WarCraft: The Beginning (Blu-ray) im Test – Für Azeroth!

von postbrawler 27.10.2016

Wir haben die Heimkino-Fassung des Blizzard-Films WarCraft: The Beginning für euch in den Blu-ray-Player geschoben. Ob sich die Erwartungshaltung eines Hardcore-WoW-Fans gegenüber der ersten Kinokritik von Matthias unterscheidet, könnt ihr in meinem ausführlichen Review lesen.

Warcraft-The-Beginning-One-Sheet

  • Produktionsland: USA
  • Erscheinungsjahr: 2016
  • Länge: 123 Minuten
  • Altersfreigabe: FSK 12
  • Regie: Duncan Jones

Fan der ersten Stunde

Hoch waren die Erwartungshaltungen an den Film WarCraft: The Beginning

WarCraft ist eine Institution. Ich bin seit Teil 2 der RTS-Saga an Bord, und zocke aktuell wieder mehr World of WarCraft, als mir gut tut. Umso höher waren natürlich meine Erwartungshaltungen an den Film WarCraft: The Beginning. Allein die Entstehungsgeschichte dieser Videospiele-Verfilmung lässt schon erahnen, wieviel Respekt vor dem Vermächtnis der WarCraft-Reihe alle Beteiligten haben mussten. Allein die Suche nach einem würdigen Regisseur gestaltete sich abenteuerlich. Mit Duncan Jones, Sohn des verstorbenen David Bowie und selbst bekennendem WarCraft-Fan, fand die Suche schließlich ein erfreuliches Ende.


Bei der Erstauflage des Films liegen digitale Codes bei, die Zugang zu folgenden Extras für drei Blizzard-Spiele bieten:

  • Der Held Medivh in Hearthstone – Entfesselt euer bestes Magierdeck als Wächter von Tirisfal.
  • Gul’dan in Heroes of the Storm – Lasst im Nexus Teufelsfeuer vom Himmel regnen mit diesem heimtückischen Orc-Assassinen.
  • Digitale Version von World of Warcraft, enthält 30 Tage Spielzeit für neue Spieler.

Nicht nur Gut gegen Böse

WarCraft: The Beginning

Jones brachte wertvolle Inputs in das Script des WarCraft-Filmes ein. Zum Beispiel, dass es auch auf Seiten der Horde Identifikationsfiguren geben müsse. Das Studio Legendary hatte zuerst vorgesehen, dass es sich bei den Orks um hirnlose Kriegsmaschinen handelt. Das hätte ich als Horde-Spieler nicht gutgeheißen. Immerhin ist zum Beispiel Thrall, der lange Zeit Kriegshäuptling war, dem schamanischen Gleichgewicht und der Bewahrung des Friedens verpflichtet.

Das Setting: Der zweite große Krieg Azeroths

WarCraft: The Beginning setzt zur Zeit des zweiten großen Krieges an

Doch das ist eine andere Geschichte. WarCraft: The Beginning setzt früher an. Genauer gesagt zur Zeit des zweiten großen Krieges von Azeroth. Wir erleben, wie die Orks ihre zerstörte Welt Draenor verlassen müssen, und auf Azeroth eine neue Heimat suchen. Ein Flüchtlingsdrama also, wie es kaum zeitgemäßer sein könnte. Die Invasoren teilen sich, wie im echten Leben, in zwei Lager. Eines, das mit Gewalt Anspruch auf das Neuland stellt, und ein anderes, das durch Diplomatie und Demut seinen Platz in der Welt behaupten möchte.

Die Handlung: Konflikte vorprogrammiert

Konflikte sind also nicht nur zwischen den BewohnerInnen Azeroths und der wilden Horde vorprogrammiert. Auch zwischen den Orks selbst brodelt es gewaltig. Die Bündnisse der Grünhäute basieren auf alten Traditionen und einem gemeinsamen Problem. Doch ihre Gliederung in Kriegsclans lässt vermuten, dass für Orks auch unter ihresgleichen Krieg immer die primäre Option ist.

Mithilfe des Fels erschafft Gul’Dan ein dunkles Portal für den Exodus seines Volkes in die ferne Welt Azeroth

Durotan, der Häuptling des Frostwolf-Klans sieht das etwas anders. Vielleicht hat der Umstand, dass der Stammeshäuptling jüngst Vater eines gesunden Ork-Jungen geworden ist, auch dazu beigetragen, dass Durotan eine friedliche Koexistenz mit den Völkern Azeroths einem Krieg vorzieht. Doch er ist nur ein kleines Ork-Oberhaupt. Der wahre Anführer der Orks ist der durchtriebene Gul’Dan. Dieser einstige Ork-Schamane hat die finstere Macht des dämonischen Fel für sich entdeckt. Diese Macht ist es auch, die die Hautfarbe seiner Kampfesbrüder und -schwestern grün färbt, und sie zu wilden, kriegshungrigen Bestien werden lässt.

Durotan und sein Clan widersetzten sich dem Konsum des Fels, wodurch sie frei von dämonischem Einfluss, und bei klarem Verstand blieben. Doch unter den restlichen Orks sind die Frostwölfe Geächtete. Mithilfe des Fels erschafft Gul’Dan ein dunkles Portal für den Exodus seines Volkes in die ferne Welt Azeroth.

Orcs vs Humans

Auf der anderen Seite des Portals sind es die Menschen Sturmwinds, die sich der orkischen Invasion stellen müssen. Die Zwerge Eisenschmiedes und die Hochelfen von Quel Talas treten zwar kurz im Film auf, sind aber noch nicht als mächtige Allianz geeint. Ein Dilemma, denn die wesentlich kräftigeren Orks sind den stolzen Menschen nicht nur zahlenmäßig überlegen. Glücklicherweise gibt es unter den Menschen auch mächtige Magiebegabte. Die versiertesten unter jenen sind die Kirin Tor, die in der fliegenden Stadt Dalaran hausen. Moment mal, Dalaran erhob sich in der WarCraft-Lore doch erst viel später in die Lüfte? Ja eh, aber eine fliegende Stadt kommt halt im Film cooler rüber!

Von Wächtern, Kriegerhelden und Halb-Orks

Die Interpretationen bekannter Gebiete aus den Videospielen sind Fanservice pur!

Und dann wären da noch der Wächter Azeroths, Medivh und sein Schüler Khadgar. Ach ja, und der Kriegerheld Anduin Lothar, sowie die Halb-Orkin Garona. Schon verwirrt? Kein Wunder. Im Stakkato führt der Film neue Helden und Geschichten ein, sodass man schon fast als langjähriger Fan den Faden verliert. Das ist wohl auch das größte Problem von WarCraft: The Beginning. Der Film hat zu viele Origin-Stories gleichzeitig zu bewältigen, was es bisweilen schwer macht der Handlung zu folgen. Wild wird da zwischen unzähligen Settings wie dem Turm Karazhan, dem Dunklen Morast oder der Hauptstadt Sturmwind hin und hergewechselt. Natürlich sind all diese Interpretationen bekannter Gebiete aus den Videospielen Fanservice pur! Da erspäht man gurgelnde Murlocks am Wegesrand, oder erkennt Zaubersprüche wieder, die man so auch im Spiel anwenden konnte.

Wankelmütige Präsentation

Besagte Zaubersprüche und Effekte sind, wie für Blizzard üblich, natürlich spektakulär in Szene gesetzt. Auch die computeranimierten Orks sehen größtenteils toll aus, und gleichen ihren CGI-Pendants aus bekannten Cutscenes wirklich eindrucksvoll. Lediglich manche Kostüme sorgen für hochgezogene Augenbrauen. Die Hauerchen der Halb-Orkin Garona beispielsweise wirken so dermaßen unecht, dass ihre Erscheinung eher an ein Karneval-Kostüm, als einen Hollywood-Blockbuster erinnert. Außerdem schwankt die CGI-Qualität von Szene zu Szene eklatant. Der Ork Gul’Dan, mit seinen dämonisch grünen Augen, sieht immer irgendwie künstlich aus, während man Durotan jeden Bartstoppel abkauft.

Wogende Schlachten

Auch das Ungleichgewicht der Kämpfe zwischen Menschen und Orks wirkt manchmal etwas inkonsistent. Während, gerade am Anfang des Films, die glänzenden Ritter wie Dominosteine den schweren Hieben der mächtigen Orks zum Opfer fallen, scheint ein gewisser Sir Lothar das Glück gepachtet zu haben. Er pflügt mit seinem Greifen durch die orkischen Horden, dass man sich fragt, warum nicht gleich jeder Soldat mit so einem Vogelvieh ausgestattet wurde.

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Finale

Das vor Pathos triefende Finale des Films, in dem Garona ihren rechtmäßigen Platz in der Horde beansprucht, wirkt dann etwas herbeigescriptet. Auch wenn die Duncan Jones penibel an die Vorgabe der Spiele hält: Hier musste er gar tief in die Trickkiste greifen, um einen Plot-Twist herbeizuführen, der genaugenommen unnötig gewesen wäre.

Fazit zu WarCraft: The Beginning

Als Fan des WarCraft-Universums habe ich den Film einerseits genossen, und auf der anderen Seite war ich etwas verwirrt. Verwirrt aufgrund der vielen parallelen Handlungen und der schieren Masse an Charakteren. WarCraft: The Beginning erhält ein rasantes Tempo aufrecht, und wird zu keinem Zeitpunkt langweilig. Hie und da ertappt man sich jedoch dabei darüber zu grübeln, wie die HeldInnen jetzt genau an diesen Punkt geraten sind, und zu welchem Handlungsstrang der Film nun gleich wieder gehüpft ist.

Ich hoffe, dass es eine Fortsetzung von WarCraft: The Beginning geben wird, in der man an viele der offenen Stränge anknüpfen, und die Geschichte etwas ruhiger weitererzählen kann. Jetzt kommen wir nämlich erst zu den richtig spannenden Geschichten: Nämlich zur Handlung von WarCraft 3, zu Thrall, Illidan und Arthas! Außerdem möchte ich noch Rassen wie die Nachtelfen und Trolle in einem WarCraft 2 Movie untergebracht wissen. Bis dahin kann ich WarCraft: The Beginning vor allem Fans der Spiele empfehlen. Wer kein Problem mit vielen parallelen Handlungen und Charakteren hat, und Fantasy-Filme liebt, darf auch einen Blick wagen – sollte sich aber keinen zweiten Herrn der Ringe erwarten.

Wertung: 8 Pixel

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