Attack on Titan Band 1 im Test

von Stefan Hohenwarter 26.05.2014

Die Erfolgsstory von Attack on Titan begann 2009 mit dem Japan-Release des ersten Bands von Hajime Isayama Mangas. Nach zwölf Bänden und rund 30 Millionen verkauften Exemplaren kommen die Titanen nun auch zu uns. Ich habe Attack on Titan Band 1 regelrecht verschlungen. Ob ich den Hype um den Manga nun verstehen kann, erfahrt ihr in meinem Review.

AttackOnTitan1_Pack

Facts

Genre: Action, Drama
Verlag: Carlsen
Mangaka: Hajime Isayama
Release: 18. März 2014

Das Grauen kehrt zurück!

Vor etwa einhundert Jahren löschten riesige, menschenähnliche Kreaturen – Titanen genannt – die Menschheit fast aus. Wo die Titanen herkommen, warum sie hinter den Menschen her sind und sie menschenähnliche Züge haben, ist bislang unbekannt. Nur eines steht fest: Menschen stehen auf dem Speiseplan der gigantischen Wesen. Zwar versuchte die Menschheit verzweifelt, sich gegen die Titanen zu wehren, da diese Wesen jedoch sowohl von der Größe als auch von ihrer schieren Körperkraft den Menschen haushoch überlegen sind, hatten Letztere kaum eine Chance: Die Menschheit wurde fast ausgerottet.

Die letzten Überlebenden des Massakers schlossen sich zusammen und zogen sich hinter drei gewaltige, in konzentrischen Kreisen aufgebaute Steinmauern zurück. Diese sind 50 Meter hoch und für die rund 15 Meter großen Titanen im Prinzip unüberwindbar. Hinter diesem Schutzwall lebt der Rest der Menschheit ohne moderne Technologie. Zwar erinnert man sich noch an das Grauen vergangener Tage, doch fühlt man sich hier in Sicherheit. Einzig der Erkundungstrupp, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Titanten, deren Herkunft und mögliche Schwachpunkte außerhalb der gigantischen Mauern zu erforschen, lebt in Gefahr. Die Bevölkerung hinter der Mauer gibt sich damit zufrieden, zusammengepfercht in einer Art Käfig zu leben und die ständige Bedrohung von außen so gut es geht zu verdrängen.

Von den Touren des rund hundertköpfige Erkundungstrupps kehren im Normalfall nur rund 20 bis 30 Leute zurück – der Rest wird von Titanen gefressen. Dennoch wird diese Einheit stets aufs Neue von ihrem Forschungsdrang angetrieben, sich ins Feindesland zu begeben, um vielleicht eine Lösung für das Dilemma der Menschheit zu finden. Als dieser Trupp eines Tages wieder – stark dezimiert – zurückkommt, ist das der Anfang vom Ende: Offenbar ist ein bislang nie gesehener kolossaler Titan dem Trupp gefolgt. Das über 50 Meter große Monster ragt über die äußerste Mauer und erblickt dahinter das Objekt seiner Begierde: Menschenfleisch. Wäre die Mauergarnison auf ihrem Posten gewesen, anstatt wieder einmal einen über den Durst zu trinken, hätte man vielleicht eine Chance gehabt, den äußersten Ring der Festung zu evakuieren, doch dafür ist es nun zu spät: Der kolossale Titan reißt ein gigantisches Loch in die schützende Außenmauer, durch das die nach Menschenfleisch lechzenden kleineren Titanen stürmen. Protagonist Eren, der dem Erkundungstrupp beitreten wollte, sowie seine Adoptivschwester Mikasa überleben das Massaker, müssen aber mitansehen, wie ihrer Mutter von einem Titan sämtliche Knochen gebrochen werden, ehe sie im Rachen des Monsters verschwindet. Eren und Mikasa melden sich daraufhin für die 104. Trainingsbrigade, um ElitesoldatInnen zu werden. Denn sie verfolgen ein Ziel: Freiheit für die Menschheit und Rache an den Titanen!

Zusammenfassung

Mit Sicherheit ist Hajime Isayama nicht der Erste, der eine aussichtslose Geschichte erzählt, in der Charaktere, deren Namen man sich gerade erst gemerkt hat, ausradiert werden. Dennoch überzeugt mich bei Isayama-sans Attack on Titan die unvorhersehbare Art und Weise, mit der dies geschieht. Während man sich z. B. bei Naruto, One Piece oder anderen Shonen-Mangas stets auf die nächste Seite freut, fürchtet man sich bei Attack on Titan eher vor den weiteren Grausamkeiten, die die nächsten Seiten offenbaren werden. Wie ihr euch sicher denken könnt, ist der Manga nichts für schwache Nervern − der Warnhinweis auf dem Einband, der jungen LeserInnen unter 16 Jahren von Attack on Titan abrät, ist absolut berechtigt. Manche LeserInnen hätten sich vielleicht über etwas mehr Inhalt, etwa in Form von Bonusseiten, die die Welt von Attack on Titan eingehender erklären, gefreut, aber auch hier fällt der Manga aus dem Rahmen: Mit Informationen wird gespart, doch so können wir LeserInnen uns in die Lage der unglücklichen Charaktere versetzen, die ebenso nicht wissen, wie ihnen geschieht. Der Zeichenstil wirkt, zumindest in Band 1, teilweise etwas unfertig, wobei auch dies durchaus beabsichtigt sein könnte, da die teilweise fast schroffen Zeichnungen mit dem Inhalt korrespondieren. Die Aussichtslosigkeit für die Menschheit, die sich hinter gigantischen Mauern versteckt und um ihr Überleben bangt, die Erbarmungslosigkeit der Titanen und die damit einhergehende unheimliche Gesamtstimmung machen für mich Attack on Titan zu einem Meisterwerk.

Wertung: 9 Pixel

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