Raji: An Ancient Epic im Test – Zwischen Krieg und indischen Göttern

von David Kolb 07.09.2020

Nodding Head Games entführt uns mit Raji: An Ancient Epic in die indische Mythologie. Das Erstlingswerk des Studios ist beachtlich, denn es nutzt seine Wurzeln für ein kaum genutztes Setting.

Die Geschichte einer jungen Akrobatin

Die hinduistische und balinesische Kultur und deren Mythologie ist reichhaltig. Sie enthält eine Vielzahl an Gottheiten und Geschichten, die aber selten bis gar nicht in Videospielen ihren Platz finden konnten. Im Mittelpunkt der Story steht aber kein übermächtiger Gott, sondern die namensgebende Akrobatin Raji. Ihr Bruder Golu wird von einer Dämonenarmee geschnappt und entführt, die von der Gottheit Mahabalasura gesandt wurde. Zum Glück wird Raji durch Vishnu und Durga gesegnet und letztere vermacht ihr auch ihre erste Waffe Trishul, ein mächtiger Dreizack. Umso mehr Götter euch mit ihrem Segen beglücken, umso mehr Waffen bekommt Raji von ihnen in die Hand gedrückt. Dazu später mehr, kümmern wir uns kurz um die hinduistische Götterwelt.

Mahabalasapapa wer?

Während ich noch verzweifelt versuchte „Mahabalasura“ korrekt auszusprechen, hatte ich schon fünf neue Gottheiten an der Backe. Prinzipiell ist das ja eigentlich eine coole Sache, aber alles was über Vishnu und Shiva hinaus geht ist für mich leider absolutes Neuland. Manchmal hätte ich mir ein wenig mehr Kontext gewunschen, denn ein Kompendium gibt es leider nicht. Dafür musste dann Wikipedia herhalten. Das war zwar unpraktisch, aber auch äußerst interessant diese Kultur ein bisschen genauer unter die Lupe zu nehmen. Dadurch habe ich auch erfahren, dass die Geschichte von Raji in Indien äußerst bekannt ist. Deshalb ist es zu Teilen auch verständlich, dass nicht alles sofort eingeordnet wird. Es ist wahrscheinlich ein bisschen so als würde ich mir von einem westlichen Spiel wünschen eine Erklärung zu bekommen wer Jesus Christus war. Ich kann aber eben nur aus meiner persönlichen Sicht berichten und die vielen Namen und das allgemeine Götter-Namedropping haben mich manchmal überfordert. Cool ist aber, dass die Götter das Geschehen kommentieren und immer wieder Statements zu Raji abgeben. Da kann es sogar sein, dass Raji, also ich, für mein stupides Gekloppe liebevoll gerügt werde.

Altindischer Glanz

So sehr ich auch zu Beginn überfordert war, macht gerade die kulturelle Backstory auch den Reiz aus und es fühlt sich wunderbar unverbraucht an zum indischen Halbtonsoundtrack durch hindustische Gärten und Tempel zu laufen. Überhaupt ist die Szenerie ein ganz großer Pluspunkt. Die Grafik ist zwar etwas krude, aber die Lichtstimmungen und die vielen bunten Mandalas und Verzierungen sind gut gelungen. Die feste Kamera ist zu Beginn gewöhnungsbedürftig. Sie ist sehr weit rausgezoomt, wodurch Raji sehr klein dargestellt wird. Dadurch ist aber die gesamte, sehr hübsche Umgebung immer am Screen mit drauf. Jetzt aber genug mit technischen Details, kommen wir zum Kern, den Kämpfen und dem Platforming.

Persisches Kampfsystem

Das akrobatische Moveset von Raji erinnert mich in gewisser Weise an Prince of Persia. Wall Runs, Wände rauflaufen, abstoßen und Gegner attackieren und auch die Ausweichrolle ergeben dynamische Kämpfe. Mit dem Dreizack Trishul könnt ihr Gegner mit leichten und schweren Angriffen in Schach halten. Die Kämpfe finden ähnlich wie bei Bayonetta zwar auf der Map statt, das Areal wird aber durch unsichtbare Wände abgegrenzt und wird damit zur Arena. Bevor nicht alle Gegner oder eben Raji tot sind, geht es auch nicht weiter. Beim Moveset an sich gibt es nichts zu beklagen, das ist variantenreich und ermöglicht unterschiedlichste Strategien. Dasselbe gilt für die Waffenauswahl und die Interaktion mit dem Level. Findet ihr im Level eine Säule und habt den Dreizack ausgerüstet, schwingt sich Raji um diese und teilt bei umstehenden Gegnern ordentlich aus. Der Bogen z.B. benötigt eine viel passivere Herangehensweise und ihr könnt schnell zwischen den Waffen hin- und herwechseln.

Der Jumping Point

Der Knackpunkt ist leider, dass bestimmte Tasten doppelt belegt sind und die Animationen in Kombination mit der Steuerung nicht so flüssig verlaufen. Da spürt man das Erstlingswerk leider durch, denn es will sich bei mir nicht wirklich ein Flow einstellen. Das liegt auch daran, weil ihr es oft mit ähnlichen Gegnertypen zu tun bekommt, die für so eine Art Spiel sehr viel aushalten. Die kleinen Dämonenäffchen, die versuchen Raji auf Distanz zu halten und zu nerven benötigen nicht einen, sondern gleich acht Hits obwohl sie schwer zu treffen sind. Für mich sind die Kämpfe dadurch etwas monoton geworden. Die verschiedenen Waffen und das Leveldesign laden aber zum Experimentieren ein und das hilft, um ein wenig darüber hinweg zu kommen. Leider gilt das nicht für die Bosskämpfe. Gerade der aller letzte Kampf ist mau inszeniert und erreicht nie das Feuerwerk, das es eigentlich sein möchte. Gut, dass die Entwickler daran gedacht haben kleine Rätsel und Jump-and-Run-Einlagen einzubauen. Die verdienen sich zwar nur das Prädikat „passt schon“, aber für das Pacing ist es ungemein wichtig.

Raji: An Ancient Epic Fazit

In Raji: An Ancient Epic ist leider nicht ganz auf dem Niveau, auf dem es sein könnte. Gerade die Kämpfe hätten mehr Genauigkeit und mehr Pepp vertragen können. Dafür merkt man dem Spiel aber auch die Liebe zur indischen Kultur an, wodurch eine sehr schöne Atmosphäre entsteht. Das Setting ist außerdem noch sehr unverbraucht und auf jeden Fall einen Blick wert. Trotz kleinerer Mängel hat sich Nodding Head Games gut geschlagen und wir dürfen gespannt sein, welche Titel aus dieser Indie-Schmiede noch kommen werden.

Wertung: 7.4 Pixel

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