MLB The Show 20 Test (PS4): Mittendrin statt nur dabei

von Mandi 17.03.2020

Mit MLB The Show 20 erneuert Sony seine Baseball-Reihe und legt ordentlich vor. Ob dieser Ableger sein Geld wert ist, lest ihr hier im Review!

Gleich vorweg: Nichts für Einsteiger

Auch, wenn MLB The Show 20 nicht ganz als Baseballsimulation verstanden werden will und eher eine breitere Masse ansprechen möchte, muss gleich eingangs gesagt werden: Wer keine Ahnung von Baseball hat, wird hier kein Tutorial vorfinden, das die Grundzüge des Spiels erklärt. Was für AmerikanerInnen und Fans schon längst in Fleisch und Blut übergegangen ist, muss für einen waschechten Österreicher erst einmal erklärt werden. MLB The Show 20 übernimmt diesen Job gar nicht, die Einführungen sind für die In-Game-Mechanismen reserviert. Derer gibt es ganz schön viele, und wer nicht oder nur halbherzig aufpasst, wird von den Menüs geradezu überrollt.

Es gibt massig viel Content in diesem Spiel, und die Modi alleine sind schon äußerst zahlreich (dazu später mehr). Ihr habt eine Vielzahl an Optionen, wie und was ihr spielen wollt – das Gameplay wird sich dabei nicht großartig ändern. Allerdings dürft ihr dabei Ziele wählen, und Sony San Diego hat es mit diesem Versionssprung einfach auf Nummer Sicher gespielt. Wenn ihr einen der Vorgängertitel gespielt habt, dürft ihr bestenfalls nur kleine Veränderungen und Verbesserungen erwarten. Völlige Neulinge des Base-Sports werden jedoch eine steile Lernkurve vor sich haben – nicht nur, was das Baseball an sich angeht, sondern auch im Game selbst. Ein Trailer:

Modi über Modi, Menü über Menü

Ohne großartig ins Detail gehen zu wollen: Der Karriere-Modus „Road to the Show“ ist nur der Anfang. Ihr könnt den Franchise-Modus wählen, einen Retro-Modus versuchen (sehr witzig, wenngleich nicht so retro wie etwa bei Mario & Sonic), auch die Diamond Dynasty-Modi sind wieder mit von der Partie. Natürlich darf ein Sofortspiel auch nicht fehlen, wenn ihr einfach gleich in eine Partie springen wollt. Es gibt Herausforderungen en masse, auch ein Showdown-Modus hat es in MLB The Show 20 geschafft. Wie gesagt, es gibt einen Haufen Modi, bei dem ihr am Ende jedoch immer wieder aufs Feld geht und euer Baseball-Spiel abliefert. Dieser Titel gibt euch echt viele Möglichkeiten.

Diamond Dynasty beispielsweise ist ein Online-Karten-Sammelmodus, der sich auch mit Mikrotransaktionen behilft. Ihr müsst diese zwar nicht kaufen, aber es scheint dennoch so zu sein, dass sich Sony San Diego hier ein nettes Zubrot erwartet. Die Spielerfahrung an sich hat sich nicht groß geändert, egal, ob ihr Matches im Schnellverfahren hinlegt, eine Karriere beginnt oder eben besagte Diamond Dynasty durchlauft. Verbesserungen im Spiel belaufen sich größtenteils auf Gameplay-Anpassungen. Beispielsweise ist die Defense nun um einiges mächtiger als noch in den Vorgängern, und ihr könnt Spieler in mehreren Rollen zugleich einsetzen. 

Immenses Spielgefühl

Was MLB The Show 20 unbestritten gut macht und sich alle anderen Sportgames davon abschauen müssen, ist die Präsentation der Spiele. Egal, ob es um den englischen Kommentar geht, die Close-Ups auf die Spieler, die Einblendungen, die TV-artige Präsentationsweise der einzelnen Games und Aufstellungen: Hier habt ihr mehr als irgendwo sonst das Gefühl, auch auf dem Platz zu sein. Kleine Kameraeinstellungen zeigen euch, wie die Gegner gerade dreinschauen, Sofortwiederholungen zeigen grandiose Spielzüge in Windeseile noch einmal, und generell wird viel vom Umgang der Teammitglieder untereinander eingefangen. Das sollte sich einmal ein FIFA 20 oder dergleichen ansehen – so ist die TV-reife Präsentation bei EA derzeit nur der NHL-Reihe vorbehalten.

Sony San Diego hat hier schon in den Vorgängerteilen viel investiert, um das Spielgefühl aufkommen zu lassen. Da ist es kein Wunder, dass es auch in MLB The Show 20 wie immer um Emotionen geht. Schon alleine die Balken Energie und Selbstvertrauen lassen euch wissen, wie es eurem Avatar gerade geht. Bei Big Points vibriert schon mal der DualShock-Controller im Herzschlagrhythmus, und die Power-Leisten, die eure Kraft und Genauigkeit bestimmen, werden je nach Situation mal langsamer und mal schneller geschalten. Egal, ob ihr offline oder online spielt, die Qualität des Gameplays ist unbestritten hoch. Für mich als Neuling jedoch war der Modus „Road to the Show“.

Eure eigene Reise

In dieser Sektion beginnt ihr nämlich als Jungspund und ihr habt die totale Kontrolle darüber, welche Position ihr bekleiden möchtet. Die Charaktererstellung gibt euch viel Macht an die Hand, wobei wesentlich mehr Augenmerk auf die körperlichen Attribute eurer Figur gelegt wurde als auf das Aussehen. Beispielsweise könnt ihr als Starting Pitcher antreten und euer Team so tatkräftig beim Siegen unterstützen. Werden dem Trainer allerdings die Strike Outs zu wenig oder tut sich ein anderes Talent in eurem Team hervor, könnt ihr schon mal gefragt werden, ob ihr testweise eine andere Position spielen wollt. So wurde mein Avatar Ryu binnen vier Spielen vom Starting Pitcher zum Late Reliever (sprich der frische Pitcher gegen Ende des Spiels) und wieder zum Starting PItcher.

Vom Drafting, also von der Talentsuche weg begleitet ihr euren Schützling und müsst dabei immer wieder mit anderen interagieren. Ihr dürft dabei Freunde finden, Rivalitäten aufbauen, gewisse Trainings durchstehen (und andere ignorieren), Punkte in vier Bereichen (Kapitän, Herz und Seele, Draufgänger und Blitz) sammeln, aber auch nette dynamische Herausforderungen annehmen. Selbst mitten unter dem Spiel kann es vorkommen, dass ihr eine Herausforderung bekommt, wie etwa keinen Run mehr zuzulassen oder nur drei Pitches pro Schlagmann zu benötigen. Habe ich schon einmal erwähnt, dass sich auch andere Sportgames sich dieses Spielgefühl abschauen dürfen?

MLB The Show 20: Die Technik

Im Spiel selbst gibt es an der Optik gar nichts zu meckern. Die Stadien, die Fans, die Spieler und natürlich auch das jeweilige Spielfeld sehen klasse aus. Gemeinsam mit der hervorragenden Präsentation macht die Engine MLB The Show 20 zu einer wahren Screenshot-Maschine, denn aus den richtigen Blickwinkeln sehen manche Einstellungen wirklich super aus. Auch das User Interface ist für die allermeisten Fälle gut gelungen und überschaubar, nur Nebencharaktere wie etwa Reporterin Heidi Watney wirken krass untermodelliert, als wäre sie von einer PS3-Version in die PS4 geschummelt worden. Sony hat bei der Grafik sicherlich nicht gespart, genauso wenig wie beim Sound.

Nach wie vor kommt auch über die Ohren massiv Stimmung auf, und auch der Lautsprecher des DualShock-Controllers wurde sehr clever eingesetzt. Wenn euch jemand etwas zuruft, hört ihr das zwischen euren Händen und ihr wisst sofort trotz der sonstigen Kulisse, welche Rufe euch gegolten haben. Sowohl Verwunderung, Begeisterung als auch Erschöpfung sind jederzeit zu hören – auch das macht MLB The Show 20 richtig gut. Was die Steuerung anbelangt, hier gibt es nicht viel zu erzählen. Das, was ihr machen wollt, funktioniert recht zuverlässig, und selbst Showeinlagen wie Hechtsprünge laufen nun runder ab. Es ist halt nach wie vor so, dass ihr unbedingt Erfahrung im Baseball-Spiel braucht, ansonsten seid ihr hier total verloren.

Fazit: Große Klasse, aber fast nur für Fans

Wenn ihr das kompletteste Baseball-Spiel für die PS4 sucht und das nebenbei auch noch super aussehen soll, ist MLB The Show 20 uneingeschränkt zu empfehlen. Es gibt nirgends sonst so viele Modi und Spielarten, die Präsentation ist einfach unerreicht und in keinem anderen Sportspiel hat man das Gefühl, so mittendrin statt nur dabei zu sein. Habt ihr also Ahnung vom Baseball, könnt die Positionen benennen und kennt euch auch mit Kürzeln wie BB und SO aus, dann solltet ihr sofort zur offiziellen Website des Spiels! EinsteigerInnen haben jedoch einiges an Potential, überfordert zu werden. MLB The Show 20 präsentiert sich nämlich relativ rasch als Menümonster, und auch die Tutorials hätten wesentlich intuitiver implementiert werden können.

So ist die Version des Jahres 2020 so etwas wie das neue FIFA 20 – ein weiterer Ableger ohne nennenswerte Verbesserungen. Dadurch, dass aber schon die Vorgänger der Konkurrenz so überlegen waren und sich auch dort nicht wirklich eine Verbesserung abzeichnet, kann man an diesem Titel nicht so einfach vorbei. Wenn ihr schon immer einmal das Leben eines Baseball-Profis führen wolltet und noch nie einen Titel der MLB The Show-Reihe gespielt habt, ist dies euer bester Zeitpunkt, um damit anzufangen. Zwar macht dieses Spiel keinen Nicht-Fan zum Versteher und glühenden Anhänger von Baseball (dafür ist die Serie wohl einfach nicht geeignet), aber als Sportspiel macht MLB The Show 20 einen grandiosen Job! 

Wertung: 8.0 Pixel

für MLB The Show 20 Test (PS4): Mittendrin statt nur dabei von Mandi

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