Transcendence (Blu-ray) im Test

von Stefan Hohenwarter 14.09.2014

Das Thema künstliche Intelligenz, das die Menschheit seit Jahren, vermutlich sogar seit Jahrzehnten bewegt, wurde bei Transcendence mit einem weltbekannten Cast und einem ordentlichen Budget von rund 100 Millionen US-Dollar in ein Hollywood-Korsett gezwängt. Ob das gut gegangen ist, erfahrt ihr in meinem Testbericht.

Transcendence_Bluray

Facts

Genre: Action, Thriller, Sci-Fi
Publisher: Universal Pictures
Regie: Wally Pfister
Release-Termin: 28. August 2013

Das Leben nach dem Tod

Im Mittelpunkt von Transcendence steht der auf dem Blu-ray-Cover abgebildete Johnny Depp, der in diesem Sci-Fi-Thriller in die Rolle von Dr. Will Caster schlüpft. Caster, ein renommierter Wissenschaftler, forscht gemeinsam mit seiner Frau Evelyn auf dem Gebiet der technologischen Singularität. Das Paar hat ein schönes Leben, jedoch wenig Geld. Daher schleppt Evelyn ihren Mann zu einer Wissenschaftskonferenz, bei der er seine neuesten Erkenntnisse präsentieren und ihnen so Forschungssubventionen für die nächsten Jahre sichern soll. Das Publikum ist von seiner Idee, ein Computersystem zu erschaffen, dessen komplexe Verschaltungen wie ein menschliches Gehirn funktioniert, schier begeistert. Sollte es Will gelingen, die Forschungen mit Erfolg abzuschließen, wäre das ein großer Fortschritt auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz. So sehr er von seinen KollegInnen gelobt wird, so sehr wird er von fanatischen TechnikskeptikerInnen gehasst. Die künstliche Intelligenz ist ihnen ein Dorn im Auge, und so startet diese aggressive Gruppe einen Angriff auf mehrere Labore und Personen, die sich mit diesem Forschungsgebiet befassen.

Auch Will wird bei einem dieser Angriffe schwer verletzt. Der Forscher ringt mit dem Tod, und so wagen Will, Evelyn und deren Freund Max Waters, der ebenfalls im Dienst der Wissenschaft steht, ein noch nie da gewesenes Experiment: Sie verbinden Wills unversehrtes Gehirn mit einem Computersystem und übertragen Informationen auf den Rechner. Dabei erzielen sie Fortschritte, doch eines Morgens wacht Will nicht mehr auf. Seine Frau ist untröstlich über das Dahinscheiden ihres Mannes. Als der Rechner, mit dem Will zuvor verbunden war, „Lebenszeichen“ von sich gibt, schöpft sie neue Hoffnung. Ist die Welt schon bereit für eine künstliche Intelligenz, die einem Menschen nicht nur ebenbürtig, sondern sogar überlegen ist? Was kann ein Wesen, das nicht mehr an physische Bedürfnisse wie Essen, Schlafen usw. gebunden ist, alles vollbringen und welche Gefahren birgt eine solche Unabhängigkeit?

Extras

Die Fans von Bonusinhalten können auf der Transcendence-Blu-ray einiges entdecken. Es warten Making-ofs, B-Roll-Material, Featurettes und vieles mehr:

  • Making-of
  • Mini Making-of
  • Featurettes:
    • Das Versprechen künstlicher Intelligenz
    • Die Gefahr künstlicher Intelligenz
    • Was ist Transzendenz?
  • Trailer
  • US-Premiere
  • B-Roll
  • Interviews mit Johnny Depp, Rebecca Hall, Morgan Freeman, Wally Pfister, Paul Bettany, Kate Mara
  • Bildergalerie

Zusammenfassung [SPOILER]

Schon in den ersten paar Minuten wird klar, dass Transcendence alles andere als ein 08/15-Thriller ist. Vielmehr versuchen Cast und Regie, eine philosophische Frage in den Raum zu werfen und zu beantworten. Das funktioniert in der ersten Hälfte des Films für meine Begriffe ganz gut, wird aber gegen Ende hin immer absurder und unglaubwürdiger. Was als philosophischer Thriller, der zum Nachdenken anregen soll, beginnt, verwandelt sich in der zweiten Hälfte des Films zu einem simplen Zombiefilm. Dazu kaufe ich Johnny Depp die Rolle der Menschmaschine mit Gottkomplex nicht ab.

Die Idee, mit fliegenden Nanopartikeln alles steuern, heilen und erschaffen zu können, wie Will es in seiner „transzendenten“ Form macht, ist interessant, aber derart an den Haaren herbeigezogen, dass der Film jeglichen Bezug zur Realität verliert. Die Menschen, die der Protagonist mit eben diesen Partikeln zuvor von Leiden wie gebrochenen Knochen, Sehschwäche und vielem mehr geheilt hat, werden schließlich zu von ihm ferngesteuerten und unsterblichen Zombies. Bei aller Liebe für Absurdes: Dies schlägt dem Fass den Boden aus. So muss ich den Versuch, ein philosophisches Thema mit Hollywood’schen Action-Ansprüchen zu vereinen, als gescheitert betrachten. Die Extras, die Technik und die tollen Aufnahmen geben Transcendence zwar einen schönen Anstrich; ein Auto ohne Motor wird aber trotz schöner Lackierung und blitzender Felgen nicht fahren.

Wertung: 6.5 Pixel

für Transcendence (Blu-ray) im Test