Huawei Mate 30 Pro Test: Starke Hardware, starkes Paket

von Mandi 29.02.2020

Mit dem Huawei Mate 30 Pro geht der chinesische Konzern einen großen Schritt. Was euch mit diesem Kraftpaket erwartet, lest ihr im Review!

Kein Google? Kein Problem!

Huaweis Smartphone ist das erste in Österreich, das standardmäßig ganz ohne Google Services auskommt. Das heißt, wenn ihr das Mate 30 Pro als neues Handy konfiguriert, sich keine Spur von Google-Diensten darauf befindet. Das ist eine Konsequenz aus politischen Entscheidungen, die schon 2019 getroffen wurden und nach wie vor über dem Konzern schwelen. Sei’s drum, meinte Huawei, und schwenkt nun in Richtung geschlossenes System. Anstelle dem Google Play Store gibt es nun Huaweis AppGallery, in der sich schon einige wichtige Apps tummeln.

Wenn ihr also ein Smartphone für die tägliche Nutzung wie SMS, Telefonie und Fotografie sucht, steht das Huawei Mate 30 Pro seiner Konkurrenz in nichts nach. Ihr müsst euch um nichts kümmern, und könnt das Gerät wie jedes andere auch nutzen! Anstatt bei diversesten Google Services meldet ihr euch dann eben mit einem Huawei-Konto an. Gemeinsam mit Hardware wie etwa der Huawei Watch GT 2 könnt ihr sämtliche Dienste nutzen, ohne dass euch der Branchenriese jemals wirklich fehlt. Doch manche NutzerInnen wollen einen Workaround.

Was tun, wenn ich mehr will?

Wenn ihr ein Mate 30 Pro in den Händen haltet und gleichzeitig aber auch euer altes Smartphone in der Nähe habt, könnt ihr dank der Phone Clone-App von Huawei fast alle Apps auf simpelstem Weg übertragen. Spiele, Geekbench-Apps, fast alles findet so binnen wenigen Minuten seinen Weg auf euer neues Smartphone. Der Prozess ist kinderleicht, ihr müsst nur den Anweisungen von der App folgen. So gibt es nach wie vor keinen Google Play Store, aber eure Apps sind auf eurem Smartphone untergebracht.

Wollt ihr aber Zugang zum Play Store oder zu den Google-Diensten, so ist das ebenfalls möglich. Diesen Schritt solltet ihr bestmöglich dann entscheiden, bevor ihr das Huawei Mate 30 Pro einrichtet, ansonsten müsst ihr es einfach zurücksetzen. Eine Datensicherung schadet ohnehin nie! Der Huawei-Blog erklärt dann in einer Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie ihr die Google Services standardmäßig auf euer neues Smartphone bringt. Dieser Prozess dauert zwar ein wenig länger, sorgt aber dafür, dass sich das Gerät absolut nicht von der Konkurrenz unterscheidet.

Das Auspacken des Huawei Mate 30 Pro

Die edle Form des Smartphones von vorne wird ausschließlich vom massiven Display dominiert. An beiden Kanten ist der Bildschirm gebogen, was sich einerseits toll anfühlt und andererseits gewisse Steuerungen wie etwa Lautstärke oder Shutter-Button in der Kamera-App beherbergt. Das beidseitig gebogene Glas ist ein Statement, und der Homescreen fließt sozusagen über die Kanten. Wenn man das Mate 30 Pro zum ersten Mal im eingeschalteten Zustand sieht, sorgt das für einen gewissen Wow-Effekt.

An der Rückseite scheiden sich die Geister: Mir persönlich gefällt die überdimensionierte Kamera, die gar nicht erst versucht, sich zu verstecken. Die fühlbare Erhöhung (ähnlich wie beim OnePlus 7T) ist ein klarer Trend und gibt den Sensoren all jenen Platz, den sie nun mal benötigen. Das Mate 30 Pro liegt auf jeden Fall hervorragend in der Hand und überzeugt mit der Haptik. Sowohl der Vibrationsmotor als auch das Display fallen angenehm auf, und das schon bei der erstmaligen Inbetriebnahme.

Über die AppGallery

Mit dem Huawei Mate 30 Pro kommt auf jeden Fall die Huawei-eigene AppGallery in eure Hände. Die Idee dahinter ist, dass man den Millionen von Apps im Play Store, von denen mehr als die Hälfte von den eigenen Entwicklerteams vernachlässigt werden, den Rücken kehrt. Dafür gibt man lokalen EntwicklerInnen die Chance, in dieser Galerie einen begehrten Platz im Schaufenster zu ergattern. Denn: Je mehr NutzerInnen die eigene App sehen, umso eher laden sie diese herunter. Der Ansatz funktioniert gut, und das Angebot wächst stetig.

Abgesehen von der Namensgebung findet ihr auch in der AppGallery sämtliche Features, die ihr im bislang gewohnten Play Store hattet. Manche Apps werden gleich beim Startbildschirm vorgestellt, einige Kategorien werden hervorgehoben, und ihr könnt rasch in eine Suche einsteigen, um die betreffende App herunterzuladen. Der automatische Update-Prozess ist klarerweise genauso mit von der Partie wie eine Liste eurer bereits installierten Apps – Huawei hat hier an alles gedacht.

In der Praxis

Gleich vorweg: Da es keine vorinstallierten Google-Apps gibt, habt ihr niemals das Problem, euch beim Ansehen von Medien zwischen Apps entscheiden zu müssen. Das ist in der Android-Welt nach wie vor die Seltenheit und fällt angenehm auf. Die Leistung durch den neuen Huawei-Prozessor sorgt dafür, dass jedwede Art der Interaktion äußerst flüssig abläuft. Wartezeiten gibt es so gut wie keine, der Huawei-eigene Skin kann zudem durch seine Übersichtlichkeit überzeugen. Die Wärmeentwicklung bei hohem Nutzungsanspruch ist zwar hoch, spielt sich aber eher im Bereich des Kameramoduls ab. Unangenehm wird es so schnell nicht.

Datenblatt-Fans fällt auf, dass das Display durch die Krümmung weniger Bildpunkte bietet und daher die Pixeldichte leicht gesunken ist. Dies fällt aber absolut nicht auf: Inhalte werden dank dem tollen Display ideal wiedergegeben. Die Farben sind knackig, scharf scheint auch alles zu sein – hier gibt es absolut nichts zu meckern. Sowohl die exakt funktionierende Ortung, die gute Sprachqualität beim Telefonieren und die Schnellladefunktion sorgen dafür, dass beim Huawei Mate 30 Pro so gut wie niemand zu kurz kommt. Um 1099 Euro ist das auch zu erwarten, aber jedes Kriterium wird von diesem Smartphone fast übererfüllt.

Zusätze und Spielereien

Unter dem Punkt Bedienungshilfen und „Verknüpfungen und Gesten“ dürft ihr dank Huawei eure Fingerknöchel einsetzen. Das ist kein Scherz: Wenn ihr beispielsweise mit einem Fingerknöchel zweimal auf den Screen klopft, erstellt ihr einen Screenshot. Wiederholt ihr diese Geste mit zwei Fingern, startet ihr eine Bildschirmaufnahme – das Video nimmt auch Gesagtes über das integrierte Mikrofon auf. Während die allermeisten Funktionen sehr gut und rasch ihren Dienst tun, sind die sogenannten „berührungslosen Gesten“ eher als Gimmick anzusehen.

Ein integrierter Gestensensor soll nämlich eure Hand 20-40 cm vor dem Bildschirm erkennen und auf euren Befehl beispielsweise Webseiten nach oben oder unten scrollen lassen. Das Tutorial hat funktioniert, die Normalnutzung dann eigentlich gar nicht. Weiters erkennt die Kamera über dem Display eure Augenstellung und dreht daher den Bildschirminhalt nicht automatisch, wenn ihr seitlich auf der Couch liegt. Mit dem Huawei Mate 30 Pro lassen sich übrigens andere Geräte aufladen, wenn sie Wireless Charging unterstützen – und das ziemlich flott! Huawei gibt an, dass dieser Vorgang etwa dreimal so schnell ist wie bei bisherigen Smartphones.

Die Kameras des Smartphones: Stark

Hinten erwarten euch zwei Kameras mit jeweils 40 Megapixeln Auflösung. Das Mate 30 Pro macht damit sehr gute Aufnahmen, wenn die KI weiß, worauf sie sich fokussieren soll, gehören die Fotos mitunter zu den besten der Smartphone-Kategorie. Nur bei der Helligkeit und Farbtreue werden minimale Abstriche gemacht, das sieht man aber nur im Direktvergleich. 4K-Videos sind mit 60 Bildern pro Sekunde möglich, doch nun wird sich verstärkt auch auf Bewegtbilder konzentriert. Eine Superzeitlupe mit 7680 Bildern pro Sekunde ist daher ebenfalls mit von der Partie – mit ihr dürft ihr Videos entweder ein Viertel so schnell ablaufen lassen oder bis zu 1/64 so schnell!

Generell gilt: Sofern euer Motiv gut beleuchtet ist, entstehen hier nach ein oder zwei Versuchen grandiose Resultate. Auf der Displaywölbung links oder rechts dürft ihr nicht nur die Lautstärkeregelung, sondern auch den Auslöser für die Kamera platzieren, wo ihr wollt. Dies erfordert zwar etwas Eingewöhnung, funktioniert aber richtig gut – wenn das Huawei Mate 30 Pro euer erstes Smartphone mit gewölbtem Bildschirm ist, müsst ihr euch ein wenig auf unbeabsichtigte Berührungen an den Kanten einstellen. Bevor wir nun zum abschließenden Fazit kommen, hier noch für Interessierte, welche Hardware in diesem Smartphone überhaupt verbaut ist!

Die Technik im Mate 30 Pro

Der hauseigene Kirin 990-Achtkernprozessor macht kurzen Prozess mit langen Wartezeiten. Etwa 20 Prozent mehr Leistung beziehungsweise etwa 20 Prozent weniger Stromverbrauch lässt Rechenaufgaben wie Spielerei für das Huawei Mate 30 Pro wirken. Dass die GPU-Leistung um 40 % steigt oder um fast ein Viertel weniger Strom braucht, hilft dem Gesamtpaket immens. 8 GB Arbeitsspeicher und 256 GB Speicherplatz stehen euch zur Verfügung. Die zwei Hauptkameras lösen mit jeweils 40 Megapixel auf, dazu kommen eine 8 MP-Telekamera und ein ToF-Tiefensensor. Die Selfie-Kamera schießt Bilder mit 32 Megapixel Auflösung.

Die Abmessungen betragen 158,1 x 73,1 x 8,8 Millimeter bei 198 Gramm Eigengewicht, und das 6,53 Zoll große Display löst mit 2400 x 1176 Pixeln auf. Ein Schutz nach IP68 bedeutet, dass das Smartphone vor Spritzern, Wasser und Staub geschützt ist. Der Akku fasst 4.500 mAh, und als Software wird das lizenzfreie Android 10 verwendet. Zudem stülpt Huawei noch den hauseigenen EMUI10-Skin darüber, was euch als AnwenderIn ein paar Anpassungen und Abkürzungen präsentiert. Doch viel wichtiger als die gesamte starke Hardware ist, wie sich das Gerät in euren Alltag integrieren kann. In meinen passte das Mate 30 Pro perfekt.

Ein mutiger Schritt in neue Zeiten

Egal, ob EinsteigerInnen oder ExpertInnen, das Huawei Mate 30 Pro bietet für alle etwas. Die Abkehr von den Google Services wird von manchen Medien viel zu stark gewichtet – dank der Phone Clone-App und der relativ einfachen Möglichkeit, die Google Services selbst nachzuinstallieren, haben EndnutzerInnen keinen nennenswerten Nachteil. Im Gegenteil: Die immens starke Hardware an sämtlichen Fronten führt dazu, dass Huawei mit dem Mate 30 Pro die Latte beachtlich hoch legt. Das Design, das Display, die Leistung und die Kameras sprechen alle für sich. Huawei setzt hier bewusst einen Schritt und gibt euch massiv Power in die Hand.

Kritikpunkte gibt es schon, aber sie sind allesamt Geschmackssache. Das riesige Kameramodul hinten, das beidseitig gebogene Display, der Huawei-eigene Skin über Android: Sie sind allesamt Eigenschaften des Mate 30 Pro, aber nicht jeder kommt damit zurecht. Die Preisgestaltung des Huawei-Smartphones beginnt ab 1099 Euro – zwar relativiert sich der Preis durch die gebotene Hardware, absolut gesehen ist es aber dennoch eine Menge Geld für ein Smartphone. Auf jeden Fall ist das Mate 30 Pro mit seinem Display und seinem Gesamtpaket ein Erlebnis, das Interessierte zumindest ausprobieren sollten!

Wertung: 9.0 Pixel

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