Microsoft Flight Simulator in Test – grenzenlose Freiheit

von postbrawler 10.09.2020
  • Studio: Asobo Studio
  • Publisher: Microsoft, Xbox Game Studios
  • Plattform: Windows, Xbox One, Xbox Series X
  • Genre: Flugsimulation

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Das Gefühl, welches Reinhard Mai einst besang, hat Microsoft mit der jüngsten Iteration des Flight Simulators bildgewaltig in Pixel gegossen. Ob der Microsoft Flight Simulator auch beim Spielespaß eine Bilderbuchlandung hinlegen kann, lest ihr in meinem Review.

Asobo, wer?

Für die Umsetzung des jüngsten Flight Simulators zeichnet sich das französische Entwicklungsstudio Asobo verantwortlich. Von demselben Studio stammt unter anderem das 2019 erschienene und hochgelobte A Plague Tale: Innocence. In Sachen Simulation hatte man bisher aber lediglich die Rennspielserie The Crew vorzuweisen. Definitiv ein Wagnis für Microsoft, solch ein prestigeträchtiges Unterfangen einem vermeintlich unerfahrenen Studio anzuvertrauen. Immerhin galt es der Serie nach fast 14-jähriger Abstinenz neues Leben einzuhauchen. Soviel kann aber vorweg verraten werden: Microsofts Vertrauen wurde belohnt!

Ganz schön viele Daten

Der Microsoft Flight Simulator 2020 bietet nicht bloß eine gigantische Spielwelt (nämlich die gesamte Welt!), auch die Installationsgröße ist gigantisch. Das Spiel belegt 10 volle DVDs, beziehungsweise 150 Gigabyte eurer Festplatte. Echtzeit-Inhalte wie das Wetter, der internationale Flugverkehr oder 3D-Gebäude werden darüber hinaus aus der 2 Petabyte großen Online-Bibliothek von Bing-Maps gestreamt. Es ist ratsam, den Flight Simulator auf einer flotten SSD zu installieren. Allein das erste Laden der Weltkarte mit abertausenden Flughäfen dauert eine gefühlte Ewigkeit.

Ein Fest für Grafik-LiebhaberInnen

Was ihr dann allerdings zu sehen bekommt, wenn ihr aus dem Fenster eures Cockpits schaut, ist atemberaubend. Asobo bekommt es hin aus flachen Satellitendaten eine lebendige, lebensechte Welt zu berechnen. Kräuselnde Ozeanwellen, dichte Wälder und schroffe Berggipfel sehen aus, als wären sie aus einem echten Flugzeug heraus gefilmt worden. Auf belebten Verkehrsrouten fahren echte kleine Autos, in den Häusern der Städte gehen abends die Lichter an, und am Himmel ziehen die realistischsten volumetrischen Wolken, die das verwöhnte SpielerInnen-Auge je durchflogen ist. Dank echter Wetterdaten rüttelt schon mal ein massiver Gewittersturm, oder sogar ein Hurrikan an den Tragflächen eures Fliegers. Zur realistischen Simulation trägt auch die potente Azure-Cloud von Microsoft einen wesentlichen Teil bei.

Mehr Flight Simulator fürs Geld

In der Standard-Edition umfasst der Flight Simulator von Microsoft 20 detailgetreu modellierte Flugzeuge. Diese Version des Spiels ist für BesitzerInnen des Microsoft Xbox Game Pass ohne weitere Kosten downloadbar. Von der kleinen Cessna bis zum riesigen Airbus A380 ist für jeden Geschmack etwas Passendes dabei. Lediglich auf Helikopter und Kampfjets müssen PilotInnen verzichten. Zumindest erstere will Microsoft zu einem späteren Zeitpunkt nachreichen.

Die Deluxe Edition des Microsoft Flight Simulators ist für stramme 90 Euro zu haben, und beinhaltet darüber hinaus 5 weitere Flugzeugmodelle und 5 handgefertigte Flughäfen. In der 130 Euro teuren Premium Deluxe Edition kommen noch weitere 5 Flugmaschinen, darunter eine Boeing 787-10 Dreamliner, und 5 weitere Flughäfen dazu.

Gameplay

Zu Beginn des Spiels wählt ihr auf einer frei rotierbaren Erdkugel einen Ab- und Zielflughafen aus. Als nächstes entscheidet ihr euch für einen passenden fliegenden Untersatz. Von gemütlichen Einsitzern über pfeilschnelle Düsenjets bis hin zum riesigen Passagierflugzeug ist für jeden Geschmack und jede Strecke etwas Geeignetes dabei. Alternativ kann man vor dem Abflug noch das Wetter, die Tageszeit und weitere Parameter bestimmen. Wetter- und Flugverkehrsdaten lassen sich sogar in Echtzeit und von echten Messstationen einbinden. Und dann geht es auch schon los. Bremse gelöst, Gashebel auf Anschlag, und ab in die Lüfte! Wer nun befürchtet, man müsse echte Flugerfahrung haben, um sich im Flight Simulator in die Wolken zu erheben, sei beruhigt. In den Standard-Einstellungen beschränkt sich der Simulations-Ansatz auf ein paar wenige Bedienelemente wie das Steuerhorn, den Gashebel und das Fahrwerk. Auf diese Weise bekommt jede Hobby-Pilotin ein Flugzeug in die Luft. Darüber hinaus unterstützen hilfreiche und vollvertonte Tutorial-Missionen beim Erlernen der Bordinstrumenten und der Steuerung. Bis ihr zur ersten Landung ansetzt, habt ihr bereits alles notwendige gelernt.

Vom Arcade-Flieger zum Flight Simulator

Echte PilotInnen und SpielerInnen, die etwas mehr Herausforderung suchen, haben in den Einstellungen des Spiels viele Möglichkeiten zur maßgeschneiderten Abpassung des Gameplays. Wer alle Stützhilfen abdreht, bekommt es mit einem ernsthaften Flugsimulator zu tun, der auch echte PilotInnen fordern und trainieren kann. Jedes einzelne Instrument im Cockpit eines Fliegers ist bedienbar, und hat Auswirkungen auf einen bestimmten Aspekt des Flugverhaltens. Seiten- und Aufwinde zerren plötzlich merklicher und vehementer am Chassis, und selbst auf den ungeübten Blick harmlose Aufsetzer münden in einem abgedunkelten Screen mit der Meldung „You Crashed“.

Die Welt des Microsoft Flight Simulator

Der eigentliche Reiz des Spiels liegt jenseits von Start und Landung. Während man die Welt überfliegt, kann man die Seele baumeln lassen, die Schönheit der Landschaft bestaunen, oder einfach eine Sightseeing-Tour machen. Viele Städte und Sehenswürdigkeiten der Welt wurden originalgetreu nachgebaut. Selbst kleinere Orte erkennt man beim Überfliegen wieder, auch wenn sie aus generischen Gebäude-Dummies zusammengestöpselt wurden. Ich habe gleich nach meinem Campingurlaub in der Steiermark das Salzatal angesteuert, um den Flusslauf mit einem Doppeldecker entlangzufliegen, und direkt am Campingplatz zu landen (den es so im Spiel natürlich nicht gibt). Kleinere Städte wie Salzburg erkennt man, ohne große Fantasie aufbringen zu müssen. Natürlich schlängeln sich einige Flussläufe bei näherer Betrachtung unnatürlich über Hügel und an Bergwänden entlang. Natürlich enden einige Autostraßen plötzlich einfach unmotiviert mitten in einem Berghang. Aber allein der Umstand, dass es diese Straßen und Flüsse im Spiel gibt, und dass diese nicht nur wie Striche in der Landschaft wirken, trägt maßgeblich zur Atmosphäre des Spiels bei.

Technik

So viel Pracht hat ihren Preis. Der Microsoft Flight Simulator zwingt selbst neueste Hardware schonungslos in die Knie. Wer alle Grafik-Regler auf Anschlag schieben möchte, braucht einen potenten Gaming-PC mit ausreichend RAM, einer pfeilschnellen Grafikkarte und jede Menge Speicherplatz. Auch eine schnelle Internetverbindung ohne Datenlimit ist ratsam, denn in der von Azure berechneten Spielewelt werden unentwegt große Mengen Daten über die Leitung gestreamt. Später in diesem Jahr plant Microsoft den Flight Simulator auch noch für die Xbox Series X zu veröffentlichen.

 

Fazit zum Microsoft Flight Simulator

Ich kennen Google Earth und weiß, dass bereits ganze Städte als nachgebildete 3D-Modelle existieren. Ich habe aber noch nie ein solches Spiel gesehen. Das liegt vor allem daran, dass es so etwas bisher einfach noch nicht gab. Die Welt des Microsoft Flight Simulator ist so viel mehr als generisch zusammengewürfelte Kartenkachel auf einer sterilen Welt. Asobo Studios ist es gelungen, diese Welt mit Leben zu füllen, und die natürliche Schönheit unseres Planeten bildgewaltig einzufangen. Egal ob Sonnenuntergänge über dem Meer, die Straßen einer Großstadt bei Nacht, oder die Gipfel eines gewaltigen Bergmassivs – es fühlt sich echt an. Es fühlt sich interaktiv und nahbar an, als wäre man wirklich dort. Das allein ist bereits eine Meisterleistung, die es zu würdigen gilt. Ob das allein schon reicht, um ein spannendes, forderndes und abwechslungsreiches Spiel zu kreieren, muss die geneigte SpielerIn für sich selbst entscheiden. Mich jedenfalls hat der Microsoft Flight Simulator für viele schöne Stunden in seinen Bann gezogen. Diese 150 GB auf meiner Festplatte reserviere ich jetzt mal für meinen nächsten Corona-Urlaub. ♫ Über den Wolken ♫

9.5

Wertung: 9.5 Pixel

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