Paper Mario: The Origami King – Ein stumpfes, aber liebevolles Abenteuer

von David Kolb 27.07.2020

Paper Mario: The Origami King gehört wie auch die Switch-Ableger von Yoshi und Kirby nur zur zweiten Reihe Nintendos. Bei diesen Games geht der Trend deutlich in Richtung Bastelspaß und sehr einfaches Gameplay. Aus dem einstigen Rollenspielhit Paper Mario wurde ein beinahe anspruchsloses, aber charmantes und trotzdem erlebenswertes Spiel gemacht.

Schwerer Start

Ein Breath of the Wild und Odyssey thronen weit über allem anderen und sind auch deshalb so großartig weil sie eine ordentliche Portion Anspruch mitliefern. Paper Mario: The Origami King verzichtet bis auf ein paar Bosskämpfe beinahe völlig darauf. Kombiniert wird dieser Umstand mit langen Tutorialabschnitten, die alles bis in kleinste Detail doppelt und dreifach erklären. Dadurch ziehen sich die ersten zwei Spielstunden wie zäher Kaugummi, der schon zu lange am Kopfsteinpflaster vor Peachs Schloss im Mushroom Kingdom klebt.

Die Story ist deshalb auch schnell erzählt: Genanntes Schloss wird von Olly, dem Origami-König und seinen Faltschergen überfallen und in Papier eingewickelt. Beinahe alle BewohnerInnen werden von ihrer 2D-Papierform in angriffslustige Origami-Faltschergen verwandelt. Ollys Schwester Olivia schließt sich daraufhin mit Mario zusammen um den selbsternannten Origami-König aufzuhalten. Der Anfang ist auch deshalb so zäh weil Olivia eine Navi-Mentalität an den Tag legt, dass ich manchmal echte Zelda-Vibes bekam. Ok, Olivia ist nicht ganz so „aggressiv helfend“ wie die sprechende Fee und nach den ersten Einführungen gibt sie meist nur mehr auf Nachfrage, also auf Knopfdruck, ihren Senf dazu. Die Story ist Mario typisch simpel und führt euch in fünf verschiedene Welten. Zu diesen später mehr, jetzt erkläre ich euch warum ihr bei Paper Mario nicht mehr an Rollenspiele denken dürft.

Rundenkampf oder runde Kämpfe?

Nintendo tut das nämlich auch nicht und listet Paper Mario: The Origami King gar nicht als ein Rollenspiel, sondern ein Action-Adventure und das völlig zu recht. Es gibt noch ein paar Rollenspielanleihen, aber im Grunde spielt man hier ein Action-Adventure. Das liegt vor allem am Kapmfsystem, das zwar noch immer im Kern rundenbasiert ist, aber einen neuen Kniff hat. Das Schlachtfeld kann mit einem Sonnensystem verglichen werden, in dem Mario die Sonne ist und sich  im Mittelpunkt befindet. Die Gegner befinden sich auf Kreisen drum herum und die Kreise werden von Kacheln am Boden unterteilt. Per Schieberätsel müssen dann z.B. Origami-Gumbas der Reihe nach aufgefädelt oder in zweier Gruppen sortiert werden. Dies geschieht unter Zeitdruck und auch die Anzahl der Züge sind beschränkt.

Habt ihr eure Gegner dann fertig und korrekt angeordnet, gibt es einen 1,5-fachen Angriffsboost. Der ist zwar durch den einfachen Schwierigkeitsgrad nicht notwendig, aber wenn ihr alles korrekt anordnet dauern die Kämpfe deutlich kürzer. Bei einer perfekten Runde kommen die Gegner meist gar nicht erst dazu anzugreifen. Apropos Angriff, Mario greift per Sprungattacke oder Hammer, sowie mit den Items durch Feuer- und Eisblumen an. Nehmt ihr doch mal Schaden kann sich Mario dank Pilzitem heilen und ein grüner Pilz lässt euch sogar nach dem Ableben wieder auferstehen. So zumindest besagt es die Legende, denn gestorben bin ich kein einziges Mal.

Bosse mit Abwechslung

Das gilt zwar auch für die Bosskämpfe, aber die gestalten sich deutlich spannender, denn da dreht sich alles um. Der Boss ist nun in der Mitte des Feldes und Mario muss mit Pfeilsymbolen zur richtigen Stellen, inklusive einer Angriffsattacke geführt werden. Egal ob eine Origami-Schildkröte oder eine Packung Farbstifte (kein Scherz, das ist ein Endgegner), sie alle haben besondere Schwächen, die herausgefunden und ausgenutzt werden wollen. Schade nur, dass dieses eigentlich interessante und spannendere System nicht auch auf die normalen Kämpfe übernommen wurde. Zumindest aber lassen sich die Standardgegner schnell besiegen und später sogar mit Timing und Hammerschlag ohne Rundenkampf bezwingen. So könnt ihr die Kämpfe,  die nach einigen Stunden repetitiv werden, umgehen. Es gibt ohnehin keine Erfahrungspunkte, sondern nur Münzen, die ihr euch auch mit der Erkundung der Spielwelt erarbeiten könnt.

So charmant

Das ist mit großem Abstand der sinnvollere Weg, denn hier kann Paper Mario: The Origami King deutlich punkten. Die Welt erstreckt sich in fünf Gebiete, wo ihr unter anderem einen herbstlichen Wald, eine Wüste bei Nacht, ja sogar das offene Meer und eben Mushroom Kingdom besuchen könnt. Wem der Stil von Yoshi’s Crafted World gefällt, der wir auch hier mit dem liebevollen Papier- und Origami-Look sehr glücklich werden. Wer überhaupt noch nie ein Paper Mario gesehen hat, sollte dabei wissen, dass in diesen Spielen Mario und seine Wiedersacher sowieso aus einem Blatt-Papier (also 2D) bestehen und das Setting sehr gut passt. Die ganze Welt ist bunt, schön anzusehen und charmant. Auf eurer Reise werdet ihr singenden Bäumen begegnen, Toads sehen, deren Grillparty ins Wasser gefallen ist oder sich tollpatschig in einem Vergnügungspark tummeln. Die Welt, die man aus Mario Spielen bereits kennt ist nun von Toads bevölkert und die zeigen euch ihren humorvollen Alltag.

Alltagsgeschichten

Das Spiel arbeitet viel mit gut übersetzten, aber nicht immer zündenden Wortwitzen. Ihr werdet Sprüche wie „Wir falten unsere Gegner zusammen.“, „Du siehst zerknittert aus.“ oder „Du hast da ein Eselsohr.“ sehr oft hören. Zu Beginn gingen mehrmals meine Augenbrauen durch die Verdutztheit und Verwunderung nach oben. Irgendwann haben die Toads dann aber mein steinernes Herz erweicht und ich hatte richtig Spaß daran, die kleinen Pilzköpfe zu suchen. Ja suchen, denn die trotteligen Tollpatsche stecken zusammengefaltet in den unmöglichsten Ritzen der Spielwelt. Jeder Baum, jeder Busch und sonstige Gegenstände werden von mir mit dem Holzhammer bearbeitet, um auch den letzten Toad zu befreien und einen ulkigen Oneliner zu bekommen. Wie gesagt zünden vielleicht nicht alle und über Humor lässt sich sowieso streiten. Es entstehen aber immer wieder lustige Situationen, die von der einen oder anderen merkwürdig komischen Gesangseinlage gekrönt werden. Die Toads in Paper Mario spiegeln, was für Blödeleien sie die ganze Zeit unternehmen, wenn Mario, Luigi und Peach endlich mal nicht in der Nähe sind. Das gilt aber auch für z.B. Gumbas und Shy Guys, die am Feierabend einen Kaffee trinken und über ihr Leben sinnieren.

Paper Mario: The Origami King Fazit

Auch die neuen Mini-Dungeons mit kleinen Rätseleinlagen und Bossfights (da sind sie wieder, die Zelda-Vibes) gefallen mir gut. Kombiniert man das mit meinem Entdeckungsdrang und der knuffig charmanten Welt, hat sich das Spiel nach zähem Anfang doch noch gemausert. Das Kampfsystem ist aber Schuld daran, dass es viele Gelegenheiten gab, wo ich mich höchstens milde Unterhalten gefühlt habe. Zudem finde ich es schade wie viel Potenzial dabei verschenkt wurde – gerade wenn man an den N64-Teil denkt. So ist Paper Mario: The Origami King ein sehr nettes, aber keinesfalls sehr gutes Game geworden.

Wertung: 8 Pixel

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