Just Dance 2020 im Test – Netter Partyspaß mit nervigem Abo

von David Kolb 07.11.2019

Just Dance 2020 – ein neues Jahr, ein neues Just Dance. In meinem Test erfahrt ihr, ob ihr ein genau so fantastischer Profitänzer werden könnt, wie ich es einer bin.

Im Verborgenen tanzen

Die Jalousien sind zugezogen und notfalls bietet auch noch der Vorhang Sichtschutz. Die Nachbarn dürfen nicht sehen was in meinem Wohnzimmer passiert. Es ist finster und die Luft ist geschwängert mit Schweiß, Deo und ehrlichem Enthusiasmus. Nur die Mattscheibe meines Fernseher flimmert in den buntesten Farben und ich ahme grazil jede Bewegung nach, die mir mein virtueller Vortänzer gibt. Es passiert alles im Dunklen und Geheimen, ich bin ein ehrenwerter Spiele-Redakteur, spiele zwar gerne exotische Titel aber nicht das – nicht Just Dance. Die Nachbarn, nein überhaupt keine Sterbensseele darf mich dabei erwischen, wie ich mit Just Dance 2020 Spaß habe.

I’m the bad guy

Man muss wissen, ich tanze gerne, aber klassische Paartänze, mit festen Schrittabfolgen und niemals frei herumwirbelnden Gliedmaßen. Und dann sehe ich plötzlich in meinem Postfach den Aktivierungscode zu Just Dance 2020 und weiß, dass es bereits zu spät ist mich dagegen zu wehren. Es nützt nichts, ich muss das jetzt testen also Spiel eingelegt und gestartet. Im farbenfrohen Bonbon-Look sehe ich eine alphabetisch sortierte Songliste mit etwas mehr als 40 Songs darauf. Ich erblicke Bad Guy von Billie Eilish und denke mir „Hold my avocado.“, in der Vorahnung einen neuen Punktenegativrekord aufzustellen. Ich bin wahrlich kein guter Tänzer, aber zum Glück enthält Bad Guy den einfachen Schwierigkeitsgrad und hat auch nicht viele verschiedene Dancemoves im Gepäck. Ein bisschen Arme überkreuzen, auf den Boden tippen und dann ekstatisch die Hände in die Luft.

Info: Da das Spiel eine Altersfreigabe von gerade einmal drei Jahren erhalten hat, wurden Wörter wie „sexual“ einfach aus den Songs rausgestrichen und nicht ersetzt.

Sehr zuvor kommend

Hätte man mir einen Spiegel vor die Nase gehalten oder ein Replay gezeigt, ich hätte mich mit großer Wahrscheinlichkeit in Grund und Boden geschämt. Das Spiel versteht es allerdings sehr gut, den bzw. die SpielerIn zu belohnen und in einem guten Licht dastehen zu lassen. Trifft man das Timing, steht „Super“ oder sogar „Perfekt“ am Bildschirmrand und bei der Punkteabrechnung am Ende des Songs prasselt der Highscore herunter. Zwischen drei und fünf Sternen schafft man normalweise immer, was mir dann überraschenderweise ein wohliges Gefühl beschert. Natürlich kann das Gameplay mit einfachen Bewegungen aus dem Handgelenk, ganz ohne Tanzschritte ausgehebelt und betrogen werden, dann geht aber einiges an Spielspaß verloren. Es macht mir nämlich erstaunlich viel Spaß vor dem Fernseher zu tanzen und herumzuhampeln. Mit vollem Körpereinsatz bietet das Spiel sogar ein richtiges Workout! Nach ein paar Übungsstunden, traue ich mich dann damit sogar in die frei Wildbahn und das Spiel weist sich als netter Partyspaß.

Geschmackssache

Die mehr als 40 Songs sind Genretechnisch gut durchgemischt und mir ist auch bewusst, dass hier ein deutlich jüngeres Zielpublikum im Fokus steht. Da gibt es von Ariana Grande über Cardi B, alles was dem Radiohörer in den letzten Monaten so um die Ohren geschlagen ist. Es wurde aber auch darauf geachtet ein paar ältere Songs mit auf die Liste zu packen, wie z.B. Acceptable in the 80’s oder (und wer möchte denn dazu bitte nicht tanzen) Everybody von den Backstreet Boys. Die Mischung aus schweißtreibenden Songs wie Bangarang von Skrillex, die sich mit eher gemähchlicheren Liedern wie Just an Illusion von Equinox Stars abwechseln, ist ebenfalls gut gestaltet. Es hätten dann aber doch ein paar mehr Lieder sein dürfen und da gibt es wie jedes Jahr einen großen Knackpunkt.

Unlimited Abo

Ubisoft möchte euch unbedingt (auch gerne per Einblendungen) ein Just Dance Unlimited Abo verkaufen, das euch weitere 500 Songs freischaltet und im Jahr 25 Euro kostet. Das hinterlässt einen schalen Beigeschmack, da ich die Werbung dafür im Spiel, als eher aggressiv einstufen würde. Immerhin gibt es ein Gratis-Monat, aber für einen Vollpreistitel ist das Spiel viel zu überteuert. Gerade wenn man bedenkt, dass sich am prinzipiellen Gameplay, wie auch dem Umfang nichts geändert hat. Kauft ihr dieses Spiel für eure Kinder, dann wird die Abo-Diskussion mit Sicherheit von ganz alleine kommen.

Die Steuerung mit den Joycons funktioniert einwandfrei und trackt ganz gut meine Bewegungen mit, aber bleibt dabei milde genug, um mir kleinere Fehler zu verzeihen. Ihr könnt das Spiel auch mit eurem Smartphone per App steuern, dann schwingt man eben das Handy durch die Luft. Und weil wir gerade bei verzeihlich waren, es gibt auch einen Kindermodus, der noch mal ein bisschen einfacher ist und sich daher sehr gut eignet.

Just Dance 2020 Fazit

Für eine schnelle Runde und ein bisschen Getanze hat mir Just Dance 2020 durchaus Spaß bereitet und kann auch sehr gut für Partyauflockerung genutzt werden. Dabei spielt der Titel dann auch seine größte Stärke aus, nämlich die, dass wirklich jeder Mensch sofort begreift um was es geht und augenblicklich in das Geschehen einsteigen kann. Um die Langzeitmotivation aufzupeppeln gibt es Gegenstände wie neue Avatare, Hintergründe und mehr, die ihr mit erspielten Münzen freispielen könnt. Es gibt sogar einen höheren Schwierigkeitsgrad, der für jedes Lied extra freigespielt werden muss und euch noch mal mehr abverlangt. Für mich hat der Umfang aber trotzdem nicht ganz ausgereicht, um mich hier länger bei der Stange zu halten. Es ist eine Zeit lang, sehr lustig, dann ganz nett und später landet es dann doch wieder im Schrank und wird vielleicht noch bei flüssigen Parties zu später Stunde herausgekramt. Das Abo hinterlässt bei mir leider einen schalen Beigeschmack, denn das wäre in diesem Ausmaß absolut nicht notwendig gewesen.

Wertung: 7 Pixel

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