Borderlands 3 Review (PS4): Was lange währt, wird endlich geil!

von Max Hohenwarter 16.09.2019

Nach 5-jähriger Pause ist Borderlands endlich wieder da und erklimmt erneut den Looter-Shooter-Thron. Wieder einmal bestätigt sich, dass solche „When it’s done!“-Geduldsspiele bei Fans zwar unbeliebt, aber durchaus das Beste sind, was einer etablierten Serie passieren kann. Die Einzelheiten dazu lest ihr in meinem Borderlands 3 Review.

So you want to hear the story, eh?!

Der grundsätzliche Story-Arc von Borderlands ist seit jeher der Gleiche: Vier GlücksritterInnen – im Borderlands-Jargon auch Vault-Hunter genannt – hören von einer mysteriösen Kammer, die den FinderInnen unheimlichen Reichtum und Macht bringen soll. Was die SchatzjägerInnen meist nicht wissen, ist jedoch, dass die Vaults weniger Tresore, denn mehr Gefängnisse mächtiger, uralter Dämonen darstellen. Von der Gier angestachelt und vorerst meist im Unwissen um die darin lauernden Gefahren bahnen beziehungsweise ballern sich die KammerjägerInnen ihren Weg durch eine nicht enden wollende Masse an BanditInnen, SöldnerInnen diverser Megakonzerne und anderer Fiesewichte zum vermeintlichen Reichtum.

Dennoch gibts natürlich auch immer eine tiefere Lore, die meist die altbekannten gleichermaßen verschrobenen, wie liebenswürdigen Charaktere der Serie einbindet. In diesem Fall knüpft die Kampagne nahezu nahtlos an die von Borderlands 2 an. Damals offenbarte sich, dass der vermeintliche Vaultschlüssel ebenfalls eine Karte zu Dutzenden weiterer Vaults auf anderen Planeten war. Lilith, die Sirene aus dem ersten Teil, übernahm am Ende des finalen Borderlands 2 DLCs die Rolle der Anführerin der Crimson Raiders und Beschützerin Pandoras. Leider machte sie ihren Job denkbar schlecht und ging der Vaultschlüssel-Karte im Endkampf verlustig.

Zu Beginn von Borderlands 3 erfährt Lilith, dass das verschollen geglaubte Artefakt wieder aufgetaucht ist; Unglücklicherweise in den Händen der Children of the Vault, jedoch mopsen wir Selbiges gleich in den ersten Spielstunden. Dieser „Kinder“-Kult setzt sich aus den ehemals verfeindeten Banditenclans der Grenzlande zusammen. Ehemals deshalb, weil die psychotischen Calypso-Twins, mörderische Livestreamer, durch ihre ins Echo-Netzwerk übertragenen Foltertaten die Clans, die sich ehemals Spinnefeind waren, untereinander vereinten. Besonders Tyreen Calypso, die ebenfalls wie Lilith eine Sirene ist, wird als Göttin verehrt. Ihre Macht besteht darin, sämtlichen Lebewesen ihre Macht zu entziehen. Das stellt sie eindrucksvoll unter Beweis, als sie Lilith in einem ihrer Livestreams nicht nur ihrer Kräfte beraubt, sondern auch die Vault-Karte zurückmopst. Im Wissen, dass die Vaults Gefängnisse für mächtige Dämonen sind, zieht Tyreen los, diese Monstrositäten ebenfalls ihrer Mächte zu entledigen und wahrhaft zu einer Göttin zu werden. Und wir werden sie in der knapp 30-stündigen Hauptstory, nicht nur auf Pandora, sondern diesmal auch auf etlichen anderen Planeten, tunlichst davon abhalten.

Borderlands 3 – die Klassen:

Fangen wir bei den KammerjägerInnen-Klassen an. Da wäre einmal Fl4K, der Beastmaster. Er stellt die erste wahrhafte Petklasse in der Seriengeschichte dar und hetzt den Baddies einen seiner drei tierischen Begleiter auf den Hals. Drei ist ein gutes Stichwort. Borderlands 3 trägt die Zahl nicht nur im Namen, sondern erstmals in der Seriengeschichte kann jede der Klassen auch drei unterschiedliche Actionskills zum Einsatz bringen. Eine kleine Ausnahme bildet Gunnerin Moze. Sie beschwört bei Bedarf zwar immer ihren Mech-Kampfanzug namens Bear herbei, darf aber dessen Loadout anpassen. Bears linker und der rechter Waffenarm können also frei nach Lust und Laune mit Minigun, Railgun, Flammenwerfer oder hochexplosiven Wummen wie einem Granat- und/oder Raketenwerfer bestückt werden. Weiters befindet sich im Vault-Hunter-Roster noch Zane Flynt, der sich im Kampf mit diversen Gadgets zur Wehr setzt und sich ähnlich spielt wie Assassine Zer0 in Borderlands 2. Das Quartett wird abgerundet von der stämmigen Sirene Amara, die aber im Gegensatz zu Lilith oder Maya ihre magischen Kräfte in Form von sechs muskulösen Armen im Nahkampf einzusetzen weiß.

In Summe bieten die neuen Klassen jedenfalls viel mehr Möglichkeiten hinsichtlich Build-Anpassung fürs Endgame und sorgen dadurch selbst bei mehreren gleichen Klassen in der selben Coop-Gruppe für ein synergetisches Zusammenspiel.

Borderlands 3 – der Coop:

Apropos Coop-Modus: Borderlands 3 macht wie schon seine Vorgänger zusammen mit Freunden am meisten Spaß. Hierbei kam es gleich zu mehreren Verbesserungen. Ab sofort bekommt bei Bedarf jede/r Mitzockende sein eigenes Loot. Wahlweise darf sich aber auch – wie früher – um jedes Ausrüstungsteil gezankt werden. Das nennt Gearbox dann entweder den Cooperation- oder Coopetition-Modus. Zudem kann es schon frustrierend sein, wenn man gerade keine passenden, weil gleichleveligen MitspielerInnen unter seinen Online-FreundInnen hat.

Hier wurde gleich doppelt verbessert, denn zum einen skalieren die Gegner sich jeweils passend für den/die Coop-PartnerIn und zum anderen passiert selbiges beim Loot. Krasser Fall: Ihr habt gerade einen neuen Charakter begonnen und stinkt auf Level 5 herum, euer Kompagnon hingegen hat schon einen herangezüchteten Level 44 Beastmaster, dann kämpft ihr aus eurer Sicht um Level 5-8 Gegner und bekommt die passende Beute hierfür und euer/eure MitspielerIn legt sich mit Level 44-47 Bösewichten auf der selben Karte an um richtig cooles episches Loot einzusacken – Absolut praktisch!

Borderlands 3 – die Nebenquests, Endgame und Quality of Life-Verbesserungen:

Die Hauptstory von Borderlands 3 dauert also ca. 30 Stunden, doch auch abseits davon gibt es einige Dinge, die ihr auf Pandora und den anderen Welten erledigen könnt. Zum einen dürft ihr von den Side-Quests einiges erwarten, denn die sind bis auf wenige Ausnahmen nicht nur stumpfe Hol-x-hiervon-töte-y-davon-Quests, sondern erzählen in den meisten Fällen eine amüsante Story.

Beispielsweise sollt ihr für Claptrap Ersatz für seine abhanden gekommene Antenne besorgen. Dafür gondelt ihr in Pandoras Pampa herum und trefft dabei auf einen Aluhut tragenden Banditen. Super General Claptrap, wie er sich mittlerweile nennt, möchte natürlich genau diese Kopfbedeckung haben. Damit der Psycho euch seinen Aluhut aber abgibt, sollt ihr zuerst drei Satellitenschüsseln „abmontieren“ gegen deren Strahlung er sich damit abschirmt. Habt ihr das gemacht, läuft es aber trotzdem darauf hinaus, dass ihr den Banditen, der euch plötzlich angreift, abknallt und so trotz des Umweges an den Aluhut kommt.

Zusätzlich zu den Nebenquests degradiert euch Sir Hammerlock gelegentlich zum wortwörtlichen Kammerjäger und ihr müsst in seinem Auftrag diverses Getier unschädlich machen; Für Archäologin Patricia Tannis müsst ihr die Umgebungen nach den Aufzeichnungen des ersten Vault-Hunters Typhon Deleon abgrasen, die sich meist in den hinterletzten Ecken der Spielwelt verstecken – findet ihr drei in einem Gebiet, erwartet euch dafür eine von Typhons dicken Loot-Chests, gefüllt mit besonderen Knarren. Hierbei hilft euch übrigens die neue Weltkarte perfekt, die Stellen, an denen ihr noch nicht wart, vorerst ausgegraut lässt. Auch Ellie von Catch-A-Ride könnt ihr zur Hand gehen, nämlich, indem ihr ihr Fahrzeuge anderer Banditen in die Garage bringt. So schaltet ihr nach und nach neue Reifen, Karosserien und Fahrzeugtypen oder Bewaffnungen für eure Gefährte frei.

Habt ihr das alles durch erwartet euch im Endgame von Borderlands 3 noch ein New Game +, auch „True Vault Hunter Mode“ genannt oder der „Circles of Slaughter“ genannte Horde Mode. Auch diverse Mayhem Modes dürft ihr freischalten, die euch lange bei der Stange halten.

Borderlands 3 Review: Better than ever

Lange hat es gedauert und unzählige Fake-Teaser von Randy Pitchford mussten die Fans auf seinem Twitter-Feed hinnehmen, nur um wieder und wieder enttäuscht zu werden und doch keinen Borderlands 3 Reveal zu erleben. Doch was lange währt wird endlich geil und zwar so richtig.

Mit der dritten Iteration der Mutter aller Looter-Shooter haben sich die Mannen und Frauen von Gearbox selbst übertroffen und an nahezu jeder Stellschraube nachjustiert, die beim schon großartigen Vorgänger Borderlands 2 noch zwickte. Einzig die Calypso Twins hinken Handsome Jack in Sachen diabolischem Charisma hinterher und haben mich mit ihrer penetranten Art eher genervt.

Ansonsten ist der Genre Primus mit noch befriedigenderem Gunplay, krudem und selbstironischem Humor und natürlich Bazillionen von abgedrehten Guns, GUNS GUUUNS zurück und wird den Thron sicherlich für längere Zeit beanspruchen! Ein Pflichtkauf für Looter-Shooter-Fans.

9.5

Wertung: 9.5 Pixel

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