Träumen Androiden von elektrischen Schafen? Diese Frage stellte sich nach Philip K. Dick und Ridley Scott nun auch Denis Villeneuve im Sci-Fi-Noir-Sequel Blade Runner 2049. Ich habe mir den dreistündigen Film im Kino angesehen, und bin überzeugt: Die Antwort auf die Frage nach dem Menschsein wurde selten so bildgewaltig und epochal an die Leinwand gebannt. Hier meine Kinokritik.

Blade Runner 2049 Filmkritik

Wie toppt man ein Science-Fiction Meisterwerk?

Villeneuve, seit Arrival ein Garant für packende Science-Fiction Geschichten, hat beileibe kein leichtes Erbe angetreten. Ridley Scotts Blade Runner aus dem Jahre 1982 ist ein Meisterwerk der Filmgeschichte. Er schaffte es Science-Fiction und Film-Noire zu einen bildgewaltigen Kunstwerk zu verschmelzen, und prägte unzählige Filme, die nach ihm kamen. Die Botschaft, die Autor Philip K. Dick mit der eingangs zitierten Romanvorlage schuf, nämlich „Wodurch definiert sich Menschlichkeit?“, ist auch heute zeitgemäß wie eh und je.

Handlung

In Blade Runner 2049 begleiten wir den LAPD-Officer K (Ryan Gosling) durchs Los Angeles des namengebenden Jahres. Als Blade Runner ist es seine Aufgabe auszumusternden ReplikantInnen um die Ecke zu bringen. Anders als der 30 Jahre früher angesiedelte Vorgänger macht das Sequel von Anfang an keinen Hehl daraus, wer Mensch ist, und wer nicht. Natürlich ist in der Zwischenzeit einiges passiert. Ein Blackout hat große Teile des menschlichen Wissens ausradiert, nur handschriftliche Informationen haben überlebt. Dadurch gingen natürlich auch die Listen bekannter ReplikantInnen verloren, was die Arbeit als Blade Runner deutlich erschwert. ReplikantInnen leben nicht mehr als Sklaven der Menschen, sondern führen ein freies Leben, wohnen in muffigen Wohnungen und halten sich Hologramme als Hausfrauen.

Um Leben und Tod

Über Leben und Tod der künstlichen Menschen entscheiden aber immer noch die echten. Als jedoch von einer Replikantin berichtet wird, die ein Kind zur Welt gebracht haben soll, zieht eine Revolution herauf. Die letzte Mauer zwischen künstlichem, und echtem Leben droht zu bröckeln. Auf wessen Seite sich Officer K schlägt, und was der pensionierte Blade Runner Rick Deckard (Harrison Ford) damit zu tun hat, das erfahrt ihr im Kino.

Audiovisuelles Schwergewicht

Visuell ist Blade Runner 2049 eine Augenweide. Die dystopische Zukunftsvision eines gigantischen Los Angeles, in dem es ständig regnet, oder schneit, macht seiner Vorlage alle Ehre. An den verdreckten Fassaden gigantischer Wolkenkratzer prangen leuchtende Reklametafeln. Die Product Placement-Dichte in Blade Runner 2049 sucht ihresgleichen. Es dürfte wohl kein Problem gewesen sein, die Werbetafeln des Films in kürzester Zeit auszuverkaufen. Die Farbstimmung variiert zwischen tristen Grautönen und blendenden Neonfarben. Spannende Action und raue Kämpfe wechseln sich mit ruhigen Passagen ab, die von der grandiosen schauspielerischen Leistung der HauptdarstellerInnen getragen werden. Währenddessen hämmert der orchestrale Soundtrack und die dumpfe Geräuschkulisse die Bilder so tief ins Hirn, dass einem Hören und Sehen vergeht.

Fazit zu Blade Runner 2049

Blade Runner 2049 tritt ein schweres Erbe an, und schafft es, auf voller Länge zu überzeugen. Die Bildsprache und Audiokulisse sind mehr als gelungene Hommagen an den Kultvorgänger. Die dystopische Vision einer gar nicht allzu fernen Zukunft gönnt sich den Trick eines Blackouts als weiße Leinwand, und wirkt trotzdem glaubhaft bedrückend und nachvollziehbar. Die SchauspielerInnen liefern saubere Arbeit ab, und tragen auch die ruhigen Strecken des Films mit Souveränität und Überzeugung. Die zentrale Botschaft liefert diesmal sogar eine Antwort auf die alles überlagernde Frage nach dem Menschsein: Wenn man wahre Menschen von künstlichen nicht mehr zu unterscheiden vermag, ist es die Liebe, die den Unterschied macht. Und das ist doch ein befriedigender Gedanke. Ich werde heute Nacht sicher gut träumen – von elektrischen Schafen.