Eiyuden Chronicle: Rising Test (PS5): Ein gut gefülltes Auftragsbuch

von Mandi 24.05.2022

Mit Eiyuden Chronicle: Rising erwartet uns ein Sidequel des kommenden Eiyuden Chronicle: Hundred Heroes. Ob sich der Titel lohnt, lest ihr hier!

Eine Art Sidequel

Fans der Suikoden-Reihe, wie ich einer bin, haben 2020 mit Vorfreude die Kickstarter-Kampagne zu Eiyuden Chronicle: Hundred Heroes verfolgt und auch mit Geld unterstützt. Denn der 2023 kommende Titel wird von den originalen Machern von Suikoden und Suikoden 2 kreiert und die selben Stärken wie damals bieten. Dazu gehören über 100 spielbare Charaktere, ein Mix aus rundenbasierten Kämpfen und Duellen wie auch großen Schlachten, liebevoll gestaltete Pixel-Art-Grafik und eine Story, die einen mit Länge und Qualität überrascht. Selbst die offizielle Website des Spiels sieht danach aus, sehr cool!

Wenn sich das Game, das seine Ziele komplett pulverisiert hat, gut verkauft, spricht nichts gegen weitere Teile in der Reihe. Als Kickstarter-Extra wurde beim Erreichen eines Ziels eine Art Side-Titel versprochen, und dieser kommt in Form von Eiyuden Chronicle: Rising. Was als gewöhnliche Schatzsuche beginnt, verwandelt sich in eine düstere Verschwörung, die die Welt erschüttern wird und der Ausgangspunkt für die Story von Eiyuden Chronicle: Hundred Heroes ist. Alles andere ist ein ganz anderer Stil. 

Über Eiyuden Chronicle: Rising

Dazu gehört schon mal das Gameplay an sich. Während Hundred Heroes euch in rundenbasierte Gruppenkämpfe werfen wird, spielt sich Rising weitaus actionreicher. Viel eher kann man Eiyuden Chronicle: Rising als Metroidvania einordnen: Es gilt, Feinde in Echtzeit auszuschalten und verschiedene Umgebungen zu erkunden. Zudem schaltet ihr später im Spiel die Möglichkeit frei, etwa Doppelsprünge, aufgeladene Sprünge, Schweben und mehr verwenden zu können. Dies wiederum verschafft euch Zugang zu Passagen, die vorher gar nicht erreichbar waren. So werdet ihr in den unterschiedlichen Bereichen immer wieder Anreiz haben, sie erneut zu erkunden und weitere Goodies einzusacken. Dafür sorgen aber auch die zahlreichen Nebenquests der Einwohner:innen, die ihr erledigt.

Doch alles der Reihe nach: Ihr startet mit der Schatzjägerin CJ in einem kleinen, abgelegenen und heruntergekommenen Dörfchen namens Neu-Nevaeh. Nach einem Erdbeben liegen nun Ruinen offen, die ungeahnte Schätze in sich bergen sollen. Euer Ziel ist das Finden einer riesigen Runenlinse, ein Objekt, welches Grundlage der Magie ist, um das Übergangsritual von CJs Clan zu absolvieren. Allerdings benötigt ihr eine Lizenz, um Zutritt zu den Ruinen zu bekommen. Die Bürgermeisterin Isha gibt euch eine Art Stempelkarte, die ihr mit Stempeln füllen sollt. Solche Stempel bekommt ihr von Einheimischen, denen ihr mit ihren Problemen helft. Ihr seht also schon, Eiyuden Chronicle: Rising hat das Anhäufen von Hol-und-Bring-Quests direkt in die Handlung des Spiels verankert!

Hole, bringe, Häusle baue

Während ihr eurer Hauptfigur CJ dabei helft, ihre Abenteurerlizenz zu erlangen, begebt ihr euch immer wieder in die nahen Umgebungen. Dazu gehört zunächst einmal der große Wald, später dann auch ein Steinbruch, ein schneebedeckter Gipfel und andere. In jeder dieser Umgebungen sind andere Ressourcen zu finden, etwa Salz, Bauholz, Steine, Bronzeerz, Frostgras und viele mehr. Der Spielablauf von Eiyuden Chronicle: Rising ist dabei ein Kreis, denn nachdem ihr die Aufgabe einer Bewohnerfigur erfüllt habt, gibt es einen Stempel, eine Belohnung und die Aussicht auf weitere Quests. Dazu gibt es auch ein Schwarzes Brett auf dem Hauptplatz in Neu-Nevaeh, das euch genau zeigt, wo jemand Hilfe benötigt. Per Schnellreise rasch dorthin, Quest annehmen, Quest erfüllen, und von vorn.

Das liest sich jetzt schrecklich eintönig und langweilig, doch in Wahrheit ist es gar nicht so dramatisch. Denn mit dem Erfüllen so mancher Aufgabe siedeln sich plötzlich andere Handwerker in Neu-Nevaeh an, die Schenke bietet mehr Angebot an, eure Schmiede kann die Waffen besser aufwerten und so weiter. Wer stärkere Ausrüstung besitzt, kann sich tiefer in die Ruinen vorwagen, mehr vom qualitativen Zeug nach Hause schaffen – ihr seht, wo das hinführt! Dieser Spielfluss in Eiyuden Chronicle: Rising funktioniert wirklich gut, und dafür, dass der Titel eigentlich nur als Kickstarter-Bonus gedacht war, spielt es sich auffallend stark. Denn im Kampf steckt ebenso ein wenig Tiefgang, was man dem Game zunächst gar nicht so recht zutrauen möchte.

Drei Charaktere, drei Spielarten

Denn erst nach ein paar Stunden Spielzeit hat sich eure Party komplettiert. Neben der quirligen CJ treten noch Garoo, ein grimmiger Känguru-Söldner, sowie die kühle Isha, die nach dem Verschwinden ihres Vaters das Bürgermeisteramt übernahm, in Erscheinung. Die Figuren könnten unterschiedlicher nicht sein, was sich einerseits in den zahlreichen Dialogen zwischen den dreien, aber andererseits auch im Kampf niederschlägt. Während CJ die schnelle Schurkin darstellt und eine rasche Abfolge von Schlägen in kurzer Zeit hinbekommt, ist Garoo wesentlich träger. Seine Aufladeattacken sind dafür sogar für Endbosse eine echte Gefahr! Isha hingegen ist die mächtige Magierin des Trios, greift mit Elementen aus der Ferne an und kann sich teleportieren und schweben.

Während die X-Taste für das Springen reserviert ist, sind die verbleibenden Tasten für die Figuren gedacht. Mit Quadrat aktiviert ihr CJ, mit Dreieck Garoo und mit der Kreis-Taste Isha. So könnt ihr in Windeseile zwischen den Charakteren und ihren speziellen Fertigkeiten wechseln, sogar Kombinationsangriffe sind problemlos möglich. Diese sind, insbesondere mit aufgewerteten Waffen, ziemlich stark und legen sogar Bossgegner in Sekundenschnelle. Recht herausfordernd ist Eiyuden Chronicle: Rising beileibe nicht, aber manche fiese Gegner (vor allem die schnellen) können euch schon mal auf dem falschen Fuß erwischen. Allerdings lässt sich jeder Feind mit der richtigen Taktik schnell besiegen, und daher reicht es oft, auszuweichen, zu beobachten und alles zu probieren.

Viel Suikoden in Eiyuden Chronicle: Rising

Viele Mechaniken aus der altehrwürdigen Suikoden-Serie haben es in die Neuzeit geschafft. Während Eiyuden Chronicle: Rising vom Gameplay her absolut nichts mit den alten JPRGs und auch Hundred Heroes zu tun hat, so sieht man anhand der Händler:innen in Neu-Nevaeh, wo die Reise hingehen wird. Da gibt es Schmieden, die eure Waffen schärfen, eine Rüstungsschmiedin, einen Apotheker und sogar ein Haus, in dem ihr Runen kaufen beziehungsweise aufwerten dürft. Es ist noch nicht genau bekannt, wie stark Rising mit Hundred Heroes zusammenhängen wird, meine Vermutung ist, dass Neu-Nevaeh im Spiel vorkommen wird. Neben vier Gegenständen, die ihr im Hauptspiel bekommen werdet, wird man vor allem die einzelnen Charaktere und ihren jeweiligen Werdegang schon kennen – mal sehen!

Dass es in Eiyuden Chronicle: Rising verschiedene Elementarkräfte gibt, überrascht dabei ebensowenig wie ein Affinitätssystem. Wasser schlägt Feuer, Blitz schlägt Wasser und so weiter – das ist altbekannt und macht gerade in diesem Action-RPG Sinn. Nicht nur das, gewisse Elementarsteine behindern in den Ruinen euer Vorankommen. Nur, wer mit der richtigen Rune angreift, kann diese zerstören und somit weiter erkunden! Gewisse Hilfsmechaniken wie der Doppelsprung, ein Luftsprint, Schweben und aufgeladene Sprünge helfen euch dann dabei, auch die letzten Truhen und Geheimnisse zu entdecken. Dazu müsst ihr die vorhandenen Umgebungen aber immer und immer wieder besuchen, gut, dass es zur Orientierung eine coole Mini-Karte ganz im Stile der Metroidvanias gibt.

Nebenquests, Backtracking und mehr

Bevor wir uns dem Hauptthema von Eiyuden Chronicle: Rising widmen, gleich vorweg: Dank Wegweisern könnt ihr zwischen diesen Knotenpunkten schnellreisen. Damit nicht genug, auch innerhalb der Stadt Neu-Nevaeh könnt ihr mittels Druck auf die Touchfläche jederzeit zwischen den einzelnen Bereichen wechseln. Das ist zunächst ein nettes Feature, bevor es bitter nötig wird – denn um das Spiel zu 100 % durchzuspielen, erwarten euch mehr als 160 Aufgaben! So füllt ihr Schritt für Schritt eure Stempelkarten und verhelft den Einwohner:innen zu ihrem Glück. Dank dem Schnellreise-Feature kommt ihr dann in Sekundenschnelle zu den gewünschten Orten, bevor ihr euch auf die Suche nach Charakteren, Materialien oder Ressourcen begebt.

Natürlich müsst ihr dann auch immer wieder die selben Monster bekämpfen, die euch im Weg stehen. Dafür erhaltet ihr Erfahrungspunkte, und größere Feinde und Bossgegner haben manchmal auch etwas Spezielles im Inventar, das sie beim Ableben fallen lassen. Ja, man könnte Eiyuden Chronicle: Rising problemlos auch CJs kleiner Lieferservice nennen, denn genau so spielt sich das Action-RPG. Dennoch gibt es das ständige Gefühl, Fortschritte zu erzielen, und wer erst einmal die eigene Ausrüstung voll aufgewertet hat, weiß, wie mächtig man im Vergleich zur ersten Spielstunde geworden ist. Das ist sehr cool und auch, wenn sich mit den Spielstunden alles ein wenig repetitiv anfühlen mag, rechtfertigt den Preis von 15 Euro komplett. Übrigens werdet ihr etwa 15 Stunden Spielzeit für das Game benötigen.

Zur Story und zum Aufbau

Was die Geschichte von Eiyuden Chronicle: Rising angeht, so dient der Titel ganz klar nur als Appetithappen. Denn ihr beginnt rein aus der Perspektive von CJ, die sich ihrem Clan beweisen will und somit einen größeren Schatz als ihr Vater finden möchte. Während ihr diesem Ziel hinterherjagt, stößt plötzlich Garoo als Sidekick dazu, er dient mit sarkastischen Sprüchen der Auflockerung. Bis dann die kühle Isha dazustößt, habt ihr schon einige Gegner gefällt, und dann gibt es einen Twist in der Story. Während die mysteriösen Ruinen in der Nähe von Neu-Nevaeh anfangs als Spielplatz für CJ dienen (irgendwo muss doch ein Riesenschatz sein!), übernimmt dann heimlich, still und leise die Suche nach Ishas Vater die Herrschaft über den Story- und Spannungsbogen.

Ja, es macht zweifelsohne Spaß, die einzelnen Quests abzuschließen und der sich ewig füllende To-Do-Liste ein Häkchen nach dem anderen zu verpassen. Leider wirkt die Geschichte deutlich zäher, als sie müsste, und erst in der letzten Stunde des Spiels lüften sich so manche Geheimnisse. Wie bereits erwähnt, der Zusammenhang mit der Geschichte des Hauptspiels ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht deutlich. Wir wissen zwar, in welcher Welt Hundred Heroes spielen wird und welche großen Nationen es gibt, aber das war’s auch schon. Wer hier also einen Vorgeschmack auf den Kickstarter-Haupttitel erwartet, wird unweigerlich enttäuscht – das hat aber das Studio Rabbit & Bear auch von Anfang an deutlich gemacht. Das ist ein actionreicher Titel mit einem Schuss Story, nicht mehr und nicht weniger!

Die Technik von Eiyuden Chronicle: Rising 

Grafisch kann ich bei Eiyuden Chronicle: Rising auf der PS5 absolut nicht meckern. Die Bildrate bleibt bei konstanten 60 (mehr gibt’s trotz aktiviertem VRR und 120 Hz-Fernseher nicht), optisch wechseln sich die gut animierten Figuren im Pixel-Look und schön gezeichnete Hintergründe gelungen ab. Spezialeffekte gibt es ebenfalls – Slow-Motion-Einlagen, verschiedene Farbfiltern und einzelne Specials bei Runen runden das Gesamtbild sehr schön ab. Wer also anhand der Screenshots meint, Eiyuden Chronicle: Rising sei hübsch – der Titel sieht in Bewegung noch besser aus. Bei der Sound-Abteilung leistet sich das Game geringe Patzer, denn ihr werdet viel Zeit in Menüs verbringen. Daher ist es mir eher unverständlich, warum eine simple Menübewegung so einen nervigen Ton verpasst bekommen hat.

Genauso verhält es sich mit den Hintergrunduntermalungen: Selbst nach stundenlangem Spielen tue ich mir schwer, verschiedene Tunes zu ihren jeweiligen Orten zuzuordnen. Das passiert mir eigentlich selten, da ich sehr audio-veranlagt bin. Das Fehlen von Ohrwurm-Musik und das Vorhandensein von genereller Schmeichel-Untermalung ist jetzt nichts, worauf Eiyuden Chronicle: Rising stolz sein kann. Dafür macht die Steuerung, zweifelsfrei ein wichtiger Punkt in so einem Metroidvania-Abenteuer, eigentlich nichts falsch. Die Sprünge mit CJ funktionieren jederzeit, die drei Figuren steuern sich komplett unterschiedlich und die Kombinationsangriffe fühlen sich bei einem vollen Erfolg sehr gut an. Wen also die vielen Laufwege nicht stören, wird glücklich mit diesem Spiel!

Das Fazit: Ein solider eigenständiger Titel

Nur, um es nochmals zu erwähnen: Eiyuden Chronicle: Rising hat vom Gameplay nichts mit dem 2023 kommenden Hundred Heroes gemein. Dafür macht es seine Sache als Metroidvania im Eiyuden-Universum sehr gut und bietet bekannte Kost, wie etwa die grobe Karte zur Orientierung, Schnellreisepunkte und verschiedene Items, die euch das Erforschen leichter fallen lassen. Zudem gibt es aus der Suikoden-Reihe bekannte Händlertypen, und so werdet ihr rasch stärker ausgerüstet. Die Städte-Aufbau-Mechanik rund um Neu-Nevaeh macht Spaß und sorgt dafür, dass ihr während der Spielzeit stets ein Gefühl von Fortschritt verspürt. Was die Spielzeit anbelangt, so werdet ihr, wenn ihr alles erfüllen wollt, etwa 15 bis 20 Stunden im Game verbringen – für einen 15 Euro-Titel ist das ok!

Natürlich ist da nicht alles Gold, was glänzt: Der Sound ist im Spiel eher zum Vergessen, die Story ist sehr oberflächlich und wird erst spät spannend. Die größte Verfehlung ist allerdings das verschenkte Potential des Games – eigentlich ist der Titel eine reine Ansammlung von Hol-und-Bring-Aufgaben. Das mag zwar zum Aufbau von Neu-Nevaeh passen, aber macht nach der fünften oder zehnten Spielstunde kaum mehr wirklich Spaß. Mehr Abwechslung hätte diesem Game gut getan, vor allem, da der Schwierigkeitsgrad nicht hoch ist. Ein wirklicher Vorgeschmack auf Hundred Heroes ist das Game nicht, macht seine Sache aber dennoch gut. Wer sich Eiyuden Chronicle: Rising als charmantes Metroidvania besorgen möchte, sei gewarnt: Die Aufgabenstellungen bleiben stets die selben. Leider.

Wertung: 8.0 Pixel

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