EZVIZ EP8 Ultra im Test: Alles im Blick
Smarte Klingeln wie die EZVIZ EP8 Ultra finden sich immer häufiger an Einfamilienhäusern quer durch Österreich. Sei es aus praktischen Gründen, weil man sich dadurch das Verlegen von Leitungen erspart, aus technischer Affinität, oder einem anderen Grund.
Ich war zunächst ein wenig skeptisch, ob ich bei jedem Klingeln einen Anruf am Smartphone bekommen möchte und bin es eigentlich immer noch. Nach meinem Einstieg mit einer smarten Klingel aus dem Hause Yale, prangt an der Haustür nun seit längerem ein Modell aus dem Hause EZVIZ. Dabei handelt es sich um ein Tochterunternehmen des chinesischen Unternehmens Hikvision, welches sich auf Videoüberwachung und Smart Home Systeme spezialisiert hat. Das dürfte auch der Grund sein, warum das Unternehmen hierzulande nicht so bekannt ist, steht der Mutterkonzern doch in einigen westlichen Ländern aufgrund von Sicherheitsbedenken auf schwarzen Listen.
Copyright: BeyonPixels.at
Rundumsicht mit der EZVIZ EP8 Ultra
Was die EP8 Ultra allerdings sofort von vielen anderen Modellen unterscheidet, ist ihr Ansatz: Hier geht es nicht nur um eine Kamera an der Tür, sondern um ein möglichst vollständiges Bild der Situation vor dem Haus. Das wird vor allem durch das Dual-Kamera-System erreicht. Neben einer klassischen Frontkamera gibt es eine zweite Linse, die gezielt den Bodenbereich vor der Tür überwacht, also genau dort, wo Pakete abgestellt werden. In der Praxis ist das tatsächlich mehr als ein Gimmick, denn klassische Videoklingeln haben hier oft einen blinden Fleck.
Die Klingel erkennt, wenn ein Paket abgelegt oder wieder entfernt wird und schickt entsprechende Benachrichtigungen. Das funktioniert überraschend gut, auch wenn es noch Einschränkungen gibt: Ungewöhnliche Formen oder schräg abgelegte Versandtaschen werden nicht immer zuverlässig erkannt.
Ein weiteres Detail, das im Alltag tatsächlich auffällt, ist die sogenannte Pre-Roll-Funktion. Während viele Kameras erst aufzeichnen, wenn bereits Bewegung erkannt wurde, speichert die EP8 Ultra bereits einige Sekunden davor. Dadurch fehlt oft nicht mehr der entscheidende Moment, etwa wer genau das Paket abgestellt hat oder was unmittelbar davor passiert ist.
Copyright: EZVIZ
Bildqualität
Die Bildqualität bewegt sich auf einem hohen Niveau. Tagsüber liefert die Kamera ein scharfes, detailreiches Bild, während nachts zwischen Infrarot (schwarz-weiß) und farbiger Nachtsicht mit integrierter Beleuchtung gewechselt werden kann. Für ein akkubetriebenes Gerät ist das durchaus beeindruckend.
Apropos Akku: Die EP8 Ultra setzt auf ein Konzept mit zwei austauschbaren Akkus. Einer davon dient als Backup, sodass die Klingel theoretisch ohne Unterbrechung betrieben werden kann. Das Laden erfolgt allerdings nicht direkt in der Klingel, sondern separat. Das ist sehr praktisch, bedeutet aber auch, dass man sich aktiv darum kümmern muss.
Neben der zweiten Kamera, die den unteren Bereich aufnimmt überzeugt auch das Beleuchtungskonzept. Die Intensität kann via App gesteuert werden und sowohl der Leuchtstreifen an der Oberseite als auch die beiden LEDs an der unterseite sorgen für hell ausgeleuchtete Bereiche. Weniger überzeugend ist, wie bei vielen Smart-Home-Geräten, die Abhängigkeit vom WLAN. Im Test zeigte sich, dass die Performance stark vom Standort abhängt. Dicke Wände oder Metall können das Signal spürbar beeinträchtigen, und bei schlechtem Empfang leidet vor allem die Ladezeit des Live-Bilds. Das führt im Alltag manchmal aber auch zu ganz witzigen Situationen, vor allem, wenn Gespräche unterwegs via Smartphone stattfinden.
Copyright: BeyonPixels.at
Steuerung per App
Die dazugehörige App bietet eine ganze Reihe an Funktionen: Von individuell einstellbaren Erkennungszonen über verschiedene Betriebsmodi bis hin zu Gesichtserkennung und automatischen Antworten. Besonders interessant ist, dass die Klingel bekannte Personen erkennen kann und so Benachrichtigungen besser einordnet.
Ein eher ungewöhnliches Feature ist das integrierte Display mit animierten Figuren, die Besucher*innen begrüßen können. Das wirkt auf den ersten Blick fast verspielt, soll aber laut Hersteller bewusst eine freundlichere, weniger „überwachende“ Atmosphäre schaffen. Ob man das als nette Spielerei oder als unnötigen Schnickschnack empfindet, ist wohl Geschmackssache. Positiv hervorzuheben ist auch, dass bereits 32 GB interner Speicher integriert sind. Man ist also nicht zwingend auf ein Abo angewiesen, auch wenn ein Cloud-Speicher optional verfügbar ist.
Fazit zur EZVIZ EP8 Ultra
Insgesamt hinterlässt die EZVIZ EP8 Ultra einen durchaus durchdachten Eindruck. Besonders das Dual-Kamera-System und die Paketerkennung bringen einen echten Mehrwert im Alltag und heben sie von vielen Konkurrenzprodukten ab. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass smarte Klingeln noch immer Kompromisse mit sich bringen, sei es bei der Abhängigkeit vom WLAN, bei der Akkupflege oder bei Datenschutzfragen rund um Cloud und Hersteller.
Ob man wirklich jedes Klingeln als Videoanruf braucht, ist letztlich auch eine persönliche Entscheidung. Die EP8 Ultra zeigt aber, wie weit sich das Konzept der Haustürklingel mittlerweile entwickelt hat und dass sie längst mehr ist, als nur ein einfacher Knopf neben der Tür.