Hacksaw Ridge-Kinokritik: Die Geschichte von Desmond Doss

von Stefan Hohenwarter 19.01.2017

Nach drei Golden-Globe-Nominierungen konnte die wahre Geschichte von Desmond Doss leider keinen der begehrten Preise einheimsen. Ob sich der Kinobesuch dennoch lohnt, erfahrt ihr noch vor dem Kinostart in meiner Hacksaw Ridge Kinokritik.

Wer ist Desmond Doss?

Desmond Thomas Doss (7.2.1919 – 23.3. 2006) war ein Veteran der United States Army. Er war der erste von nur drei Militärangehörigen der Streitkräfte der Vereinigten Staaten, die den Dienst an der Waffe verweigerten und mit der Medal of Honor ausgezeichnet wurden. In der Schlacht um Okinawa, die auch im Kinofilm Hacksaw Ridge ein wichtiger Teil ist, rettete er das Leben von ungefähr 75 seiner Kameraden. Dieser aufopfernde Einsatz brachte ihm die Auszeichnung ein.

Hacksaw Ridge Kinokritik

Eine wahre Geschichte

Wir erleben in den ersten Minuten die beiden Doss-Brüder, die gemeinsam durch den Wald rennen, auf Felsen klettern und sich auch manchmal prügeln. Und bei einer dieser Rangeleien passierte etwas, das das Leben von Desmond veränderte. Er verletzte seinen Bruder mit einem Ziegelstein am Kopf. Voller Reue stellte er sich danach vor eine Tafel, auf der die Gebote Gottes stehen. Am meisten Aufmerksamkeit richtet er auf das „Du sollst nicht töten”-Gebot. Von diesem Tag an führt Desmond, bis zum Angriff der Japaner auf Pearl Harbor, ein einfaches Leben. Ab diesem Ereignis, will er auch seinem Land dienen und meldet sich freiwillig für den Militärdienst. Er hat nur eine Bedingung: Er will nicht töten und keine Waffe angreifen. Ihm wird beim Einschreiben versichert, dass das kein Problem ist. Doch als er bei der Grundausbildung wegen seiner Wertanschauung nicht nur belächelt, sondern bewusst fertig gemacht wird, wird sein Glaube auf eine harte Probe gestellt.

Noch ein amerikanisches Heldenepos?

Ich habe schon unzählige amerikanische Kriegsfilme gesehen und dachte mir nur: bitte nicht nochmals eine Lobpreisung auf einen einzelnen Soldaten oder ein Bataillon, das Großes Vollbracht hat. Eines der grausamen Beispiele dieser Kategorie ist für mich der Kriegsfilm Wir waren Helden, in dem Mel Gibson die Hauptrolle spielte. Ausgerechnet er führte bei Hacksaw Ridge Regie. Schlechte Vorzeichen, oder? Ja, leider bewahrheiten sich diese. Größten Respekt vor Desmond Doss und seinem aufopfernden Kampf gegen ein System, in dem Militärdienst ohne dem Griff zur Waffe offenbar nicht geduldet wird. Hätte man den Film nach dem Erfolg gegen das System beendet, wäre das für mich ein absolut sehenswerter Film gewesen, doch der Ausflug zur Schlacht um Okinawa trägt für mich nicht dazu bei, Desmond Doss für seine Aufopferung noch mehr zu verehren. Vielmehr finde ich es traurig, dass man in dem amerikanischen Militärsystem wohl nur dann ein Held ist, wenn man am Schlachtfeld in sinnlosen Kriegen Großes vollbringt.

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Warum nicht ohne Gore und Pathos?!

Ich hatte mir nichts von dem Film erwartet. Ich hatte mir den Kurzinhalt nicht durchgelesen und wusste deshalb nicht, was auf mich in den rund zweieinhalb Stunden zukommt. Wie bereits zuvor erwähnt, finde ich den Kampf von Desmond Doss gegen das System grandios in Szene gesetzt. Andrew Garfield, den wir aus The Amazing Spider-Man kennen, verkörpert den Rekruten, der keine Waffe angreifen will, sehr gut. Nicht umsonst war er in der Kategorie Bester Hauptdarsteller in einem Drama für einen Golden Globe nominiert.

Doss lässt sich weder von Kameraden, die ihn in der Nacht verprügeln, noch von seinen Vorgesetzten, die ihn so fertigmachen wollen, dass er von sich aus die Armee wieder verlässt, von seinem Weg abbringen. Er übersteht alle Schikanen und rettet ironischerweise in der Schlacht um Okinawa nicht nur seinen Sergeant, sondern auch seine Kameraden, die ihn mit Fausthieben Vernunft in der Grundausbildung einimpfen wollten. So weit, so gut, aber glorreiche Musik, wenn die amerikanischen Soldaten über das Schlachtfeld rennen und dabei unzählige Menschen ihr Leben verlieren, finde ich fast genauso abstoßend wie die Gewaltdarstellung. Klar, Verletzte, Tote und qualvoll sterbende Menschen gehören wohl zu einem Kriegsfilm, aber minutenlang von Maden zerfressene Körperteile, Gedärme, die aus dem Unterleib von toten Soldaten quellen, oder abgetrennte Gliedmaßen zu sehen, ist mir doch zu viel. Wenn ihr also auf den typischen amerikanischen Kriegsfilm steht, könnt ihr ohne Bedenken ein Ticket im Kino eurer Wahl kaufen.

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