Mass Effect Legendary Edition Test Part I

von Mathias Rainer 04.06.2021

In unserem Mass Effect Legendary Edition Test beleuchten wir die aufpolierte Version BioWares ikonischer SciFi-Trilogie. In Part I nehmen wir konkret den ersten Teil unter die Lupe. Durchgezockt haben wir für unsere Eindrücke die Playstation 4-Version des 2007 erstmals erschienenen Titels.

Auch für dieses Review eines fast 15 Jahre alten Originaltitels wollen wir wieder explizit eine Spoilerwarnung aussprechen. Wer das Game schon durchgezockt hat, sich von Spoilern nicht abschrecken lässt oder trotzdem einfach wissen will, wie denn die überarbeite Version denn nun geworden ist, dem wünschen wir mit unseren folgenden Ausführungen viel Spaß!

Mass Effect Legendary Edition: Daten und Fakten

  • Datum der Erstveröffentlichung von Mass Effect: 20.11.2007 (Xbox 360)
  • Aktuelle Veröffentlichung: 14. Mai 2021 als Mass Effect Legendary Edition
  • Genre: Rollenspiel, Shooter, Science-Fiction
  • Spielmodus: Einzelspieler
  • Plattformen: Playstation 4, Xbox One, Microsoft Windows
  • Altersfreigabe: PEGI 18, USK 16
  • Entwickler: BioWare
  • Publisher: Electronic Arts
  • Sprache, Untertitel und Vertonung: Deutsch, English sowie weitere
  • Preis: 59,99 Euro (Steam), 69,99 Euro (Playstation- und Microsot-Store)

Mass Effect Legendary Edition Test Part I – Shepards Aufstieg

Anthem, Dragon Age: Inquisiton oder auch Mass Effect: Andromeda – die Liste an missglückten Veröffentlichung des ehemaligen Rollenspiel-Ausnahmeentwicklers BioWares wurde in den letzten Jahren immer länger und unrühmlicher. Wer sich noch kein Bild der verkorksten Release-Politik gemacht hat, der darf gerne einen Blick in folgenden Beitrag zu den Gesichtsanimationen aus eben Mass Effect: Andromeda werfen.

Mit der Neuauflauge der bei Fans nach wie vor beliebten Mass Effect-Trilogie rund um Commander Shepard will man sich deren Gunst nun wieder verdienen. Ob dieses Vorhaben gelungen ist, erfahrt ihr im folgenden Mass Effect Legendary Edition Test.

Der Grafikvergleich

Zu allererst das offensichtliche – die optischen Verbesserungen der Legendary Edition im Vergleich zu Mass Effect von 2007. Ein Element auf das BioWare und Electronic Arts bei der Bewerbung des Spiels aus nachvollziehbaren Gründen mitunter den Fokus gelegt haben.

Auf der offiziellen Mass Effect Legendary Edition Website kann man die beiden Versionen anhand einiger Bilder von Charakteren und Sets direkt miteinander vergleichen. Die Remastered-Edition kann speziell bei der Verfeinerung und dem Detailgrad von Texturen oder der verbesserten Belichtung brillieren kann. Dieses Bild bestätigt sich für mich auch beim tatsächlichen Zocken. Nur an wenigen Stellen im Game fiel mir auf, dass die Texturen nicht durchgängig auf der Höhe sind. Nur in ein paar Hinterzimmern einzelner Bereiche blieb die Helligkeit auf der Strecke, sodass ich mich orientierungslos fortbewegen musste.

Hingegen bleibt die Remastered-Version was ihre Charaktermodelle betrifft doch wie schon das Original weitestgehend blass. Zwar wurden diese natürlich auch überarbeitet, im direkten Vergleich mit dem aktuellen Branchen-Standard können diese aber bei weitem nicht mithalten. Narrativ spannenden Momenten im Spiel wird so zeitweise etwas die Luft entzogen.

Gerade bei den Spezien mit menschlichen Gesichtszügen wie den Asari oder eben Protagonisten wie Shepard wirkt das Spektrum der Mimik doch eher überschaubar. Bei den “alien-artigeren” Spezien wie den Turianern oder den Kroganern fällt dieser Umstand naturgemäß etwas weniger ins Gewicht. Im Rahmen des Charakterprofils kann ich mich persönlich damit abfinden, dass mein Kommander Shepard ein recht ausdrucksloser Elitesoldat ist, der zu allem und jedem eine gewisse Distanz wahrt.

Wer seinen Charakter aber eher emotional und impulsiv anlegen will – was im Rahmen von Mass Effect ja durchaus möglich ist – der muss schon sehr viel Fantasie in Shepards Gesichtsausdrücke hineininterpretieren. Zugegeben – der Detailgrad der Gesichter ist auch in diesem Spiel nicht schlechter als jene aus vielen aktuellen Titeln (gerade aus dem Open World-Genre). Aber eben auch um keinen Deut besser und das bedeutet für mich im Umkehrschluss gerade einmal die Mindestanforderungen in diesem Bereich erfüllt zu haben.

Mass Effect Legendary Edition Test

Quelle: www.ea.com

Direkter Einstieg

Und mehr war es dann auch nicht, was ich mir vor der Veröffentlichtung der Mass Effect Legendary Edition zum Game angeschaut habe. Ohne zu hohe Erwartungen oder einen Nostalgie-Faktor (ich habe die Originalspiele nie wirklich verfolgt) stürzte ich mich ins Geschehen der überarbeiteten Version von Mass Effect 1.

Da es sich hier bekanntlich um ein Rollenspiel handelt, steht naturgemäß zuerst die Charaktererstellung am Programm. Die ist gemessen an heutigen Maßstäben angenehm geduziert. Nur die wichtigsten Eckpunkte von Shepard werden hier abgesteckt. Den Rest definieren wir im Verlauf der nächsten 20 bis 30 Spielstunden selst. Konkret habe ich mich für den vorgefertigten männlichen Soldaten Shepard entschieden, welcher einen vergangenen Militäreinsatz als einziger überlebt hat und sich dadurch den Respekt der unterschiedlichen Parteien errungen hat.

Anschließend werden wir auch schon direkt ins Spiel und an Bord der Allianz-Fregatte Normandy geworfen. In der Rolle als Elitekämpfer sollen wir gleich zu Beginn einen Geheimauftrag an einer Ausgrabungsstätte eines terrestrichen Planeten durchführen. Nach einem kurzen Briefing finden wir uns mit unserem Team auch schon auf der Oberfläche wieder. Die folgende Episode in welcher auch bereits der Bösewicht des ersten Teils – den mächtigen Turianer Saren – eingeführt wird, dient als Tutorial für den weiteren Spielverlauf. Wir bekommen Gelegenheit uns mit den Kern-Gameplay-Mechaniken vertraut zu machen.

Mass Effect Legendary Edition Test des Shooter-Gameplays

Auch wenn Mass Effect keinen Hehl daraus macht, dass es primär ein dialoglastisches Rollenspiel mit viel Entscheidungsspielraum ist, wird in im Laufe des Games doch des häufigeren einmal auch geballert. Die Third-Person-Shooter-Passagen sind sozusagen das Mittel zum Zweck, um die ruhigen aber deshalb nicht minder spannenden Dialogsequenzen aufzubrechen. Das der Fokus aber eben nicht auf dem Action-Aspekt des Gameplays liegt, wird auch schon im Verlauf der Einführung deutlich.

Obwohl uns von Start weg einige verschiedene Waffengattungen wie Sturm- oder Präzisionsgewehre, Schrotflinten, Pistolen sowie Granaten zur Verfügung stehen, gestalten sich die Shooter-Passagen doch immr wieder gleichförmig. Es gibt wenig Diversität in den Gegnertypen und wir müssen uns deshalb eigentlich immer nur hinter einer Deckung verschanzen, um aus dieser heraus dann abzudrücken. Da helfen auch die – auf dem hohen Schwierigkeitsgrad sicherlich unumgänglichen – taktischen Anweisungsmöglichkeiten an unsere Teamkollegen wenig weiter.

Diese Punkte wären allein auch noch gut verkraftbar. Auch weil sich BioWare der Schwäche ihres Titels voll und ganz bewusst war und diese – bis auf das Ende des Spiels – nicht überbordernd oft eingebaut hat. Jedoch lässt die Präzision im Shooter-Gameplay an mehreren Stellen zu wünschen übrig. Ein Beispiel: aufgrund meiner Spielweise habe in den Gefechten relativ oft auf das Präzisionsgewehr zurückgegriffen. Und obwohl man mit dem Zoom der Waffe eine relativ gute Weitsicht besitzt, trifft der abgefeuerte Schuss auf den Körper eines Gegners ab einer bestimmten Distanz ins Leere.

Auch die Cover-Mechanik des Spiels ist noch immer etwas schwammig implementiert. Obwohl explizit ausgewiesen kann man sich nicht an jeder Ecke oder Kante einer Gebäudemauer in Position bringen. Der Trigger für das “In Deckung gehen” greift hier oftmals einfach nicht. Dsa ist vor allem in heiklen, unübersichtlichen Gefechten gegen viele Gegner ein Problem, weil man so noch für einige Sekunden länger unter Beschuss steht, bis man den richtigen Spot zum Triggern an einer Wand gefunden hat.

Getriggert werden dafür unsere Feinde sobald wir einen bestimmten Punkt eines Areals im Spiel überschritten haben. Natürlich haben diese ab diesem Zeitpunkt sofort und dauerhaft unsere Position verinnerlicht und feuern unverzüglich aus allen Rohren. Wir müssen uns hingegen erst einmal mühsam orientieren, aus welchen Richtungen denn nun überhaupt alles geschossen wird. Übersichtlichkeit im Kampf geht anders.

Das sind alles keine KO-Kriterien, zeigt aber, dass BioWare wenig Interesse daran hatte, ihr Spiel auch für die Legendary Edition auf ein ordentliches Maß zu polishen. Aus Entwickler- und Publisher-Sicht vertraut man hier auf den großen Nostalgiefaktor und das man als Spieler über die vielen Unzulänglichkeiten im Gameplay einfach so hinweg sieht.

Mass Effect Legendary Edition Test

Quelle: www.ea.com

Mako-Manko

Ein zusätzlicher Aspekt des Spiels, den die Fan-Gemeinde schon beim Erstrelease 2007 nicht gut fand war die Steuerung und Physik des – zur Fortbewegung auf Planetenoberflächen genutzten – Makos. Für die Mass Effect Legendary Edition war BioWare auch hier darauf bedacht, die Community zufrieden zu stellen.

Ihr fragt euch ob das gelungen ist? Jein. Denn obwohl sich das Mako insgesamt nun vergleichsweise besser steuert und nicht mehr bei jeder kleinsten Unebenheit aus den Latschen kippt, sind wir von grundsätzlichem Fahrspaß nach wie vor weit entfernt. Beim Einstieg in das Fortbewegungsmittel kommt bei mir jedes Mal so ein Gefühl des “sich konzentrieren müssens” auf, um das Gefährt nicht irgendwo unbeabsichtigt crashen zu lassen.

Rollenspiel-Klassiker

Kommen wir aber nun schön langsam zu den vielen positiven Aspekten von Mass Effect 1. Denn obwohl der erste Teil der Trilogie wie schon erwähnt in vielen Gameplay-Bereichen noch Mankos aufweist, war BioWare in den Nuller-Jahren ein absolutes Rollenspiel-Schwergewicht. All diese Komponenten finden sich natürlich auch in Shepards erstem Abenteuer wieder.

Je nach anfänglich gewählter Klasse stehen uns während des gesamten Playthroughs verschiedene Fähigkeiten zur Verfügung, die zuerst freigeschaltet und dann aufgewertet werden wollen. Da ich am Beginn von Shepards Reise den Soldaten gewählt habe, wirken sich die von mir beim Levelaufstieg aufgewerteten Skills dementsprechend auch positiv auf den Waffenschaden oder die Gesundheit aus. Hätte ich initial den Techniker gewählt, so stünden mir stattdessen wiederum einige Hacker-Fähigkeiten zur Auswahl.

Diese wären mir auf der Reise durch diverse Raumstationen und Basen durchaus willkommen gewesen, hatte ich doch nicht immer einen passendes Gruppenmitglied derselben Klasse mit dabei. Auch diese verfügen – bis auf ein paar Spezial-Skills – je nach Klasse über dieselben grundlegenden Skillbäume wie wir selbst. Beim Auswählen der Gruppe vor einer Mission kommt es daher auch darauf an, eine gute Mischung verschiedenster Fähigkeiten im Team zu haben. Die Entscheidung darüber, welches Mitglied von Shepards Crew denn jetzt ausgewählt wird, ist für mich sehr oft gar nicht so einfach gewesen.

Gewichtige Entscheidungen

Die ganz große Stärke von Mass Effect 1 war und bleibt eine, die nicht mit einer Remastered-Version aufpoliert werden musste. Das Worldbuilding des Games ist ungemein gut und schafft es bereits innerhalb der ersten Stunden in eine glaubhafte, eigenständige Welt einzuführen. Bereits zuvor konnte BioWare mit Knights of the Old Republic von 2003 zeigen, dass sie politische Spannungen oder Rassenkonflikte interessant in ein Videospiel verpacken können. Dieses Kunststück mit einer gänzlich neuen IP ohne die große Marke Star Wars im Rücken aber zu wiederholen steht auf einem anderen Blatt.

Für Mass Effect wurde eine Vielzahl an unterschiedlichen Rassen entwickelt und in eine Handlung rund um die Erkundung des Weltalls durch die Menschen eingegliedert. Als Spieler bekommt man im Game selbst immer nur kleine Ausschnitte des größeren Ganzen präsentiert. Das führt aber genau zu der Erfahrung, dass es sich wie ein reales Universum anfühlt.

Während ich im Rahmen verschiedenster Haupt- sowie Nebenmissionen Planet um Planet durchstreife, kommt dann ganz unterbewusst auch wieder das altbekannte BioWare-Feeling auf. Dieses schlägt sich vor allem in einer Vielzahl an Gesprächen unseres Protagonisten Shepard mit den verschiedenen Kulturen oder Rassen nieder. Während in anderen Titeln Charaktere eine Funktion als reine Questgeber erfüllen, habe ich hier das Gefühl, dass in jeder Unterhaltung eine neue Erkenntnis steckt.

Oder eine schwere Entscheidung. Denn während andere Titel des selben Genres gewichtige Entscheidungen des Spielers nur propagieren steckt hier sehr viel mehr dahinter. Gegen Ende des Spiels etwa befinden wir uns mit unserem Team an dem Punkt, an dem wir ein Klonlabor unseres Gegenspielers Saren vernichten sollen. In diesem Gebäudekomplex selbst entwickelt der Antagonist ein Heilmittel für die scheinbar unheilbare und todbringende Krankheit der Rasse der Kroganer. Unser Gruppenmitglied Wrex (ein Kroganer) weigert sich das Labor anzugreifen weil er durch das Heilmittel eine Chance sieht, sein Volk zu retten. Aus Verzweiflung stellt sich Wrex Shepard in den Weg.

Wir haben nun die Wahl, unseren gewonnenen Freund kaltblütig zu erschießen und die Mission fortzusetzen oder zu versuchen, den Kroganer zur Vernunft zu bringen und uns bei unserem Vorhaben zu unterstützen. Fü die schwierige Entscheidung darüber, welche Antwortmöglichkeit ich in dieser hitzigen Diskussion ich denn nun wähle, benötigte ich doch einige Augenblicke. Zumal mir bewusst war, dass meine Entscheidung nicht nur eine unmittelbare Konsequenz haben würde. Je nachdem, ob ich die Rasse der Kroganer mit der Zerstörung des Labors dem Untergang Preis gebe oder nicht, hat dies auch Auswirkungen auf die folgenden Teile der Trilogie und ich bin gespannt darauf zu sehen, wie sich meine Entscheidung in Mass Effect 2 und Mass Effect 3 niederschlagen wird.

Derartige Missionen bzw. Entscheidungen müssen wir im Rahmen der Haupthandlung des Spiels öfters treffen. Aber auch die vielen Nebenquests schlagen in eine ähnliche Kerbe. Auf einem Asteroiden sollen wir etwa einen Terroristen davon abhalten, den Himmelskörper auf eine Millionenstadt eines nahegelegenen Planeten stürzen zu lassen. Als wir diesen mit seinen Taten konfrontieren offenbart dieser, dass er die Bewohner der Asteroiden-Kolonie als Geiseln hält. Sollen wir diese opfern um dem Terroristen einhalt zu gebieten oder gestatten wir dem üblen Schurken sich vom Acker zum machen um im Gegenzug die Geiseln zu retten?

Mass Effect Legendary Edition Test

Quelle: www.ea.com

Mass Effect Legendary Edition Test Fazit Part I

BioWares Rollenspiel-Klassiker funktioniert in seinem Kernellement nach wie vor hervorragend, Gameplay- bzw. Shooter-technisch bleibt das Spiel im Jahre 2021 hinter dem aktuellen Standard zurück. Insgesamt gesehen kreierten die Entwickler mit der Mass Effect Legendary Edition ein solides Remaster der bewährten Trilogie. En Détail hätte es aber vor allem dem ersten Teil gut getan, wenn man das Spiel statt lediglich ein wenig aufzupolieren gleich direkt geremaked hätte. Eventuell wäre dann ein ähnlich komplett anderes Erlebnis wie in einem Final Fantasy VII Remake möglich gewesen.

An ein Remake von Mass Effect denke ich auch deshalb, weil das Game im Vergleich mit seinen beiden direkten Nachfolgern nocht recht altbacken wirkt. Aber Entwickler und Publisher wollten eben den maximalen Erfolg bei vergleichsweise wenig Einsatz erzielen. Das dürfte ihnen mit der Legendary Edition auch gelungen sein, konserviert das Spiel doch das einzigartige BioWare-Rollenspiel-Feeling, was vor allem alteingessene Fans zufrieden stellen dürfte.

Unter dem Strich hatte ich in meinen gut 30 Stunden mit Mass Effect im Zuge der Haupt- sowie Nebenmissionen durchgehend viel Spaß beim Zocken – abgesehen von ein paar wenigen Abfuck-Momenten inmitten der Schussgefechte. Für Rollenspieler, die auch gerne einmal aus den aktuellen Gewohnheiten ausbrechen wollen bietet die Mass Effect Legendary Edition einen sicheren Rückzugshafen. Im Jahre 2021 stellt das SciFi-Abenteuer ein solides Game dar – nicht mehr, aber definitiv auch nicht weniger.

Wertung: 8 Pixel

für Mass Effect Legendary Edition Test Part I von Mathias Rainer
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