Frostpunk Review – Ice Ice Baby!

von postbrawler 05.05.2018

So kann’s gehen: Da klickt man nichtsahnend und ohne große Erwartungen auf das Desktop-Icon eines kleinen Indie-Spiels namens Frostpunk. Und ehe man sich’s versieht, ist es zwei Uhr morgens und man hat 5 Stunden durchgezockt. So ist es mir bis dato nur mit wenigen Spielen ergangen. Wie es die This War of Mine-EntwicklerInnen von 11 Bit Studios geschafft haben, ein derart suchterregendes Aufbaustrategiespiel zu kreieren, versuche ich in diesem Review zu erörtern.

Annokalypse

Frostpunk spielt, wie der Name schon anmuten lässt, in einer postapokalyptischen Steampunk-Welt, die vom dickem Eis und Schnee überzogen ist. Die wenigen Überlebenden dieser Klimakatastrophe haben sich zusammengerottet, um mithilfe eines gigantischen mobilen Kohlegenerators die letzte Stadt auf Erden zu gründen. Dabei wird in feinster Aufbaumanier die Wirtschaft in Schwung gebracht, die Bedürfnisse der BewohnerInnen gestillt, und fleißig in Forschung investiert. Doch da enden auch schon die Gemeinsamkeiten mit herkömmlichen Genre-VertreterInnen. In Frostpunk werdet ihr keine stolzen Zivilisationen mit prächtigen Handelsschiffen bereisen und keine malerischen Inseln besiedeln. Hier geht es von Minute eins an ums nackte Überleben!

Ringe im Eis

Frostpunk out now

Copyright: 11 Bit Studios

Als BürgermeisterIn der letzten Stadt auf Erden ist es eure Aufgabe bei Minusgraden für Nahrung und Unterkünfte zu sorgen. Ein kreisförmiges Areal rund um den Kohlegenerator dient euch dabei als Baufläche. Anders als beispielsweise in Anno ist das Areal nicht in quadratische Raster, sondern in Ringe um das wärmende Zentrum der Stadt aufgeteilt. Ring um Ring zieht ihr Zeltlager, Sanitätsbarracken und Esshäuser hoch. Die nötigen Rohstoffe wie Holz, Stahl und Kohle werden von Einwohnern in nahegelegenen Schrotthalden gesammelt. Da der Bauplatz stark begrenzt ist, gilt es gut mit der vorhandenen Fläche zu haushalten. Die ringförmige Bauweise stimuliert unweigerlich den Tetriskomplex in mir – lieber eine Straße wieder abreißen, als auch nur einen Millimeter Baufläche zu verschenken!

Mein Testgerät von Techbold:

  • ASUS STRIX-GTX1080-A8G-GAMING, 8GB GDDR5X
  • INTEL Core i5 7600K, LGA1151, 4x 3.80GHz
  • KINGSTON HyperX Fury black, 16GB Kit (2x8GB), 2400MHz, DDR4 2
  • SAMSUNG 950 PRO Solid-State-Disk, 512GB, intern, M.2

Kinderarbeit bei Minusgraden

Arbeitskräfte sind in Frostpunk eine Ressource, die euer vollstes Augenmerk erfordert. Solange der Generator brummt, und jeder ein Dach über dem Kopf hat, werden eure BürgerInnen brav zur Arbeit gehen. ArbeiterInnen fördern Erze zu Tage und gehen zur Jagt, Ingenieure pflegen die Kranken und treiben die Forschung voran. Selbst Kinder können als Arbeitskräfte herangezogen werden, wenn ihr das entsprechende Gesetz verabschiedet. Wenn ihr die Arbeitsschichten verlängert, oder gar Notfallschichten anordnet, wirkt sich das negativ auf die Moral und die Gesundheit der EinwohnerInnen aus. Wird es dann auch noch kälter, werden die Sanitätshäuser überlastet sein, und eure Wirtschaft bricht zusammen. Sogar Tote sind keine Seltenheit in Frostpunk. Die müsst ihr entweder im Schnee verscharren, oder auf einem Friedhof beerdigen.

Hoffnung und Unzufriedenheit

All eure Entscheidungen und Gesetzeserlässe haben Auswirkungen auf die Moral eurer Leute. Diese wird durch zwei Balken am unteren Bildschirmrand repräsentiert: Hoffnung und Unzufriedenheit. Brecht ihr eure Versprechen, und sorgt nicht für ausreichend Wärme, Nahrung und Gesundheit, sinkt die Hoffnung, und die Unzufriedenheit steigt. Unzufriedene und hoffnungslose BürgerInnen werden eure Stadt irgendwann verlassen. Als BürgermeisterIn müsst ihr die richtige Balance finden und neben harten und notwendigen Entscheidungen auch manchmal Milde walten lassen. Seid ihr zu gütig, gehen euch die Rohstoffe aus. Seid ihr zu streng, rennen euch die Leute davon.

ein echter Teufelskreis!

Genau dieser Teufelskreis entwickelt sich im Laufe des Spiels aber zur regelrechten Suchtspirale. Eine Kältewelle rollt heran, eure Ingenieure haben aber noch nicht Dampfstufe 2 für den Generator erforscht? Entweder ordnet ihr Überstunden in der Werkstatt an, oder ihr riskiert überfüllte Betten in Lazarett. Eure Kohle geht zur Neige, aber um neue Kohlemienen zu bauen benötigt ihr erst mal Holz? Lieber mal den Generator auf Sparflamme drehen, und eure Arbeiter ins Sägewerk abkommandieren. Oder ihr wartet die heimkehrende Expedition ab, die reichlich Holz im Gepäck hat.

Coole Präsentation

Die Grafik von Frostpunk ist ein echter Leckerbissen. Wuselnde Menschen ziehen Spuren und Wege durch den hüfthohen Schnee, Straßenlaternen werfen fahles Licht auf die eisige Welt. Kältewellen kündigen sich als Eisblumen am Bildschirmrand an, während der Qualm der Schornsteine in dicken Schwaden zum Himmel steigt. Die selbstgeschriebene Liquid Engine der 11 Bit Studios leistet ganze Arbeit, und zaubert die Eiseskälte so glaubhaft auf den Bildschirm, dass man beinahe selbst zu frösteln beginnt.

Hoffnung für die Ohren

Untermalt wird das Ganze von einem Soundtrack, der das Thema Hoffnung und Verzweiflung so gekonnt transportiert, dass man in kürzester Zeit mitten ins Spiel gesogen wird, und mit den BewohnerInnen mitleidet. Die Menüs und Interfaces in Frostpunk werden von staubenden Rußpartikeln umschwirrt, und spiegeln das konzentrische Map-Design wieder. Das gesamte Spiel unterliegt den Gestaltungsregeln des goldenen Schnittes. Auf mich wirkt es jedenfalls über die Maße gelungen, und wie aus einem Guss.

Fazit zu Frostpunk

Das soll ein Indie-Spiel sein? Frostpunk hat Blockbuster-Qualitäten, und kann es locker mit Big-Budget Produkten vom Schlage eines Anno aufnehmen. Sowohl grafisch als auch spielerisch gibt es hier kaum etwas zu bemängeln. Selbst den mit drei Szenarien etwas dünn geratenen Umfang werden die EntwicklerInnen aufgrund des großen Erfolges mit Gratis-Patches und Erweiterungen nachbessern. Der mit 25 Euro absolut fair bemessene Preis ist ein regelrechtes Schnäppchen, wenn man bedenkt, wieviel Spielespaß und Motivation zum Durchspielen man hier fürs Geld erhält. Wer Aufbaustrategiespiele mag und gerne mal in einem Spiel versinkt, muss Frostpunk einmal ausprobiert haben! Aus meiner Sicht ein Anwärter auf das Strategiespiel des Jahres, und eine uneingeschränkte Kaufempfehlung!

9.6

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