Alien: Covenant Kinokritik – Dumm und Dümmer im Weltall

von postbrawler 25.05.2017

Ridley Scott ist ein Großmeister seiner Zunft. Mit Filmen wie Blade Runner, Alien und Gladiator hat sich der Brite ein überlebensgroßes Denkmal gesetzt. Prometheus allerdings stieß Fans der Alien-Saga sauer auf, weil der Film seinen Survival-Horror Wurzeln zugunsten der philosophischen Frage nach dem Menschsein größtenteils abschwor. Mit Alien: Covenant gelobt Scott Besserung, und will die als Trilogie geplanten Alien-Prequels wieder näher an der Vorlage ausrichten. Ob ihm das gelungen ist, lest ihr in meiner Kinokritik.

Alien: Covenant

Planlos im Weltall

Nur zwei Dinge sind unendlich: Das Weltall und die Dummheit der Menschen…

Da die WissenschaftlerInnen der Prometheus-Mission weitestgehend ihrer eigenen Dummheit und Sorglosigkeit zum Opfer fielen, haben sich die SchreiberInnen von Covenant etwas Besonderes einfallen lassen: Die Crew der Covenant besteht aus KolonistInnen, die fremde Welt Origae-6 besiedeln sollen. Völlig klar also, dass die Menschen in diesem Film noch viel dümmer und sorgloser zu Werke gehen, als ihre gebildeten VorgängerInnen. Helme und Schutzanzüge auf fremden Planetenoberflächen tragen? Völlig überbewertet! Was tun mit einem offensichtlich infizierten Crewmitglied? Am besten zurück aufs Mutterschiff bringen, wo 2000 weitere KolonistInnen nichtsahnend im Cryoschlaf schlummern. Zum Glück schlüpfen aus unbedarften Menschen offensichtlich auch geistig minderbemittelte Aliens. Doch dazu später mehr.

Fahrt ins Ungewisse

Für den ersten innerlichen Facepalm sorgt Covenant, als die Crew kurzerhand das Ziel der Reise ändert, um auf einem Zu-gut-um-wahr-zu-sein-Planeten zu landen, der im wahrsten Sinne des Wortes aus heiterem Himmel auftaucht. Alien: Covenant gibt sich gar nicht erst die Mühe zu erklären, warum dieser deutlich erdnähere Planet eigentlich bisher unentdeckt geblieben ist. Kurzer Hand wird ein Expeditionsteam auf die Oberfläche entsandt, um nach Spuren von Zivilisation zu suchen. Im Zuge dessen werden zwei Crewmitglieder mit aggressiven Sporen infiziert, die weiße Aliens, sogenannte Neomorphs in ihnen gedeihen lassen. Als diese Neomorphs in bester Alien-Manier aus ihren Opfern herausbersten, beginnt ein Kampf um Leben und Tod auf der Planetenoberfläche.

Mama, wie wird ein Alien geboren?

Ich fasse mal zusammen: Bis jetzt wurden wir innerhalb von zwei Filmen Zeuge von Infektionen durch Schlangenviecher, schwarzen Schleim, Sex, Sporen und Face-Hugger. Die Resultate reichten von Zersetzung zu Oktopus-Schwangerschaften, über Zombies bis zu explosionsartige Alien-Geburten. Auch Alien: Covenant macht hier keine Ausnahme. Wie und unter welchen Umständen die Infektion zur Geburt eines Aliens führt, unterliegt wohl der freien Willkür. Und als dann, durch eine Fügung des Schicksals, doch noch mal ein klassisches Alien schlüpft, wie wir es kennen und lieben gelernt haben, entpuppt es sich als Schatten seines einstmals gruseligen Selbst. Aus dem gerissenen, lautlosen Jäger der Ur-Alien-Filme sind vorhersehbare, leicht zu besiegende CGI-Trampeltiere geworden.

Alien: Covenant

Ein Blick sagt mehr als tausend Tote (© 2017 Twentieth Century Fox Film Corporation)

In der Tat stellen die namengebenden Aliens im Film die geringste Bedrohung für die Menschen dar. Durch dieselbe Dummheit, mit der die Crewmitglieder reihum in die Infektions-Falle tapsen, lässt sich das finale Biest schlussendlich in eine offensichtliche Falle locken.

Fazit zu Alien: Covenant

…Nur beim Weltall bin ich mir nicht ganz sicher

Selten habe ich einen derart vorhersehbaren Film wie Alien: Covenant erlebt. Nicht mal Michael Fassbender, dem in seiner Androiden-Doppelrolle ein wesentlicher Dreh- und Angelpunkt der Handlung zukommt, weiß wirklich zu überraschen. Diese Überraschungsmomente sind es, die den ersten Alien-Film grandios gemacht haben, und ebendiese fehlen Alien: Covenant schmerzlich. Der Versuch, Hauptfigur Daniels (Katherine Waterston) mit einer klassischen Heldenreise auszustatten, scheitert mangels einer Apotheose. Völlig unvermittelt wird die HeldIn von einer weinerlichen Damsel-in-Distress zur archetypischen Rip-off-ley. Darüber hinaus leidet Alien: Covenant am Spielberg-Trauma.

Sprich, auf ein eigentlich befriedigendes Ende folgt noch eine geschlagene Dreiviertelstunde, die den Film unnötig in die Länge zieht. Und eben dieser Showdown auf der Covenant ist es, der das Alien endgültig entmystifiziert und zur reinen CGI-Deko verkommen lässt. Jeder Versuch Scotts, mit Referenzen auf die Originalfilme wie einem Bewegungssensor von der schwächelnden Handlung abzulenken, scheitert. Alien: Covenant wird wohl als der schlechteste der mittlerweile sechs Alien-Filme in die Geschichte eingehen – Schade!

Wertung: 5.5 Pixel

für Alien: Covenant Kinokritik – Dumm und Dümmer im Weltall
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Stefanus

Da wartet man Jahre darauf, dass es eine Fortsetzung gibt – und dann DAS ! Hat ja mit dem ersten Teil gut angefangen, und man wollte wirklich wissen woher man kommt, oder wer einen erschaffen hat. Und dann kommt so ne Scheiße….nur Gebrüll, die Konstrukteure und Ihre Kultur 15 Sekunden zu sehen, null Antworten – und am besten noch 80 % des Machwerks ( Da man von Film ja nicht mehr sprechen kann ) dann auch noch im allseits gewohnten halbdunkel, dameit auch der letzte noch lebende Idiot eine Fortsetzung drehen kann, weil man ausser hektischem Gezeter sowieso nichts erkennen… Read more »

Martin Rutkowski

Der Film ist schwach, das ist wahr. Aber eben nur eine mittlere Katastrophe. Die Star Wars -Prequels haben zu ihrer Zeit deutlich mehr Schaden angerichtet. An alle, die sich über Filme wie diesen wundern, die Frage: “Was erwartet ihr?” Mit dem Film ist es wie mit der Musik und der Literatur. Alles wurde bereits gesagt. Alles bereits irgendwie thematisiert. Es wird Jahrzehnte dauern, neuen – wirklich neuen Stoff fürs Kino zu finden und zu entwickeln. Dieses peinliche Ausschlachten der Prequels, Sequels und der Gleichen ist aus der Not heraus geboren. Das Kino ist im Grunde tot – zumindest vorübergehend. “Alien… Read more »

qassel

die ganze zeitliene zum letzten alien film stimmt nicht, da in alien vs predator schon in der pyramiede 1000 jahre vor 2004 die predatoren gegen aliens gekämpft haben und david daher nicht ihr schöpfer sein kann

Marc

Hallo.Ich kann mich Bernhard nur anschliessen und das Ganze sogar als ein ‘ Debakel ‘ bezeichnen,denn man bekommt von Anfang an das Gefühl dass dieser Film als billiges Popkorn-Kino enden muss,denn es werden nur Szenen aneinander gereiht und bauen zu keinem Zeitpunkt den Charme einer besonderen Figur auf,was zwingend nötig gewesen wäre bei all diesen schlechten Schauspielern.( ausser Fassbender ! ) aber auch er kann diesen Film nicht retten.Hier muss einer Ridley Scott fürchterlich tadeln für diesen Si-Fi Mist und er sollte in Rente gehen,falls er dieses Schöpfen nachträglich noch gut heisst,denn es scheinen die Zeichen der Zeit sich anzukündigen… Read more »

frostraven

Ich habe den Film gesehen. Als Alien Fan der ersten Stunde muß ich leider auch sagen, das ist kein ScienceFictionHorror. Die beängstigende klaustrophobische Atmosphäre der alten Teile ist nur für einige Sekunden da. Die Oldschool-abgeranzte Technik ist auch nicht mehr da. Das fand ich so toll im Vergleich zB zu StarTrek, daß man sah diese Technik wurde schon jahrelang genutzt und ist nicht blitzeblank.) Das Alien ist wirklich Dumm und nicht ein aus dem Hinterhalt agierender wirklicher Gegner. Von der Wyland-Yutani group habe ich auch nichts gesehen. Keine Horror-Runs, kein Kriechen durch Lüftungsschächte, kein Verstecken. Sehr schade und wie man… Read more »

Magnus

Kann mich dem nur anschließen..leider! Sehr schlechter Film. Hat mit der Faszination der Ur-Filme nichts mehr zu tun. Dumme Crew, eigenartige Aliens, keine einzigartigen Charaktere wie Ripley, etc. Warum Shaw sterben musste verstehe ich auch nicht. Die hatte meiner Meinung das Zeug zur Ripley-Erbin. Sehr schade alles. Hoffe Bloomberg macht es (wenn überhaupt) besser?!

karl

Also
Hier wird wieder mal ein Film völlig zu Unrecht tod gehasst
Schwächen hat er das steht fest
Aber er spielt seine Stärke geschickt aus und dreht das ganze defintiv ins positiv

Schaut ihn euch an lest nicht die Kritiken!
Weil sonst achtet man eh auf alle kleinen fehler…

Dave bui

So enttäuscht von dem film. Alles geht den bach runter. Crew iq50. Vorhersehbar.