Trials Rising im Test – Das beste seiner Art – trotz Lootboxen

von David Kolb 26.02.2019

Trials Rising kehrt zu alten Gameplaystärken zurück und nutzt sein unverwüstliches Konzept aus Balance, Gas, Bremse und gutem Leveldesign. Ubisoft RedLynx schafft es gleichzeitig die Serie für Neueinsteiger zugänglicher zu machen und Veteranen der Serie wieder ordentlich herauszufordern.

Plattformer auf Rädern

Irgendwas scheint in mich gefahren zu sein, denn nach FutureGrind teste ich nun auch Trials Rising – dabei habe ich mit Motorsport eigentlich gar nichts am Hut. Was ich aber umso mehr schätze, ist ein simples und gutes Gameplay, das einfach zu erlernen und schwer zu meistern ist. Es sind die (ein bisschen vereinfachten und auf Action getrimmten) Grundgesetze der Physik gegen die man in diesem Spiel ankämpft. Auf einer 2D-Fahrbahn mit 3D-Hintergrundansicht bewegt man sich immer von links nach rechts. Wie schnell das geschieht entscheiden Hindernisse und das wohldosierte Gasgeben. Damit der oder die BikerIn nicht bei jedem kleinen Hügel sich aufs Kreuz legt, kann sich nach vorne oder hinten gelehnt werden (aus eurer Sicht, daher ebenfalls nach rechts oder links). Das war es dann auch schon, das Spiel fordert euch aber in jedem Level neu heraus und möchte jede noch so kleine Nuance beherrscht wissen.

Einmal über den gesamten Globus

Mein letztes Trials ist schon etwas her, doch schon damals 2012 wurde ich in den Bann von Trials Evolution gezogen. Trials Fusion hingegen konnte mich mit seinem Zukunftssetting nicht gewinnen und so bin ich froh, dass Ubisoft in die etwas geerdetere Gegenwart zurückkehrt und dafür aber Rennen über den gesamtem Globus verteilt. Mit jedem Fortschritt im Spiel erscheinen neue Marker auf der Weltkarte, die in neun, immer schwieriger werdenden Ligen eingeteilt werden. Die über 120 Strecken bieten wieder over-the-top Action und viele aberwitzige Hindernisse. In Paris fährt man Loopings durch einen Vergnügungspark und fährt sogar kurze Zeit auf einem Freefall Tower mit. Kurze Zeit später befinden wir uns in Deutschland wo mein Biker sich durch alte Ruinen schlängelt, die bei Kontakt gerne mal zerbröseln. Oder das Rennen in Holland, wo sich stereotype Windmühlen drehen und ich mich auf deren drehenden Blättern zurecht finden muss. Ja in Italien stürze ich mich sogar in einen riesigen Kessel voller Tomatenpolpa, da dort gerade das Tomatenfest gefeiert wird. An Abwechslung fehlt es daher nie. Jedes Level bietet so viele Details, ist auf Hochglanz poliert und übertrumpft sogar die Serien-Vorgänger.

Challenge gefällig?

Das liegt vor allem auch daran, dass es nun eigene Contracts, also Verträge mit großen Marken wie z.B. KTM oder Fox gibt. Diese ploppen nach einiger Zeit ebenfalls auf der Karte auf und bieten euch besondere Herausforderungen für bereits absolvierte Strecken an. Könnt ihr die Hindernisse auch fehlerlos und mit acht Backflips und sechs Frontflips schaffen? Schafft ihr es den Mount Everest per Wheelie raufzufahren und immer noch zeitlich die Silbermedaille zu erhalten? All das fordert mich heraus und ich merke selbst wie unzufrieden ich mit mir bin, wenn nicht am Ende einer Fahrt die Goldtrophäe vor mir glitzert. Passenderweise heißen diese Aufgaben auch Challenges, denn die haben es richtig in sich. Trials Rising schafft es wie kein zweites Spiel mich bei meiner Gamerehre zu packen, wodurch ich immer wieder dem perfekten Run nachjage. Unterläuft mir ein Fehler, geht es zurück an den letzten Checkpoint oder besser noch an den Start, denn die Bestzeit hole ich so sowieso nicht mehr. Da auch Trials Rising keine Ladezeiten benötigt spielt sich alles super flüssig.

Fahrlehrer

Damit man aber überhaupt an den Punkt gelangt, wo die Mechaniken des Spiels greifen und ich mein Bike in und auswendig kenne gibt es die „University of Trials“. Die zeigt mir auch noch nach 20 Spielstunden neue Videos und Kniffe, wie Bunnyhop oder sei es nur das perfekt ausbalancierte Fahren über steile Hügel, ohne dabei den Kontakt zum Boden zu verlieren. So lerne ich Schritt für Schritt nicht nur die Grundmechaniken, sondern viele Feinheiten, die ich mir bisher in den Vorgängern allesamt selbst erarbeiten musste. Für Einsteiger ist dieses Feature absolut perfekt.

Habe ich durch Fahrschule und ausreichend Training genug am Kasten, kann ich mich an alle Strecken und Herausforderungen herantrauen. Durch den Erhalt von Medaillen erhält man Erfahrungspunkte und dadurch Levelaufstiege. Pro Level (man steigt sehr schnell auf) erhält mein Biker-Avatar eine Lootbox mit mehr oder weniger coolen Accessoires. Am besten gefällt mir das Gorillaoutfit, mit Kopfmaske und Gorillafüßen. So kann mein Biker, wenn er schon den Mount Everest herunterfällt zumindest noch selbst herunter klettern.

Spaß beiseite, die Ausstattungskisten sind rein kosmetischer Natur und hin und wieder freut man sich dann doch über coolere Reifen oder eine neue Siegerpose. Alle Inhalte sind auch ohne Echtgeldeinsatz freischaltbar, es gibt aber trotzdem eine  Echtgeldwährung. Diese Währung kann sogar durch die Challenges erspielt werden, was für Lootboxsysteme eher unüblich ist. Zu Beginn wird man noch mit Lootboxen überhäuft, das ändert sich dann gegen Ende hin, wo die Goodies deutlich seltener ausgegeben werden.

Idyllische Tandemfahrten

Neben den modischen Modifikationen ist auch der Tandemmodus neu und der ist unheimlich witzig und kann auf beinahe jeder Strecke gespielt werden. Zu zweit steuert man ein Bike, wobei beide SpielerInnen gleichzeitig Gas geben und gemeinsam versuchen die Balance zu halten. Jedes noch so kleine Hindernis kann zu einem großen Problem führen und in einem herrlich übertriebenen Slapstickunfall enden. Außerdem gibt es die Möglichkeit Herausforderungen gegen Bestzeiten anderer SpielerInnen anzunehmen oder im Multiplayer nebeneinander, d.h. gleichzeitig gegeneinander anzutreten. Auch das ist lokal (im Partymodus, z.B. mit veränderter Schwerkraft) oder online (mit bis zu acht Leuten) möglich. Den größten Spaß habe ich auf der Couch mit ein paar Freuden, die sich langsam aber sicher immer mehr und mehr in das Spiel verbeißen. Damit auch in Zukunft der Sprit nicht ausgeht, hat Ubisoft dem Spiel auch einen Leveleditor spendiert.

Trials Rising Fazit - Eat Dirt, Taste Victory

Trials Rising ist sehr kompetetiv, weshalb es gut als Game as a Service funktioniert und weshalb es auch Lootboxen in das fertige Spiel geschafft haben. Das Positive daran ist, dass es für ehrgeizige FahrerInnen nun Seasons gibt, wo sie sich in mehreren Ligen ihr Können unter Beweis stellen können. Darum geht es mir persönlich aber gar nicht, denn ich habe nicht den Anspruch unter die besten Top 100 zu kommen. Mir geht es viel mehr um den einen perfekten Run, der nicht nur fehlerlos, sondern im Idealfall auch noch stylisch ist. Die Beherrschung der Fahrphysik und die hundertprozentige Kontrolle über mein Motorrad machen für mich den Reiz des Spiels aus. Da passt es wie die Faust aufs Auge, wenn meine Runs von Originaltracks von Bands wie Motörhead, Jurassic 5, Billy Talent oder In Flames begleitet werden. Dann gibt es diese wunderbaren Magicmoments in denen alles zusammen passt, der Flow einsetzt und ich jeden noch so waghalsigen Sprung lande. Allein wenn ich daran denke bekomme ich schon wieder Lust  auf Trials Rising.

Wertung: 8.7 Pixel

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