Unpacking Test (Xbox Serie S): Meditatives Siedeln im Pixel-Look

von Mandi 19.11.2021

Mit Unpacking bringen Humble Games den möglichen Indie-Hit des Jahres 2021. Was dieses Zen-Erlebnis so alles kann, lest ihr hier!

Microsoft hat uns zum Start der neuen Xbox Serie freundlicherweise eine Xbox Series S samt einem Xbox Game Pass zur Verfügung gestellt. Dies ist auch der Grund, wieso wir euch dieses Spiel in einem Review näherbringen können! Unseren Testbericht zur Xbox Series S könnt ihr hier nachlesen – er beschäftigt sich ausschließlich mit der Hardware. Dass diese aber nur einen Teil des Erlebnisses ausmacht, liegt dabei auf der Hand! Daher geht es nun ohne Umschweife los mit dem Review dieses Spiels.

Über Unpacking

In Unpacking – wir berichteten – seid ihr damit beauftragt, Umzugskartons in Apartements auszupacken. Diese sind teilweise eingeräumt, also könnt ihr euch zumindest nach etwas richten. Seid ihr damit aber absolut nicht zufrieden, dürft ihr natürlich voll umräumen. Habt ihr alle Kartons geleert, checkt das Spiel allerdings, ob auch alles einen passenden Platz bekommen hat. Liegt ein Poster unbenutzt herum oder steht ein Topf noch auf dem Boden, wird der Gegenstand rot gekennzeichnet. Erst, wenn alles passt, dürft ihr einen Level weitergehen.

Die Steam-Beschreibung des Spiels liest sich wie folgt: Unpacking ist ein entspannendes Spiel über das vertraute Erlebnis, seine Besitztümer aus einem Karton zu holen und einen Platz in einem neuen Zuhause für sie zu finden. Das Spiel bietet eine Mischung aus Bausteinpuzzle und Heimdekoration und lädt euch dazu ein, es euch gemütlich zu machen und dabei etwas über das Leben zu erfahren, das ihr hier entpackt. Im Lauf von acht Umzügen lernt ihr eine Figur kennen, die ihr nie zu sehen bekommt und deren Leben nicht erzählt wird.

So geht’s los

Ohne jedes Intro oder sonstiges Aufhalten präsentiert euch Unpacking nach dem Start (es gibt drei Spielstände) sofort den ersten Raum. Da das Spiel an sich nicht kompliziert ist, gibt es auch keine großen Tutorials oder Erklärungen. Der Pixel-Look des Spiels vermag von der ersten Sekunde an zu gefallen. Dabei wäre der Ausdruck „minimalistischer Look“ eine Beleidigung, weil die einzelnen Gegenstände und Räume trotz Pixel-Art immens detailreich gestaltet wurden. Ihr beginnt im Jahr 1997 und richtet euren ersten Raum ein. Dabei müsst ihr immer auf den Umzugskarton klicken, um den nächsten Gegenstand zu enthüllen.

Es ist dabei egal, wo ihr diesen platziert, ihr könnt theoretisch auch zuerst alles auf den Boden stellen, um später zu entscheiden. Habt ihr mehrere Kartons, könnt ihr Sachen auch abwechselnd aus diesen entnehmen. Zwischen den Räumen wie Badezimmer, Wohnzimmer, Schlafbereich, Küche et cetera könnt ihr ganz einfach mittels Tastendruck (LB oder RB) wechseln. Nicht selten kommt es vor, dass ihr etwa nach einem Lederschuh eine Zahnbürste aus dem Karton zieht, Unpacking ist immer für eine Überraschung gut. Dazu muss man sagen, dass es im Spiel keinerlei Zeitdruck gibt.

Das neue Wort für Zen: Unpacking

Wie es Humble Games schon sagt, es gibt keine definitiv erzählte Story. Nur durch die Gegenstände und Umstände, die ihr im Verlauf von Unpacking mitbekommt, könnt ihr euch gewisse Dinge zusammenreimen. Das macht richtig Spaß, ist gemütlich und so könnt ihr frei von Druck nach Herzenslust herumexperimentieren. Oft fragt man sich, wie viele DVDs, Schuhe oder sonst was man eigentlich haben kann – die Parallele zum echten Leben sorgt dafür dann für eine humoristische Pointe. Dadurch, dass die einzelnen Räume als Dioramen vor einem neutralen Hintergrund dargestellt werden, lenkt auch nichts ab.

Ehe ihr es euch verseht, gebt ihr schon verschiedensten Dingen einen neuen Platz: Klopapier, Blöcke, Fußball, Radiorecorder, Lineal, Wachsmalstifte, DVDs, Wärmflaschen, Jeans, Bilder, Schuhe, Stofftiere, Jacken, Poster, 20-seitige Würfel, Geschirrtücher, Frisbeescheiben, ein GameCube, Kochtöpfe, und vieles mehr. Ihr schaltet dann auch einen Fotomodus frei, den ihr nach Belieben nutzen dürft. Freunde von Ordnung freuen sich, dass man Kästen öffnen und schließen kann, und Unpacking zeigt euch via Cursor an, wenn ihr mit einer Sache interagieren könnt. Das ist zugänglich und spaßig zugleich!

Einfach mal machen

Dabei ist es klar, dass sich beispielsweise eine Kastenfront nicht schließen lässt, wenn ihr noch eine Lade ausgezogen habt. Ihr solltet euren Perfektionsdrang eventuell im Zaum halten, denn Unpacking ist wirklich nur eine Sandbox. Es gibt keine Belohnungen, wenn ihr etwas extra schön macht, und ihr kommt aber auch nicht weiter, wenn ihr alles einfach nur auf den Boden stellt. Da kommt ein gewisser Realismus auf, das Spiel lässt euch fast völlig freie Hand, ohne das Chaos regieren zu lassen. Das ist sehr gut und ist eine tolle Sache, wenn ihr nach einem stressigen Tag mal abschalten wollt.

Durch die verschiedenen Umzüge bekommt ihr auch Jahreszahlen mit, und es ist witzig zu betrachten, was sich sowohl modisch als auch technisch alles in der Zeit getan hat. Das verträumte Spiel lädt dazu ein, einfach dahinzuarbeiten und Dinge bestmöglich zu verstauen. Hier ist es dann spannend zu sehen, wie unterschiedlich verschiedene Menschen Sachen priorisieren. Ist das Zeichentablett nun etwas für einen Schreibtisch, oder versauert es in einer Lade? Muss das Stofftier aufs Bett, oder reicht es als Deko am Regal? Solche „Entscheidungen“ müsst ihr in Unpacking treffen, und das ist Entspannung pur.

Die Technik von Unpacking

Man kann gar nicht anders, als Unpacking als eine meditative Erfahrung zu beschreiben. Gemütliche Hintergrundmusik untermalt das Geschehen ideal, und genauso perfekt passen die einzelnen Soundeffekte, wenn ihr einen Gegenstand hinstellt oder legt. Während ihr vor euch hin werkelt, kann es passieren, dass ihr einen Ohrwurm von der Musik bekommt. Was die Steuerung via Xbox-Controller angeht, so ist sie ein wenig hakelig, da ihr prinzipiell einen Cursor steuert. Aber dafür funktioniert es dennoch hervorragend, da die Gegenstände groß genug sind und die Optik dafür sorgt, dass ihr wisst, was ihr tut.

Zudem muss man nochmals die Grafik lobend erwähnen. Auch, wenn sie niedrig aufgelöst ist und ihr mit Pixel-Art zu tun habt, so sind dennoch massiv viele Details zu erkennen, wenn ihr genauer hinschaut. Ob dies nun einzelne Konsolen sind oder Buchtitel, DVD-Cover oder Poster – hier sind genug Infos für Interessierte vorhanden, um sich etwas zur Person hinter Unpacking zusammenzureimen. Beim Abschluss eines Levels wird ein Foto gemacht, das ihr dann später immer wieder betrachten könnt. Übrigens lassen sich die Spieldurchgänge dann auch im Schnelldurchlauf ansehen, wenn ihr dies wollt.

Das Fazit: Durchaus empfehlenswert

Ja, Unpacking hat einen ganz eigenen Reiz. Sowohl euer OCD wird ein wenig angesprochen wie auch euer detektivischer Spürsinn. Es macht einfach Laune, im Verlauf der acht Umzüge die Person hinter den Schachteln kennenzulernen. Man ertappt sich öfters bei Gedanken wie „was, das Stofftier gibt’s noch immer?“ oder „uhhh, das Hobby wurde wohl aufgegeben“. Obwohl das Spiel völlig ohne Worte auskommt, muss man sagen, dass im Narrativ dennoch einiges an Story mitschwingt. Schon alleine diese Leistung haben Humble Games sehr gut hingekriegt, da kann man nur gratulieren!

Technisch ist vielleicht nicht viel dabei, denn in Wahrheit habt ihr einen Auspack-Simulator, der ohne viele Regeln auskommt. So ein Sandbox-Spiel ist bestimmt nicht für jeden reizvoll, und auch die Spieldauer ist klarerweise begrenzt. Nach maximal zwei Abenden ist Schluss, aber dennoch muss man festhalten, dass es derzeit kein anderes Spiel gibt, das so ein Spielprinzip bietet. Für 20 Euro ist es jedenfalls fair, dass das Game so ist, wie es ist. Während die einen davon schwer angetan sind, langweilen sich die anderen – seht euch am besten einen Trailer von Unpacking an und entscheidet dann selbst!

Wertung: 8.5 Pixel

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