Das größte Blizzard-Announcement? Disney, bitte kauft uns!

von postbrawler 23.08.2017

Zum wiederholten Male hat Blizzard nicht das abgeliefert, was sich die Fans erhofft hätten. Noch wenige Tage zuvor war da die Rede von großen Ankündigungen. „Reveal“-Ceremony lautete der Name jener Veranstaltung, die heute im Rahmen der gamescom über die Bühne gehen sollte. Und wer hätte gedacht, das selbst die kleinsten Hoffnungen auf Spielefortsetzungen, Add-Ons oder gar neue IPs wie Seifenblasen zerplatzen sollten. Blizzard wird zur WiederholungstäterIn – denn bereits die BlizzCon 2016 wusste auf voller Länge zu enttäuschen.
Blizzard Neuankündigung auf der gamescom

Im Westen nichts neues

Gerade einmal vier Marken, Hearthstone, HOTS, WoW und Overwatch wurden mit homöopathischen Info-Häppchen bedacht. Kein Wort zu Diablo, Warcraft oder StarCraft. Und das, was es zu sehen gab hinterließ eher den Anschein, dass Blizzard in die Filmbranche wechseln möchte, anstatt weiterhin Videospiele zu produzieren. Beispielsweise gab es gleich zu Beginn ein Renderfilmchen zu sehen, das frappierend an ein Disney Zeichentrick-Märchen erinnerte.

Das Mädchen Eva hat sich im Wald verlaufen, und findet eine magische Hearthstone-Schatulle, die sie schnurstracks in eine Hearthstone-Taverne teleportiert. Soweit, so gut, aber was bitteschön hat das mit dem eigentlichen Spiel zu tun? Gar nichts, denn wie sich herausstellte, soll Hearthstone in eine Serie von Kurzfilmen verwandelt werden. Eva und ihre Disney-fizierten Azeroth-GesellInnen spielen darin die Hauptrollen.

Kael Thuzad stößt zur Heroes-Riege

Na gut, abgehakt. Schnell zum nächsten Blizzard Produkt: Heroes of the Storm. Hier stellte man eindrucksvoll unter Beweis, wie viel Zeit man mit heiße Luft um relativ Belangloses totschlagen kann. Belanglos wie die Einführung des neuen Moba-Helden Kel Thusad. Okay, der Lich war seit jeher ein Publikums-Liebling, aber Moba-Helden sind nun mal reine Durchlauf-Erhitzer. Man vergleiche: In HOTS gibt es bislang sage und schreibe 70 HeldInnen. Und für diesen hier wird gleich noch eine mehrteilige Dokumentation mitproduziert.

The Boulevard of broken Dreams: World of WarCraft

Aber egal, denn nun kommt der Teil, auf den alle gewartet haben: Ion Hazzikostas betritt die Bühne, um aus dem WoW-Nähkästchen zu plaudern. Kommt ein neues WoW-Add-on? Fehlanzeige! Denn Legion ist schließlich noch nicht abgeschlossen, und deshalb wird Patch 7.3 zu dem Aufgeblasen, was sonst nur großen Versionssprüngen zusteht: Zu einer Ankündigung epischer Ausmaße für einen Content-Patch. Okay, es ist nicht irgendein Content-Patch. Immerhin reisen wir auf den Planeten Argus, die Heimat der brennenden Legion, um endlich unsere bittersüße Rache auszukosten. Und auch der Umstand, dass der Patch bereits nächste Woche aufgespielt wird kommt einer erfreulichen Botschaft gleich. Eine feierliche Neuankündigung sieht in meinen Augen jedoch anders aus.

Auch Overwatch will ins Kino

Dann muss es Overwatch eben richten! Ein erstes Add-on vielleicht für den preisgekrönten Hero-Shooter? Nix da! Die neue Map Junkertown wurde bereits am Montag präsentiert. Es blieb also bei einem neuen Kurzfilm zur Frost-Lady Mei und ihrem putzigen Robo-Begleiter Snowflake…

Fazit: Viel heiße Luft um nichts

Wir fassen zusammen. Eine Hearthstone-Serie, ein HOTS-Held, ein WoW-Patch und ein Overwatch-Kurzfilm. Das also ist die Ausbeute der Blizzard’schen gamescom Offensive. Obwohl die BlizzCon noch bevorsteht, muss ich gestehen, ich habe mir mehr erhofft. Immerhin wurde hier 2015 das Add-on Legion enthüllt. Gegen echte Messe-Kaliber wie Age of Empires IV und Anno 1800 stinkt Blizzard mit dieser Vorstellung leider noch viel übler ab. Denn während sich die gamescom immer mehr zur wichtigsten Branchenmesse entwickelt, wird Blizzard zusehends vom Garant für gute Spiele zu einem Studio für Kurzfilme. Als wollten wie Kalifornier um jeden Preis von Disney gekauft werden. Sollen sie aber nicht, sie sollen endlich mit Spielen wie WarCraft 4, Diablo 4 oder einem MMO-Nachfolger für WoW rausrücken. Denn das ist es, was sie wirklich gut können.