Die Magie der Sprache – Lost Words: Beyond the Page im Test

von Marianne Kräuter 31.03.2021

Dass die Feder mächtiger sein soll als das Schwert, hat sich Lost Words: Beyond the Page auf die Fahne geschrieben. Denn in diesem Spiel überwinden wir Herausforderungen völlig gewaltlos mithilfe des Zaubers der Wörter.

Das Buch im Buch

In Lost Words träumt die junge Protagonistin Izzy davon, Schriftstellerin zu werden und übt fleißig in ihrem neuen Tagebuch. Darin schildert sie einerseits Erlebnisse mit ihrer Familie, schreibt aber andererseits auch eine von ihr erfundene Fantasygeschichte nieder.

Wenn Izzy von ihrem Leben erzählt, hüpft man als SpielerIn im Tagebuch über ihre Worte von Seite zu Seite und erfährt stückweise mehr über Izzys Beziehung zu ihrer Großmutter. Manchmal kann man auch Zettelchen mit Wörtern oder Bildern an bestimmte Positionen bewegen, um Animationen auszulösen und die Geschichte voranzutreiben. Doch sobald Izzy ein neues Kapitel ihrer Fantasygeschichte beginnt, öffnen sich die Seiten des Tagebuchs zu der von ihr erfundenen Welt und man schlüpft in die Rolle der von Izzy erfundenen Heldin. In der Fantasywelt Estoria läuft man in der Manier eines simplen Jump-and-Runs von links nach rechts, hüpft über Abgründe und räumt Hindernisse mit von selbst erlernten Zaubersprüchen aus dem Weg. Ein paar Glühwürmchen darf man auf den fast ausschließlich linearen Wegen auch noch einsammeln.

Lost Words - Through the page

(c) Sketchbook Games

In diesen Spielabschnitten hätte ich mir grundsätzlich mehr Herausforderungen gewünscht: Die Sprungpassagen sind sehr leicht zu meistern. Und sollte man doch einmal scheitern, fängt man fast nahtlos an der Stelle des missglückten Versuchs wieder an. Wortzauber gibt es gerade mal eine Handvoll und diese werden meist zur stupiden Hindernisbeseitigung eingesetzt. Ich hätte mir für den Einsatz der Wortmagie kreativere Rätsel erhofft. Auch verzweigtere Level hätte ich begrüßt. So läuft man ohne jegliche Herausforderung von links nach rechts, bis das Kapitel endlich zu Ende ist und der interessante Teil von Lost Words weitergeht: Izzys tatsächliches Leben.

Das Leben schreibt die besten Geschichten

Falls es die Autorin Rhianna Pratchett darauf angelegt hat, Izzys Fantasygeschichte so zu gestalten, als könnte sie tatsächlich von einem jungen Mädchen stammen, dann ist ihr das mit Bravour gelungen. Die Erzählungen, die ich mit zwölf schrieb, lasen sich sicher genauso. Leider ist Izzys Geschichte dadurch auch dementsprechend platt und simpel, weswegen sie mich in keinster Weise packen konnte. Aber gut, als Endzwanzigerin falle ich sicherlich nicht in die Kernzielgruppe von Lost Words. Gut möglich, dass Kinder und junge TeenagerInnen die Geschichte anders aufnehmen als abgebrühte Fantasy-VeteranInnen.

Jedenfalls finde ich bedauerlich, dass man in Lost Words soviel Zeit in der faden Fantasywelt verbringen muss, wo doch die Beziehung zwischen Izzy und ihrer Oma eindeutig das emotionale Kernstück des Spiels bildet. Und diese Erzählung wird eben nur in den Tagebuchpassagen vorangetrieben. Nun sind Enkel-Oma-Beziehungen ja in Unterhaltungsmedien kein unbeackertes Sujet (Ich erinnere mich aus meiner eigenen Kindheit etwa an die Bücher Die Omama im Apfelbaum von Mira Lobe oder Die blauen und die grauen Tage von Monica Feth), aber als Spiel ist mir diese Thematik davor noch nicht begegnet. Schön, dass es so eine Erzählung nun auch in Videospielform gibt!

lost words - eine wunderschöne nachtwelt

(c) Sketchbook Games

Epilog

Bevor ich euch entlasse, noch ein paar praktische Hinweise: Ich habe Lost Words: Beyond the Page auf der Nintendo Switch im Handheldmodus gespielt. Das Spiel gibt es seit einem Jahr auf Google Stadia (Benutzt das eigentlich irgendjemand??) und erscheint Anfang April nach Ablaufen des Exklusivitätsdeals für alle anderen gängigen Plattformen von PC und Xbox One über Playstation 4 bis zur Nintendo Switch.

Die Wasserfarbenoptik des Spiels ist auf dem kleinen Bildschirm durchaus hübsch anzusehen. Ich denke nicht, dass es für vollen Spielgenuss zwingend ein großer Fernseher sein muss; so detailverliebt gibt sich Lost Words nicht. Technisch gab es bei mir keine Probleme, nur die Auswahl und Steuerung der Zaubersprüche mit dem rechten Analogstick empfand ich als frickelig. Die englische Vertonung ist gut gelungen und die Musik stört so wenig, wie sie im Gedächtnis bleibt.

lost words - typische tagebuchseite

(c) Sketchbook Games

Mein Fazit zu Lost Words: Beyond the Page

Selbst bei der relativ kurzen Spieldauer von etwa 4 Stunden, ziehen sich die Fantasyabschnitte von Lost Words: Beyond the Page gegen Ende. Dennoch lohnt es sich, für die Geschichte um Izzy und ihre Großmutter bis zum Ende dran zu bleiben.

Wertung: 7.2 Pixel

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