Wer ist Geralt von Riva?

von Max Hohenwarter 08.05.2015

Im ersten Artikel von „Previously on The Witcher“ werde ich euch ein bisschen über den Werdegang unseres lieben „Antihelden“ Geralt von Riva erzählen. Ihr erfahrt, wo der Herr Hexer herkommt, wie er zu seinen übermenschlichen Kräften und unterschiedlichen Rufnamen kommt und warum Geralt es mit den Frauen in seinem Leben definitiv nicht leicht hat.

Der Mann mit zwei Vätern

Bevor hier jemand etwas Falsches denkt – nein! Geralt ist nicht etwa der Adoptivsohn eines schwulen Pärchens. Seine Mutter ist die Zauberin Visenna. Sein leiblicher Vater ist wahrscheinlich ein Krieger namens Korin, bestätigt wird dies allerdings nie. Zur, nun ja, nennen wir es „Adoption“ wurde Geralt aber dennoch freigegeben, da ihn seine Mutter an die Hexergilde übergab.

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Die Hexerfestung Kaer Morhen.

Die Hexer gehören einer Kriegerkaste an, die sie in einer von vier Schulen – der Schlangen-, Katzen-, Greifen- und Wolfsschule – zu körperlich überlegenen und in Zeichenmagie bewanderten Kämpfern ausbildet, um die Menschheit gegen Monster zu schützen. Visenna überlässt Geralt der Obhut der Wolfsschule in Kaer Morhen. In der Festung wird der Hexegroßmeister Vesemir zu seinem Ziehvater, und Geralt entwickelt eine sehr tiefe Beziehung zu ihm. Während seiner Ausbildung unterzieht sich Geralt auch dem für Hexeranwärter gängigen und für die meisten Teilnehmer tödlichen Initiationsritus, der Prüfung der Gräser.

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Vesemir, Geralts Lehrmeister und Ziehvater.

Nach diesem Ritual, in dem die Probanden mit unterschiedlichsten Mutagenen, Hormonen und Chemikalien zu eben jenen übermenschlichen, mutierten Kriegern, den Hexern, gemacht und unfruchtbar werden, färben sich Geralts Haare weiß, und er ist fortan mit seinen raubtierartigen Augen „gesegnet“ – daher auch sein Name, Weißer Wolf.

Wolf und Schlächter

Woher einer von Geralts Rufnamen und seine markante Haarpracht kommen, wissen wir nun also. Doch er ist unter vielen Pseudonymen bekannt. Ein weiteres ist Gwynnbleidd. So nennen ihn allerdings nur die Elfen und Dryaden, und eigentlich ist dieser Name gleichbedeutend mit dem erstgenannten, denn er bedeutet in der alten Sprache (diese ist übrigens stark ans Walisische angelehnt) lediglich weißer Wolf.

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Weißer Wolf oder auch Gwynnbleidd.

Weitaus weniger schmeichelhaft ist Geralts Titel als Schlächter von Blaviken. Dieser rührt aus der Kurzgeschichte Das kleinere Übel, in der er in der Stadt Blaviken eine Söldnertruppe abschlachtet, die vorhat, die ahnungslose Bevölkerung in Geiselhaft zu nehmen und nach und nach zu töten, um den feigen Zauberer Stregobor aus seinem Versteck zu locken.

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Der Schlächter von Blaviken.

Geralt bekommt Wind von diesem Plan und schafft es, die Truppe rund um Renfri, die Würgerin, zu töten, bevor es zum geplanten Geiselmassaker kommt. Da die nichts ahnende Bevölkerung aber nichts von ihrer Rettung weiß und Hexer sowieso den Ruf haben, ruchlose Mörder zu sein, sieht es für die Blaviker so aus, als hätte Geralt die Bande rein aus Spaß an der Freude umgebracht. So kommt er zu der zweifelhaften Ehre, fortan diesen Beinamen zu führen. Undank ist eben der Welten Lohn.

Geralt, die Frauen und „sein“ Kind

Hexer haben nicht nur den Ruf, gedungene Monsterkiller zu sein, sondern neben diversen Bestien vor allem Schürzen zu jagen. Ein Kind von Traurigkeit ist der werte Herr Geralt in dieser Angelegenheit definitiv nicht, und in dieser Sache in allen Anklagepunkten schuldig. Sowohl in den Büchern als auch in den Spielen The Witcher und The Witcher 2: Assassins of Kings können die SpielerInnen Spaß mit diversen weiblichen NPCs haben und bekommen dafür entweder sexy Sammelkarten oder im zweiten Teil gar knisternd erotische Cutscenes zu Gesicht.

Neben diversen unbedeutenden Geplänkeln in der Horizontalen befindet er sich aber in einer dauerhaften On-Off-Beziehung mit der Zauberin Triss Merrigold, und wenn er nicht gerade der rothaarigen Magierin den Freund mit gewissen Vorzügen spielt, ist da vor allem eine Frau, die er über alles begehrt: Yennefer von Vengerberg.

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Geralt inmitten seiner Dreiecksbeziehung.

Diese Beziehung könnte man durchaus auch als eine Art Hassliebe bezeichnen. Sie streiten sich, sie lieben sich, Geralt rauscht unerwartet ab, Yennefer hasst ihn, er kehrt zurück, und sie würde ihm am liebsten die Gurgel herausreißen, er rettet sie, gesteht ihr seine Liebe, sie verfällt ihm wieder und so weiter – und dann beginnt der chaotische Liebesreigen von vorn. Irgendwie befinden sich die beiden in diesem nahezu endlosen Teufelskreis aus Zuneigung und Abneigung.

Es fällt dem guten Geralt aber einfach zu schwer, dem Duft von Flieder und Stachelbeeren, den Yennefer verströmt, abzuschwören, und so werden die beiden auf ewig verdammt sein, sich zu lieben und zu hassen. Als die beiden in den Büchern jedoch einen ihrer länger dauernden amourösen Waffenstillstände ausleben, stehen sogar einmal Kinder im Raum. Blöd nur, dass beide unfruchtbar sind – er aufgrund seiner Mutationen, sie, weil sie eigentlich eine 94-jährige Zauberin ist, die sich magisch verjüngt hat.

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Ciri, das Löwenjunge von Cintra.

 

Wie gut, dass Geralt im Verlauf einer anderen Kurzgeschichte ein Kind zufällt. Hört sich dumm an, ist aber so, denn als der Hexer in Eine Frage des Preises Duny vom Erlenwald von seinem Fluch befreit, verspricht dieser, Geralt zu geben, was immer er will. Geralt beruft sich deshalb auf den alten Brauch des Gesetzes der Überraschung und verlangt von Duny, ihm das zu geben, was ihm bereits gehöre, von dem er aber noch nichts weiß. Als Geralt sechs Jahre nach dieser Forderung zu Duny zurückkehrt, stellt sich heraus, dass seine Bezahlung dessen Tochter ist – Ciri, die mit vollem Namen eigentlich Cirilla Fiona Elen Riannon heißt und auch das Löwenjunge von Cintra genannt wird. Geralt lehnt jedoch ab, das Mädchen mitzunehmen, um sie in Kaer Morhen zur Hexerin ausbilden zu lassen, weil er nicht verantworten will, dass die Kleine an seiner Seite womöglich den Tod findet.

Da das Schicksal aber immer einen Weg findet, gelangt Ciri, nachdem sich die Wege der beiden mehrmals in unterschiedlichen Erzählungen gekreuzt haben, doch noch in die Gesellschaft von Geralt. So wird auch sie in Kaer Morhen zur Hexerin ausgebildet – jedoch ohne die Prüfung der Gräser abzuschließen. Triss Merrigold erkennt nämlich, dass Ciri eine starke magische Begabung in sich trägt, weswegen Geralt und die Zauberin sie in die Obhut der Tempelschule von Ellander geben, wo sie unter anderem von Yennefer ausgebildet wird. In ihr findet Ciri auch eine Mutterfigur und Yennefer wiederum die Tochter, die sie selbst nicht haben kann.

Der Tod ist erst der Anfang

Wir sind nun am Ende des ersten Recaps des The Witcher-Universums angekommen. Im nächsten Teil der Reihe werde ich euch über die Geschehnisse aus Geralts erstem Videospielabenteuer, The Witcher, erzählen. Um die Spannung aufrecht zu halten, lasse ich euch mit einem Cliffhanger zurück: Geralt stirbt! Aber das ist nur der Anfang …

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