Fire Emblem Warriors (Switch) im Test

von postbrawler 18.10.2017

Hyrule Warriors machte mich einst mit dem mir bis dato unbekannten „Warriors“-Spielprinzip vertraut und nutzte als Anreiz dafür die Spielfiguren aus der von mir sehr geliebten Zelda-Reihe. Bei meinem nunmehrigen Test von Fire Emblem Warriors aus dem Hause Koei Tecmo erging es mir genau umgekehrt. Ich war zwar bereits mit dem Gegrinde unüberschaubarer Monstermassen aus der Warriors-Reihe vertraut, nicht jedoch mit der Marke Fire Emblem. Und das, obwohl diese unter Fans des strategischen Rollenspiels seit den frühen 90er Jahren hohes Ansehen genießt. Man möge mir also verzeihen, wenn ich diesmal nicht so sehr darauf einzugehen vermag, wie gut das Fire Emblem-Feeling in diesem Cross-over Titel eingefangen wurde. Stattdessen möchte ich beurteilen, wie gut das Hack `n Slash-Spielprinzip, welches die Warriors-Spiele auszeichnet, auf die portable Hardware der Switch übertragen wurde, und ob es mir diesmal mehr Spaß macht, als mein Ausflug nach Hyrule.

Fire Emblem Warriors

Jede Menge Spielfiguren

In Fire Emblem Warriors schlüpft ihr in die Rolle verschiedener mehr oder weniger bekannter Spielfiguren aus 16 Titel umfassenden Fire Emblem-Reihe. In die Hauptrollen schlüpfen die adeligen Zwillinge Rowan und Lianna, die bei der Flucht aus ihrem von Monstern überrannten Königreich mitansehen müssen, wie ihre geliebte Mutter und Königin von einem einstürzenden Felsen getötet wird. Begleitet werden die beiden vom dem Ritter Darios, und später stoßen noch weitere BegleiterInnen wie Chrom, Lissa und Frederick dazu. Viele der Charaktere kennt man Bereits aus Fire Emblem: Awakening und anderen Serienteilen.

Das Spiel mit dem Feuer

Als letztes Andenken an ihre Mutter erhalten die beiden Kinder ein Schild, dass sich später als das legendäre Flammenschild entpuppt, mit dessen Hilfe und 5 Stück des Minerals Pyroxen sich ein mächtiger Chaosdrache namens Velezark bändigen lässt. Er soll für den Einmarsch der Dämonen im Königreich verantwortlich sein. Alsdann macht sich die schlagfertige Truppe auf, um die benötigten Bestandteile des namengebenden Feuer-Emblems zusammenzutragen, den Tod ihrer Mutter zu rächen und den Frieden wiederherzustellen.

Das Spielprinzip

Fire Emblem Warriors

Während es in der Fire Emblem-Reihe bis dato Usus war, die eigenen Spielfiguren rundenweise über Schachbrettförmige Schlachtfelder zu schieben, ist der Warriors-Ansatz für viele Fans der Reihe vermutlich erstmal ein Kulturschock. Als Einmann- respektive Einfrau-Armee pflügt ihr in Fire Emblem Warriors durch endlose Horden generischer (und gegnerischer) SoldatInnen, und erkämpft auf diese Weise strategische Punkte auf einer überschaubaren Karte, aus denen fortan eigene KI-BegleiterInnen strömen. Ziel einer Runde ist es meist, die ganze Karte von feindlichen Stützpunkten zu befreien, und so die Map zu dominieren. Es gibt aber auch etwas gewitztere Missionen, in denen ein bestimmtes Gebiet erreicht, eine GefährtIn eskortiert oder ein Miniboss bezwungen werden will. Der Weg zum Ziel bleibt aber immer der gleiche: Tötet so viele GegnerInnen, wie möglich.

Verschiedene Spielweisen

Zu Beginn des Story-Modus in Fire Emblem Warriors entscheidet man sich für eine der beiden Geschwister als Hauptfigur, und wählt einen von drei Schwierigkeitsgraden. Anschließend könnt ihr entscheiden, ob besiegte Verbündete nach einer Schlacht wieder auferstehen, oder für immer in den ewigen Jagtgründen verweilen sollen – eine Art Hardcore-Modus, mit dem ein Speicherstand auch aussichtslos verloren werden kann. Zu guter Letzt führt die Entscheidung für langsamen, oder schnellen Spielfluss dazu, dass ihr entweder alle Texte zu lesen bekommt, die das Spiel so auf Lager hat (und das sind viele), oder ob ihr es lieber kampfbetont vorzieht. Wenn ihr den einfachsten, und kriegerischen Weg wählt, verkommt Fire Emblem Warriors zum hirnlosen Button-Masher, also traut euch ruhig ein wenig zu und fordert euer Glück heraus!

Vorsicht, Anime-Alarm!

Gleich zu Beginn begrüßt euch das Spiel mit einer schicken Cutscene. Diese ist, anders als noch in Hyrule Warriors voll vertont und ansehnlich choreografiert. Alle gesprochenen Texte sind Englisch, und wurden mit deutschen Untertiteln versehen. Der Erzählstil von Fire Emblem Warriors ist der eines typischen fernöstlichen Anime-Films. Wer wie ich darauf mit gelegentlichen Fremdschäm/Panikattacken reagiert, kann die Cutscenes dankenswerterweise auch mit der +-Taste überspringen. Danach geht’s auch gleich los auf die erste Map. Dort treiben sich neben polygonarmen roten Monstern auch gesichtslose Soldatenverbände umher. Etwas verwundert stelle ich fest, dass es in Fire Emblem offensichtlich zum guten Ton gehört, nicht nur das eigentliche Übel, sondern bei der Gelegenheit auch gleich ein paar der eigenen Untertanen zu vermöbeln. Ging es in Hyrule Warriors im Wesentlichen noch Bokoblins und Fledermäusen an den Kragen, scheint der Zorn des juvenilen Geschwisterpaares hier deutlich weniger zielgerichtet zu sein.

Nette Details am Rande

Spielfiguren werden mit 16-bit Sprites aus früheren Spielen dargestellt

Geschmeidig schnetzeln wir uns also den Weg durch Freund und Feind, während die Spielfiguren den unmittelbaren Tod ihrer Mutter scheinbar bereits überwunden haben, und das Geschehen mit flott-kecken Sprüchen kommentieren. An der rechten oberen Bildschirmecke findet sich eine Minimap, die bereits eingenommene Gebiete blau, und feindlich besetzte rot einfärbt. Es dauert ein wenig, bis man sich angewöhnt hat seine Augen vorwiegend auf die Ziele der Minimap gerichtet zu halten, und das Geschehen am Schlachtfeld nur mehr aus dem Augenwinkel betrachtet. Spielfiguren werden auf der Karte übrigens mit ihren 16-bit Sprites aus früheren Spielen dargestellt – eine sehr nette Idee.

Schere, Stein, Papier

Weitere Anleihen aus der Spielvorlage übernimmt Fire Emblem Warriors bei den Waffengattungen. Das bekannte Dreieck aus Schwertern, Äxten und Lanzen kommt hier, zumindest in abgespecktem Maße, zu tragen. So ist es effektiver, gegen SpeerträgerInnen mit einer Axt vorzugehen, während AxtkämpferInnen wiederum anfälliger auf Schwerthiebe sind, und so weiter. Um der gegnerischen Bewaffnung bestmöglich begegnen zu können, muss man mit dem D-Pad zwischen verschiedenen Spielfiguren hin- und herwechseln. Die einzelnen HeldInnen spielen sich einigermaßen abwechslungsreich. So gibt es auch berittene Figuren wie Frederick, der sich schnell über das Schlachtfeld bewegen kann, und mit seiner Lanze eine hohe Schlagdistanz hat. Lissa andererseits führt eine schwere Zweihandaxt ins Feld, die GegnerInnen rasch zu Kleinholz verarbeitet.

Zwischen den Arenen können die Charaktere Levelstufen erreichen, und bessere Waffen ausrüsten, die sich am Schlachtfeld finden, oder in einer Schmiede aus geplünderten Teilen herstellen lassen. Auch Fertigkeitspunkte können vergeben werden, sofern dies nicht im Zuge der Spieleröffnung auf „Auto“ gestellt wurde. Der Rollenspiel-Part ist aber zugunsten der Action klar eingedampft, und kann auch vollends automatisiert werden.

Präsentation

Grafisch ist Fire Emblem Warriors ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sehen die Cutscenes, Charaktere und Kampfchoreografien wirklich schick aus. Arenen und Monster hingegen wirken größtenteils lieblos, wenig abwechslungsreich und detailarm. Die Fußsoldaten, welche man in den ersten 5 Akten abschlachtet sich immer dieselben, teils nur anders eingefärbten Dummies. Das ist wahrscheinlich auch dem Umstand geschuldet, dass Fire Emblem Warriors selbst bei hohem Gegneraufkommen in illustrem Full HD bei konstanten 60 Frames pro Sekunde läuft. Auch Effekte wie Kantenglättung und Tiefenunschärfe finden ihren Weg ins Spiel. Das ist mal eine Ansage, die Fire Emblem Warriors deutlich attraktiver macht, als seinerzeit Hyrule Warriors auf der Wii U. Beim Sound bleibt Koei Kecmo leider der hektischen Tecno-Verwurschtung des Fire Emblem Scores treu, was mich persönlich bereits bei früheren Warriors-Spielen tierisch genervt hat.

Fazit zu Fire Emblem Warriors

Man muss schon ein waschechter Fan sein, um das repetitive, detailarme und beinahe stupide Gegrinde der Warriors-Reihe zu mögen. Meine Befürchtung ist, dass die Schnittmenge der Menschen, die Fire Emblem wegen des taktischen und rundenbasierten Tiefgangs verehren, verschwindend gering ist. Andererseits ist Fire Emblem Warriors eine echte Verbesserung zu früheren Serienteilen. Sehenswerte Grafik, vollvertonte Dialoge und zahlreiche Anleihen der Originalserie machen diesen Warriors-Vertreter spielbarer, als viele der Vorgänger. Die Switch-Adaption ist technisch durchwegs gelungen, und macht auch im Handheld-Mode grafisch einiges her. Bei mir konnte der Funken dennoch nicht so wirklich überspringen, da ich außerdem ein Verächter der japanischen Erzählweise bin. Wer Warriors-Spiele grundsätzlich mag, und auch dem stereotypen Fantasy-Setting eines Fire Emblem etwas abgewinnen kann, darf sich auf ein paar wunde Finger und abgenutzte JoyCon gefasst machen.

 

Wertung: 6.4 Pixel

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