It Takes Two Test (PS5): Koop-Kracher und verdienter Game Awards 2021-Gewinner

von Mandi 11.01.2022

Couch-Koop und ein bisschen Therapie: Mit It Takes Two haben Hazelight und EA den verdienten Game Awards-Gewinner 2021 abgeliefert!

Über It Takes Two

It Takes Two wurde 2020 unter der Marke von EA Originals angekündigt. Das EA Originals-Label ist eine Marke, die kleineren Produktionen eine Chance gibt und mit Fe, Unravel, Sea of Solitude oder auch A Way Out bereits einige Achtungserfolge feiern durfte. Das Spiel beginnt damit, dass wir eine Familie kennenlernen. Cody und May sind gerade dabei, sich scheiden zu lassen, denn May arbeitet rund um die Uhr und Cody hat jeglichen Antrieb verloren. Ihre gemeinsame Tochter Rose ist am Boden zerstört und hegt nur den einen Wunsch, dass ihre Eltern wieder glücklich vereint sind.

Durch ihre Trauer und unter Tränen bittet sie eine höhere Macht um Hilfe, dass die Familie endlich wieder zusammenwachsen kann. Sie wird erhört, und It Takes Two steckt kurzerhand ihre Eltern, Cody und May, in die Rolle von Roses zwei Puppen. Nach diesem Freaky Friday-Move muss sich das zankende Ehepaar erst einmal auch in Tonfigur-Form zusammenraufen. Der Clou daran: Das Spiel ist nur zu zweit spielbar, ihr könnt euch also entweder für Couch-Koop oder für das Spiel online mit jemand anderes entscheiden. Ich kann den lokalen 2-Spieler-Modus wärmstens empfehlen – hier geht es noch zur offiziellen Website!

Die Story von It Takes Two

So beginnt das Spiel, und Cody muss sich plötzlich in der Figur einer etwas plumpen Tonfigur zurechtfinden. May hat es als Wollpüppchen nicht viel besser erwischt, aber es ist nun, wie es ist: Beide sind nun auf einen Bruchteil ihrer tatsächlichen Größe geschrumpft und müssen mehr oder minder hilflos dabei zusehen, wie ihre tatsächlichen Körper am Schreibtisch beziehungsweise auf der Couch schlummern. Nicht nur das, ihre Tochter Rose versucht zudem, die beiden zu wecken und dazu zu bringen, sich wieder zu vertragen. Das stößt die Reise von Cody und May an, und sie beginnt natürlich mit einem handfesten Streit.

Nachdem May Cody vorgeworfen hat, etwas falsch gemacht zu haben („Ernsthaft? Wir verwandeln uns auf magische Weise in kleine Puppen, und ICH SOLL DARAN SCHULD SEIN?“), erscheint Dr. Hakim, ein kleines quadratisches Buch mit dem Titel „Book of Love“. Dr. Hakim ist fest davon überzeugt, dass die Beziehung von May und Cody nur einen kleinen Schubs braucht, um sie wieder zum Funktionieren zu bringen. Sein Zweckoptimismus (und im Englischen urkomischer Akzent) wird aber jäh vom zankenden Ehepaar unterbrochen, die Scheidung ist schon fix! So beginnt It Takes Two, und man erlebt, wie sich Dinge mal schnell und mal langsam ändern können.

Ein knallbunter Mix aus Genres

It Takes Two ist zu fast 100 Prozent im Splitscreen-Modus zu spielen. Dabei ist es erwähnenswert, dass ihr in den sieben Kapiteln des Spiels selten die selben Kräfte habt. Mal spielt ihr mit Magneten, mal gibt es verniedlichte Schusswaffen, und in einem anderen Kapitel müsst ihr euch als Gärtner:innen betätigen. Die beiden Figuren unterscheiden sich dann auch stets und werden mit anderen Werkzeugen ausgerüstet, und so zwingt euch das Spiel dazu, zusammenzuarbeiten und zu kommunizieren. Sehr oft geht es um das richtige Timing, mit dem ein Charakter dem anderen das Weiterkommen ermöglicht.

Ob es nun Enterhaken, Karts, Schlittschuhe, Sicheln, Pömpel sind oder ihr kurzerhand das Manipulieren der Gravitation (bist du es, Super Mario Galaxy?) erlernt, nichts ist vor diesem Titel sicher. Erfahrene Gamer:innen haben ihre helle Freude daran, die zahlreichen Easter Eggs in It Takes Two zu entdecken. Manche sind sehr subtil, andere können erst ab einem gewissen Alter gesehen und verstanden  werden, und wiederum andere sind komplett offensichtlich. Genauso betrifft dies gewisse Klischees, die in Spielen immer wieder vorkommen – sogar Verfolgungsjagden und Fluchtsequenzen werden aufs Korn genommen.

Für alle Konstellationen geeignet

Das soll aber nicht heißen, dass dieses Spiel ausschließlich für erfahrene Spieler:innen gedacht ist. Gerade der Einstieg in It Takes Two ist für alle perfekt gelungen und lässt selbst Ungeübte fair und lustig herumprobieren. Apropos fair: Das Rücksetzsystem im Spiel ist äußerst gerecht und die zahlreichen Tode werden binnen Sekunden schon wieder vergessen. Es gibt keine frustrierenden Laufwege, bis ihr wieder zum Punkt des Scheiterns gelangt, sondern steigt direkt dort wieder ein, wo ihr euch beim Sprung oder Laufen verschätzt habt. Dadurch, dass ihr gemeinsam spielt, könnt ihr euch auch gegenseitig bei Laune halten.

Das geht aber auch, indem ihr euch einfach auf Erkundungstour begebt und eines der 25 Minispiele entdeckt, die in den sieben Kapiteln verstreut sind. Ob es nun Seilziehen ist, ein Wettlauf, eine Autorennbahn, klassisches Schach oder ein Weitsprung der anderen Art – das Team von Hazelight hinter It Takes Two hat es geschafft, an allen Ecken irgendetwas Süßes und Witziges einzubauen. Das motiviert natürlich ungemein, weiterzuforschen und die Hauptstory vielleicht einmal links liegen zu lassen. Es gibt keinen Zeitdruck, und ihr könnt sogar zwischen den Kapiteln und Minispielen hin- und her springen, wie ihr wollt.

Viel Umfang, viel Spaß

Im Test hat es mich persönlich überrascht, dass das Game immer wieder einen neuen Twist einbauen konnte. Ob musikalisch, ob mit ausgefallenen Werkzeugen oder einfach durch das Leveldesign, hier scheinen die Ideen niemals auszugehen. Das macht natürlich Laune, wenn man als Spieler:innen bemerkt, dass wohl auch das Team hinter dem Titel richtig viel Spaß beim Gestalten der Umgebungen hatte. Dazu kommt, dass man wirklich zu zweit sein und miteinander kooperieren muss, alleine kommt man einfach nicht weiter. Dieses Grundthema von It Takes Two ist allgegenwärtig und jederzeit bemerkbar.

Was die Schwierigkeit anbelangt, so setzt der Titel immer wieder ein Schippchen drauf. Die Schwierigkeitskurve ist dabei angenehm, es gibt keine Spitzen oder langweilige Passagen. Für völlige Nichtspieler:innen jedoch wird das Handling gegen Ende des Spiels ziemlich happig, selbst, wenn Zielhilfen und Steuerung ihr Bestes tun, um trotzdem leicht erlernbar und beherrschbar zu bleiben. Sehr fein ist auch der Zug, vom Hauptmenü direkt in die Kapitel beziehungsweise zu den Minispielen zu kommen. It Takes Two hebt sich so angenehm von der Masse von Spielen ab und macht eine Empfehlung sehr leicht!

Die Technik von It Takes Two

Die Optik des Titels ist auf jeden Fall etwas, was sofort ins Auge sticht. Sowohl die Texturen als auch die Animationen sind perfekt gelungen, und da ihr als kleine Püppchen viel näher an Holzböden, Eisschichten und Grasbüscheln dran seid, erfreut die knackscharfe Auflösung das Auge zu jeder Zeit. Gegen Ende der Storyline wird das Geschehen schon gern einmal unübersichtlicher, aber das ist beabsichtigt und sorgt für einen erhöhten Schwierigkeitsgrad. Genauso verhält es sich mit dem Sound, er ist rundherum gelungen und der Humor (im Test auf Englisch gespielt) kommt sowohl in Sequenzen als auch während der Action gut rüber.

Auch die musikalische Untermalung kann neben den Sprecher:innen voll überzeugen, und die Kreativität wird in It Takes Two ohnehin an jeder Ecke groß geschrieben. Das Handling des Titels hängt davon ab, was ihr gerade tun müsst beziehungsweise wie euch die einzelnen Genres liegen. Die Flugpassagen in It Takes Two beispielsweise funktionieren hervorragend auch für Einsteiger:innen, aber wer grundsätzlich mit der Orientierung im freien Raum Probleme hat, wird sich auch hier schwer tun. Alles in allem könnte man sich nicht mehr wünschen, denn der Umfang passt und die Vielzahl an unterschiedlichsten Genres genauso.

Fazit: Verdienter Game Awards-Gewinner 2021

Was soll man an It Takes Two aussetzen? Für das Online-Spiel benötigt ihr ein EA-Konto, und die Story beginnt extrem stark, um später ein wenig in den Hintergrund zu treten. Das waren meine zwei „Kritikpunkte“, wenn man sie denn überhaupt so bezeichnen möchte. Übrig bleiben über zehn Stunden voller Spaß und Überraschungen, so eine Kreativexplosion habe ich seit den Hochkarätern wie Super Mario Galaxy 2 oder auch Super Mario Odyssey nicht mehr erlebt. Dass ein PS5-Titel mit diesen Games überhaupt verglichen werden kann und dieser Konkurrenz auf Augenhöhe begegnet, ist ein wahres Qualitätsmerkmal.

Seid ihr zu zweit und habt Erfahrung mit Videospielen, solltet ihr den Titel unbedingt spielen. Habt ihr kaum oder keine Videospiel-Erfahrung, ist es trotzdem möglich, Freude an diesem Game zu haben, da ihr Schritt für Schritt an die einzelnen Mechaniken herangeführt werdet. Einzelspieler:innen müssen sich online mit jemand anderem zusammentun, was zwar auch möglich ist, aber natürlich das Couch-Koop-Spiel im echten Leben nicht ersetzen kann. Die Grafik ist genial, die Steuerung ist fair, das ganze Erlebnis ziemlich frustfrei und für alle geeignet – Paartherapie inklusive. It Takes Two ist genial, mehr gibt es nicht zu sagen!

9.5

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