X-Men: Apocalypse (Blu-ray) im Test, hoppa hoppa Reiter

von postbrawler 13.10.2016

Was wäre das Leben ohne Meinungsverschiedenheiten? Über die Schuldfrage in der Causa Brangelina. Darüber, ob Batman v Superman nun ein schlechter Film ist, oder nicht. Und darüber, ob Marvel die Verfilmungs-Rechte an X-Men zurückbekommen sollte. Fakt ist, dass diese bei 20th Century Fox liegen, und dass die auch weiterhin fleißig X-Men-Filme produzieren. So jüngst geschehen im letzten Ableger der Serie – X-Men: Apocalypse. Dieser ist nun auf DVD, Blu-ray und für VoD erschienen. Ich habe meine Mutanten-Power kritischer Blick angeworfen, und den Film für euch reviewt.

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Features

  • Darsteller: Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, James McAvoy
  • Regisseur: Bryan Singer
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Studio: 20th Century Fox, Marvel
  • Erscheinungstermin: 22. September 2016
  • Produktionsjahr: 2016
  • Spieldauer: 144 Minuten

Es war einmal in den wilden 80ern

Sweet Dreams, Mrs. Pac-Man und Adidas Sport Stiefel

Für Nicht-KennerInnen der X-Men Reihe, hier eine kurze Zusammenfassung was bisher geschah. Durch eine wirre Zeitreise wurden die Handlungsstränge der Filme First Class und Last Stand mehr oder weniger glimpflich aufgelöst. Wir befinden uns also wieder in einer Zeit ehe die Sentinels in Days of the Future Past einen Schlussstrich unter alle Mutanten-Angelegenheiten ziehen konnten.

Entsprechend haben wird es in Apocalypse auch mit dem verjüngten Cast rund um Michael Fassbender und James McAvoy zu tun. Mittlerweile schreiben wir das Jahr 1980. Mrs. Pac-Man dominiert die Spielhallen. An den Füßen trägt man Adidas Sport Stiefel. Und der Holocaust Überlebende Erik Lensherr ist auf der Flucht vor dem Gesetz. In einem kleinen polnischen Kaff verdient er sein Geld als Stahlarbeiter. Trotz seiner inneren Zerrissenheit und seiner dunklen Vergangenheit hat er eine Familie gegründet und eine kleine Tochter zur Welt gebracht.

Einweg-Tochter als Leitmotiv

Doch Lensherr kann seine wahre Identität nicht verbergen, und wird mit aller Härte daran erinnert, wer er eigentlich ist: Der Super-Schurke Magneto! Wie das Schicksal so spielt wird in etwa zur gleichen Zeit, im weit entfernten Kairo ein weiterer Super-Mutant aus seinem tausendjährigen Schlaf gerissen. Apocalypse – einst Sonnengott der alten Ägypter und Botschafter diverser Weltuntergangs-Szenarien. Und auch die 80er gehören seiner Ansicht nach gereinigt. Apocalypse beginnt daher kurzerhand MutantInnen für sich zu rekrutieren, die im als seine vier Reiter dabei assistieren sollen.

Hoppa Hoppa Reiter

Die vier neuen Reiter der Apokalypse sind Archangel, Psylocke, Storm und Magneto

Die vier neuen Reiter der Apokalypse sind Archangel, Psylocke, Storm und Magneto. Außer Letzterem nimmt sich der Film kaum Zeit, die AntagonistInnen mit nachvollziehbaren Motiven auszustatten. Abgrundtief böse zu sein muss reichen, um sich am Weltuntergang zu beteiligen. Das verwundert vor allem im Fall von Storm, die aus ärmlichen Verhältnissen stammt, und deren Gesinnung eigentlich rechtschaffen sind.

König Zufall führt Regie

Quicksilver rettet nicht nur Hank, Raven und Co, sondern gleich den ganzen Film

Den seit der Kubakrise querschnittgelähmten Charles Xavier kümmert das alles recht wenig. Er schart in seiner Schule für begabte Jugendliche MutantInnen um sich, um sie in Literatur, Soziologie und Nächstenliebe zu unterrichten. Heile Welt also, bis Apocalypse gefallen an Cerebro findet. Die Maschine, die es Professor X erlaubt telekinetisch Kontakt mit allen Lebewesen aufzunehmen, wird durch Apocalypses Wirken in die Luft gejagt, was um ein Haar allen X-Men das Leben kostet.

Zum Glück ist Quicksilver in der Nähe, und rettet nicht nur Hank, Raven und Co, sondern gleich den ganzen Film in einer grandiosen Szene vor dem sicheren Untergang. Professor X fällt jedoch in die Hände des fiesen Nihilisten und seiner pedestrischen Kavallerie, was die verbleibenden X-Men endlich zur schlagkräftigen Eingreiftruppe der Rechtschaffenheit zusammenschweißt. Doch halt, hübsch der Reihe nach! Zuerst will noch Colonel Stryker aus einer geheimen Militärbasis verjagt, Wolverine befreit und die verstreuten X-Men versammelt werden.

Der gordische Plot-Knoten

Wer sich an diesem Punkt noch nicht selbst dabei ertappt vor lauter Verwirrung Popcorn in falsche Körperöffnungen zu schieben, der sei gewarnt. Denn der Film dauert noch eine weitere geschlagene Dreiviertelstunde. Ob die Guten Apocalypse an seinem verruchten Plan hindern können, wer überhaupt gut ist, und wer nicht? Das erfahrt ihr mit etwas Durchhaltevermögen. Und auch nur dann, wenn euer Gehirn zwischenzeitlich nicht in den Standby-Modus gewechselt ist.

Fazit

Apocalypse vertieft den Wunsch in mir, dass Mavel die MutantInnen endlich heim holt

X-Men: Apocalypse tut sich die Arbeit an sämtliche Origin-Stories, die in den letzten 5 X-Men-Filmen bereits mühsam etabliert wurden neu aufzurollen. Und scheitert genau daran. Nicht falsch verstehen: Die jungen SchauspielerInnen machen ihren Job gut, und geben ihr Bestet Cyclops, Nightcrawler und Konsorten mit Empathie und Tiefgründigkeit zu erfüllen. Es fehlt schlichtweg die Zeit, die nötig wäre ein so komplexes Universum mit Substanz zu befüllen.

Entsprechend gestresst und überhastet wirkt das Ergebnis. Es ist fast schon Ironie des Schicksals, dass die einzige wirklich gute Szene des Films ein Zeitlupen-Shot ist. X-Men: Apocalypse vertieft den sehnlichen Wunsch in mir, dass Mavel die gebeutelten MutantInnen endlich heim holt, und ihnen das MCU-Treatment angedeihen lässt. Ansonsten sehe ich die Franchise auf einen ähnlich dunklen Abgrund zusteuern, wie die Fantastic 4. Das ist etwas übertrieben. X-Men: Apocalypse ist kein abgrundtief schlechter Film. Er spielt für mich in einer Liga mit dem eingangs erwähnten Batman v Superman: Dawn of Justice. Aber von Marvel ist man halt eine ganze Ecke Besseres gewöhnt.

Wertung: 6.7 Pixel

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