Jojo Rabbit (Blu-ray) Filmkritik – Mein bester Freund Adolf

von Max Hohenwarter 05.06.2020

Jojo Rabbit, der neue Film von Taika Waititi, möchte einen satirischen Blick auf den blinden Nationalismus eines 10-Jährigen werfen, der lernen muss, dass Freundschaft und Liebe Hass überwinden können. Schafft er das?

Facts:

  • Genre: Tragikomödie
  • Regie: Taika Waititi
  • Studio: Twentieth Century Fox Home Entertainment
  • Release: 04. Juni 2020

Story:

Johannes „Jojo“ Betzler (Roman Griffin Davis) ist „ein 10-jähriger Junge, der gerne in lustigen Uniformen herumläuft und zu einem Verein dazugehören will“, wie es später in Jojo Rabbit heißt. Entsprechend nervös ist der kleine Pimpf, als er sich seine braune HJ-Tracht für das Ferienlager des Jungvolks adjustiert und im Spiegel den Treueeid auf den Erlöser des deutschen Volkes übt. Soviel Mut er sich auch zuspricht, sein Selbstvertrauen will nicht so recht mitspielen. Zum Glück überzeugt ihn sein bester imaginärer Freund, ein von Taika Waititi sehr extravagant, fast schon tuckig dargestellter Adolf Hitler davon, dass Jojo „der besteste und treueste kleine Nazi“ ist den er kennt.

So angestachelt, erfährt der kleine Jojo auf dem HJ-Ausbildungswochenende unter dem verbliebenen Auge des dezent desillusionierten und flamboyanten Hauptmanns Klenzendorf (Sam Rockwell) alles über das Ausheben von Gräben, Bücherverbrennung und die monströse Anatomie der JüdInnen. Als es allerdings für Jojo darum geht, zu beweisen, was für ein kaltblütiger Killer er für den Führer sein kann, indem er einem Hasen das Genick bricht, bringt er es nicht übers Herz und wird dafür von den Älteren ab sofort als Jojo Hasenfuß verlacht. Kurze Zeit später findet der überzeugte Jung-Nazi auch noch heraus, dass seine alleinerziehende Mutter (Scarlett Johansson) die junge Jüdin Elsa (Thomasin McKenzie) versteckt. Mehr und mehr muss der vom antisemitischen Nationalismus verblendete Junge feststellen, dass JüdInnen garnicht so schlimm sind, wie es ihm immer eingetrichtert worden ist und eine Freundschaft entsteht.

Copyright: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Blu-ray Extras:

Auf der Blu-ray befinden sich ein paar gelöschte Szenen, Bloopers vom Set, eine längere Featurette zu Jojo Rabbit und ein Audiokommentar von Taika Waititi. Das sind zwar ganz nette Boni, aber eher Standard und rechtfertigen nicht zwingend den Kauf der Blu-ray.

Jojo Rabbit - Die Filmkritik

Jojo Rabbit basiert auf dem Roman Caging Skies der neuseeländischen Autorin Christine Leunens. Allerdings stammen die komödiantischen Teile dieses Films allesamt von Taika Waititi, der in Jojo Rabbit nicht nur den imaginierten Hitler spielt und in diesem Aufzug Regie führte sondern auch das mit einem Oscar prämierte Drehbuch schrieb.

Jojo Rabbit wirft einen satirisch-komödiantischen Blick auf die Nazi Zeit, erzählt aber auch die rührselige Geschichte von der Läuterung eines indoktrinierten kleinen Burschen. Besonders gegen Ende des Films hätte Waititi aber gut daran getan, manche Jokes im Script auszulassen, um der Ernsthaftigkeit der Sitation gerechter zu werden. Selbst wenn man bedenkt, dass Jojo Rabbit uns Adolf Hitler als besten imaginären Freund durch die Augen eines zehnjährigen zeigt und daher so manche Szenen durchaus Sinn machen, übertreibt es Waititi manchmal.

Dass man über Hitler lachen darf und auch soll, zeigten ja schon Filme wie The Producers oder zuletzt Er ist wieder da mit Oliver Masucci. Allerdings macht Jojo Rabbit das manchmal durchaus sehr flach und eher unangebracht a la „Haha Bücherverbrennung als lustige Ferienlager-Beschäftigung – voll lustig!“ und einer unnötig ewig hinausgezogenen „Heil Hitler!“-Grußorgie. Letztgenannter Joke taucht in abgeänderter Form  sogar zweimal in Jojo Rabbit auf, was das Cringe-Thermometer definitiv nach oben schnellen lässt.

Ganz besonders dümmlich fällt, was die Fremdscham angeht, als absolut unnötiger Comic Relief Fräulein Rahm (Rebel Wilson) auf. Die billige Rambo-Einlage gegen Ende des Films ist einfach nur unangemessen und geschmacklos. Ähnlich „lustig“ wäre es, würde ich Jojo Rabbit eine 8,8 Pixel Wertung geben, was ich sicherlich nicht tue. Niveau geht nämlich anders.

Die anderen Rollen sind jedoch toll besetzt und sehr gut gespielt. Besonders Scarlett Johansson brilliert in ihrer Rolle als liebevoll schützende Mutter Betzler, die mit der zunehmenden Radikalisierung ihres Sohns stark kämpft. Auch Thomasin McKenzie als Elsa ist fantastisch. In ihrer teils jugendlich-sarkastischen, teils der Situation angemessenen, absolut ernsthaften Interaktion mit Jojo und den schnellen Stimmungsumbrüchen ist sie besonders überzeugend. Es sei aber auch angemerkt, dass nicht alle Charaktere so gut in die Erzählung integriert sind. Ihre Motivation sich in bestimmten Situationen entsprechend zu verhalten, ist manchmal nur schwer nachvollziehbar. Ich schaue in deine Richtung, Hauptmann Klenzendorf! Achtet man hier nicht auf Details, geht diese Erklärung leider unter.

Jojo Rabbit ist durchaus unterhaltsam und erzählt die Geschichte von Indoktrination und anschließender Läuterung oft mit passenden, manchmal aber auch völlig überzogenen Gags. Es bleibt zu hoffen, dass der Zweck in diesem Fall die Mittel heiligt und es diesen meiner Ansicht nach viel zu legeren Umgang mit dieser schrecklichen Menschheits-Tragödie braucht um ein großes Mainstream-Publikum einzufangen und ihm die Ernsthaftigkeit dieser dunklen Epoche klar zu machen. Den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch hat sich Waititi meiner Meinung nach aber für Jojo Rabbit definitiv nicht verdient.

Wertung: 7.6 Pixel

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