Torchlight 2 Review – Ist das alles nur geklaut?

von Max Hohenwarter 28.09.2019

2012 erschien Torchlight 2 erstmals für den PC. Nachdem bereits Hack and Slay-Klassiker, wie Diablo 3 und Titan Quest bewiesen, dass sie perfekt per Controller gesteuert werden können, schickt sich auch Runic Games Action-RPG an, auf Konsolen mitzumischen. Kann Torchlight 2 dem Genre-Primus von Blizzard auch auch auf der Couch das Wasser reichen? Mehr dazu in meinem Review.

Torchlight 2 – Die Story

Im ersten Torchlight von 2009 stellten sich drei HeldInnen tief unter der gleichnamigen Welt dem uralten Bösen namens Ordrak. Der Drache wurde aber, wie sich das für eine ordentliche HeldInnentruppe gehört, in seine Einzelteile zerschnetzelt. Aber wie das mit dem unsagbar Bösen nunmal so ist, hat es doch irgendwie überdauert und vom Alchemisten, einem der spielbaren Charaktere aus Teil 1 Besitz ergriffen. Der verderbte Held von einst, ist nun natürlich drauf und dran, Torchlight wieder zu überrennen und zu verheeren. Jaddajaddajadda…

Torch-Déjà-Vu-2

Storywise hat man das alles schon zigmal gesehen, gelesen und gehört, beispielsweise in Diablo 2. Bei dem und dessen Vorgänger hat nämlich auch Max Schaefer, einer der Gründer von Runic Games, mitgewerkelt. Ähnlichkeiten zwischen Torchlight und Diablo sind also natürlich reiner Zufall und haben überhaupt rein garnix mit nix zu tun. Jedoch kann Torchlight 2 nicht mit derartig aufwendiger Präsentation seiner Geschichte aufwarten. Weder gibt es Ingame-Skriptsequenzen, geschweige denn Rendersequenzen, die auch nur annähernd spektakulär in Szene gesetzt wären, wie in Diablo 2, respektive Teil 3. Apropos „gesehen, gelesen und GEHÖRT“: nicht genug, dass das generelle Storygerüst vom großen Vorbild, nun, sagen wir mal „geliehen“ wurde, selbst die Hintergrund-Musik mit ihren einzeln eingestreuten Gitarrenriffs erinnert frappant an Diablo 2. Gut: jetzt wo wir das geklärt hätten, darf ich jetzt endlich Monster töten und Schätze plündern? JA? Danke!

Torchlight 2 – Die Klassen

Zu Beginn wählen wir aus vier HeldInnenklassen. Da gäbe es den/die magiebegabten Embermage, den/die klassische/n Haudrauf-Berserker, der auch gewisse Tiergeister beschwört, den/die auf Fernkampf spezialisierte/n OutlanderIn und zu guter Letzt den/die IngenieurIn, der/die sich sowohl im Nahkampf, als auch mit Musketen und Pistolen zu helfen weiss und mit diversen Drohnen hantiert.

Quelle: www.torchlight2.com

Heavy Petting that smells fishy

Wie schon im Erstling begleitet euch aber auch wieder eines von 16 Haustieren. Im Vergleich zu Diablo 3 sind die kleinen Racker aber nicht nur optisches Beiwerk. Sie können ausgerüstet werden, wirken selbstständig Spells und greifen auch sonst aktiv ins Kampfgetümmel mit ein. Weiters könnt ihr in Torchlight 2 an manchen Flüssen und Gewässern angeln. Die diversen Fische, die ihr dabei erbeutet, könnt ihr sodann eurem Pet füttern, wodurch es seine Form wandelt und entweder zum aggressiven Nahkämpfer oder Gegner debuffenden Supporter mutiert. Und wenn ihr genügend Monster totgeprügelt und deren Gegenstände eingesackt habt, erfüllt euer treuer Vierbeiner noch eine weitere komfortable Funktion und trägt all euren Schrott, den ihr loswerden wollt schnurstracks in die nächste Stadt, um es für euch zu Gold zu machen – praktischer und vielseitiger gehts wohl kaum.

Quelle: www.torchlight2.com

Torchlight 2 – Das Looten und Leveln

Wie bei jedem ordentlichen Looter-Shooter oder Hack and Slay geht es natürlich in Torchlight 2 im Kern ums Hochzüchten eurer Figur. Und die Lootspirale ist natürlich auch hier digitales Crack. Jedoch macht die Dosis bekanntlich das Gift und Torchlight 2 übertreibt es meiner Ansicht nach schon etwas. Nahezu jeder Gegner lässt Beute im Überfluss fallen. Besonders zu Beginn verbringt man ob dieser Flut an Gegenständen sehr viel Zeit im Inventar, um den ganzen Müll wie erwähnt schnellstmöglich vom „Furry Friend“ abtransportieren zu lassen. Weniger ist manchmal mehr.

Ein Fest für IndividualistInnen

Selbiges denkt man sich auch, wenn man die drei Talentbäume jedes Recken durchgeht, in denen alle Skills nochmals in drei Stärken vorliegen, die ihr durch das verteilen von jeweils bis zu 15 Skillpunkten aufwertet. Damit aber noch nicht genug, denn ihr erhaltet bei Level-Up nicht nur einen Skillpunkt, sondern zusätzlich nochmal fünf Attributspunkte, die ihr, ähnlich wie in Diablo 2, in die Kategorien Stärke, Fokus, Geschicklichkeit und Vitalität aufteilt. Doch hier sei Vorsicht angeraten, denn ihr könnt euch – je nachdem, ob man dieses Feature in Diablo 2 mochte oder hasste – verskillen. Lediglich die letzten drei Skillpoints dürft ihr in der Stadt revidieren. Insofern herrscht also vielmehr Individualismus als in Diablo 3, aber das schmeckt natürlich nicht jedem/jeder, besonders wenn man mit der tieferen Spielmechanik und den Synergieeffekten im Endgame noch nicht vertraut ist.

Quelle: www.torchlight2.com

Torchlight 2 – Die Quests

Neben den Hauptquests findet ihr auf den großzügigen Quests auch immer wieder optionale Dungeons, jedoch gilt auch bei diesen und anderen Nebenbeschäftigungen diverser Genrevertreter, dass die QuestgeberInnen respektive ihre Anliegen eher Beiwerk sind. Dass das anders geht, bewies kürzlich Borderlands 3. Aber mal Butter bei die Fische: da die Hauptstory schon ziemlich hanebüchen ist, weshalb sollten sich dann die Nebenaktivitäten plötzlich als Geschichten voll Spannung und Wendung erweisen. Am Ende ist das aber eh egal, denn solange geiles Loot dropt, liest eh niemand die faden Textkästen. Manchmal stolpert ihr über kleinere Challenges auf der Map. Die sind aufgrund kleinerer Änderungen hinsichtlich Spielmechanik zwischendurch ganz spaßig.

Torchlight 2- Die Präsentation

Wie erwähnt ähnelt Torchlight 2 Blizzards Meisterwerk nicht nur bei der Spielmechanik (nona – ist ja ein lootlastiges ARPG) der Story und der Musik, sondern bedient sich optisch auch noch an einer anderen großen Marke aus dem selben Hause, nämlich Warcraft. Der Cartoonlook sorgt auch dafür, dass Torchlight 2 selbst nach sieben Jahren seit Erstveröffentlichung noch immer recht ansehnlich aussieht, wenngleich ich mit Diablos etwas düstererem Artdesgin mehr anfangen kann. Die effektgeladenen Schnetzeleien sind jedoch ein Augenschmaus.

Quelle: www.torchlight2.com

Lieber gut geklaut, als schlecht selbst erfunden

Das Game spielt sich ebenso wie die anderen, auf Konsole portierten Hack and Slays ausgezeichnet mit diversen Controllern und bietet ein intuitives, gut bedienbares Interface und Inventarmanagement. Auch wenn ich -wie erwähnt – durch die Loot-Flut besonders zu Beginn etwas zu viel Zeit mit Ausmisten vertrödle.

Torchlight 2 ist ein absoluter Klon von Diablo und kupfert beim Vorbild ab, als gäbe es kein Morgen. Einziges Alleinstellungsmerkmal sind die Pets, die viele Komfortfunktionen bieten. Spielmechanisch orientiert sich Torchlight 2 aber eher an Diablo 2, als am arcadigeren Diablo 3, was die „Früher war alles besser“-Fraktion durchaus freuen dürfte. Meine Meinung an dieser Stelle ist allerdings vermutlich unpopulär – ich finde die Tatsache, sich in Diablo 3 nicht verskillen zu können sehr angenehm. Seit Diablo 3 die Seasons eingeführt und kürzlich auch um Themes erweitert hat, kann ich mich aber auch über wohl dosierte Abwechslung hier nicht mehr beschweren. Ich werde also langfristig eher Blizzard treu bleiben.

Für Char-IndividualistInnen und Leute, denen Diablo 3 zu repetitiv und aufgrund nicht sehr variabler Endgame-Charakterbuilds und des immer gleichen Metagames der Seasons zu restriktiv geworden ist, ist Torchlight 2 aber eine willkommene Abwechslung, besonders wegen der Möglichkeit diesen Klon-Klassiker jetzt chillig auf der Couch zu genießen – vor allem zu diesem Preis.

Wertung: 7.9 Pixel

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