The Inpatient (PSVR) im Test: Nervenkitzel pur

von Mandi 23.01.2018

In The Inpatient schlüpft ihr in die Rolle eines Patienten im Blackwood Pines-Sanatorium. Die Diagnose lautet Amnesie, doch nach und nach entdeckt ihr, dass die dicken Mauern schlimme Geheimnisse bergen. Zur offiziellen Website des Spiels geht es hier.

Der Plot: Was vor Until Dawn geschah

The Inpatient, ein Horror-Adventure, spielt 60 Jahre vor den Ereignissen des PS4-Spiels Until Dawn. Euer Charakter kann von euch angepasst werden (männlich/weiblich sowie Hautfarbe) und dann geht es auch schon los. Ihr erwacht in einer merkwürdigen medizinischen Einrichtung. Ihr öffnet die Augen und seid hoffentlich bereit für das, was kommen wird!

Nur langsam kommt ihr hinter das Geheimnis des Blackwood Pines-Sanatorium. Während ihr eure Therapien hinter euch bringt und Flashbacks erlebt, stellt ihr fest, dass nicht alles so ist, wie es zu sein scheint. Dabei besitzt The Inpatient mehrere Handlungsstränge und verschiedene Enden. Das hängt alles davon ab, wie ihr im Spiel agiert und welche Antworten ihr liefert.

The Inpatient ist also teils Life is Strange und teils ein Horror-Adventure für PSVR. Dadurch, dass ihr als neue/r SpielerIn klarerweise nicht wisst, was geschehen ist, passt die altherkömmliche Erklärung mit dem Gedächtnisschwund wie die Faust aufs Auge. Um das Spiel zu verstehen, müsst ihr Until Dawn jedoch nicht kennen. Die Story ist in sich perfekt abgeschlossen und lüftet je nach Spieldurchgang andere Geheimnisse. Hier ein Trailer für euch!

Willkommen bei The Inpatient

Als Patient in The Inpatient könnt ihr nur wenig tun. Ähnlich wie das zuvor genannte Life is Strange ist auch dieser Titel ein Walking Simulator. Eure Interaktionen beschränken sich in diesem PSVR-Game auf ein Minimum. Herumlaufen, einzelne markierte Dinge aufheben und eventuell mit einer Taschenlampe herumleuchten sind schon das Maximum dessen, was euch an Möglichkeiten erwartet.

Den Hauptteil der Geschichte machen die Dialoge mit den verschiedenen Charakteren aus. Dabei könnt ihr teils entscheiden, was eure stumme Hauptfigur antwortet. Dabei werden auch die Gefühlsregungen wie „neugierig“, „wütend“, „besorgt“ und „sarkastisch“ angezeigt. Ihr wisst also genau, wie ihr antworten werdet. Manche Entscheidungen werden nach der Auswahl mit blauen Schmetterlingen verfärbt.

Diese Auswahl wird somit im weiteren Verlauf des Spiels Konsequenzen nach sich ziehen. Da The Inpatient ein Walking Simulator ist, konzentriert ihr euch klarerweise auf die kleinen, feinen Details. Da werden plötzlich Abrisskalender interessant, aber auch Speisereste und Wände. Das Game präsentiert sich als äußerst ruhig und gemächlich, Stress im zeitlichen Sinne gibt es hier nicht. Aber der Horror…

Auf dem Wege der Besserung

Der PSVR-Titel lebt natürlich davon, dass ihr dank der VR-Brille mitten im Geschehen seid. Ein paar Jumpscares müssen klarerweise sein, und die sitzen ordentlich. Teils offensichtlich und teils unerwartet reißt euch das Spiel vom Sitzfleisch, auch ZuseherInnen haben da oft das Nachsehen! An die Klasse eines Resident Evil 7 kommt The Inpatient zwar nicht ran, aber das will Supermassive Games auch gar nicht.

Hier ist viel mehr der Wiederspielwert gefragt, da ihr je nach Antwortoptionen ganz andere Enden bekommen könnt. Ob ihr euch das Spiel öfter anseht, liegt dabei ganz bei euch. The Inpatient dauert etwa zwei bis drei Stunden, wobei es sich nicht empfiehlt, es auf einen Sitz durchzuspielen. Das liegt zum Einen an der Natur von PSVR-Spielen, zum Anderen jedoch, dass die zweite Hälfte von The Inpatient sehr anstrengend wird.

Dabei geht es nicht so sehr um eure armen Nerven, sondern viel mehr um die Optik. Die Grafik des Spiels ist für PSVR-Verhältnisse enorm gut geworden, doch wenn ihr in komplett finsteren Räumen mit einer Mini-Taschenlampe umherirren müsst, wird das für eure Augen rasch zur Belastung. Es lassen sich teils nicht mal Konturen ausmachen, und das macht auf Dauer gesehen nicht viel Spaß. Gut, dass die Sequenzen relativ rasch vorüber sind.

Altes mit Neuem gemischt

Während das Rezept für ein Horror-Adventure gleich geblieben ist, so bringt The Inpatient doch ein paar neue Ideen mit. Wie schon zuvor erwähnt ist die Geschichte mit ihren Verzweigungen und Möglichkeiten eine sinnvolle Ergänzung, um den Wiederspielwert zu erhöhen. Die Langzeitmotivation erhöht sich aber nur für Horror-Fans wirklich, Zartbesaitete sind froh, einmal durch das Spiel gekommen zu sein.

Fordernd ist The Inpatient nicht wirklich. Sowohl VeteranInnen als auch GelegenheitsspielerInnen können sich in diesem Titel wohlfühlen, soweit es das Genre erlaubt. Das Spiel ist wahlweise mit dem DualShock-Controller, aber auch mit PlayStation Move spielbar. Wegen der Immersion und der Steuerung wären die Move-Controller empfohlen, doch auch mit dem Controller funktioniert das Handling gut.

Nur das gruselige Handgelenk eurer Hauptfigur lässt sich in ungesunde Stellungen verdrehen, und der Umgang mit interaktiven Dingen kann frustrierend sein. Davon abgesehen kann man The Inpatient keinen Vorwurf machen. Sowohl grafisch als auch soundtechnisch lässt der Titel nichts anbrennen und sorgt für Stimmung bis zur letzten Sekunde. Ob die Geschichte es wert ist, das Game wieder und wieder zu spielen, obliegt euch.

Für Horror-Fans ist The Inpatient gut

Wie bei jedem Horror-Adventure gilt, dass die Zielgruppe eine sehr eng definierte ist. Gerade für PSVR-AnhängerInnen ist das Ganze ein zweischneidiges Schwert. Die besten Titel sind nun mal Spiele, wo totale Immersion zu einem besseren Spielerlebnis führt. Horror ist da einfach das Aushängeschild – nicht umsonst ist Resident Evil 7 eines der bestbewertetsten PSVR-Games. The Inpatient kann sich aber durchaus zu diesen zählen.

Denn die Spielzeit von etwa zwei Stunden macht es für einen PSVR-Titel optimal, und die Tatsache, dass verschiedene Entscheidungen zu verschiedenen Enden führen, ist kein Nachteil. Technisch macht The Inpatient alles richtig, sowohl die Sounds als auch die Optik sorgen dafür, dass ihr euch richtig gruselt. Ob es der langsame Schneefall ist oder einzelne Blätter, die vertrocknet in der Gegend herumliegen – alles ist stimmig.

The Inpatient ist für 40 Euro im PlayStation Store erhältlich. PSVR ist hierbei Pflicht, und sogar als Nicht-Horror-Fan muss ich sagen, dass mir das Spiel durchaus gefallen hat. ZuseherInnen bestätigten, dass man auch ohne VR sehr in das Geschehen gezogen wurde. Supermassive Games haben mit diesem Game eine tolle Vorstellung abgeliefert, und Fans von Until Dawn bekommen hiermit eine Chance, tiefer in die Welt abzutauchen. Wenn ihr euch einen Abend lang gruseln wollt, sucht nicht weiter: Hier seid ihr richtig, und wenn ihr die Nerven für einen erneuten Spieldurchlauf habt, wird The Inpatient nur noch besser!

Wertung: 8.0 Pixel

für The Inpatient (PSVR) im Test: Nervenkitzel pur von Mandi