Three Thousand Years of Longing Kritik: Ein gefühlvoll-gestaltetes Märchen der Moderne

von Elias Löwenau 14.08.2022

Am 02.09.2022 erscheint Three Thousand Years of Longing in den österreichischen Kinos und ich konnte den Film schon vorab sehen! Was euch in dem Film erwartet, erfährt ihr hier!

Three Thousand Years of Longing

© Metro-Goldwyn-Mayer

Inhalt

Alithea Binnie ist wunschlos glücklich. Zugegeben, ihr Leben entspricht nicht dem traditionellen Bild einer Frau ihres Alters – sie ist unverheiratet, kinderlos und begeistert sich in ihrem Beruf als Geisteswissenschaftlerin für die Historie, Struktur und Philosophie von Geschichten – aber sie ist zufrieden damit und braucht nicht mehr, als sie hat. Daher ist es keine große Überraschung, dass sie, als sie während einer Konferenz in Istanbul einem Dschinn aus einer unscheinbaren Glasphiole begegnet, keinen einzigen seiner drei angebotenen Wünsche wahrnehmen möchte. Schließlich gehen Geschichten über Dschinns immer schlecht aus und ein wahrer Herzenswunsch brennt ihr ohnehin nicht in der Brust. Nun, davon ist sie zumindest anfangs überzeugt.

Hier könnt ihr euch den Trailer zum Film ansehen:

Interview mit einem Vampir, nur mit Dschinn?

Das Gleichnis hinkt zwar etwas, ist aber durchaus valide. Der inzwischen schon in die Jahre gekommene Film Interview mit einem Vampir erzählt in der Rahmenhandlung eines Interviews die gesamte Lebensgeschichte eines Vampirs und Three Thousand Years of Longing tut Großteils genau dasselbe, eben nur einem Dschinn.

Über zwei Viertel des Films spielen sich in einem Hotelzimmer in Istanbul ab, in welchem Dschinn – einen weiteren Namen erfährt man nicht – der kritischen Alithea die tragische Geschichte seines Lebens erzählt, welche sich über 3000 Jahre zieht. So verweilt der Film immer wieder in ausschweifenden, aber durchaus kompakt erzählten Rückblenden, die von einem intellektuell schmackhaften Hin und Her der beiden Figuren über die narratologischen Konsequenzen der drei Wünsche unterbrochen werden.

Dieser Teil des Films mit all seinen Geschichten über verlorene Liebe, Aufstiege und Untergänge von Sultanen und Menschen, die sich in eine nicht enden wollende Wunsch-Spirale des Unglücks begeben, ist wirklich überzeugend und gefühlvoll umgesetzt. Leider schlägt die Handlung ab dem dritten Akt eine Richtung ein, die sich im wahrsten Sinne des Wortes erzwungen anfühlt. Der Film wird dadurch gut 15 Minuten zu lang und erzählt eine Geschichte zu Ende, die eigentlich sehr viel schneller auf den Punkt gebracht werden könnte.

Ihr wolltet schon immer wissen, wie eine Pressekonferenz zu einem Film abläuft? Dann schaut mal in die auf dem Festival de Cannes rein:

Ein Gipfeltreffen an Talent

Wer sich die Hauptdarsteller*innen des Films ansieht, wird sich vermutlich eine Frage stellen: Wie soll ein Film mit Idris Elba und Tilda Swinton, zwei Schauspieler*innen, die sowohl äußerlich als auch charakterlich wohl unterschiedlicher nicht sein könnten, bitte funktionieren? Aber dieser Film schafft es tatsächlich, diese kontrastreichen Darsteller*innen auf eine nahtlose Weise zu vereinen, die fast so magisch wie die Zauber des Dschinns wirkt. Dieser Kontrast macht viel von der Stärke des Films aus und bestimmt ebenfalls die Charakterentwicklung der Figuren.

Tilda Swinton zu preisen erscheint bei der langen Liste ihres schauspielerischen Talents fast überflüssig, dennoch muss erwähnt werden, dass sie mit ihrer definierten Darbietung der Alithea Binnie wieder einen nuancierten Charakter ihrer Liste hinzufügen kann. Die größere Überraschung bietet aber Idris Elba als Dschinn. Die meisten kennen den hochgewachsenen Schauspieler wahrscheinlich eher aus Filmen wie Thor oder Fast and Furious. So auch ich, daher war es eine willkommene Überraschung zu sehen, wie ein derart muskelbepackter Mann auf so emotionale Weise von seiner tragischen Lebensgeschichte berichtet. So bricht Elba die gewohnten Konventionen und schafft eine Figur, die sich mehr durch ihre Verwundbarkeit auszeichnet als durch ihre enorme Macht.

Den Nebencharakteren des Films, von denen es einige gibt, wird überraschend viel Zuwendung geschenkt. Sie stehlen den Hauptfiguren dabei keinesfalls das Rampenlicht, allerdings stellen sie in ihren dicht erzählten Mini-Handlungen durchaus die Protagonist*innen und bekommen mindestens zweidimensionale Persönlichkeiten, was unter Berücksichtigung ihrer geringen Screentime durchaus beeindruckend ist.

Im Interview mit Film Companion spricht der Cast über den Film:

Effekte wie aus einem Märchen

Mäandernde Staubpartikel glitzern in goldenem Schein einer abendlichen Sonne.

Dieses Bild ist mir von allen am lebhaftesten im Gedächtnis geblieben, und ich denke, es verdeutlicht die visuelle Natur des Films sehr treffend. Three Thousand Years of Longing bezeichnet sich schon in den Trailern als wahres Märchen und ebengenau dieser Look wird von Regisseur George Miller, den viele wahrscheinlich noch von seinen Mad-Max-Filmen kennen, eingefangen.

Zauberhafte CGI-Effekte, die beinahe übergangslos in handgemachte Effekte gleiten, nehmen die Zuschauer*innen mit auf eine Reise durch die Geschichte, die mit zunehmender Distanz zur Gegenwart immer fantastischere Elemente und Charaktere zum Leben erweckt. Vergleicht man die magische Bildsprache dieses Films mit dem staubig-dreckigen Überlebenskampf in Mad Max, muss man sich fragen, ob es überhaupt ein Genre gibt, dass George Miller nicht umsetzen kann.

Interviewt von Film Companion erzählt der charmante George Miller von einigen seiner Inspirationen für den Film:

Three Thousand Years of Longing: Das Fazit

Mit Three Thousand Years of Longing gelingt es George Miller ein gefühlvoll-gestaltetes Märchen der Moderne zu erzählen. Mit starken Schauspieler:innen und in dichter Narration scheint es fast so, als ob er diesen Film direkt aus 1001 Nacht auf die Kinoleinwand gezaubert hätte. Das gilt allerdings nur für die ersten zwei Drittel des Films. Mit der zwar unerwarteten, aber letztlich überflüssigen Wendung hin zum dritten Akt verbaut sich der Film leider die Chance zum Meisterwerk und fühlt sich nach hinten raus auch sehr viel länger an, als er eigentlich ist. Dennoch bleibt Three Thousand Years of Longing ein Film, den man sich definitiv im Kino ansehen kann, vor allem wenn man Lust hat, sich wie ein Kind zu fühlen, dass den Märchen seiner Eltern lauscht.

Wertung: 7.5 Pixel

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