WarCraft III: Reforged – Mein erster Eindruck

von Bernhard Emig 03.11.2018

Mal ehrlich: Insgeheim hätte ich mir natürlich auch erhofft, Blizzard würde eher Zeit und Ressourcen in ein echtes WarCraft IV stecken, als den dritten Teil zu remastern. Nicht, dass es sich dabei nicht auch um ein begehrenswertes Stück Software handeln würde. Immerhin zählen WarCraft III: Reign of Chaos und sein Add-On The Frozen Throne zum absolut Feisten, was das Genre der Echtzeitstrategie je zu bieten hatte. Aber an wen richtet sich dieses Remaster eigentlich? An die ohnehin arg ausgedünnte Zielgruppe der Echtzeitstrategen, die seit StarCraft II: Legacy of the Void (2015) auf Nachschub dürsten? Oder an die längst erwachsenen SpielerInnen der Vorlage aus dem Jahr 2002? Ein Blick auf die Eckdaten von WarCraft III: Reforged gewährt tiefere Einblicke.

© Blizzard Entertainment

Alles glänzt, so schön neu

Eines wollte Blizzard bereits in dieser sehr frühen Version des Spiels klar verdeutlichen: Hier kommen nicht bloß detailliertere Spielfiguren und Maps, neu abgemischten Sounds und eine moderner Battle.NET Anbindung auf uns zu, sondern ein völlig überarbeitetes Spielerlebnis. So sollen beispielsweise die Handlungsstränge bekannter WarCraft-Figuren wie Jaina Prachtmeer und Silvanas Windrunner stärker ausgearbeitet werden. Sei es in vollvertonten Ingame Cinematics, in ausgeschmückten Nebenmissionen oder gar in zusätzlichen Missionen, die der Kampagne mehr Tiefgang verleihen sollen. Hier wird also nicht nur oberflächlich Politur aufgetragen, sondern bis in die kleinsten Stellschrauben des Originals hineingearbeitet.

Grafischer Generationen-Spagat

© Blizzard Entertainment

Über den grafischen Stil von Blizzard Spielen lässt sich bekanntlich formidabel streiten. Unbestritten hingegen ist, dass er Zeitlos ist, und meistens hervorragend altert. Bei WarCraft III ist das etwas anders, handelt es sich doch um eines der ersten 3D-Spiele, und damit um absolutes Neuland für das damals noch junge EntwicklerInnenstudio. Umso bemerkenswerter ist es, dass die Spielfiguren in Reforged einerseits klar am Original angelehnt sind, andererseits ihren ganz eigenen, modernen Stil finden. Prinz Arthas beispielsweise sieht im gezeigten Trailer wie eine He-Man Figur aus den 80ern aus. Sein langes blondes Haar gleicht einer Plastikperücke. Die viel zu großen Schultern und Hände verleihen seinem Äußeren einen spielzeugartigen, ja fast nostalgischen Touch. Das gilt auch für die anderen bisher gezeigten Figuren wie Tauren, orcische Schwertmeister und untote Ghule. Etwas karg und heterogen wirken dagegen die Umgebungsdetails, aber vielleicht ist Blizzard damit auch einfach noch nicht fertig.

Bei den Animationen dürfte es sich bisweilen noch um frühe Phasen der Entwicklung handeln. Klar, die Art wie Einheiten laufen, kämpfen und zaubern trägt wesentlich zum Wiedererkennungswert des Spiels bei. Die Hiebe bullig modellierten Einheiten lösen jedoch auch weiterhin beim Gegenüber keine Trefferfeedback aus, und wirken daher eher wie ein Schattenboxkampf. Unzeitgemäß wirken auch Arbeiter, die einfach vor dem Eingang einer Miene verschwinden, anstelle diese zu betreten.

Modernisierung bis in die Knochen

© Blizzard Entertainment

Auch wenn sich das Gameplay weitestgehend wie im Original anfühlen soll, wird Blizzard viele in die Jahre gekommenen Mechaniken runderneuern. Davon betroffen sein werden vermutlich die Wegfindung, die Anordnung gemeinsam marschierender Verbände, sowie matchmaking-Mechaniken moderner RPGs. 20 Helden des Originalspiels werden es in das Remaster schaffen. Welche das sind, und welche dem Schnitt zum Opfer fallen, wollte Blizzard noch nicht verraten, immerhin bot WarCraft III samt Add-On seinerzeit deutlich über 20 Spielbare HeldInnen. Alle 62 Missionen des Hauptspiels und der Erweiterung The Frozen Throne, sowie 4 Stunden an überarbeiteten Videosequenzen werden hingegen vollständig übernommen werden. ModderInnen werden sich auch über die Rückkehr des Leveleditors und der Unterstützung von Custom-Mods freuen.

An wen richtet sich nun WarCraft III: Reforged?

Bleibt immer noch die Frage zu klären, wer WarCraft III: Reforged eigentlich kaufen soll, wenn es irgendwann 2019 um 29,99 Euro erhältlich sein wird. Jüngere WarCraft-Fans, die erst mit WoW in das Universum eingetaucht sind, und die Hintergrundgeschichte hinter berühmten WarCraft-Figuren in neuem Gewand und moderner Technik erleben wollen? Oder Fans der ersten Stunde, sofern diese überhaupt noch Zeit und Muße für so einen Mostalgie-Trip aufbringen können? Ich denke, nicht einmal Blizzard selbst weiß, ob und wie gut sich dieses Remaster verkaufen wird. Es ist aber sicherlich ein Test, ob man mit guter Echtzeitstrategie heutzutage noch einen wirtschaftlichen Erfolg verbuchen kann. Wenn WarCraft III: Reforged sich wie warme Semmeln verkauft, dann… ja dann steht sicher auch einem WarCraft IV irgendwann nichts mehr im Wege

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