Halloween Special – Davids gruseligster Videospielmoment 2015

von David Kolb 31.10.2015

Heute ist es wieder soweit, es ist der 31. Oktober und damit steht Halloween unmittelbar bevor. Allerdings werden on All Hallows‘ Eve, dem Vorabend von Allerheiligen, schon lange keine bösen Geister mehr vertrieben. Vielmehr steht dieser „Feiertag“ gänzlich im Zeichen von Kindern, die nach Süßigkeiten fragen, ausgehöhlten Kürbisfratzen und popkulturellem Horror. Und auch, wenn das dem einen oder anderen etwas oberflächlich vorkommen mag, strahlt dieser Tag für mich etwas ganz Besonderes aus, weshalb auch auf BeyondPixels.at der obligatorische Halloween-Beitrag nicht fehlen darf (siehe letztes Jahr).

Bitte nicht noch ein Jump Scare!!!

Letztes Jahr um diese Zeit fand sogar bei den großen Entwicklerstudios ein Umdenken statt, denn mit Alien: Isolation und The Evil Within erschienen zwei Spiele, die das Horror-Survival Genre aufleben ließen und sich der reinen Actionmechaniken entledigten. Bis jetzt, d.h. bis Ende Oktober 2015 hat sich einiges getan, weshalb ich meinen grusligsten Videospiel-Moment 2015 mit euch teilen möchte. Nun bin ich aber ein Schisser, der Titel wie SOMA gar nicht gespielt hat. Dafür bin ich aber in den Genuss von Mainstreamtiteln wie z.B. Until Dawn gekommen, das mir viel Nerven gekostet hat (bitte, bitte stirb jetzt nicht!!!) und mich nach der letzten Szene, in der mein Lieblingscharakter gestorben war, deprimiert zurückgelassen hat. Da mag es umso überraschender wirken, dass mein gruseligster Spielemoment 2015 in Bloodborne passiert ist!

Jetzt werden sich viele zu Recht sagen, dass Bloodborne wenig bis gar keinen Horror anwendet, mit der Stadt Yharnam und seinen infizierten Bewohnern, setzt das Spiel jedoch einen düsteren Grundtenor. Wer von Bloodborne weder etwas gehört, noch gelesen hat, findet hier unseren Test dazu (http://www.beyondpixels.at/bloodborne-ps4-im-test/).

Hinweis: Ab hier wird ein kleiner Ausschnitt aus Bloodborne geSPOILERT

Verschleppt

Das Bloodborne über unzählige, coole Geheimnisse verfügt, hat das Spiel spätestens mit dem versteckten Areal, dem verlassenen Schloss Cainhurst bewiesen. Zudem sei auch gesagt, dass durch die Spielmechanik von Bloodborne der Tod ein ständiger Begleiter ist und man immer mit der Angst lebt alle Blutechos (Währung des Spiels) zu verlieren, die man gerade mit sich trägt. Besonders die vielen Fallen und Gegner, denen man sich stellen muss, schüren diese Angst. Nachdem man aber den undankbaren Anfang von Bloodborne überstanden hat und weitere 15 Stunden draufgelegt hat, entwickelt man so ein wenig das Gefühl, dass man schon alles gesehen hat und da nicht mehr viel Überraschendes kommen kann. Weit gefehlt!!! Ich war gerade auf der Suche nach einem neuen Gebiet in der Nähe von Alt Yharnam – ich spiele Bloodborne ohne Komplettlösung – und nehme Grinde-technisch jeden Gegner am Weg mit, der nicht bei drei auf den Bäumen ist. Nachdem ich bei besagtem Ort schon x-mal vorbei gekommen bin, starte ich meine Routine. Hinter dem Karren ist ein verdeckter Gegner, zwei gekonnte Hiebe später ist dieser Geschichte. Danach noch hinten ins Eck und die missgestalteten Vögel zur Strecke bringen. Doch da sind keine Vögel mehr zu sehen, stattdessen steht da eine sehr dünne und große Figur, die einer Mischung aus einem Obdachlosen und einem Nazgûl gleicht.

Unbeirrt setze ich zum Schlag an, die Kreatur weicht mit einer Gewandtheit aus, die man ihr aufgrund ihres Körperbaus nicht zutrauen würde, und schlägt meinen Jäger mit bloßen Fäusten tot! Als letzte Todessequenz vor dem Sie-Sind-Gestorben-Screen (ja danke, ich weiß …), sehe ich noch verdutzt zu, wie die Kreatur einen schwarzen, blutüberströmten Beutel hervor holt und den leblosen Leichnam meines Jägers einsackt und mitnimmt.

Mit großem Entsetzen wache ich nicht bei der letzten Laterne (letzter Spawnpunkt) auf, sondern befinde mich in einem Gefängnis, eingesperrt mit vielen Leichen. Von da an war mir nichts mehr geheuer und in Kombination mit der Spielmechanik des ständigen Sterbens und der damit verbundenen Verlustangst, war mir die Furcht ins Gesicht geschrieben. Mittlerweile enorm angespannt, laufe ich durch den ersten Gang, und fast schon selbstverständlich steht hinter mir eine Leiche auf und drischt auf mich ein, was erneut zu einem Schockmoment, ja quasi Jump Scare, führt. Gerade noch so überlebe ich den Kampf und bekomme einen Vorgeschmack, was mich hier noch erwarten dürfte. Kurze Zeit später finde ich noch diesen Hinweis: „Verrückte quälen sich in heimlichen Ritualen, um den Mond anzurufen. Decke ihre Geheimnisse auf!“

SPOILER Ende

Während mein Verstand noch versucht sich auszumalen, welche schrecklichen Dinge mit „heimlichen Ritualen“ gemeint sind, vernehme ich ein sehr entferntes Wimmern. Es ist die Stimme einer Frau, die kniend und zitternd vor mir sitzt und so verstört ist, dass sie kein Wort mir gegenüber herausbringt. Wie ich schon vorher geschrieben habe, ist Bloodborne kein klassisches Horror-Spiel. Es schafft allerdings passiv Dinge zu erzählen, die man sich dann per Kopfkino selbst weiter spinnt, was zu sehr intensiven und spannenden Momenten führen kann. Wie dem auch sei, ein paar Gänge und Treppen später höre ich ein stapfen und tatsächlich, zwei dieser knorrigen Gestalten mit Sack (sie heißen passenderweise Snatcher) bewegen sich langsam, aber bestimmt auf mich zu. Auch diesen Kampf überlebe ich nur äußerst knapp und erneut höre ich eine nicht ortbare Stimme. Diesmal aber die Stimme eines weinenden Kindes, was begleitet wird mit folgender Notiz: „Albtraumhafte Rituale sehnen sich nach dem Kind des Blutes. Finde das Kind und beende sein grauenvolles Weinen“

Diese Szenerie war für mich kaum erträglich und die Ahnungslosigkeit, die Bloodborne in diesem Moment vermittelt, machten den Abschnitt für mich nicht leichter. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreiche ich Angstschweiß gebadet dann doch noch den Ausgang – es ist Nacht geworden! Ein orchestraler Soundtrack beginnt zu spielen, ein riesiger Mond steht am Himmel, der den Kreisrundenplatz vor mir erhellt und wieder hört man Schritte! Und dann – höre ich auf zu erzählen, denn dieses Gänsehaut-Feeling solltet ihr selbst erleben und gespielt haben!

Bloodborne beweist damit eindeutig, dass es nicht immer Splatter-Szenen, mit viel Blut und verstümmelten Körperteilen, sein müssen, um gute Horrorszenen zu durchleben. In diesem Fall ist es viel mehr die passive Erzählart, die bewusst Andeutungen macht, mich aber zu einem Großteil (wie übrigens das gesamte Spiel) im Dunkeln über die Geschehnisse lässt. Deshalb für mich atmosphärisch, wie auch gruseltechnisch einer der ganz großen Momente dieses Jahres.