World of Warships (PC) im Test

von Matthias Jamnig 19.12.2015

Wie sich im Kriegseinsatz ein Panzer fährt und ein Flugzeug fliegt, wissen wir dank Wargaming seit geraumer Zeit. In World of Warships übernehmt ihr nun das Kommando über ein Kriegsschiff. Angesiedelt im Zeitalter der Carrier Aviation – also quasi in der Neuzeit der Seekriegsführung – verspricht das MMO epische Schlachten zwischen bis an die Zähne bewaffneten Stahlkolossen.

WoWS_Logo_body

Es war einst der wohl berühmteste Flottenadmiral Lord Horatio Nelson der folgenden Satz gesagt haben soll: „No captain can do very wrong if he places his ship alongside that of the enemy.“ An dieses Motto hält sich auch World of Warships, das im Grunde gar nicht erst den Versuch unternimmt, ein möglichst realitätsgetreuer Schlachtschiff-Simulator zu sein. Das Spiel legt hingegen großen Wert auf Zugänglichkeit. So reicht ein kurzes Tutorial, um die wichtigsten Steuerungselemente zu erfassen. Danach werdet ihr aber trotzdem nicht sofort im PvP-Haifischbecken den erfahrenen SchiffskommandantInnen zum Fraß vorgeworfen, sondern dürft euch vorerst im Flottenverband mit anderen SpielerInnen an Bots versuchen.

Erst nachdem ihr ein wenig Erfahrung – in Form von Punkten – gesammelt habt, wird der PvP-Spielmodus freigeschaltet. Damit habt ihr bereits Zugriff auf zwei Drittel der Schlachtvarianten, denn es folgt danach nur noch der Ranglisten-Modus mit gewerteten Matches. World of Warships bleibt in diesem Belang also ebenfalls überschaubar. Der große Vorteil im Vergleich zu anderen PvP-MMOs ist, dass ihr euch ohne große Bedenken in Schlacht gegen andere SpielerInnen werfen könnt. Es ist nämlich nicht allzu viel Übung nötig, um die ersten vier Schlachtschiffe halbwegs sinnstiftend ins Gefecht führen zu können.

Wichtiger ist vielmehr, dass man ein Gespür für Teamplay hat und etwas taktisches Verständnis mitbringt. Mit voller Fahrt voraus in den/die GegenerIn zu steuern, bringt meist nichts ein – ausser einen sicheren Platz am Meeresgrund. Eine weitere Erleichterung des Einstiegs ist der überraschend besonnene Umgangston. Wird man als Newbie in diversen MOBAs bis zum Erbrechen geflamt, halten sich in World of Warships kritische MitspielerInnenstimmen im Chat sehr in Grenzen – oft gibt es sogar konstruktive Kritik von erfahreneren SpielerInnen.

Premium und Mankos

Und obwohl es ein reichhaltiges Angebot an Premium-Inhalten gibt, die ihr mit blinkenden Euros erwerben könnt, halten sich überpowerte Monsterschiffe mit nervigen Pay-2-Win-Features in Grenzen. Natürlich kann man sich mit Echtgeld einen kleinen Vorsprung oder Vorteil erkaufen, jedoch findet man mit etwas Geschick auch ohne Premium-Währung Einzug in die Bestenlisten. Durch regelmässiges Spielen, Forschung und Geduld könnt ihr problemlos an euer angestrebtes Lieblingsschiff kommen, ohne dafür ins Geldbörserl greifen zu müssen.

Neben all den Vorzügen hat World of Warships aber auch ein paar kleinere Mankos. Das größte ist wohl die schnell einsetzende Monotonie. Es gibt vergleichsweise wenig Abwechslung. Das beginnt bei den Modi, setzt sich bei den Maps fort und endet nicht beim Wetter. Für eine Handvoll Partien mag das noch kein großes Problem darstellen, aber für stundenlanges Binge-Gaming ist das Seekriegs-MMO nicht unbedingt das geeignete Spiel. Was ich zudem etwas schade – wenn auch realistisch – finde, ist die Macht der Torpedos. Stehen sich zwei ausgewachsene Schlachtschiffe gegenüber und feuern aus allen Rohren, so bleibt immernoch Zeit für das ein oder andere Manöver. Rast jedoch ein Rudel Torpedos auf euch zu, bleibt euch meist kein Ausweg – ausser der letzte nach unten.

Zugegeben schon Rear Admiral Bradley A. Fiske stellte 1917 fest: „The torpedoplane, under favorable conditions, would make the $20,000 airplane a worthy match for a $20,000,000 battle cruiser.“ Aber das man ausgerechet diesen Sachverhalt realitätsgetreu abbildet, ist manchmal etwas nervig. Es ist zwar wesentlich schwerer, mit Torpedos zu treffen als mit den Bordgeschützen, aber dennoch finde ich die Zerstörungskraft dieser schwimmenden Raketen etwas übertrieben.

Fazit

Alles in allem ist World of Warships ein sehr gelungenes Free-2-Play-MMO, das auch all jenen zu empfehlen ist, die weder Unsummen an Echtgeld noch unzählige Stunden ihrer Freizeit für ein wenig Spielspaß aufbringen möchten. Einziger wirklicher Kritikpunkt ist die mangelnde Abwechslung. Aber nichtsdestotrotz kann man hier nach einem harten Arbeitstag gratis Dampf ablassen und zumindest für wenige Stunden seekriegerische Kurzweil erleben.

Wertung: 8.5 Pixel

für World of Warships (PC) im Test