Death Stranding Test: Kojimas kontroverses Spiel am Prüfstand

von Stefan Hohenwarter 21.12.2019

Seit der Ankündigung auf der E3 2016 mussten die Fans lange auf das Release warten – hat sich das Warten gelohnt? Die Antwort findet ihr in meinem Death Stranding Test.

Und starten möchte ich gleich einmal mit dem Reveal Trailer von der E3 2016:

Keine Spoiler

Damit ihr gleich Bescheid wisst, ich werde keinerlei Informationen zur Story und manchen Geschehnissen im Spiel verraten. Ihr könnt den gesamten Text lesen, ohne Angst vor Spoilern zu haben. Einzig das ein oder andere Gameplay-Feature, dass ihr erst später freischaltet, habe ich kurz erwähnt. Dies gilt allerdings nicht für die Trailer, die einiges vorweg nehmen. Wenn ihr also wirklich keine Story-Spoiler erhalten wollt, solltet ihr den Launch-Trailer definitiv auslassen.

Der Prolog

Ohne Umschweife geht es mittenrein ins Abenteuer. Wir schlüpfen in die Rolle von Sam „Porter“ Bridges, einen von vielen als legendär bezeichneten Kurier. Walking Dead Fans sollte der gute Mann auch sehr vertraut vorkommen – immerhin stand Norman Reedus Modell. Bei einem Unfall mit einem Motorrad verliert Sam seine Lieferung, die ihr nun einsammeln und so die Steuerung des Spiels erlernen dürft. Als es zu regnen beginnt, flüchtet sich Sam in einer nahegelegene Höhle, denn das „Wasser von oben“ hat eine alternde Wirkung, wenn es beispielsweise auf die Haut gelangt. Im Unterschlupf treffen wir eine attraktive Frau, die Fragile heißt und sich offenbar teleportieren kann, doch bevor wir das rausfinden, setzt eine bedrohliche Musik ein. Etwas nähert sich, aber man kann nichts sehen. Einzig Fußabdrücke, die am Boden und den Höhlenwänden auftauchen, lassen erahnen, dass die Feinde zum einen immun gegen den Regen und zum anderen unsichtbar sind. Als das Wesen schon fast Sams Atmen hören und spüren kann, hält er sich Mund und Nase zu, um keinerlei Geräusch zu machen. Und das war auch gut so, denn der unsichtbare Feind zieht sich daraufhin langsam zurück. Willkommen in der Welt von Death Stranding.

Der Hauptcharakter

Wie bereit erwähnt, spielt ihr Sam „Porter“ Bridges und ihr macht, was ihr offenbar am Besten könnt. Nach einem Phänomen hat sich die Welt von einer Sekunde auf die andere verändert. Menschen haben sich in Schutzbunker zurückgezogen, die von einander abgeschnitten sind. Sams Mutter ist das Oberhaupt einer Organisation namens Bridges, die das Ziel verfolgt, Amerika wieder zu vereinen – ja, richtig gehört. Offenbar befinden wir uns im Hochheitsgebiet der Vereinigten Staaten. Sam hat neben seiner Mutter noch eine Schwester, zu der er eine wichtige Beziehung hat. Zwar interessiert ihn der Plan seiner Mutter eigentlich überhaupt nicht, doch nach einem speziellen Ereignis – das werde ich euch nicht spoilern – willigt er ein, den Plan umzusetzen.

Die Mission

Wie bereits kurz verraten, verfolgt Bridges das Ziel Amerika wieder zu vereinen, doch was ist damit gemeint? Die einzelnen Bunker sind von einander abgeschnitten und es ist eure Mission, diese mittels eine Netzwerks zu verbinden, um so von einander zu profitieren (z.B. Informationen von der Wetterstation) und mehr über das zu lernen, was vor Jahren passiert ist. Dafür müsst ihr euch einmal von der Ost- bist zur Westküste durchschlagen und all die verstreuten Gruppierungen in den Bunkern besuchen, um sie zu besagtem Netzwerk anzuschließen. Das klingt jetzt einfach, aber nicht alle wollen Teil dieses Zusammenschlusses sein und so müsst ihr oft erst das Vertrauen der AnführerInnen in den Bunkern gewinnen. Und so liefert ihr immer irgendwelche Dinge von A nach B in der Hoffnung, der Empfänger ist so gnädig damit ihr das Netzwerk erweitern und so zum nächsten Ziel aufbrechen könnt. Die Sendeleistung der einzelnen Station ist nämlich beschränkt, dass ihr euch hier keine „Ausfälle“ erlauben könnt.

Die Welt

Erinnert mich Irland – die Wiesen sind saftig grün, die Natur beeindruckend und es regnet ziemlich oft. Nur Schafe bzw. generell Tiere sieht man in der Welt überhaupt nicht. Manche würden sie als trostlos, andere wiederum als beeindruckend schön bezeichnen. Ich gehöre eher zur zweiten Fraktion, die sich an einer Naturlandschaft erfreut und die selbst Bob Ross in Staunen versetzen würden. In dieser Welt lauern so einige Gefahren auf euch, für die ihr meistens mit unterschiedlichem Equipment gut ausgestattet seid. Über kleine Abhänge könnt ihr euch mit einem Packseil abseilen, über kleine Flüsse eine Leiter legen oder ganze Straßenabschnitte bauen, um in weitere Folge mit Fahrzeugen darauf eure Botengänge bzw. -fahrten zu erledigen. Klingt jetzt komisch, aber genau das ist der motivierende Faktor des Spiels – ich habe mich selbst dabei ertappt wie ich ganze Abende damit verbracht habe, Materialien wie Metall oder Keramik zu sammeln, um einen kleinen Straßenabschnitt für die Community zu bauen. Ihr habt richtig gehört – selbst wenn ihr kein PlayStation Plus habt, könnt ihr Einrichtungen und Gadgets andere SpielerInnen nutzen und ihnen für besonders hilfreiche auch ein Like hinterlassen. Selbiges bekommt ihr auch, wenn ihr anderen SpielerInnen mit euren Konstruktionen helft, ihre Botengänge leichter zu erledigen. „Xy hat euch ein Like gegeben“-, „Zz hat eure Straße benutzt“-Benachrichtungen poppen permanent auf. Wer nun Angst hat, dass die Welt mit sinnlosen Leitern, Seilen, Warnschildern etc. vollgekleistert ist, kann sich entspannen, denn ihr teilt euch die Welt nicht mit allen SpielerInnen weltweit, sondern nur einem Ausschnitt. Somit gibt es schon viel „user-generated-content“, aber es befindet sich alles im Rahmen.

Das tägliche Geschäft

Ähnlich wie für Boten (UPS, Post, DHL etc.) liefert ihr ständig irgendwas irgendwohin. Sei es aus der Motivation euren Hauptquest zu verfolgen, oder die Welt für die Community zu „verbessern“. Wenn ihr Auftraggeber habt, werdet ihr natürlich am Erfolg gemessen und bewertet. Besonders schnelle oder unbeschädigte Lieferungen werden wohlwollend von den EmpfängerInnen aufgenommen. Doch das gestaltet sich nicht ganz so einfach, immerhin ist das Gelände meist unwegsam und andere Überraschungen erwarten euch ebenfalls.

Oft bleibt euch nichts anderes übrig, die Lieferung liegen zu lassen und euch selbst in Sicherheit zu bringen, um den Botengang zu einem späteren Zeitpunkt wieder fortzusetzen. Es kann aber auch passieren, dass ihr keine Lust mehr habt, die Lieferung (Nebenquests) zuzustellen. In diesem Fall kommt euch ebenfalls die Community zur Hilfe und nimmt die Lieferung für euch zum Zielort mit. Selbes könnt ihr natürlich auch machen und so eine Belohnung dafür einstreichen.

Copyright: Sony, Kojima Productions

Mein Death Stranding Test-Fazit

Kaum ein Spiel wurde im Vorfeld so gefeiert und sehnsüchtig erwartet wie Kojimas Death Stranding. Manche spekulierten sogar, ob der Titel nicht vielleicht als Launch-Titel für die PS5 erscheinen würde. Doch dann ging es relativ schnell: Sony enthüllte den Releasetermin und wenigen Wochen danach war überall Death Stranding-Werbung zu sehen. Ich hatte im Vorfeld einen großen Bogen um Kojimas Werk gemacht, da mir vor allem seine letzten Spiele so überhaupt nicht zugesagt haben. Doch dann überlegte ich es mir und meldete mich freiwillig für den Death Stranding Test. Und darüber bin ich heilfroh, denn das Spiel hat seit langem wieder etwas in mir ausgelöst: ich wollte unbedingt weiterspielen und erfahren was noch auf mich warten würde.

Auch wenn – der von vielen als Kurier- oder Walking-Simulator bezeichnete Titel – nicht jeden Geschmack trifft, so überzeugte er überraschend viele, und dass, obwohl das Gameplay alles andere als Mainstream ist. Wenn mich Leute fragen, was ich vom Spiel halte, so antworte ich immer: eigentlich kann ich das Spiel niemanden empfehlen – zu repetitiv und langwierig ist das Gameplay, doch eigentlich sollte es von allen einmal gespielt werden, da es endlich mal das Thema Social-Community-Gaming auf eine neue Stufe hievt.

Wertung: 8.7 Pixel

für Death Stranding Test: Kojimas kontroverses Spiel am Prüfstand von Stefan Hohenwarter