese aber unbedingt aufteilen musste, stößt bei mir bis zu einem gewissen Grad an Unverständnis.

Das vermeintliche Ende

So fühlt es sich für mich irgendwie weird an, wenn ich im Rahmen der Dorf-Quests den vermeintlich finalen Antagonisten lege – sogar die Credits über den Bildschirm rollen – ich aber noch eine ganze Reihe an weiteren Herausforderungen vor mir habe.

Versteht mich nicht falsch, prinzipiell ist die Vorgehensweise ja vollkommen OK und da der Fokus der Monster Hunter-Reihe sowieso nie auf der Story lag, ist das auch nur ein winziger Tropfen auf dem heißen Stein. Eine merkwürdige Design-Entscheidung bleibt das für mich aber dennoch, gerade weil man es in der Vergangenheit schon einmal besser hinbekomen hat. Eine Strukturierung wie in World bzw. später in Iceborne hätte mir insgesamt denke ich auch hier wieder besser gefallen.

Ist Vereinfachung immer besser?

Auf der Jagd selbst entfalten sich dann für mich die größten Vereinfachungen des Spiels im Vergleich zu seinen sperrigen Vorgängern. Neue Monster muss man nicht mehr aktiv suchen und werden einem stattdessen als Fragezeichen auf der Map angezeigt. Statt sich vor der Jagd immer sein klassisches Menü für Angriffs- sowie Verteidigungs-Buffs reinzupfeifen, greift man in Monster Hunter Rise auf statusverändernde Insekten zurück.

Diese sammelt man nun nach dem Missionstart am Wegesrand der einzelnen Maps ein. Vor allem im späteren Spielverlauf wird das immer wichtiger, da auch die Viecher immer krasser reinhauen. Insgesamt eine Vereinfachung, weil man dadurch nicht mehr das Risiko einer Mahlzeit hat, die einen eventuellen Buff doch nicht gewährt. Da ständige Sammeln nervt aber mit der Zeit doch mehr, als das es spielerisch einen Mehrwert bietet.

Willkommen beim Map-Recycling

Auch die 5 unterschiedlichen Landschaften wurden im Vergleich entschlackt, was für mich persönlich der größte Nachteil an den aktuellen Maps ist. Die vielen unterschiedlichen Verzweigungen des alten Waldes aus Monster Hunter World zu erkunden war eine spaßige Angelegenheit. Selbst nach dutzenden Spielstunden ist man da noch in neue Areale vorgedrungen.

Jetzt beschränken sich die einzelnen Maps auf wenige überschaubare Schauplätze – schon nach der ersten Expedition habe ich mehrere neue Lagerplätze gefunden. Darüber hinaus schafft es Monster Hunter Rise auch noch, ausschließlich bereits bekannte Szenarien zu recyclen.

Einen Wald, eine Wüste, eine Eis- sowie Lava-Landschaft  hatten wir auch im letzten Teil schon. Im Gegensatz dazu ist aber kein individuell sehr gelungenes Korallen-Hochland oder ein Sumpf wie das Tal der Verwesung mit an Bord. Zwar sind alle 5 aktuellen Maps schon relativ früh im Game spielbar, wirklich neues oder grafisch umwerfendes ist dabei allerdings nicht dabei. Man verpasst sogar die Gelegenheit ein traditionelles japanisches Setting wie in Ghost of Tsushima zu etablieren. Eine vertane Chance!

Um über die Landschaften noch einen positiven Punkt zu verlieren: im Vorgänger musste man etwa im Schnee oder in extrem heißen Gefilden immer dementsprechend ausgleichende Cocktails zu sich nehmen. Das war zwar nie wirklich störend, wurde in Rise nun aber ebenfalls vereinfacht. Heiß- bzw. Kaltgetränke wurden nämlich sogar komplett gestrichen. Dabei handelt es sich insgesamt um eine wieder gute Neuerung.

Ein bunter Cast ist Trumpf

Nicht lumpen lassen hat sich Campcom diesmal allerdings bei der schieren Anzahl an Monstern. Zwar sind die Quests in denen man auf die einzelnen Typen treffen kann etwas begrenzt, die Auswahl selbst ist dabei aber bemerkenswert. Neben vielen alten Bekannten gab es für mich auch einige neue Exemplare zu bestaunen. Als altem Monster Hunter-Fanboy geht einem richtig das Herz auf, wie gut die Dinger einfach animiert sind. Oft ist man im Kampf selbst völlig überrascht, welche unvorhergesehenen Moves etwa der schwerfällige Hoppelhase Lagombi kurz vor seinem Ablegen noch aus dem Hut zaubert.

Während man sich von Mission zu Mission hangelt, stellt sich mit jeder erfolgreichen Jagd mehr und mehr das für mich bereits aus dem vorherigen Teil bekannte Monster Hunter-Feeling ein. Ui, schon wieder ein paar neue Materialien eingesackt! Na dann auf zum Schmied und schauen wir mal, was wir uns davon schönes neues bauen können! Auweh, es fehlt noch genau ein Teil für das gesammte Set? Na dann starten wir gleich einen neuen Auftrag und probieren am besten gleich, das Vieh zu fangen für zusätzlichen Loot!

Diese Formel bestehend aus looten und leveln funktioniert bei uns Menschen halt einfach immer wieder und birgt ein unfassbares Suchtpotential. Auch Monster Hunter Rise fühlt unseren, diesen Urinstinkten wieder auf den Zahn und das ist eigentlich auch einer der Hauptgründe, warum auch dieser Titel genauso gut funktioniert wie ein von mir hochgelobte Monster Hunter World: Iceborne.

Da sich das Spiel auch im Handheld-Modus der Switch sehr gut anfühlt, ist man ein um das andere Mal versucht, auch spät Abends auf der Couch noch das eine oder andere Monster zu legen. Die Ladezeiten sind sowohl innerhalb der Ortswechsel, als auch zwischen den Lagern und beim Start der Mission wahnsinnig kurz. So kann man auch gechillt am Sofa noch ein paar Aufträge in kürzester Zeit erledigen. Davon gibt es schließlich auch genug: zum Verspeisen wollen noch ein paar neue Dango-Zutaten gefunden werden und immer wieder kommen Dorfbewohner mit kuriosen Ressourcenanfragen um die Ecke.

Randale!

Eine weitere Alternative zur klassischen Monsterjagd stellt der neue Randale-Modus dar. Die Urform dafür machte wie schon bei einigen anderen Features davor bereits der vergangene Teil. In Monster Hunter Rise wurde dieser jetzt aber zu einer wirklichen Spielform erweitert.

Auf diesen Missionen müsst ihr eure Wehranlage gegen eine heranstürmende Horde an bekannten Monstern verteidigen. Dafür stellt ihr Verteidigungsanlagen wie Ballisten oder Fallen auf.Als Abwechslung zu den im Prinzip immer wieder gleich ablaufenden Kämpfen gegen übergroße Dinos ist die Randale auf jeden Fall ein guter Zeitvertreib.

Dieser Modus ist auch in die Story des Games miteingewoben, was zwar die Implementierung dieser Art Missionen erklärt mich aber erneut nicht vollständig zufrieden zurücklässt. Ich haben nun dutzende Spielstunden mit Monster Hunter Rise verbracht, meine Waffen und Rüstungen aufgewertet, die Enzyklopädie der Monster soweit vervollständigt und am Ende auch die Story bis zu diesem Punkt abgeschlossen. Einen wirklichen Abschluss findet Capcom für seinen ambitionierten Titel aber (noch) nicht.

Dass das japanische Unternehmen noch ein paar Inhalte in der Hinterhand hat, beweist auch die vor einiger Zeit veröffentlichte Roadmap zum Spiel. In ein paar Wochen werden wir dann wohl hoffentlich auch den High-Rank für Jäger freigeschaltet bekommen und damit werden sicherlich wieder neue Monster-Varianten in das Game integriert werden.

Fazit: eine starke Flugeinlage

Der Monster Hunter-Phönix hat sich erhoben und in der Folge durchaus bewiesen, dass seine Flugeinlagen von hoher Qualität sind. Das Spiel besticht sowohl im Handheld-Modus als auch am 60 Zoll-Heimbildschirm durch ein durchgehend flüssiges Erlebnis. Die Grafik ist für Switch-Verhältnisse doch sehr schick und Bugs wurden – falls diese überhaupt in erwähnenswerter Anzahl vorhanden waren – seit dem Release vor ein paar Wochen weggepatched.

Auch spielerisch muss sich Rise hinter keinem bisher erschienen Teil des Franchise verstecken. Die bewährten Monster Hunter-Mechaniken greifen gefühlt sogar noch schneller uns stecken einen innerhalb kürzester Zeit mit dem Jagdfieber an. Obwohl der Titel gerade für Einsteiger in die Serie noch einmal vereinfacht wurde, gibt es doch genug Möglichkeiten im Game seinen Charakter individuell zu verbessern.

Einzig im direkten Vergleich mit seinem großen Bruder aus eigenem Hause und direktem Vorgänger Monster Hunter World: Iceborne muss sich der aktuelle Teil in punkto Content (noch) geschlagen geben. Updates und Erweiterungen wird es aber auch für dieses Spiel sicherlich in den nächsten Wochen und Monaten noch zu genüge geben. So reiht sich Monster Hunter Rise aber schon einmal in die Riege der absoluten Nintendo Switch-Must-Have-Titel mit ein.

Wertung: 8.6 Pixel

für Monster Hunter Rise Review: Rise like a Phoenix? von Mathias Rainer