Unbox: Newbie’s Adventure (Switch) im Test

von postbrawler 06.10.2017

Noch vor Super Mario Odyssey erhebt das Indie-Game Unbox: Newbie’s Adventure Anspruch auf den Titel „Erstes 3D Jump & Run für die Nintendo Switch“. Und die Developer Prospect Games dürften es ziemlich eilig gehabt haben, zumindest dieses Privileg für sich zu beanspruchen. Denn ein paar Wochen mehr Entwicklungszeit hätten dem ursprünglichen PS4-Plattformer bei aller Liebe wahrlich zu Gesicht gestanden.

Unbox: Newbie's Adventure

Handlung und Gameplay

In Unbox schlüpft ihr in die Rolle der lebenden Paketbox Newbie. Dieser entspringt wie seine schachtelförmigen Freunde einem Experiment der globalen Postzustellungs-Agentur GPS. Mit lebendigen Boxen will man die Zustellungsbranche revolutionieren. So rollt, springt und stampft ihr also als Kartonschachtel durch knallbunte Levels, um Rätsel zu lösen, Gegenstände zu finden und mit anderen Spielfiguren zu interagieren. Dabei verschlägt es Newbie nach und nach in unterschiedliche Welten wie eine Bohrinsel, einen Strand oder eine frostige Eis-Welt. Unterwegs gilt es gelbe Paketbänder zu sammeln, und Checkpoints zu erreichen. In geheimen Shops könnt ihr euch neue Outfits zulegen, ganz nach dem Vorbild des bald erscheinenden Mario-Abenteuers.

Steuerung

Die Steuerung von Newbie ist ziemlich gewöhnungsbedürftig. Zum einen gibt die HD-Rumble Funktion der Switch bei jedem Sprung und schnellen Bewegungen stoßartige Vibrationen von sich. Das fühlt sich nicht nur schroff uns unnatürlich an, es trägt auch in keinster Weise zum Spielspaß bei. Gottseidank kann man das in den Settings deaktivieren. Was sich leider nicht abschalten lässt, ist die extrem träge und unpräzise Steuerung von Newbie. Da er eine Schachtel ist, bewegt sich unser Protagonist reichlich unwucht und sperrig durch die Landschaft. Zwar kollidiert er dabei physikalisch korrekt mit Wänden und Gegenständen, das bedeutet aber noch nicht, dass es auch Spaß macht, sich so fortzubewegen. Sprünge hingegen trotzen der Schwerkraft und den Gesetzen der Masseträgheit wiederum so sehr, dass sie quasi unmöglich einzuschätzen sind, und häufig ihr Ziel verfehlen.

Die Grafik

Erst dachte ich, ich könnte meinen Augen nicht trauen. Unbox sieht im Handheld Mode der Switch aus, als wäre es ein 3DS-Game. Doch auch im Docked-Mode wird es leider um keinen Deut besser. Die an sich schon schwindelerregend niedrige Auflösung des Spiels wird obendrein durch nicht vorhandenes Anti Aliasing und Anisotropes Filtern verunstaltet, als stamme das Spiel direkt aus den 90ern. Und das, obwohl es sich hierbei um die eigentlich potente Unreal-Engine handelt, die selbst aus einem 3 Jahre alten iPhone Bemerkenswerteres heraus zu kitzeln vermag. Dynamische Beleuchtung oder -Schatten sucht man in der Welt von Unbox vergebens. Ebenso wenig lassen sich scharfe Texturen, hübsche Shader oder detailliert modellierte Charaktere ausmachen. Gut, das kann auch daran liegen, dass es sich um Comic-Grafik mit quadratischen Boxen als Spielfiguren handelt. Aber zu allem Überdruss ruckelt das Spiel auch noch mit teilweise unspielbaren 20 FPS und weniger vor sich hin. Das Sahnehäubchen setzen dem Ganzen jedoch die Ladezeiten auf. Für derart grafisches Understatement kann ich selbst wenige Sekunden nur zähneknirschend in Kauf nehmen, Unbox gönnt sich großzügig bis zu halb-Minütige Ladescreens.

Übersetzungs-Fiasko

Herunterklappen - Unbox

Da klappen nicht nur Kinnladen hinunter

Wenn es schon für den Feinschliff an der Grafik nicht mehr gereicht hat, hätte sich Prospect Games wenigstens Mühe beim Sound-Design, der Hintergrundmusik und der Vertonung von Dialogen geben können. Doch das Dargebotene ist an Eintönigkeit und Nervigkeit kaum zu überbieten. Dialoge wurden erst gar nicht vertont, was angesichts der haarsträubend schlechten Übersetzungen ins Deutsche wahrscheinlich sogar besser so ist. Bereits am Intro-Screen wird man gebeten, das Spiel doch bitte nicht runter zu „klappen“, während das Ladesymbol aufleuchtet – Wohlige Erinnerungen an „all your base are belong to us“ keimen auf.

Fazit zu Unbox: Newbie’s Adventure

Was habe ich mir da nur angetan? Dieser PS4-Port wurde leider viel zu hektisch und unoptimiert auf die Switch losgelassen. Dabei schlägt Unbox: Newbie’s Adventure immerhin mit knapp 30 Euro zu Buche. Für dieses Geld kann man sich mehr erhoffen. Stattdessen erwartet euch eine grenzwertige Steuerung und ein grafisches Gewand, das selbst der vorletzten Konsolengeneration nicht gerecht würde. Auch wenn ich ein Herz für Indies habe, und die liebe Mari mich wahrscheinlich dafür geißeln wird: Ich kann diese Switch-Portierung nicht guten Gewissens empfehlen, deren einziger USP es ist eine Woche vor Super Mario Odyssey zu erscheinen.

Wertung: 3 Pixel

für Unbox: Newbie’s Adventure (Switch) im Test
1 Kommentar
neuste
älteste
Inline Feedbacks
View all comments
Mari

Autsch; die Portierung klingt wirklich schlecht. Keine Geißelung von meiner Seite, nur etwas Enttäuschung dem Spiel gegenüber 😉 🙁