Overcooked (Switch) im Test: Kochen im Team

von Mandi 06.02.2018

Kochen trifft Chaos trifft Strategie trifft eure Couch? So lässt sich Overcooked in aller Kürze beschreiben. Der Switch-Titel punktet mit Slapstick-Humor und einer gehörigen Prise Pfeffer. Auf der Suche nach Koop-Spaß? Lest das Review!

Overcooked: Eine Übersicht

Der neueste Ableger von den Worms-Machern Team 17 und Ghost Town Games ist dieses Koop-Koch-Spiel (hier geht’s zur offiziellen Website). Euer Ziel jeder Stage ist es, eure Bestelllungen schnellstmöglich abzuarbeiten und die gewünschten Gerichte herzustellen. Gäste zufrieden stellen, unter Zeitdruck in der Küche operieren – es gilt, bestmöglich zusammenzuarbeiten und die Speisen so rasch wie möglich zuzubereiten!

Im Mehrspielermodus habt ihr euch ständig mit euren bis zu drei MitspielerInnen abzustimmen. Darüber hinaus befinden sich die Stages gerne in Bewegung. Klar, dass dadurch beim Spielen das ultimative Chaos ausbricht. Seid ihr eher die kühlen Strategen oder eher hitzköpfig unterwegs? Ein Bild sagt bekanntlich mehr als viele Worte, also viel Spaß mit dem Multiplayer-Video!

Koch, Kellner und Feuerwehr in einem

Ein Monster namens Das Schmachten droht, die Erde zu verschlingen. Eure Reise in Overcooked beginnt mit dem Kampf gegen Seine Nudelige Güte, das Fliegende Spaghettimonster höchstpersönlich. Ihr müsst aber katastrophal scheitern – und ihr werdet ins Jahr 1993 zurückversetzt, damit ihr Zeit genug habt, euch auf den Kampf in der Zukunft vorzubereiten.

Das Spiel führt euch behutsam an den Stress heran. Ihr erlernt das Einmaleins der Küche, was Schneidbretter sind und wie ihr Zwiebelsuppe macht. Overcooked treibt das Prinzip „Einfach zu lernen, schwer zu meistern“ auf die Spitze – Schritt für Schritt werden die Aufgaben komplexer. Den Stress und die Schwierigkeit macht ihr euch am Anfang selbst! Seid ihr allerdings schon ein paar Level weiter, so etwa in der dritten Welt, so solltet ihr üben, üben, üben…

Mit dem Stick steuert ihr euren gewählten Avatar durch die Stage. Mit A nehmt ihr einen Gegenstand (Feuerlöscher, Teller oder Zutat), und genauso setzt ihr diesen auch wieder ab. Werfen ist übrigens genauso möglich! Mit der X-Taste könnt ihr eine Interaktion auslösen. Je nachdem, was in eurem Blickfeld ist, löscht ihr dann Feuer, schnippelt Zutaten klein oder wascht schmutziges Geschirr ab.

Einfach zu erlernen, knifflig zu meistern

Binnen weniger Levels ergibt sich ein ganz eigener Rhythmus in Overcooked. Fast schon meditativ schneidet ihr Tomaten, Salat, Zwiebeln und Champignons klein, um sie weiterzuverarbeiten. Der Kochtopf fasst bis zu drei Zutaten und köchelt stets vor sich hin. Wehe euch, wenn ihr eine Zwiebel in den Topf werft und dann nicht zügig für Nachschub sorgt, denn eine Zutat alleine brennt sehr schnell an.

Gelangt ihr nicht mehr rechtzeitig zum Kochtopf, um ihn vom Herd zu nehmen oder mehr von eurer Zutat nachzulegen, fängt dieser Feuer. Daher hat Overcooked auch seinen Namen: Das Feuer greift fix um sich und legt so eure Küche lahm. Deswegen steht ab dem zweiten Level immer ein Feuerlöscher parat, den ihr im Fall des Falles gewieft einsetzen solltet. Feuer hinterlässt aber keine bleibenden Schäden, es hält euch bloß auf.

Das Problem ist eben, dass ihr für jeden Level etwa drei Minuten Zeit habt. Klar, es gibt Ausnahmen (der Endkampf ist eine davon!), aber im Grunde laufen die Stages gleich ab. Das Zeitlimit gibt eure Spieldauer vor, links oben erscheinen eure Bestellungen inklusive benötigter Zutaten. Pro Bestellung habt ihr auch noch einen kleinen Zeitindikator, bevor die Unzufriedenheit steigt. Fällt die Zeit der Bestellung auf Null, ist sie unerledigt und wird mit einem Punkteabzug bestraft.

Hervorragend fieses Leveldesign

Damit es nicht zu einfach wird, werden auch immer mehr Zutaten ins Spiel gebracht. Beginnt ihr eure Reise mit Tomate, Salat und Zwiebel, begegnet euch im Laufe der Zeit auch die hohe Kunst des Burgerbratens. Burgerbrötchen müssen auf einen Teller, um serviert zu werden, Fleisch muss zuvor durchgeklopft werden, bevor es in die Pfanne kann – solche Abhängigkeiten sind logisch, sorgen aber im Spiel für gewaltigen Stress.

Auch eine Pizza hat es in Overcooked geschafft: Zuerst muss der Teig ausgerollt werden, um dann mit geschnittenem Käse und Tomaten bestreut zu werden. Jede dieser Interaktionen kostet Zeit, und so jongliert ihr mit euren Aktionen, um ja alle Bestellungen zu erledigen. Das Fiese jedoch ist nie das Zeitlimit, sondern die Küchen, die euch gekonnt im Wege stehen. Die Rezepte wechseln sich pro Stage ab, ihr müsst also niemals alle im Kopf behalten. Das macht Overcooked richtig gut!

Am Anfang sieht ja noch alles ganz easy aus. Ihr gelangt einfach zu den Materialien, die Laufwege sind okay und die Schritte einfach zu befolgen. Doch Overcooked geht hier noch einen Schritt weiter: Küchen ohne Licht, futuristische Raumschiff-Kantinen mit Schaltern auf Boden und Tischen sowie feurige Hindernisse erwarten euch. Das Game ist ideal für eine Gesellschaft von zwei oder mehr SpielerInnen, denn so viel kommuniziert wie in Overcooked wurde noch selten in einem Game.

Weiterkommen? Perfektion ist angesagt

Dabei sei gesagt, dass Overcooked neben aller Geschicklichkeit und Geschwindigkeit vordergründig ein Strategiespiel ist. Je mehr SpielerInnen im Game sind, um so höher werden die Punkteanforderungen. Mit diesen Punkten am Ende jeder Stage bekommt ihr Sterne, die ihr zum Erreichen höherer Stufen benötigt. Es ist ziemlich fies, dass ihr für das Erreichen des Endbosses eine nahezu perfekte Spielserie hinlegen müsst.

Allerdings – und so ging es mir und meinen TesterInnen – ist Overcooked nur beim ersten Spiel schwer. Als wir auf Sternejagd gingen, weil wir in der finalen Welt nicht mehr weiter durften, spielten wir die Levels aus Welt eins, zwei und drei erneut. Wo wir zuvor grandios scheiterten und gerade mal mit einem lausigen Stern davonkamen, war die Runde danach fast schon ein Klacks. Ohne, dass ihr es bemerkt, zieht das Game den Schwierigkeitsgrad stetig an, rückblickend jedoch ist es eindeutig.

Ohne Kommunikation zwischen den SpielerInnen müsst ihr jedoch scheitern. Der Switch-Titel ist darauf ausgelegt, dass ihr wie eine Einheit funktioniert. Dazu kommt, dass ihr euch selbst im Weg stehen könnt, das geht bei engen Küchenverbindungen schnell schief. Geht in Eisleveln schnell aus dem Weg, sonst befördert ihr die fertige Bestellung mittels Schultercheck ins Nirvana. Dass euer Kompagnon dann ebenfalls für fünf Sekunden außer Gefecht ist, setzt dem Ganzen nur noch die Krone auf!

Gemeinsam spitze, alleine einsam

Das bisherige Review zu Overcooked bezog sich ausschließlich auf den Mehrspielermodus. Dies ist aus einem simplen Grund hervorzuheben: Der Titel glänzt nämlich nur dort. Schon zu zweit schreit und gestikuliert ihr durch die Gegend, weil eine Zutat etwa nicht dort liegt, wo ihr sie braucht. Fehlt dann ein sauberer Teller, um die Bestellung abzuschließen, während die Küche brennt, gehen die Wogen hoch – und damit auch der Spaßfaktor von Overcooked.

Bis zu vier Köchinnen und Köche dürfen sich auf diesem Switch-Glatteis beweisen. Je mehr Hände, um so mehr Arbeit geht weiter, so viel ist gewiss. Und auch, wenn man sich beizeiten im Wege steht, so lebt Overcooked von genau diesem Chaos und eurem Teamplay. Diese Spaßfaktoren fehlen im Einzelspielermodus leider völlig, dort verkommt das Spiel zu einem Zeitmanagement-Simulator. Ihr spielt nämlich auch als Singleplayer zwei Charaktere gleichzeitig, zwischen denen ihr umschalten müsst. Die Idee dahinter ist klar: Während Avatar eins einen Salat herschnippelt, kann Avatar zwei das Burgerbrötchen zubereiten und aufs Fleisch aufpassen.

Das sorgt wieder für einen ganz eigenen Stress, doch wenn man Freud und Leid nicht mit einem anderen teilen kann, macht es einfach nicht so viel Spaß. Wenn ihr erst mal den Mehrspielermodus in Overcooked ausprobiert habt (ich habe gleich damit angefangen), wirkt das Einzelspielererlebnis schal dagegen. Dann wiederum: Ist das nicht bei jedem Game so?

Overcooked: Viele Köche perfektionieren den Brei

Overcooked bringt genau das, was Spaß macht, auf eure Couch und sorgt dafür, dass ihr eure MitspielerInnen noch viel besser kennenlernt. Egal, ob ihr als Team funktioniert oder jeder für sich seine Bestellungen abarbeitet, dieses Spiel belohnt jegliches Teamplay. Bis auf den wirklich fiesen Endkampf ist dieser Switch-Titel schaffbar und macht wahrlich Laune. Das HD Rumble-Feature wird meisterhaft integriert – Abwaschen, Schneiden und Feuerlöschen fühlen sich grandios an.

Dass die Levels in Overcooked dabei flüssig über den Bildschirm laufen, trägt noch zusätzlich zum Spielspaß bei. Da ist es dann schon irritierend, dass etwa die Übersichtskarte oder auch die Gespräche mit dem Zwiebelkönig auf der ruckeligen Seite beheimatet sind. (Die „Sprachausgabe“ des Zwiebelkönigs lassen wir gleich mal außen vor, denkt einfach an LittleBigPlanet.) Abgesehen davon gibt es technisch absolut keine Abstriche zu vermelden, das Game funktioniert einfach.

Lachkrämpfe ob der Situationskomik, dass man selbst einfach nicht mehr funktioniert (Klassiker: von Eisplatten fallen beispielsweise), dominieren Overcooked. Das Balancing mag für EinsteigerInnen etwas harsch sein, doch da man in der ersten Hälfte des Spiels eher weniger Sterne benötigt, haben auch diese Zeit, sich einzufinden. Ich kann Overcooked nur empfehlen: Entscheidet ihr euch für das Game, habt ihr 16 Euro und etwa 1 GB in einen richtig gelungenen Abend investiert. Passt nur auf, dass die Joy-Cons nicht zu krampfhaft gehalten werden, ansonsten drohen Händeschmerzen!

Wertung: 8.5 Pixel

für Overcooked (Switch) im Test: Kochen im Team von Mandi