Kinobesuch: Warcraft – The Beginning

von Matthias Jamnig 06.07.2016

Trotz durchwachsener Kritiken und ambivalenter Fan-Reaktionen habe ich mich schlussendlich dazu durchgerungen, der Leinwand-Adaption von Blizzards Warcraft eine Chance zu geben. Und am Ende des Kinobesuchs war ich durchaus positiv überrascht.

Warcraft The_Beginning_Teaser

Es ist die Welt, in die wir fast alle zumindest einmal in unserer Games-Laufbahn eingetaucht sind. Sei es im Strategie-Urgestein Warcraft II, im MMORPG-Meilenstein World of Warcraft oder einem anderen Blizzard-Machwerk, das uns nach Azeroth entführt. Eines haben sie allesamt gemeinsam: erhöhtes Suchtpotential. Mitschuld daran tragen wohl in nicht geringem Umfang die ausgefeilte, atmosphärische Spielwelt und die umfangreiche Geschichte hinter dem Warcraft-Universum. Letztere umspannt Generationen, Völker, Kontinente und Welten.

Ein Stück Warcraft

Und nun soll diese Epik, die unter anderem auch mich seit über 20 Jahren an den Bildschirm fesselt, in zwei Stunden auf die Kinoleinwand gepackt werden? Wer da nicht anfänglich Zweifel hat, ob das gut geht, dem ist nicht mehr zu helfen. Aber die Lösung liegt im Zusatz The Beginning. Der Film zielt gar nicht darauf ab, die gesamte Warcraft-Historie abzuhandeln. Er ist … ein Anfang.

Regisseur Duncan Jones schlägt somit zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen nimmt er sich nur ein Fragment aus der Fülle an Handlungssträngen die Azeroth überspannen und verhindert so, dass der Film zuviel in zu kurzer Zeit erzählen will. Zum anderen entlässt er die ZuschauerInnen mit der Neugier aus dem Kinosaal, was denn noch alles kommen wird, soll und muss. Wir haben noch keine Tauren gesehen, keine Untoten; es gibt noch soviele Helden, die wir aus den verschienen Spielen kennen. Es bleibt einfach sehr vieles, auf das wir uns noch freuen dürfen.

Gemeinsam gegen das Fel

Natürlich an dieser Stelle wichtiger als die Dinge, die nicht im Film waren, sind jene, die ich sehen durfte. Warcraft spielt etwa eine Generation vor dem Beginn des berühmten MMORPGs. Die Horde, zu diesem Zeitpunkt sind damit ausschließlich die Orks gemeint, verlässt ihre zerstörte Welt. Dank des Fel und einer dämonischen Einladung gelingt es dem Anführer Gul’dan ein Portal nach Azeroth zu öffnen. Ein Stoßtrupp soll einmal dort angekommen für genug menschliche Opfer sorgen, mit deren Hilfe das Portal erneut geöffnet werden kann, um auch die restliche Horde passieren zu lassen. Denn das Fel braucht lebende Opfer, um seine Kraft enfalten zu können.

Dass die Menschen dieses Vorhaben nicht einfach so hinnehmen, ist natürlich auch klar. Angeführt von ihrem König Llane Wrynn und dem mutigen Anduin Lothar versammelt sich die Allianz zum entscheidenen Gefecht. Dabei finden sie überraschend Verbündete in den gegenerischen Reihen. Frostwolf-Häuptling Durotan erkennt die Gefahr, die vom Fel und somit auch von Gul’dan ausgeht. Der charismatische Anführer sieht die einzige Chance in einem Bündnis mit den Menschen. Es folgt ein rasanter zweistündiger Fantasy-Epos mit Magie, Liebe, Intrigen und natürlich Kampf. Am Ende gibt es keinen wirklichen Sieger … es ist schlicht der Anfang einer größeren Geschichte.

Schau! Ironforge!

Im Zuge der Handlung wechselt Warcraft natürlich auch die Schauplätze. Die Biblothek Karazhan, die fliegende Stadt Dalaran, Stormwind, Ironforge sowie der Blackrock lassen vor allem World of Warcraft-SpielerInnen in Erinnerungen schwelgen. Man erkennt die Orte bereits bevor die Orstbezeichnung am Bildschirmrand eingeblendet wird. Neben den großen Setting sind es aber auch Kleinigkeiten, die den Film auszeichnen: Ein gesheepter Wächter im Verlies, ein gurgelnder Murloc am Fluss oder die Architektur der Ork-Türme. Hier war ohne Zweifel jemand am Werk, der sich für Blizzards Spielwelt begeistern kann und einen Bezug dazu hat.

Natürlich fordert uns der bunte, farbenfrohe Over-the-Top-Stil in Zeiten von Game of Thrones, Vikings und Co heraus. Wir sind gewohnt, dass Fantasy mittlerweile düster, brutal und realitätsnah ist. Da schwimmt Warcraft selbstredend gegen den Strom … muss gegen den Strom schwimmen. Sonst würde das WoW-Feeling doch verloren gehen. Diese übertriebenen Rüstungen, die überproportionalen Orks, die sichtbare Magie und die animierte Umgebung fügen sich stimmig in das Gesamterscheinungsbild der Franchise.

Fazit

Natürlich hinkt Warcraft aufgrund der langen Produktionsdauer technisch ein wenig hinter her. Man hat schon bessere Animation gesehen. Aber warum soll es beim Film anders sein als bei den Spielen. Blizzards Vorzeige-Franchise lebte nie von aufgeblasenen Grafiken sondern von allem anderen. Und so verhält es sich auch mit dem Film. Die Story ist grundsolide, die Charaktere gut gewählt, die Schauspieler gekonnt gecastet und vor allem findet man sich als Fan sofort zu Hause. Duncan Jones hat mit Warcraft das geschafft, woran schon viele vor ihm gescheitert sind. Er hat eine namhafte Videospielwelt auf die große Leinwand gebracht ohne sie zu entzaubern. Davor ziehe ich meinen Hut: Chapeau und bitte mehr davon!

Wertung: 8 Pixel

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[…] Wenn ihr noch mehr über den Film erfahren wollt, werft einen Blick in unsere Kinokritik. […]

[…] Filmbranche oftmals zu Verschiebungen dieser Art kommt, hat man ja auch schon am ähnlichen Projekt WarCraft – The Beginning gesehen. Aber besser ein guter, verspäteter Film, als ein vorschnell lieblos Zusammengezimmerter. […]

[…] Kinobesuch: Warcraft – The Beginning […]