Spacige Bikes, bunte Rails und elektronische Beats: FutureGrind im Test

von David Kolb 08.02.2019

In FutureGrind slided ihr mit einem futuristischen Bike über bunte Rails und hört dazu pulsierende Elektrobeats. Das Spiel wirkt wie eine Mischung aus Olli Olli, Trials und einer Prise Hotline Miami. Dahinter verbirgt sich ein Geschicklichkeitsspiel, das dank seiner Musik und der immer schwieriger werdenden Levels einen Flow aufbaut, der eine enorme Sogwirkung entwickelt.

Über bunte Rails auf einem Rad sliden

Wer nur entspannt daddeln will ist hier an der falschen Adresse. FutureGrind wird euch herausfordern und euch viel Skill und schnelles Reaktionsvermögen abverlangen. Das macht es aber mit einer angenehmen Lernkurve, doch dazu später mehr. Grundsätzlich funktioniert FutureGrind so, dass ein spaciges Motorrad auf einer 2D-Bahn stetig nach rechts fährt – eben ähnlich wie bei Trials. Die Bikes wirken aber nicht wie normale Motorräder, sondern eher wie ein Einrad, das an der oberen Seite noch ein zusätzlichen Reifen hat, um quasi auch am Kopf auf einem Rad fahren zu können. D.h. es wird immer nur auf einem Rad gefahren und ähnlich wie bei einem Slide in OlliOlli muss auch hier ständig die Balance gehalten werden. Im Gegensatz zum 2D-Skateboarding ist man in FutureGrind aber ausschließlich auf Rails unterwegs, was dazu führt das zu jeder Zeit balanciert und austariert werden muss. Noch einmal zusammenfassend: Sliden, Gewicht balancieren und „Einrad fahren“. Alles klar? Dann schaut euch jetzt den Trailer an, damit ihr euch darunter auch etwas vorstellen könnt.

Wer springt, rotiert!

Im Prinzip gibt es nur die Tasten für Springen und den linken Stick um das Bike um seinen Mittelpunkt rotieren zu lassen. Mit der Sprungtaste ist auch ein Doublejump möglich. Umso länger man auf dem Knopf oben bleibt, umso höher und vor allem weiter springt euer futuristisches Vehikel. Das ist zu Beginn noch etwas gewöhnungsbedürftig, da das Gefährt über eine ganz eigene Flug- bzw. Gleitkurve verfügt. Daran gewöhnt man sich aber schnell und dann funktioniert das steuern auch sehr präzise. Zumindest genauso wichtig, wenn nicht sogar noch essentieller ist das Rotieren des Bikes, das über den linken Stick durchgeführt wird. So könnt ihr im Sprung das Motorrad um 180 Grad drehen und dann am Kopf weiterfahren.

Alles endet in einer großen Explosion

Die ersten Levels beginnen noch sehr gemächlich und gemütlich. Es gibt ein paar Hindernisse zu überwinden, aber nichts was besonders schwierig wäre. Irgendwann führt das Spiel dann aber verschiedenfarbige Rails und Reifen ein. Dann hat euer Bike z.B. ein violettes und ein grünes Rad. Mit dem violetten Fahrzeugteil, könnt ihr ausschließlich auf violetten Rails grinden. Berührt ihr mit der falschen Farbeeine unpassende Rail explodiert das Bike und das Level muss von vorne begonnen werden. Die Levels sind dabei eher kurz und bleiben meist unter einer Fahrminute. Das Coole daran ist, dass es keine Ladezeiten bei einem Neustart gibt, das Bike wird sofort wieder an den Anfang der Strecke gesetzt und ein neuer Run kann in Angriff genommen werden. Schaltet ihr dann einen neuen Kurs frei, dann gilt es die Strecke zu überleben und fehlerfrei durchzufahren. Dabei gibt es oft verschiedene Wege und dadurch auch unterschiedliche Strategien. Durch den Doppelsprung können Rails übersprungen werden, wodurch weniger rotiert werden muss. Es gibt aber auch die Möglichkeit das Motorrad vorne überzukippen und so perfekt von einer Rail auf die andere und gleichzeitig von einem Reifen auf den anderen zu wechseln. Es gibt daher viele Feinheiten zu lernen, die euch in kniffligen Situationen das Überleben retten können.

Überlebenskampf mit Style

Und wo wir gerade bei Feinheiten sind: Nicht nur das Bezwingen des Parcours ist wichtig, auch der Style spielt eine Rolle, denn wie sich das für diese Art von Spiel gehört gibt es auch Tricks. Je nachdem in welche Richtung ihr euer Bike dreht, entstehen Back- und Frontflips – und das in den waghalsigsten Übertreibungen. Habt ihr eine Strecke gemeistert, dann erhaltet ihr noch zwei weitere Nebenaufgaben, wie z.B. während der Fahrt einen 1080 Frontflip auszuführen. Es sind aber nicht immer nur Tricks, es gibt z.B. auch Vorgaben bestimmte Rails nicht zu nutzen oder einen Kombofaktor von über 15 aufzubauen. Ja richtig, auch Kombos gibt es selbstverständlich, denn schließlich reiht ihr in FutureGrind Slide nach Slide und garniert das auch noch mit Tricks. Es existieren aber nicht nur Slides, auch an der Unterseite der Rail kann man andocken oder sogar sich mit einem Rad in die Schiene hängen. Es gibt also nochmal einen deutlichen Unterschied zwischen dem Absolvieren einer Strecke und dem Erreichen der Diamanttrophäe (je nach Punktezahl gibt es Brone, Silber, Gold und Diamant) mit genügend gesammelten Punkten.

Spielen, wie in Trance

Spätestens dann entsteht ein wilder Mix aus Tricks, Slides, farblichen Übergängen und Elektrobeats, die mich immer wieder voranpeitschen. Fehler werden in späteren Levels gnadenlos bestraft und binnen kürzester Zeit werde ich immer besser und wachse mit meinen Aufgaben. Kehre ich später für eine Punktejagd in frühere Levels zurück, merke ich wie es mir nun deutlich leichter fällt Slides und Tricks in den einfacheren Abschnitten zu kombinieren. Durch die nicht vorhandenen Ladezeiten und den Soundtrack werde ich sogar ein wenig an Hotline Miami erinnert. Die Sounds können nicht ganz mit der Qualität des Indiehits mithalten, aber der Flow erreicht in den besten Momenten des Spiels ein zumindest ähnliches Niveau.

Immer wieder neu

Damit man sich aber nicht zu sehr an alles gewöhnt, wechseln nicht nur die Strecken, sondern auch die Bikes. Da gibt es z.B. eines mit einem ganz anderen Schwerpunkt, weil an der Unterseite der Reifen riesig, an der Oberseite nur sehr klein gestaltet ist. Dadurch kippt dieses Motorrad ganz anders. Aber nichts geht über das Bike mit dem schwarzen Reifen, zu dem ich eine absolute Hassliebe aufgebaut habe. Berührt dieses schwarze Ungetüm etwas, explodiert das Bike sofort. Dafür steuert es sich aber extrem geschmeidig und spaßig. Auch die Levels sind abwechslungsreich, denn später im Spiel gibt es Bereiche, die die Farbe des Rades wechseln oder einen eingefärbten Bumper, der mein Gefährt hoch und über Abgründe hinwegschleudert. Immer wenn man das Gefühl hat alles gesehen zu haben, werfen mir die Entwickler ein kleines, neues Feature entgegen, auf das ich mich wieder neu einstellen muss.

Es rauscht und flimmert

Ach ja, eine Art Story gibt es ja auch noch. Zwischen den einzelnen Levels wird man von neuen Bikefirmen angeworben und erhält von diesen Textnachrichten. Allerdings schleust sich ein kleines Mysterium ein, dass ich an dieser Stelle nicht verraten möchte. Es ist nichts Weltbewegendes, aber es ist nett gemacht und hat auch auf das Gameplay ein bisschen Einfluss. Wer das Flimmern im Trailer gesehen hat, kann sich ungefähr vorstellen, wie sich einzelne Abschnitte verändern. Das trägt angenehm zur Abwechslung bei und schafft eine etwas andere Atmosphäre. Das Gameplay fokussierte Spiel wäre natürlich auch komplett ohne Story ausgekommen. So wie die Geschichte aber umgesetzt wurde, ist sie eine nette Dreingabe, die noch einmal neue Saiten aufzieht.

FutureGrind Fazit

Ganz zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass FutureGrind in zu großen Dosen etwas anstrengend werden kann und ich merke auch an mir selbst, wie meine geistige Leistung abfällt und mir dadurch immer mehr Fehler unterlaufen. Es ist kein Game für stundenlange Spielsessions, dafür aber perfekt für eine oder mehrere schnelle Runden. Gerade auf meiner mobilen Switch empfinde ich es als sehr angenehm, dass ein Run meist unter einer Minute absolviert werden kann. Zu Beginn wird man außerdem gut herangeführt und die Levels sind noch beim ersten Versuch schaffbar. Im Mittelteil haben die Entwickler dann eine gute Balance beim Schwierigkeitsgrad gefunden. Gegen Ende hin musste ich dann wirklich die Zähne zusammenbeißen, denn gerade bei bestimmten Nebenaufgaben hatte ich locker 50 Fehlversuche. Meiner Meinung nach hat man es da schon ein wenig übertrieben, aber das ist sicherlich Geschmackssache. Hat man sich aber mal ins Spiel verbissen, dann entstehen die perfekten Momente, wo ihr mit eurem Bike über die Rails zischt und dabei noch riskante Tricks landet. Wer ein gerütteltes Maß an Herausforderung sucht und auch mit Spielen wie OlliOlli Freude hat, sollte auch mit FutureGrind eine Chance geben.

Wertung: 8 Pixel

für Spacige Bikes, bunte Rails und elektronische Beats: FutureGrind im Test von David Kolb

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