Demon’s Souls Test – Ein Remake voller Seele(n)

von David Kolb-Zgaga 24.11.2020

Das Demon’s Souls bietet ein außerordentlich gutes Remake und ist einer der besten Launch-Titel für Konsolen überhaupt.

Das volle Programm

Demon’s Souls ist die Mutter aller Souls-Spiele. Ja es gab King’s Field, ebenfalls von From Software, davor, aber das ist so etwas wie der Cousin zweiten Grades. Wir gehen damit zum Beginn der Reihe, noch vor Bloodborne und vor Dark Souls, wodurch ein paar Dinge ein wenig anders sind. Macht euch aber keine Sorgen, auch das Remake ist ein knallhartes Rollenspiel mit Seelen als Generalwährung und beinahe alles in diesen Welten will euch auch noch den letzten Knochen im Körper brechen. Schon in diesem ersten Werk bekommt ihr das volle Soulsprogramm. Für Neueinsteiger ist der Titel ebenfalls spannend, da es einige Eigenheiten gibt, die euch das Spielerlebnis ein bisschen erleichtern (aber trotzdem nicht einfach machen).

Alles ist möglich

Im Charaktereditor gibt es nun weit mehr Optionen und es ist sogar möglich ansehnliche Charaktere zu bauen – ein absolutes Demon’s Souls Novum. Dann ist alles wie gehabt, Klasse auswählen, die eure Anfangswerte bestimmen und in die variantenreichen und vielschichtige Welt abtauchen. Wollt ihr einen Ritter in dicker Rüstung und riesigem Schwert? Kein Problem! Ihr könnt aber auch Zauber und Wunder lernen oder mit Bogen oder Armbrust euch ins Gefecht stürzen bzw. mehrere Kombinationen ausprobieren. Die Vielzahl der Nahkampfwaffen ist auch in Demon’s Souls herrlich vielfältig. Äxte, Schwerter, Katana, Keulen, Hämmer, Speere, und vieles mehr. Wenn ihr wollt könnt ihr die nicht nur Zweihändig führen oder mit einem Schild kombinieren, sondern sogar dual wielded herum laufen. Die Waffen  unterscheiden sich nicht nur in ihren Rollenspielwerten, sondern haben komplett eigene Angriffsbewegungen. Die hat Entwickler Blue Point allesamt komplett überarbeitet und in 60 FPS fühlen sie sich so gut an wie noch nie. Alles ist butterweich und das gegnerische und auch das eigene Trefferfeedback sind ein Traum.

Ich spüre den Stahl (aber kann ihn noch immer nicht schmecken)

Ich glaube noch nie hat es sich so gut angefühlt einem Gegner das Schild aus der Hand zu schlagen und dann meinen Flügelspeer hinter her zu stoßen. Alles fühlt sich so schön wuchtig und schwer an und jeder Treffer ist eine wohlige Genugtuung. Übrigens ist mit dem Remake der perfekte Zeitpunkt gekommen das Parieren zu lernen, denn auch das fühlt sich mittlerweile großartig an (nicht das ich das gut könnte…). Das liegt vor allem am PS5-Controller und seiner Vibrationsfunktion. Es ist nun fühlbar, ob ich mit einem Hammer gegen einen Skelettgegner schlage oder ob ich mit einem Dolch in einen fleischlichen Gegner steche. Besonders stark vibriert das Gamepad z.B. wenn ich eine Waffe gegen eine Steinmauer krachen lasse. Auch so geht Next-Gen, denn das neue DualSense-Feedback fühlt sich einfach nur gut an.

Fünf Gebiete

Gleich in der ersten Stunde erkennt man schon einen der größten Unterschiede zu den Nachfolgern – Demon’s Souls hat keine große, zusammenhängende Open World. Stattdessen könnt ihr vom Nexus aus fünf Welten betreten. Die sind sehr abwechslungsreich gestaltet und im Prinzip alle mittelalterlich und alle düster – aber doch unterschiedlich. Es gibt eine große Festung inklusive Palast und Türmen, eine verregnete Küstenruine, eine Art Moria mit Schmieden und Lava und eine Mischung aus Gefängnis und Irrenanstalt mit Cthulu artigen Wächtern. Es wird viel Abwechslung geboten und die Stimmung und der Detailgrad sind hervorragend. Übrigens, der Abschnitt mit dem Gefängnis heißt Turm von Latria hat mich sehr an Bloodborne erinnert.

Dieser gibt auch ein sehr schönes Beispiel ab, wie gut das Sounddesign aufpoliert wurde. Die Oktopus-Wächter sind ständig in Bewegung und machen mit einem kleinen Glöckchen auf sich aufmerksam. Immer wieder dringen Schreie und Gestöhne von verrückt gewordenen Gefangenen von unten an mich heran. Wenn man genau hinhört gibt es sogar eine Frauenstimme zu hören (die man später auch dem Geräusch nach finden kann). Das alles findet komplett ohne Musik statt und ist äußerst atmosphärisch und in diesem Fall gruselig. Startet man dann aber einen Bosskampf wird man von der abgespielten Musik regelrecht mitgerissen. Die Stücke erwecken in mir eine Art Aufregung und Anspannung, die in Kombination mit dem eigentlichen Bosskampf sehr schön darauf einstimmen.

So schön wie nie

Nicht nur das Gehörte gefällt, auch bei der Grafik hat Blue Point viel Liebe zum Detail bewiesen. Im Original bestanden die Außenmauern der Festung von Boletaria aus grauen Steinwänden ohne wirkliche Textur. Im Remake erkennt man jede einzelne Zinne, Rauch dringt hinter den Mauern hervor und die vielen Ornamente sind kaum zu zählen. Hier kommt richtiges Next-Gen Feeling auf, da die Welten den einen oder anderen Wow-Moment bieten können. Es gibt zwar kein Raytracing, aber die konstanten 60 FPS sind mir ohnehin deutlich lieber und trösten wirklich gut darüber hinweg. Wenn es etwas (auf sehr hohem Niveaus) zu  bekritteln gibt, dann die Gesichtsanimationen mancher NPCs. Gut im Original haben sich nicht mal die Münder bewegt, weshalb es trotzdem ein ordentlicher Schritt nach vorne ist.

Etwas mehr Linearität

Jetzt kommen wir endlich zu den guten Nachrichten für Neulinge. Jede der fünf Welten ist in mehrere Abschnitte getrennt. Den nächsten Abschnitt schaltet man nur frei, wenn man gegen den Boss des letzten Areals siegreich war. Dadurch wird das Spiel linearer und auch beherrschbarer. Es gibt nichts was man hier verpassen könnte. Kommt man in der einen Welt mal nicht weiter, kann man einfach in die nächste wechseln und dort weitermachen, das steigert die Motivation deutlich. Durch die Abschnitte und ihrem Gatingmechanismus kommt es auch nicht dazu, dass man einem viel zu starken Boss vor die Nase läuft. Durch die lineare Levelstruktur kann man auch keine Abschnitte verpassen. Außerdem sind z.B. Zauber wie der Flammenstoß noch weniger gebalanced als in späteren From Software Titeln. Sprich ihr könnt euch über schwierige Passagen manchmal mit Fernkampf gut drüber helfen.

Gimmick Bosse

Auch die Bosse sind teilweise einsteigerfreundlicher. Versteht mich nicht falsch, das sind immer noch gewiefte Bastarde, die euch mit wenigen Treffern aus dem Ring schleudern. Es gibt aber einige Gimmicks bzw. Schwachstellen, wie z.B. in früheren Zelda-Titeln. Hat man die erst Mal entdeckt ist der Kampf zumeist deutlich einfacher absolvierbar. Das gilt natürlich nicht für alle Bosse und auch Fernkampf ist nicht immer möglich, um Kämpfe zu erleichtern. Ihr solltet daher trotzdem auf der Hut sein und keinen Moment unvorsichtig sein. Bestimmte Duelle lassen sich durch coole Kniffe aber ein wenig unkomplizierter gestalten. Das könnte ein paar Veteranen sogar ein wenig sauer aufstoßen. Ich selbst hatte aber nach jedem besiegtem Boss immer noch glückliche Adrenalinausstöße.

You still have to git gud

Bitte versteht mich nicht falsch, Demon’s Souls ist dadurch nicht einfach, sondern immer noch ein ordentlicher Brocken an Herausforderungen und ihr werdet Hunderte Male das Zeitliche segnen, versprochen! Außerdem gibt es auch hier kein Händchen halten. Es gibt z.B. keine Karte und nur wenig Erklärungen zu bestimmten Spielmechaniken. Parieren, Zaubern und auch die legendären Welttendenzen, all das müsst ihr alleine herausfinden (oder in Guides nachlesen). Aber gerade das macht auch die Faszination aus, denn auch die Story wird oftmals nicht über Cutscenes, sondern Environmental Storytelling, aber auch Item-Beschreibungen erklärt. Demon’s Souls ist und bleibt ein Spiel, das einem die wunderbare Möglichkeit gibt darin einzutauchen und zu sich darin zu verlieren.

Demon’s Souls Fazit

Auch im Remake wird die spielerische Freiheit groß geschrieben und ihr könnt euch euren ganz eigenen Spielstil aussuchen. Obendrauf kommt noch ein PVP- bzw. PVE-Modus, wo ihr anderen SpielerInnen helfen oder sie bekämpfen könnt. Es gibt so viele Systeme, die ich hier gar nicht alle erklären möchte, die schon in diesem Erstlingswerks-Remake fantastisch ineinander greifen. Darum hat es Demon’s Souls auch geschafft mich in seinen Band zu ziehen und nicht mehr loszulassen. Konnte ich gerade nicht spielen, hab ich zumindest Wikieinträge zu Waffen, der Lore oder sonstigen Geheimnissen durchgelesen und alles aufgesaugt. Das schafft bei mir nur selten ein Spiel und darum ist dieses Remake eines der besten Launchspiele geworden. Vielleicht ist es nicht das perfekte Spiel, aber es ist das perfekte Remake, dass die Seele(n) des Originals perfekt eingefangen hat.

Wertung: 9 Pixel

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