Marvel vs. Capcom: Infinite (PC) im Test

von postbrawler 26.10.2017

Was passiert, wenn die Welten von Comicschmiede Marvel und Spieleschmiede Capcom kollidieren, durften Beat em Up-Fans bereits mehrere Male miterleben. Die Marvel vs Capcom-Reihe fand ihr Debut im Jahre 1996 mit dem Titel X-Men vs Street Fighter, und zählt seither acht Iterationen. Ich habe den jüngsten Teil, Marvel vs. Capcom: Infinite für den PC getestet, und mich mit Iron Man, Dante und Co. ins Schlachtgetümmel gestürzt. Wie mir das Prügelspiel von den Street Fighter-MacherInnen gefallen hat, lest ihr in meinem Test.

Avengers statt X-Men – die Charaktere

In Marvel vs. Capcom: Infinite treffen 15 ReckInnen des Capcom’schen Spieleportfolios auf ebenso viele SuperheldInnen des Marvel-Universums. Während erstere sich aus HeldInnen wie Mega Man, Arthur, Firebrand und Chris Redfield zusammensetzen, rekrutiert Marvel vorzugsweise Avengers wie Captain America, Iron Man und Hawkeye. Die X-Men, die die Serie quasi aus der Taufe gehoben haben, müssen im neuesten Teil leider pausieren. Obwohl es sich nicht um die offiziell lizensierten Charaktere des erfolgreichen MCU Kino-Universums handelt, hat Marvel wohl entschieden, den bekannten KinoheldInnen zu Promo-Zwecken den Vortritt zu lassen. Schade, denn Wolverine war bereits in früheren Serienteilen mein absoluter Favorit.

Der Story-Modus – nicht auf Injustice-Niveau

Im Story-Modus von Marvel vs. Capcom: Infinite müssen die vereinten Figuren beider Welten gegen den Fiesen Roboterschurken Ultron-Sigma antreten. Zu diesem Zwecke versuchen sie die Macht der sechs Infinity Steine Raum, Zeit, Realität, Seele, Macht und Gedanken an sich zu bringen. Dummerweise trachtet auch Thanos, der Zerstörer der Welten, nach diesen Steinchen, und so müssen die HeldInnen einen gefährlichen Pakt mit dem Schurken eingehen. Die Story von Infinity ist cineastisch inszeniert, in englischer Sprache vertont, und wird erfahrene Beat em Up-SpielerInnen in etwa 3 Stunden lang beschäftigen. An die Handlung eines Netherrealm-Games wie Injustice 2 kommt Capcom aber nach wie vor nicht ran.

Gameplay für Button-Masher

Marvel vs. Capcom: Infinite spielt sich wie eine zusammengedampfte und auf Gelegenheits-PrüglerInnen zugeschnittene Version von Street Fighter. Kombos lassen sich durch einfachen mashen der leichten Angriffstaste aneinanderreihen. Die meisten Special-Moves werden mit klassischen Viertelkreis-Eingaben und einer Angriffstaste ausgeführt. Super-Attacken bedürfen keiner komplexen Tastenkombinationen, es reicht die beiden Schultertasten zu betätigen. Nach und nach füllt sich im Laufe eines Kampfes ein Infinity-Meter, das sich durch betätigen der Z-Tasten auslösen lässt. Je nachdem, für welchen Inifinity Stein man sich zu Beginn eines Kampfes entschieden hat, treten unterschiedliche Effekte in Kraft. Der Macht-Stein beispielsweise stößt AngreiferInnen zurück, während der Realitäts-Stein seine Opfer näher heran zieht. Wie aus der MVC-Reihe bekannt, darf man sich vor Beginn eines Matches für zwei Charaktere entscheiden, die man innerhalb des Kampfes auch beliebig auswechseln kann.

Die Grafik – Anatomie für AnfängerInnen

Marvel vs. Capcom: Infinite

Grafisch stellt Marvel vs. Capcom: Infinite keine Bestmarken auf. Insbesondere die Marvel-Charaktere wirken anatomisch seltsam gebaut, und teils viel zu muskulös. Die Modelle von Spider Man und Captain Amerika leiden ganz besonders unter dieser Street Fighter-isierung. Auch wenn die Animationen gelungen, und die Modelle detailreich sind, fällt es mir schwer, mich an diese halslosen Stiernacken-Athleten zu gewöhnen.

Technik – Schwache PC-Portierung

Obwohl das Prügelspiel auf der äußerst ansehnlichen und modernen Unreal Engine 4 fußt, leistet sich Capcom bei der PC-Umsetzung leider etliche Schnitzer. Allen voran scheint es Probleme mit V-Sync im Fullscreen-Mode zu geben. Dann ruckelt das Spiel beinahe unspielbar vor sich hin. Zu allem Überdruss lässt sich diese Technologie nicht einfach über die Settings des Spiels deaktivieren. Stattdessen muss man erst nach Lösungen googeln, um dann in den Untiefen des Dateisystems .ini-Dateien zu bearbeiten. Technisch weniger Versierte müssen mit dem Fenster-Modus vorliebnehmen, in dem das Problem scheinbar nicht auftritt.

Des Weiteren bleibt das Bild in manchen Cutscenes manchmal einfach hängen, wodurch ein Versatz aus Bild und Ton entsteht. Vor dem V-Sync-Fix kam es bei mir auch vor, dass während eines Kampfes plötzlich der Bildschirm schwarz wurde, und ich für einige Sekunden nichts vom Geschehen sehen konnte. Capcom war noch nie berühmt für ihre PC-Portierungen, aber solche Schnitzer sind wirklich lästig und unnötig!

Ich kann auch beim besten Willen nicht verstehen, warum ein Prügelspiel mit wenigen Stages und Figuren über 50 Gigabyte groß sein muss. Dieser verschwenderische Umgang mit Assets und Texturen schlägt sich auch in den Ladezeiten nieder. Bis zu 1 ½ Minuten muss man sich teilweise gedulden, bis Matches oder Cutscenes geladen werden. Unterirdisch!

 

Fazit zu Marvel vs. Capcom: Infinite

Eigentlich wundert mich ja schon gar nichts mehr in Zeiten, wo die Speicherstände mancher Spiele größere Dateimengen verursachen, als Nintendo mit kompletten Spiel des Jahres-Anwärtern. Marvel vs Capcom ist da keine Ausnahme. Das Spiel scheint unoptimiert, und auf Hau-Ruck für den PC veröffentlicht worden zu sein. Grobe technische Mängel verderben eine Spiele-Erfahrung, die an sich vielleicht gar nicht so schlecht gewesen wäre. Auch Inhaltlich gibt es Anlass zum Raunzen. Dass die X-Men nun nicht nur den Kinofilmen, sondern auch den Marvel-Spielen fernbleiben, ist mehr als bedauerlich. Die Handlung ist mit 3 Stunden reichlich dünn ausgefallen, und die Figuren sehen anatomisch äußerst gewöhnungsbedürftig aus. Schade, denn ich war eigentlich immer ein großer Fan dieses Cross-Overs, das nach 20 Jahren an seinem definitiven Tiefpunkt angekommen ist.

Wertung: 6 Pixel

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