Jagged Alliance: Rage! Test (PC): Schleichen und fluchen

von Mandi 09.12.2018

Mit Jagged Alliance: Rage! erwacht eine Marke wieder, die schon mehrmals erfolglos rebooted wurde. Ob Rage dafür der passende Untertitel ist? Lest in unserem Test, was euch mit dem Spiel erwartet – zur offiziellen Website des Titels geht es hier.

Worum geht‘s?

In Jagged Alliance: Rage! erwartet euch ein rundenbasiertes Stealth-Strategie-Spiel. Dabei gilt es ganz wie in Divinity: Original Sin und dessen Nachfolger, eine ganze Truppe zu befehligen. Ein ähnlicher Titel wäre etwa XCOM: Enemy Unknown – wenn ihr das kennt und mögt, ist Jagged Alliance: Rage! bestimmt ein Anschauen wert. Ihr wählt eine Truppe aus verschiedenen Charakteren aus und startet das Game.

Ein zusammengewürfelter Haufen aus SöldnerInnen landet auf einer abgelegenen Insel, um eine Rettungsmission durchzuführen. Jeder der Charaktere hat eigene Stärken und Schwächen, jemand hat etwa Platzangst oder ist Bluter. Das erlaubt dem Spiel, tiefergehende Mechaniken zu verwenden. Nach dem Intro habt ihr die ersten, charakterlich teils schwer überzeichneten Figuren kennengelernt und die Mission begonnen. So weit, so gut – Trailer gefällig?

So spielt sich die Schlacht

Grundsätzlich kommt eure gesamte Truppe in einer Runde dran. Ihr könnt dabei beliebig zwischen den Charakteren wechseln, und der Mix aus Stealth und Kampf geht anfangs gut auf. Im Tutorial macht es noch Sinn, wo und wie ihr euch vorbeischleichen könnt, später spielt hier der Zufall eine nicht unerhebliche Rolle. Übrigens ist Jagged Alliance: Rage! sehr auf Survival ausgelegt, es ist also das Schleichen immer vorzuziehen.

Schließlich sind Munition, Wasser und Verbandskästen ein rares Gut, und wer dreckiges Wasser trinkt, kann sich sogar eine Entzündung holen. Nebenbei sind auch Blutungen möglich, und all diese Statuszustände haben natürlich negative Auswirkung auf die Moral und die Kampfkraft eurer Truppe. Fängt sich jemand ein Schrapnell ein, sinkt die maximale Lebenskraft, oder euer Immunsystem wird geschwächt, weil ihr unvorsichtig alles in euch hineingestopft habt.

Strategien sind möglich, aber…

Mir persönlich gefällt die Idee von Jagged Alliance: Rage! sehr gut. Verfehlt ein Schuss sein Ziel, kann es trotzdem sein, dass das Projektil etwas trifft. Genauso gibt es hohes Gras, in dem ihr euch auf den Bauch legen könnt oder euch hinknien dürft. Dazu kommt, dass ihr lautlose Kills ausführt, wenn ihr euch erfolgreich angeschlichen habt. Das einzige Problem hierbei ist, dass auch die Feinde über das gleiche Arsenal an Optionen verfügen.

Chancengleichheit herrscht so gut wie nie in Jagged Alliance: Rage!, und ihr erwischt euch dabei, sehr oft zwischenzuspeichern. Oft bewirkt eine Fehlentscheidung den Verlust einer ganzen Schlacht, und nichts ist frustrierender, wegen eines falschen Schritts plötzlich von sechs oder sieben Gegnern umringt zu sein. Dabei sind eure Charaktere keine SuperheldInnen – auch sie können nach drei bis vier Treffern das Zeitliche segnen…

Augen zu und durch

All die vorher angesprochenen Mechanismen kreieren einen wundervollen Mix. Schlagt ihr lieber ein Lager auf, um eure Figuren zu heilen, oder schleicht ihr euch an der nächsten Patrouille vorbei? Anfangs sind eure Möglichkeiten schwer begrenzt und die Schwierigkeit von Jagged Alliance: Rage! ist hoch, erst mit der Zeit, wenn ihr mehrere Charaktere und Waffen freischaltet, rutscht die Taktik und somit auch der Frust in den HIntergrund.

Während Jagged Alliance: Rage! später leichter wird, so fällt euch auch die repetitive Natur des Spiels erst später auf. Ihr tötet, ihr heimst Gegenstände ein, ihr heilt euch (wenn nötig). Entweder werdet ihr beim Zelten überrascht, oder ihr kommt in die nächste Stage. Diese Gameplayschleife hält dann nur noch die Hardcore-Fans bei der Stange, was in Verbindung mit dem doch kniffligen Einstieg den Reiz für neue SpielerInnen sehr in Grenzen hält.

Die Technik hinter Jagged Alliance: Rage!

Der Einstieg in Jagged Alliance: Rage! gibt euch einen guten Überblick darüber, was euch in den nächsten Stunden erwartet. Die Optik erinnert gemeinsam mit den kantigen Animationen eher an einen Switch-Titel, und die Umgebungen sind auch nur teilweise gut gelungen. Der Sound ist nicht besonders angenehm gemischt, zudem wiederholen sich die Sprachsamples schnell – das fällt euch schon in der ersten Spielstunde auf. Das geht bestimmt besser.

Was euch aber tatsächlich in Rage bringen kann, ist die Steuerung des Titels. Anders als Divinity: Original Sin 2 und dessen Vorgänger spielt sich Jagged Alliance: Rage! ausschließlich in rundenbasierter Form ab, also auch zwischen den Kämpfen. Das ist unnötig umständlich und langwierig. Darüber hinaus scheinen die negativen Statuseffekte immer euch zu betreffen und niemals die Feinde – Survival ja, aber so ist es nicht recht motivierend.

Fazit zum Spiel: Vielleicht etwas für Hardcore-Fans

Wer Jagged Alliance samt Nachfolger geliebt hat und mit Schrecken feststellen musste, was alles danach mit der Serie versucht wurde, muss sich warm anziehen. Einerseits feiert man ein Wiedersehen mit einigen Charakteren aus Jagged Alliance, andererseits sind diese Figuren nur ein schwacher Abklatsch der Charaktere von damals. Dazu kommen viele Ladezeiten, die den ohnehin schon kaum fließenden Spielfluss weiter stören.

Für den Preis von 20 Euro ist Jagged Alliance: Rage! in Ordnung, nicht mehr und nicht weniger. Es ist gut, mal einen nicht weichgespülten Titel zu spielen und auch wirklich scheitern zu können. Meiner Meinung nach geht dieses Game aber zu weit – meine Prognose ist, dass das Spiel am Anfang am schwierigsten ist und deswegen auch gleich zu Beginn die meisten Interessierten abspringen werden. Schade – doch vielleicht lernen Cliffhanger Productions und THQ Nordic daraus?

Wertung: 6.0 Pixel

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Schorsch Hellraiser

Hab gar nicht glauben können dass es den Titel für die Ps4 gibt deswegen gesehen und gekauft. Ich war sehr skeptisch ob das was wird und ich muss sagen „mir gefällts“. Es hat definitiv seine Fehler und vor allem das die Runden weiter gehen auch wenn die Kämpfe vorbei sind find ich schräg und lässt mich fragen ob das die Entwickler mal selbst gespielt haben, die Art der Grafik gefällt mir auch nicht sonderlich und die Kommentare der Söldner sind auch ziemlich zäh, vor allem wenn man weiss dass die Dialoge im Zweiten Teil direkt witzig waren, wenns jetzt jemand… Read more »

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